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Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen. Abgrenzung, theoretische Grundlagen und Bewertungsanlässe

Hausarbeit 2016 33 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Abgrenzende Merkmale und die Bedeutung von KMU im Vergleich zu großen Unternehmen
2.1 Abgrenzung von KMU anhand quantitativer Kriterien
2.2 Abgrenzung von KMU anhand qualitativer Kriterien

3 Die Bewertung von Unternehmen
3.1 Anlässe für eine Unternehmensbewertung
3.2 Die funktionale Unternehmensbewertung: die Grundlage für die Wertermittlung
3.3 Die Möglichkeiten zur Ermittlung eines Unternehmenswertes und die Vorgehensweise bei einem Gesamtbewertungsverfahren
3.3.1 Die Grundlage für die Gesamtbewertungsverfahren: die Vergangenheitsanalyse und die Planung der künftigen Ergebnisse
3.3.2 Das Ertragswertverfahren
3.3.3 Der Kapitalisierungszins innerhalb der Gesamtbewertungsverfahren

4 Weitere Faktoren und Besonderheiten bei der Bewertung von KMU
4.1 Besonderheiten, die in den Zahlungsüberschüssen zu berücksichtigen sind
4.2 Besonderheiten, die im Kapitalisierungszinssatz zu berücksichtigen sind

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1 Größenklassen von KMU (Statistisches Bundesamt, 2013)

Abb. 2.2 Anteile KMU an der Gesamtwirtschaft Deutschlands, Angaben in Prozent (Statistisches Bundesamt, 2013)

Abb. 2.3 Qualitative Merkmale von KMU, eigene Darstellung aus (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 6)

Abb. 3.1 "Systematisierung der Anlässe für eine Unternehmensbewertung" (Schütte-Biastoch, 2011, S. 11)

Abb. 3.2 Anlässe für Unternehmensbewertungen (Seiler, 2004, S. 1)

Abb. 3.3 Funktionen der Unternehmensbewertung (Schacht & Fackler, 2009, S. 16)

Abb. 3.4 Bewertungsverfahren im Überblick, eigene Darstellung in Anlehnung an (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 39) und (Pomp, 2015, S. 266)

Abb. 3.5 „Verwendete Bewertungsverfahren bei der Bewertung von KMU“ (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 113)

Abb. 3.6 Charakteristik, Vor- und Nachteile der übrigen Bewertungsverfahren, eigene Darstellung in Anlehnung an (Eayrs, Ernst, & Prexl, 2011) und (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013)

Abb. 3.7 Formel für die Ertragswertberechnung (Schacht & Fackler, 2009, S. 236)

Abb. 3.8 Formel für das CAPM, eigene Darstellung in Anlehnung an(Guserl & Pernsteiner, 2015, S. 121) und (Schacht & Fackler, 2009, S. 113)

1 Einleitung

„Die Bewertung von Unternehmen ist seit Jahrzehnten in Betriebswirtschaftslehre, Jurisprudenz und Bewertungspraxis ein Dauerthema. Komplexität und Vielschichtigkeit möglicher Fallgestaltungen haben zur Folge, dass rein schematische Lösungen nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen und bestehende, komplexe Verfahren immer wieder angepasst werden müssen. Dies trifft insbesondere auf den Mittelstand zu […]“ (Schacht & Fackler, 2009, S. 11). In der vorliegenden Arbeit wird daher die Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) betrachtet. Dabei wird zunächst geklärt, wie kleine und mittlere Unternehmen abgegrenzt werden können und welche Bedeutung sie für die deutsche Wirtschaft besitzen. Im Anschluss wird die theoretische Grundlage für eine Unternehmensbewertung erläutert, sowie einige Bewertungsanlässe dargestellt. Weiterhin wird die Bewertung eines Unternehmens näher betrachtet, wobei zunächst einige mögliche Bewertungsverfahren vorgestellt werden, um danach die Vorgehensweise und die Besonderheiten für KMU innerhalb des Ertragswertverfahrens aufzuzeigen. Abschließend werden noch weitere Faktoren genannt, die für die Bewertung von KMU relevant sein können und es wird aufgezeigt, wie diese innerhalb eines Bewertungsverfahrens berücksichtigt werden können.

Da die Bewertung von Unternehmen und insbesondere die Bewertung von KMU ein sehr umfangreiches Themengebiet ist, kann in dieser Arbeit nur ein grober Überblick über die Bewertung von Unternehmen im Allgemeinen und auf die dabei auftretenden Besonderheiten von kleinen und mittleren Unternehmen gegeben werden. Insbesondere kann in diesem Zusammenhang nicht auf die Bewertung von Non-Profit-Unternehmen, ertragsschwachen oder neuen, wachstumsstarken Unternehmen eingegangen werden, die ebenfalls als KMU auftreten können. Ebenso können nicht alle gängigen Bewertungsverfahren, unterschiedliche Bewerterfunktionen und Anlässe der Unternehmensbewertung thematisiert werden. Daher sollen im Verlauf der Ausführungen die Grundlagen und Anlässe aufgezeigt werden, die für die Ermittlung eines Unternehmenswertes relevant sind und anhand des Ertragswertverfahrens wird erläutert, wie die Besonderheiten von KMU darin berücksichtigt werden können.

2 Abgrenzende Merkmale und die Bedeutung von KMU im Vergleich zu großen Unternehmen

Bevor im nächsten Abschnitt die eigentliche Bewertung von Unternehmen betrachtet wird, ist es zunächst notwendig zu klären, was unter kleinen und mittleren Unternehmen zu verstehen ist. „Aufgrund ihrer Heterogenität existiert keine allgemeingültige Definition von KMU. In Literatur und Praxis wird eine Klassifizierung anhand von quantitativen und qualitativen Merkmalen vorgenommen“ (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 3).

2.1 Abgrenzung von KMU anhand quantitativer Kriterien

Eine Möglichkeit Unternehmen anhand von quantitativen Merkmalen zu klassifizieren ist folgende: „Das Statistische Bundesamt definiert KMU in Anlehnung an die Umsatz- und Beschäftigtengrößenklassen der Empfehlung (2003/361/EG) der Europäischen Kommission vom 6.5.2003 wie folgt:“(Statistisches Bundesamt, 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 Größenklassen von KMU (Statistisches Bundesamt, 2013)

Mithilfe dieser Einteilung von Unternehmen in die Größenklassen lässt sich aus Abb. 2.2 erkennen, welche Relevanz kleine und mittlere Unternehmen in der deutschen Wirtschaft besitzen. Lediglich 0,7 Prozent in dieser Statistik werden als Großunternehmen aufgeführt, während der überwältigende Anteil von 99,3 Prozent auf kleine und mittlere Unternehmen entfällt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2 Anteile KMU an der Gesamtwirtschaft Deutschlands, Angaben in Prozent (Statistisches Bundesamt, 2013)

2.2 Abgrenzung von KMU anhand qualitativer Kriterien

„Qualitative Merkmale […] erlauben weder eine eindeutige Zuordnung noch lassen sie sich genau operationalisieren, sie bieten jedoch Anhaltspunkte für bewertungsrelevante Merkmale, die Anpassungen im Bewertungskalkül erforderlich machen“(Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 4)

Die folgende Abbildung zeigt eine Auswahl von qualitativen Faktoren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3 Qualitative Merkmale von KMU, eigene Darstellung aus (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 6)

Diese Auswahl an qualitativen Merkmalen, die ein kleines oder mittleres Unternehmen zu einem großen Unternehmen abgrenzen können, machen bereits deutlich, welche Informationen, Besonderheiten und Charakteristiken bei der Bewertung eines Unternehmens in Betracht gezogen werden müssen. Daher werden im nächsten Kapitel zunächst verschiedene Bewertungsanlässe und -methoden aufgezeigt. Außerdem wird die funktionale Unternehmensbewertung erläutert und bei der folgenden Darstellung des Ertragswertverfahrens wird nochmals auf die qualitativen Merkmale von kleinen und mittleren Unternehmen zurückgegriffen, um aufzuzeigen, wie diese in der Bewertung von KMU berücksichtigt werden können.

3 Die Bewertung von Unternehmen

„Die Unternehmensbewertung ist keine exakte Wissenschaft, die bei korrekter Anwendung der Methoden die richtigen Ergebnisse liefert. Vielmehr ist sie ein Prozess zur Feststellung der wertrelevanten Faktoren eines Unternehmens, der sachlich objektive Verhandlungen und Diskussionen ermöglicht. Das Ergebnis des Bewertungsprozesses ist deshalb abhängig von einer Vielzahl getroffener Annahmen, u.a. der Unternehmensplanung, dem Marktumfeld und den gewählten Vergleichsdaten.“ (Eayrs, Ernst, & Prexl, 2011, S. 294)

Dieses Zitat zeigt bereits, dass das Ergebnis der Bewertung, nämlich der ermittelte Wert eines Unternehmens, nicht eindeutig festgelegt ist, sondern von vielen Faktoren beeinflusst werden kann und bei der Bewertung im Zusammenhang von kleinen und mittleren Unternehmen zusätzliche Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Bevor auf die Bewertungsverfahren eingegangen wird, wird zunächst gezeigt, aus welchen Gründen eine Unternehmensbewertung notwendig werden kann und was die theoretische Grundlage für eine Bewertung ist. In allen Fällen wird dabei auf etwaige Besonderheiten in Bezug auf KMU hingewiesen.

3.1 Anlässe für eine Unternehmensbewertung

Der Anlass für eine Unternehmensbewertung kann vielfältig sein. In Abb. 3.1 ist ein Auszug diverser Bewertungsanlässe aufgeführt und der nachfolgende Text erläutert kurz die Systematisierung, wobei sich die Ausführungen an Schütte-Biastoch (2011) und Ihlau, Duscha & Gödecke (2013) orientieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1 "Systematisierung der Anlässe für eine Unternehmensbewertung" (Schütte-Biastoch, 2011, S. 11)

Bei den transaktionsbezogenen Bewertungsanlässen findet ein Eigentümerwechsel bzw. eine „Änderung der Eigentumsverhältnisse am Unternehmen“ statt(Schütte-Biastoch, 2011, S. 11). „Nicht dominierte Bewertungsanlässe sind dadurch gekennzeichnet, dass die beteiligten Parteien frei über die Durchführung der Transaktion und die damit verbundene Veränderung der Eigentumsrechte entscheiden können“ (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 18).

Dagegen zeichnen sich „Dominierte Bewertungsanlässe […] dadurch aus, dass eine Partei einen Eigentumswechsel auch gegen den Willen der anderen durchsetzen kann“(Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 23)

Nicht transaktionsbezogene Bewertungsanlässe bringen hingegen keine Veränderung in der Eigentümerstellung mit sich, sondern eine Bewertung wird durch ein Gesetz, die Rechtsprechung oder einen künftigen Fremdkapitalgeber bestimmt.

Beispielsweise „sind nicht börsennotierte Unternehmen oder Unternehmensanteile im Erbfall oder bei Schenkungen für steuerliche Zwecke gem. § 11 Abs. 2 S. 1 BewG grundsätzlich mit dem gemeinen Wert anzusetzen. Der gemeine Wert, der gleichbedeutend mit dem Verkehrswert oder Marktwert ist, wird bei nicht börsennotierten Unternehmen in der Regel durch eine Unternehmensbewertung bestimmt“ (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 28).

Die in der oberen Abbildung „dargestellte Systematisierung der vielfältigen Anlässe gilt unabhängig von der Unternehmensgröße“ (Ihlau, Duscha, & Gödecke, 2013, S. 10). In Abb. 3.2 sind die häufigsten Anlässe für Unternehmensbewertungen aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.2 Anlässe für Unternehmensbewertungen (Seiler, 2004, S. 1)

Auch wenn diese Datenbasis etwas älter sein dürfte, gibt sie doch einen guten Überblick darüber, welche Bewertungsanlässe tendenziell häufiger vorkommen als andere und lässt erkennen, dass vor allem transaktionsbezogene Bewertungsanlässe ein Motiv für eine Unternehmensbewertung sind. Bei diesen gibt es in der Regel zwei Parteien, beispielsweise einen Käufer und Verkäufer eines Unternehmens, die versuchen den Unternehmenswert zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Daher wird für die folgenden Ausführungen von einem transaktionsbezogenen Bewertungsanlass ausgegangen.

„Die alleinige Betrachtung des Bewertungsanlasses ist für die Ermittlung des Unternehmenswerts nicht ausreichend. Vielmehr gilt es, auch den jeweiligen Zweck und die Funktion der Unternehmensbewertung zu berücksichtigen“ (Schütte-Biastoch, 2011, S. 12). Weshalb im Folgenden die funktionale Unternehmensbewertung erläutert wird.

3.2 Die funktionale Unternehmensbewertung: die Grundlage für die Wertermittlung

„Die funktionale Unternehmensbewertung betont die Notwendigkeit einer Aufgabenanalyse und die Abhängigkeit des Unternehmenswertes von der jeweiligen Aufgabenstellung (Zweck, Funktion). Ein Unternehmen hat nicht bloß für jeden Bewertungsinteressenten einen spezifischen Wert, sondern kann auch je nach Aufgabenstellung einen durchaus unterschiedlichen Wert haben.“(Matschke & Brösel, 2014, S. 7)

„Heute ist […] allgemein anerkannt, dass eine Unternehmensbewertung die subjektiven Eigenheiten der Parteien berücksichtigen muss. Dies geschieht in einer typisierten Form im Rahmen der funktionalen Bewertungslehre […]. Einen objektiv richtigen Unternehmenswert gibt es daher nicht (Schacht & Fackler, 2009, S. 15). „Die Zweckabhängigkeit wird zum zentralen Prinzip der Unternehmensbewertung“(Matschke & Brösel, 2013, S. 15). In der Literatur finden sich die Funktionslehre nach IDW S1 und die Lehre der Kölner Schule, deren Funktionen in der unteren Abbildung zusammenfassend dargestellt sind und danach auszugsweise erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.3 Funktionen der Unternehmensbewertung (Schacht & Fackler, 2009, S. 16)

Beim IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer) steht die Rolle „des Wirtschaftsprüfers als neutraler Gutachter, der mit nachvollziehbarer Methodik einen objektivierten, von den individuellen Wertvorstellungen betroffener Parteien unabhängigen Wert des Unternehmens ermittelt“, (Schacht & Fackler, 2009, S. 16) im Zentrum der Betrachtung. Der so ermittelte objektivierte Wert, ist ein Unternehmenswert, der den „typisierten Zukunftserfolgswert, der sich bei Fortführung des Unternehmens in unveränderter Konzeption und mit allen realistischen Zukunftserwartungen im Rahmen seiner Marktchancen und -risiken, finanziellen Möglichkeiten sowie sonstigen Einflussfaktoren ergibt“ (Schacht & Fackler, 2009, S. 16).

„Im Rahmen der Beratungsfunktion wird ein subjektiver Entscheidungswert (Grenzpreis) ermittelt. Unter Berücksichtigung der vorhandenen individuellen Möglichkeiten und Planungen wird festgelegt, was ein bestimmter Investor für ein Unternehmen höchstens anlegen darf (Preisobergrenze) oder ein Verkäufer mindestens verlangen muss (Preisuntergrenze)“(Schacht & Fackler, 2009, S. 16).

„Die Kölner Funktionslehre sieht neben der Beratungs- und Vermittlungsfunktion gem. IDW die Argumentationsfunktion als dritte Hauptfunktion an“ (Schacht & Fackler, 2009, S. 17).

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Details

Seiten
33
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668323278
ISBN (Buch)
9783668323285
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342218
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
KMU Bewertung Unternehmensbewertung Bewertungsanlässe

Autor

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