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Heinrich Manns widersprüchliche Darstellung der Herzogin von Assy in der Göttinnen-Trilogie

Dualismus in der Frauengestalt?

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Heinrich Mann & sein Werk
2.2 Nietzsches Thesen, Ästhetizismus & Dekadenz
2.3 Portrait der Herzogin von Assy

3. Fazit & Ausblick

4. Literaturverzeichnis

Quellen- & Primärtexte:

Verwendete Literatur:

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit, „Die Herzogin von Assy: Dualismus in Frauengestalt? – Heinrich Manns widersprüchliche Darstellung der Herzogin von Assy in der Göttinnen-Trilogie“, analysiere ich Heinrich MannsGöttinnen-Trilogie hinsichtlich der Protagonistin Herzogin Violante von Assy.

Die Roman-TrilogieDie Göttinnen – Die drei Romane der Herzogin von Assy erstmals 1903 erschienen, handelt von der Herzogin von Assy, die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von der FreiheitskämpferinDiana, über die Beschützerin der KunstMinervabis hin zur LiebesgöttinVenusverwandelt.

Nachdem wir in dem Seminar den Roman gelesen und einzelne inhaltliche Aspekte kurz angerissen haben, werde ich nun speziell auf die Protagonistin Violante von Assy eingehen und sie hinsichtlich ihrer Wirkungsweise, aus allen Perspektiven beleuchten, um gesellschaftskritische Ansätze derBelle Epoqueund die damit verbundenen Widersprüchlichkeiten herauszuarbeiten.

Anfangs werde ich den Autor kurz portraitieren, Hintergründe der Entstehungszeit herausarbeiten und relevante Inhalte des Romans skizzieren. Danach folgt ein Analyseschwerpunkt im Hinblick auf Nietzsches Thesen und den Begriffen Ästhetizismus und Dekadenz und in wie weit Heinrich Manns Werk davon beeinflusst wird. Die darauf folgende Analyse der Protagonistin bezieht sich auf die römisch-göttliche Mythologie und gesellschaftskritische Ansätze, gefolgt von einem Vergleich zu anderen Frauengestalten in Mann Trilogie.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, herauszufiltern, in wie weit Nietzsches Thesen Heinrich Manns Produktion beeinflusst haben und welche Rolle die Protagonistin Violante von Assy, im Gesamtkontext, vor allem im Hinblick auf die implizierten Widersprüchlichkeiten, zugesprochen werden kann.

2. Hauptteil

2.1 Heinrich Mann & sein Werk

Heinrich Mann, der während seiner ganzen literarischen Karriere im Schatten seines kleinen Bruders Thomas Mann stehen musste, ist „vor allem [als] der satirische Gesellschaftskritiker der Kaiserzeit“[1]bekannt.

In dieser Zeit entsteht auch eines seiner umstrittensten Werke, die Roman-TrilogieDie Göttinnen – Die drei Romane der Herzogin von Assy.

„Heinrich Manns Roman […] hat von Anfang an zweierlei erfahren: enthusiastisches Lob und abfällige Kritik. Das Lob bezog sich zumeist auf Schreibweise und Stil, insbesondere auf die virtuose Technik der Figuren- und Raumdarstellung. Die Kritik setzte vor allem am Gehalt an, monierte die Amoralität eines Schönheits- und Liebeskults sowie die problematische Verherrlichung eines rücksichtslos starken Lebens.“[2]

Die zwiegespaltenen Meinungen zu Manns Werk können ebenfalls daher stammen, dass die Gesellschaft, während der wilhelminischen Zeit, einen starken Wandel des Gesellschaftsgefüges und einer Veränderung der Sexualrollen von Mann und Frau durchlebt hat,[3]sodass diese Art von Umbruchstimmung für zweigeteilte Meinungen sorgt. Revolutionäre sehen in diesem Roman die Zukunft einer emanzipierten Frau, die traditionsbewussten Menschen dagegen empfinden dieses Werk als den literarischen Niedergang der Hausfrauengeneration, da die dominante, sexuell experimentierfreudige Frau im Fokus steht und diese als Wegweiser einer neuen Frauengeneration dient. Diese „Orientierungslosigkeit, Zerrissenheit und gegenläufige Literaturströmungen“[4]der Gesellschaft scheinen ebenfalls den Autor und sein Werk beeinflusst zu haben, dass sowohl auf inhaltlicher Ebene, als auch auf vergleichender Ebene, zu der Haltung Heinrich Manns, vor Widersprüchlichkeiten strotzt.

Die Zeit um die Jahrhundertwende ist geprägt durch grundlegende Veränderungen, die, in diesem Ausmaß, keine vorherige Generation durchlebt hat. Eine Zerrissenheit zwischen dem Verlangen nach Fortschritt und dem Wunsch in der Gegenwart zu verweilen, spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern ebenfalls Literatur, Kunst und Philosophie.[5]

Doch bevor ich mich einer eingehenden Analyse des Romans widme, gehe ich noch auf einige wichtige Daten, beziehungsweise Lebensabschnitte, Heinrich Manns ein, die, unter anderem die Entstehung und den Inhalt des Romans beeinflussen.

Heinrich Mann, am 27. März 1871 in Lübeck, als ältester Sohn eines Kaufherrn, geboren, verfolgt nicht dieselben Ziele, die sein Vater für ihn vorgesehen hat. Während sein Vater von ihm verlangt, als Erstgeborener, das Handelsgeschäft zu übernehmen, widmet sich Mann liebe dem Theater, der Poesie und den Frauen. Nach dem Zerwürfnis mit seinem Vater, zieht Heinrich Mann 1889 nach Dresden und beginnt dort seine literarische Karriere als Buchhandelslehrling.[6]

Ende des 19. Jahrhunderts verlässt Mann Deutschland, um sich in Rom dem Schriftstellertum widmen zu können. Diese Zeit bringt fruchtbare Ergebnisse mit sich, unter anderem der RomanIm Schlaraffenland, mit dem er seinen literarischen Durchbruch feiert oder auch dieGöttinnen-Trilogie, die kurze Zeit später veröffentlicht wird.[7]

In dieser Trilogie steht die Herzogin Violante von Assy im Fokus, die in jedem der einzelnen Teile eine neue, mit einer römischen Göttin assoziierbaren, Persönlichkeit verkörpert. In dem ersten TeilDiana, verbringt die Herzogin, strebend nach Freiheit, ihre Zeit auf Reisen von Dalmatien bis nach Rom und engagiert sich in der Politik, vor allem für die Revolution. Während des zweiten TeilsMinerva, lebt die Herzogin in Rom, umgeben von Künstlern, wie der Maler Jakobus Halm oder der Bildhauerin Properzia Ponti, und widmet ihre Zeit der Kunst. Im dritten und letzten Teil endet die Metamorphose in die GestaltVenus`und Violante von Assy lebt ihre körperliche Lust und Begierde in Neapel aus.

Auch wenn die Herzogin während des ganzen Romans umgeben von Bekannten und Freunden ist, so istDie Göttinnenin Wirklichkeit „die Erzählung der unfruchtbaren Einsamkeit des Übermenschen“[8]

Den Einfluss Italiens spürt man, neben diesem Roman Manns, auch in einigen anderen Werken, unter anderemDie kleine Stadtoder auchIm Schlaraffenland.Doch „[i]n seine[n] Frühwerk[en] sind nicht nur Namen und Handlungsorte dem italienischen Ambiente entnommen, sondern auch Probleme, Themen und mögliche Lösungen.“[9] Dies ist natürlich sehr deutlich in diesem Roman zu erkennen, da er nicht nur an verschiedensten italienischen Schauplätzen, wie Venedig, Rom oder Neapel, spielt, sondern sich ebenfalls, im Hinblick auf das Renaissancemotiv, mit den, von den gesellschaftlichen Konstruktionen mitgebrachten, Problemen auseinandersetzt.

Zusätzlich beschäftigt sich Mann in dieser Trilogie mit der römisch-göttlichen Mythologie, indem er die drei römischen Göttinnen Diana, Minerva und Venus als Vorlage für seine Protagonistin verwendet, auf dessen Bedeutung ich jedoch erst in dem übernächsten Kapitel genauer eingehen werde.

Die Bestimmung der spezifischen Gattung dieses Romans dient als Ausgangspunkt einer ausschweifenden literarischen Debatte. Zum einen kann die Trilogie als „Frauenroman“ bezeichnen werden, der das Leben einer Frau von der Kindheit bis hin zum Tod nachzeichnet, oder er kann zu dem Genre, der weniger beliebten, „Adelsromane“ gezählt werden, da der Roman sich mit dem Leben einer Herzogin auseinandersetzt. Eine dritte und letzte mögliche Zuordnung wäre die, zu dem neu entdeckten „erotischen Roman“[10], der besonders den dritten TeilVenuskategorisiert.

Eine genaue Epochenzuordnung gestaltet sich ebenfalls als sehr schwierig, da die Trilogie die Einflüsse mehrerer Epochen genießt. Der Wichtigste jedoch geht von der Renaissance aus, die dem Schriftsteller als Motiv-Sammlung und Inspiration dient und in seinen Frühwerken eine wichtige Rolle spielt. Die Epoche gilt als vergleichendes Element, um die Gegenwart genauer zu betrachten und Kritik an der Gesellschaft zu üben, jedoch wird die Renaissance in dem Roman nur als goldene Zeit der Kunst nachgeahmt.[11]In dem folgenden Zeitungsartikel wird die Epochenfrage von Heinrich Mann selbst beantwortet und es geht hervor, dass die Göttinnen-Trilogie, besonders die Heldin Violante von Assy, für Heinrich Mann mehr als nur ein Roman beziehungsweise eine Romanfigur sind:

[...]


[1]Stein, Peter: Heinrich Mann, S. 5.

[2]ebd. S. 48.

[3]Vgl.: Wanner, Hans: Individualität, Identität & Rolle, S. 11.

[4]Müller, Desirée: Die todbringende Frau in Literatur & Kunst der Jahrhundertwende, S.10.

[5]Vgl.: ebd. S.11.

[6]Vgl. Stein, Peter: Heinrich Mann, S. 1.

[7]Vgl. ebd. S.8.

[8]Schenetti, Davide: Heinrich Manns italienischer Weg zum Demokraten, S. 106.

[9]Ebd. S. 12.

[10]Vgl.: Wanner, Hans: Individualität, Identität & Rolle, S. 20.

[11]Vgl.: Schenetti, Davide: Heinrich Manns italienischer Weg, S. 37f.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668326309
ISBN (Buch)
9783668326316
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342814
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
Germanistik Literatur Heinrich Mann Die Göttinnen Die Herzogin von Asyy Dualismus Nietzsche Decadence Ästhetizismus

Autor

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Titel: Heinrich Manns widersprüchliche Darstellung der Herzogin von Assy in der Göttinnen-Trilogie