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Corporate Governance - Definition, Aspekte und die Frage nach dem Nutzen von Corporate Governance

Seminararbeit 2004 19 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2. Der theoretische Bezugsrahmen

3. Begriffliche Abgrenzungen
3.1 Was ist Corporate Governance?
3.2 Was ist eine Unternehmung?

4. Warum braucht eine Unternehmung ein Governance-System?

5. Corporate Governance und ökonomische Effizienz
5.1 Allgemeine Agenturprobleme
5.2 Das Kontrollproblem der Unternehmung

6. Schlussbetrachtung und Kritik

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zingales’ Argumentationsaufbau, eigene Darstellung

Abb. 2: Zusammenhang zwischen Corporate Governance und ökonomischer Effizienz, eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die geglückte Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafon, die geplatzte Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank, die Aufdeckung zahlreicher Unternehmensskandale (z.B. Enron, Worldcom und Tyco in den USA), die steigende Einflussnahme institutioneller Investoren, die Diskussion über transparentere Vergütungssysteme für Top-Manager und verbindliche Regelwerke für Unternehmen - all das sind junge Beispiele dafür, weshalb die Corporate Governance-Debatte, wie ein Unternehmen richtig zu führen und zu kontrollieren sei, aktueller kaum sein kann. Unerlässlich für die Klärung dieser Debatte ist die genaue Kenntnis der theoretischen Fundierung, mit der sich Luigi Zingales in seinem Paper „Corporate Governance“ (1997) beschäftigt hat. Der Autor, dessen Überlegungen der vorliegenden Arbeit als Bezugspunkt dienen, versucht zunächst zu klären, was sich hinter dem Begriff „Corporate Governance“ verbirgt und warum wir Corporate Governance in einem marktwirtschaftlichen System überhaupt brauchen. Neben der Beantwortung der Frage, was Corporate Governance ist, analysiert Zingales, inwieweit ihre Sinnhaftigkeit bzw. Daseinsberechtigung von der Definition der Unternehmung und den Charakteristika der Vertragswelt abhängt. Aufbauend auf den daraus gewonnen Erkenntnissen zeigt der Autor schließlich, wie sich die Streitfrage, welcher Akteur bzw. welche Akteursgruppe die Unternehmung kontrollieren soll, klären lässt und wo die Grenzen der Generalisierbarkeit liegen.

1.2 Gang der Untersuchung

Um Zingales’ Analyse nachzuvollziehen, wurde für diese Arbeit der folgende Aufbau gewählt, den Abbildung 1 anschaulich darstellt: Kapitel 2 stellt zunächst einen theoretischen Bezugsrahmen her, innerhalb dessen Corporate Governance- Diskussionen geführt werden. In Kapitel 3 wird der Begriff „Corporate Governance“ definiert und aufgezeigt, welches Konzept der Unternehmung mit diesem in engem Zusammenhang steht. Das vierte Kapitel enthält Erklärungsansätze, weshalb Corporate Governance-Systeme (CGS) in Marktwirtschaften überhaupt notwendig sind, bevor Kapitel 5 auf das Agentur- und Kontrollproblem der Unternehmung eingeht und Bedingungen nennt, die an ein Corporate Governance-System gestellt werden müssen, um die angesprochenen Schwierigkeiten zu meistern. Kapitel 6 setzt sich schließlich kritisch mit Zingales’ Theorieansatz auseinander und gibt Hinweise auf künftigen Forschungsbedarf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zinagles’ Argumentationsaufbau, eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Der theoretische Bezugsrahmen

Die theoretischen Säulen der Corporate Governance bilden Elemente der Prinzipal-Agenten-Theorie, der Transaktionskostentheorie und der Theorie der Verfügungsrechte, die allesamt der Disziplin „Neue Institutionenökonomik“ zuzuordnen sind. Als wichtigste Forschungsvertreter dieser Disziplin sind die Herren Berle, Means, Jensen, Meckling, Coase und Williamson zu nennen, die mit ihren Arbeiten wertvolle Beiträge in Bezug auf die Erklärung von unterschiedlichen Vertragsgestaltungen, Organisationsformen und Eigentumsstrukturen gegeben haben.

3. Begriffliche Abgrenzungen

3.1 Was ist Corporate Governance?

Corporate Governance is the governance of a corporation“ - diese Definition klingt einleuchtend und simpel, wird aber der Tatsache nicht gerecht, dass sich hinter dem Begriff ein breites Spektrum von Konzepten und Vorstellungen zur Unternehmensführung und -kontrolle verbirgt. Aus diesem Grunde konnte sich wohl auch eine deutsche Übersetzung, die sinngemäß in aller Kürze etwa „Leitungsstruktur eines Unternehmens“ (vgl. Witt 2002, S. 41) oder auch „Unternehmensverfassung“ (vgl. Seger 1997, S. 7 und Valcárcel 2002, S. 145) lautet, nicht durchsetzen, seit der Begriff Anfang der 90er Jahre hierzulande Erwähnung gefunden hat. Es werden bevorzugt englischsprachige Autoren zitiert, wie zum Beispiel Keasy, Thompson und Wright, die unter Corporate Governance Folgendes verstehen: „In its narrowest sense, the term may describe the formal system of accountability of senior management to the shareholders. At its most expansive the term is stretched to include the entire network of formal and informal relations involving the corporate sector and their consequences for society in general” (Keasy, Thompson und Wright 1997, S. 2). Zingales spricht allgemein von der Steuerung und Ausübung von Autorität und Kontrolle in einem Unternehmen („exercise of authority, direction and control“ (Zingales 1997, S. 1)) und speziell von einem komplexen Bündel von Gegebenheiten und Bedingungen, die die ex-post Entscheidung über die Gewinnverwendung[1] vorzeichnen („complex set of constraints that shape the ex-post bargaining over the quasi-rents generated by a firm“ (Zingales 1997, S. 4)).

Es liegt allerdings nicht allein an einer fehlenden einheitlichen Definition, dass sich nur recht vage Vorstellungen darüber etablierten, was unter Corporate Governance gemeinhin zu verstehen ist. Auch inhaltlich lassen sich keine genauen Angaben machen, womit sich die Corporate Governance im einzelnen befasst. Der international gebräuchliche Ausdruck ist vielmehr als Sammelbegriff für mehrere Aktionsbereiche aufzufassen, zu denen z.B. (feindliche) Übernahmen, die Organisation der Unternehmensführung, das Verhalten institutioneller Investoren, personelle Entscheidungen bezüglich der Leitungs- und Kontrollgremien in Unternehmen und (finanzielle) Restrukturierungsmaßnahmen zählen.

3.2 Was ist eine Unternehmung?

Wenn unter Corporate Governance die Lenkung, Führung und Kontrolle einer Corporation, also einer Unternehmung zu verstehen ist, dann stellt sich die Frage, welche Definition der Unternehmung überhaupt zugrunde gelegt werden soll. Auf dieses Problem macht Zingales aufmerksam, indem er auf alternative Ansätze und deren Implikationen für die Notwendigkeit eines Corporate Governance-Systems hinweist.

So definiert Schneider (1997) eine Unternehmung als „Struktur von nutzenmaximierenden Verträgen in der institutionellen Mikroökonomie“ (Schneider 1997, S. 20), also als ein Vertragsbündel oder Vertragsnetzwerk („the essence of the classical firm is identified as a conractual structure (…)“ (Alchian und Demsetz 1972, S. 794)), innerhalb dessen Verantwortlichkeiten, Geschäftsabläufe, Vergütungsfragen etc. vollständig geklärt werden können. Diese Vertragsvollständigkeit macht allerdings nach Zingales ein Corporate Governance-System überflüssig, weil für jede eventuell auftretende Streitfrage (z.B. Gewinnaufteilung bzw. -verwendung) ex-ante bereits eine vertragliche Lösung gefunden wurde. Das bedeutet, dass in einer Welt mit perfekten Verträgen die Essenz der Corporate Governance, wie Zingales es ausdrückt, gar nicht essentiell ist, nämlich die Verhandlung über die Gewinnaufteilung nach Auftragsausführung, Geschäftsabschluss oder Ablauf eines Geschäftsjahres. Weil diese Gewinnaufteilung eben schon ex-ante vertraglich geregelt werden konnte. Folglich spricht Alchians und Demsetz’ Definition einer Unternehmung nach Zingales’ Verständnis eher für die Etablierung eines Vertragskontrollsystems (contractual governance) anstatt eines Corporate Governance-Systems.

[...]


[1] Die einzige Fußnote, auf die ich nicht verzichten kann: Zingales verwendet den Begriff „quasi-rents“, den ich schlicht mit Gewinn bzw. Profit übersetzt habe, was nicht ganz korrekt ist. Bei einer Quasi-Rente handelt es sich genau genommen um die Differenz zwischen dem Ertrag einer bestimmten Anlage und dem Ertrag ihrer nächstbesten alternativen Verwendung. Sie entsteht also durch beziehungsspezifische Investitionen und hält einen Kapitalgeber davon ab, in ein anderes Unternehmen am Markt zu investieren. Der gesamte Unternehmensgewinn/-überschuss kann jedoch als Summe aller Quasi-Renten interpretiert werden, weshalb ich mich für diese Übersetzung entschieden habe.

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638345491
ISBN (Buch)
9783638749176
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34277
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Schlagworte
Corporate Governance Definition Aspekte Frage Nutzen

Autor

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Titel: Corporate Governance - Definition, Aspekte und die Frage nach dem Nutzen von Corporate Governance