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Organisation und Durchführung einer Überraschungs-Geburtstagsfeier in einem Integrationskurs

Gruppenarbeit in heterogenen Lerngruppen

Unterrichtsentwurf 2016 24 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

I. Unterrichtsfeinplanung 1. Arbeitsblatt

Unterrichtsfeinplanung zu einer auszuwählenden Fertigkeit oder zu kombinierten Fertigkeiten und zu einem auszuwählenden Thema:

Erstellen Sie eine Unterrichtsfeinplanung in Form einer Lehrskizze für eine Unterrichtseinheitvon 90 Minuten zu einem auszuwählenden

Thema:

Unterrichtsfeinplanung zum Thema „Einkaufen für kleineÜberraschungsgeburtstagsfeier (Kursteilnehmer hat Geburtstag)“ für einen Integrationskurs und Analyse des Lehrwerks „Schritte Plus“ unter dem Aspekt der Heterogenität und Binnendifferenzierung.

Zielgruppe:

Heterogener Integrationskurs mit 14 Teilnehmenden; davon 3 Frauen (23, 25 und 28 Jahre) und 11 Männer (zwischen 23 und 42 Jahren), die 6 verschiedenen Nationen angehören. Heterogenität besteht hinsichtlich folgender Determinanten1:

- Kultur und Tradition
- sozioökonomische Situation (Bildung, Beruf, Einkommen, Besitz etc.)
- Sprachniveau und Sprachlernerfahrung, (5 TN < A1, 3 TN = A1, 4 TN = A2, 2 TN = B1)
- Ethnie, Religion (Selbstverständnis, Gemeinschaftsgefühl, muslimisch, christlich)
- Staatsangehörigkeit
- Geschlecht oder Alter
- Lebensauffassungen und Lebensweisen
- Werteprioritäten
- Grad an (Sprach-)Kontakt mit Deutschen

Gruppendynamik:

Auffällig ist, dass trotz Heterogenität der Gruppe hinsichtlich o. g. Faktoren keine bis wenig Rivalität zwischen den Teilnehmenden herrscht. Die wenigen Teilnehmenden mit hohem Bil- dungsstand und guten bis sehr guten deutschen Sprachkenntnissen helfen denen, die in ih- rem Heimatland nur wenig Gelegenheit hatten, „Lernen zu lernen“ und die über deutsche Sprachkenntnisse kleiner gleich A1-Niveau verfügen. Die Atmosphäre im Kurs ist geprägt von Neugierde aufeinander und einem freundlichen Umgang miteinander. Zu Beginn des Kurses sind die Teilnehmer noch ein wenig „verhalten“. Frauen und Männer sitzen getrennt und kom- munizieren wenig miteinander. Mit Fortschreiten des Kurses wächst das Zutrauen zur Gruppe, Teilnehmer wechseln öfter einmal ihre Sitzplätze, Frauen sitzen zwar noch immer beieinander, machen aber ihre „Späße“ mit männlichen Teilnehmenden. Am Ende des Kurses sind sogar die Frauen die, die „den Ton angeben“. Beispielsweise werden männliche Teilnehmende, wenn sie sich während des Unterrichts einmal etwas zu laut unterhalten, „zur Ordnung geru- fen“. Teilnehmende akzeptieren sich in ihrer Unterschiedlichkeit, was einen regen Austausch ermöglicht.

Grundeinstellung der Teilnehmenden:

Die Teilnehmenden sind hochmotiviert und froh darüber, mit dem Integrationskurs die Chance zu bekommen, einen nächsten wichtigen Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt bzw. in ein „neues“ Leben in Deutschland machen zu können.

Ihnen ist bewusst, dass sie nur dann eine Chance haben, sich in Deutschland zu integrieren, wenn sie ausreichend deutsch sprechen.

In Bezug auf Herkunftsland, Schul- und Berufsausbildung sowie Berufspraxis setzt sich die Gruppe wie folgt zusammen:

Somalia:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 2

Syrien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eritrea:

3 Jahre Grundschule (ohne Abschluss)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pakistan:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Afghanistan:

Studium der Sportwissenschaft (mit Abschluss)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Äthiopien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unterrichtsmaterial:

Anschauungsmaterial: Pappteller, Plastikgabel, Plastikbecher, Kerze für Geburtstagskuchen Sprechblasenkärtchen,

Lernziel/e:

Teilnehmer lernen, in einer Gruppe zu arbeiten, Absprachen einzuhalten, Aufgabenbereiche zu definieren, Wörter im Zusammenhang mit dem Thema „Geburtstagsparty“ lernen und be- nennen

Lerninhalte:

Gruppenarbeit, Einkaufen, organisieren

II. Unterrichtsfeinplanung

2. Arbeitsblatt

Info vorab:Beim Durchsehen von s. g.„Teilnehmereingangsbögen“fällt mir auf, dass einer der Teilnehmenden zwei Tage zuvor Geburtstag hatte. Als ich ihm nachträglich gratulieren möchte, erzählt er, dass in Afghanistan, seinem Heimatland, Geburtstage nur bei Kindern gefeiert werden und er selbst oftmals gar nicht daran denke, Geburtstag zu haben. In der Pause fragen mich einige Mitteilnehmende, ob wir für Herrn XY nicht eineÜberraschung machen können, damit er auch einmal merkt, dass er Geburtstag hatte. Ich stimme zu, unter der Bedingung, die Organisation derÜberraschung in Form einer Unterrichtseinheit zu machen, so dass Herr XY am Unterricht teilnimmt, ohne etwas zu merken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 3 4

III. Analyse eines Lehrwerks 1. Arbeitsblatt

Wählen Sie einenAnalyseschwerpunktaus und erläutern Sie,warumSie diesen gewählt haben.

- Heterogenität und Binnendifferenzierung,
- Interkulturelles Lernen oder
- Handlungsorientiertes Lernen

Angesichts der Erfahrungen die ich in den bisher in den von mir unterrichteten Lerngruppen machte, war der bedeutendste Aspekt der der „Heterogenität und Binnendifferenzierung“. Diesen wähle ich deshalb auch als Analyseschwerpunkt.

Allerdings bin ich bin der Ansicht, für einen professionellen, effektiven und lebendigen DaZUnterricht in einem Integrationskurs sollte man keinen der anfangs genannten Aspekte unberücksichtigt lassen.

Gerade für Integrationskurse ist Interkulturelles Lernen ein wichtiger Aspekt des Unterrichts, um eventueller Voreingenommenheit von Teilnehmenden gegenüber fremden Kulturen entgegenzuwirken und um eine gute Basis für erfolgreiche Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der Lerngruppe zu schaffen. Je mehr man über die Komponenten, die eine Kultur ausmachen, erfährt (z.B.: Sprache, Rituale, Werte, Denkauffassungen, Lebensstile etc.), desto weniger „verunsichert“ diese und desto offener gelingt die Auseinandersetzung mit ihr und mit beispielsweise „Mitteilnehmenden“ (interkulturell = zwischen Kulturen).

Auch handlungsorientiertes Lernen, sogenanntes „Learning by doing“, ist ein durchaus nütz- liches „Werkzeug“ um Teilnehmende von Integrationskursen mit der deutschen Sprache und mit vielen anderen Aspekten der deutschen Kultur vertraut zu machen. Handlungsorientierter Un- terricht ist ganzheitlich und teilnehmeraktiv. Die Teilnehmenden sollen sowohl auf der Kopf-, der Gefühls- und der Sinnesebene als auch motorisch angesprochen werden. Zu den Unter- richtsmethoden gehören u.a. Gruppen- und Partnerarbeit, Projektunterricht, Rollenspiele u. v. m. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade für Teilnehmende aus Ländern wie So- malia, Eritrea, Äthiopien oder Pakistan, die bisher eher mit Frontalunterricht konfrontiert waren, handlungsorientiertes Lernen eine durchaus wertvolle Erfahrung sein kann, die durch aktives und eigenverantwortliches Agieren zu einem neuen Selbstbewusstsein und zu Selbstständigkeit führt. Hier sind Kursleitende gefordert, gute Motivations- und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Meine bisherigen Lerngruppen unterschieden sich hinsichtlich Herkunftsland, Geschlecht, Reli- gion, Bildungsstand, Lernerfahrung, Sprachniveau, Berufserfahrung u.v.m. Im Rahmen dieses Portfolios möchte ich mich eingehend mit dem Aspekt „Heterogenität und Binnendifferenzie- rung“ beschäftigen, um solche heterogenen Lerngruppen im weiteren Verlauf meiner Arbeit mit Zugewanderten kontinuierlich motivieren und fördern zu können. Ich möchte mir hilfreiche Er- kenntnisse erarbeiten, die mich dazu befähigen, mit „wacherem Blick“ auf das, was meine Teil- nehmenden individuell und als Gruppe ausmacht, zu unterrichten. Gleichermaßen möchte ich gerne Unterrichtsmethoden kennenlernen und ausprobieren, die mir ermöglichen, Erfolgserleb- nisse sowohl für „schwache“, „mittelstarke“ als auch für „starke“ Teilnehmende zu schaffen, da- durch Motivation und Zufriedenheit zu steigern und das Unterrichtsniveau zu halten bzw. anzu- heben. Kurz: Mein Ziel ist, größtmöglichen Lernerfolg trotz oder gerade wegen unterschiedlicher (Lern-)voraussetzungen zu schaffen.

[...]


1 Detaillierte Informationen zu Herkunftsland, Schul- und Berufsausbildung und Berufspraxis folgen auf Seite 6 dieser Ausarbeitung

2 TN = Teilnehmerinnen / Teilnehmer

3 KL = Kursleiterin / Kursleiter

4 TN = Teilnehmende

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