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Die Industrialisierung in Europa. Von England auf den europäischen Kontinent

von Clara Göbel (Autor)

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Forschungsdiskussion

3 Einleitung
3.1 Ausgangspunkt

4 Die Industrialisierung in Mitteleuropa
4.1 Die erste Phase am Beispiel von Belgien
4.2 Industrialisierung in Deutschland
4.2.1 Die Frühphase von 1780 bis 1835
4.2.2 Die Phase der Industrialisierung von 1835 bis 1873
4.3 Die Entwicklung am Beispiel von Schweiz
4.4 Die Entwicklung der rückständigen Sektoren, am Beispiel Südosteuropas

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Forschungsliteratur

Internetseiten

1 Vorwort

Diese Arbeit soll sich nun auf die Bedingungen unter denen sich die Industrialisierung auf den Europäischen Kontinent ausbreiten konnte konzentrieren und anhand von entsprechenden Länderbeispielen deutlich machen, wie es zu den unterschiedlichen Entwicklungstendenzen auf europäischem Raum kommen konnte.

Das Hauptaugenmerk richtet sich hierbei auf die Entwicklung in Deutschland, da diese im Rahmen der deutschsprachigen Literatur zahlreiche Untersuchungen und Kontroversen aufweist.

2 Forschungsdiskussion

Bereits seit den 1970'er Jahren sind die Kontroversen um die Industrialisierung dominierend in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Ursachen für diesen Forschungsaufschwung sieht Günther Schulz, in seinem Werk „Die neuere deutsche Wirtschaftsgeschichte: Themen - Kontroversen - Erträge der Forschung“ vor allem in dem zu jener Zeit bestehenden Unwissen über den Verlauf der Industrialisierung und dem daraus folgenden Mangel, die Entwicklung Deutschlands mit anderen Ländern vergleichen zu können. Eine weitere Ursache ergab sich aus dem fehlenden Hintergrundwissen entsprechender Historiker um die marxistische Geschichtsschreibung anfechten zu können.1

Laut Rondo Cameron, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Emory University in Atlanta, strebt die Forschung im wesentlichen in drei verschiedene Richtungen:

Während man vorzugsweise in älteren Geschichtsbetrachtungen die Industrialisierung häufig als einen globalen Prozess verstand, ist es in moderneren Forschungen üblicher geworden, über die Regionalforschung Aufschluss zu erlangen, da zahlreiche Wissenschaftler davon ausgehen, dass die Revolution als ein regionaler Prozess verstanden werden müsse. Das heißt dass sich die zahlreichen Entwicklungen zum einen auf die Regionen innerhalb eines Landes ausweiten, z.B. innerhalb Englands, aber, z.B. aus naturgegebenen Gründen, auch grenzüberschreitend sein können, „so das austrasische Kohlebecken, das sich vom Ärmelkanal in Nordfrankreich durch Belgien nach Westdeutschland erstreckt und im Ruhrgebiet endet.“2

Ein weiterer Zugriff erfolgt über die Betrachtung der unterschiedlichen Volkswirtschaften, der zwei entscheidende Vorteile birgt: zum einen, dass die „meisten quantitativen Angaben über wirtschaftliche Aktivitäten auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene des einzelnen Staates zusammengetragen und aggregiert sind“3 zum anderen, dass „der institutionelle Rahmen für wirtschaftliches Handeln und die politischen Maßnahmen, mit denen es in seiner Richtung und Art beeinflusst werden soll , innerhalb nationaler Grenzen gesteckt wird“4.

Die ersten Systematisierungsversuche erfolgten in den 1960'er Jahren, u.a. von Walt W. Rostow, der in seinen „Stadien des wirtschaftlichen Wachstums. Eine Alternative zur marxistischen Entwicklungstheorie“, den Prozess in fünf wesentliche Phasen unterteilte: ausgehend von der Gesellschaft mit geringen wirtschaftlichen Wachstum folgten die Anlaufperiode, der „Take - Off“, die Reifeperiode und die Periode des Massenkonsums. Inzwischen wird dieses Werk jedoch für „etwas antiquiert“5 gehalten und als „Quelle der Dogmengeschichte statt als anwendbare Theorie für die Geschichte des 19. Jahrhunderts gelesen“6. Dennoch gab es Anlass für weitere Forschungen im Bereich der Industrialisierung und es ist erkennbar, dass zahlreiche Forschungsansätze auf diesem Konzept aufbauen.

3 Einleitung

„Der Begriff der Industriellen Revolution bezeichnet jenen fundamentalen Transformationsprozess, der die vormoderne Gesellschaft der frühen Neuzeit in die industrielle Gesellschaft der neuen und neuesten Zeit überführte.“7 Jedoch ergibt sich hieraus das Problem, dass der Begriff für „eine auf wenige Jahrzehnte begrenzte Periode beschleunigten Wirtschaftswachstum“, oder aber „einen relativ langfristigen von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum geprägten Wandlungsprozess“8 stehen kann. Unter diesen Umständen ist es inzwischen nahezu üblich geworden von diesem Prozess als 'Industrialisierung' zu sprechen. “Dennoch hat das Wort Revolution auch in diesem Zusammenhang noch einen gewissen Sinn. Die technischen Umwälzungen verliefen jetzt, gemessen an der vorhergehenden Geschichte, mit größerer Beschleunigung und waren in einem relativ kürzeren Zeitraum mit tief gehenderen Umwandlungen verbunden als vergleichbare frühere Ereignisse in der Geschichte der Technik“.9

Einen solchen Prozess vollzogen Mitte des 19. Jahrhunderts weite Teile Europas.

3.1 Ausgangspunkt

Den Ursprung dieses Prozesses verzeichnet man gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Großbritannien, da diese Nation über besonders günstige Ausgangsbedingungen verfügte, die in diesem Ausmaß in keinem anderen Land gegeben waren.

Großbritannien war, bedingt durch die Kolonial-Expansion des British Empires, starke See-, und Handelsmacht. Das Land verfügte also über Absatzmöglichkeiten, die weit über die europäischen Grenzen hinausgingen und konnte Rohstoffe wie bspw. Baumwolle aus Indien, weitaus günstiger beziehen, als es den anderen Nationalitäten möglich war. Die zahlreichen Häfen entlang der britischen Küste ermöglichten einen florierenden Handel.

Außerdem verfügte Großbritannien bereits vor Beginn des Industrialisierungsprozesses über blühende Industriezweige, wie den im Rahmen der Übersee- Expansion entstandenen Schiffbau, Eisenverhüttung und die Herstellung von Wollstoffen, die im Verlauf der Revolution lediglich ausgebaut und an die Umstände der Zeit angepasst werden mussten.10

Im Gegensatz zu Nationen wie Deutschland und Frankreich, wurde Großbritannien nicht mehr absolutistisch regiert, sondern besaß schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine parlamentarische Demokratie. Somit war es einfacher, Ideen, wie die des Wirtschaftsliberalismus, von Adam Smith11 die sich gegen den damals in Europa vorherrschenden Merkantilismus, also: „durch massive Staatseingriffe in die Wirtschaft gekennzeichnete Wirtschaftspolitik“12 aussprachen, umzusetzen. Ziel dieses rückständigen Wirtschaftssystems war „die Steigerung der nationalen Wirtschaftskraft und die Erhöhung der Staatseinkünfte, z. B. durch die Erhebung von Schutzzöllen und die Förderung der frühindustriellen Produktion.“13, Diese Grundsätze waren jedoch mit denen der Industrialisierung nicht zu vereinen. In Großbritannien konnten die Unternehmer daher gewinnorientiert über ihre Produktion bestimmen, ohne sich dem Staat dabei unterwerfen zu müssen.

Des Weiteren verfügte das Land über zahlreiche Kohle- und Erzvorkommen. “Die besten Kohlebassins in England, Schottland und Wales sind nämlich zur See zugänglich, ein Umstand, der in gleicher Weise keinem anderen Land zu Gute kommt.“14 Diese Besonderheit beschleunigte nicht nur das Wachstum der kohleabhängigen Industriezweige, sondern verbesserte auch die Exportbedingungen.

Auch die leistungsfähige Landwirtschaft, erleichterte die Reform. Die Leibeigenschaft wurde hier schon im Laufe des 18. Jahrhundert abgeschafft.“Es waren adlige Grundbesitzer, die die Chance einer steigenden Nachfrage nach Schafwolle erkannten und damit begannen, das Weide- und Gemeindeland einzuhegen, die Bauern von dessen Nutzung auszuschließen, um Weideland für Schafe zu gewinnen, deren Wolle sich gut verkaufen ließ. Das verwandelte einen großen Teil der Bauern im Laufe der Zeit in Pächter, hob aber auch die Landzersplitterung der früheren Zeit auf und schuf damit Verbesserungen des Ackerbaus.“15

Um 1800 spezialisierten sich die Regionen auf die Erzeugung bestimmter Güter wie z.B.: Baumwollgarn und Schnittwaren aus Lancashire, sowie durch die Herstellung von Eisen- und Stahlgütern aus Süd-Wales.

Großbritannien verfügte über eine Verkehrsstruktur, die es ermöglichte Produkte günstig zu befördern, da es als einheitliches Land nicht durch Zölle am freien Handel gehindert wurde. Der Binnenmark erlaubte es also, Produkte auch innerhalb der eigenen Grenzen günstig zu befördern.

Letztendlich waren es doch die technischen Neuerungen und Erfindungen, die die Revolution vorantrieben. Besonders in Bereichen der Eisen- und Textilindustrie konnten durch bahnbrechende Erfindungen, wie der, des mechanischen Webstuhls oder der Dampfmaschine vorangetrieben werden. 1782 erfand James Watt die doppeltwirkende Dampfniederdruckmaschine, die ein breites Anwendungsspektrum, u.a. in der Textilbranche, später aber auch in ausländischen Bergwerken, verzeichnen konnte.16 Der überproportionale Aufschwung dieser Wirtschaftszweige ist mit großer Sicherheit auf diese Entwicklungen zurückzuführen. Diese bildeten dann die Grundlage für die Expansion der Industriebewegung in anderen Teilen Europas. Großbritannien genoss zu jener Zeit die Anerkennung der ganzen Welt.

Allerdings war der Aufschwung nicht ausschließlich auf die britischen Neuerungen zurückzuführen. Die Briten verstanden es jedoch, Unterstützung aus anderen Nationen in Anspruch zu nehmen und geschickt in den Fortschritt innerhalb des Landes zu integrieren. So erhielten sie Unterstützung führender Bergbauer aus Deutschland, oder französischer Ingenieure. Jedoch war Kontinentaleuropa zu jener Zeit noch nicht in der Lage, seinen Vorsprung in den entsprechenden Fachgebieten so auszubauen, wie es Großbritannien bereits gelungen war.

Als Motor dieser Entwicklung galt die Textil- vor allem aber die Bauwollindustrie.

Die Sozialen Folgen, waren zwar in vielerlei Hinsicht positiv. So verzeichnete man eine bessere medizinische Versorgung, Hygiene, Ernährungslage, was ebenfalls als erstrebenswert für weitere europäische Nationen galt. Jedoch kamen mit dem wachsenden Bevölkerungsdruck auch Probleme wie Wohnungsmangel, Massenverarmung und Kinderarbeit auf. Auch die, für die Umwelt fatalen Folgen sind nicht zu leugnen, allerdings wurden sie damals noch nicht im entsprechenden Umfang erkannt und berücksichtigt.

Auffällig ist, in welch rasantem Tempo Großbritannien eine solche Entwicklung vollzog, es ist daher angemessen in diesem Rahmen von einem revolutionsartigen Umbruch bestehender Verhältnisse zu sprechen.

[...]


1 Schulz, Günter; Die neuere deutsche Wirtschaftsgeschichte: Themen - Kontroversen - Erträge der Forschung, in: Wilfried Feldenkirchen, Frauke Schönert-Röhlk, Günter Schulz (Hg.): Wirtschaft - Gesellschaft - Unternehmen. Festschrift für Hans Pohl zum 60. Geburtstag Band 1: Wirtschaft, Stuttgart 1995, S. 403

2 Cameron, Rondo; Geschichte der Weltwirtschaft. Band 2: Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart, Stuttgart 1992, S. 7

3 Ebenda, S. 8

4 Ebenda

5 Condrau, Flurin; Die Industrialisierung in Deutschland, Darmstadt 2005 S. 115

6 Ebenda

7 Ebenda, S. 1

8 Hahn, Hans Werner; Grundprobleme und Tendenzen der Forschung: 1. „Industrielle Revolution oder Industrialisierung“?, in: Ders.: Die industrielle Revolution, München 1998, S. 51

9 Ohne Autorenangabe: Deutschland wird industrielle Weltmacht, in: Informationen zur politischen Bildung (Heft 164): Das 19. Jahrhundet 2, letzte Aktualisierung: unbekannt, URL: http://www.bpb.de/publikationen/YSVJZZ,0,0,Deutschland_wird_industrielle_Weltmacht.html, Zugriff am: 01.03.2010

10 Vgl. Cameron, Rondo; Geschichte der Weltwirtschaft, S. 9

11 Vgl. Supple, Barry: Der Staat und die industrielle Revolution, in: Knut Borchert (Hg.); Europäische Wirtschaftsgeschichte. Die Industrielle Revolution, Stuttgart, New York 1985, S. 197

12 Ohne Autorenangabe: Deutschland wird industrielle Weltmacht, URL: http://www.bpb.de/publikationen/YSVJZZ,0,0,Deutschland_wird_industrielle_Weltmacht.html, Zugriff am: 01.03.2010

13 Ebenda

14 Kiesewetter, Hubert; Region und Industrie in Europa 1815-1995, (Grundzüge der modernen Wirtschaftsgeschichte), Stuttgart 2000, S. 113

15 Ohne Autorenangabe: Deutschland wird industrielle Weltmacht, URL:

http://www.bpb.de/publikationen/YSVJZZ,0,0,Deutschland_wird_industrielle_Weltmacht.html, Zugriff am: 01.03.2010

16 Ohne Autorenangabe: Deutschland wird industrielle Weltmacht, URL: http://www.bpb.de/publikationen/YSVJZZ,0,0,Deutschland_wird_industrielle_Weltmacht.html, Zugriff am: 01.03.2010

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668321779
ISBN (Buch)
9783668321786
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342468
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,7
Schlagworte
Industrielle Revolution Industrialiserung England Festland Entwicklung

Autor

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    Clara Göbel (Autor)

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Titel: Die Industrialisierung in Europa. Von England auf den europäischen Kontinent