Lade Inhalt...

Stirbt das Ehrenamt in Deutschland aus?

Hausarbeit 2015 20 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Ehrenamt
2.1 Ehrenamtliches Engagement
2.2 Bürgerschaftliches Engagement
2.3 Freiwilliges Engagement
2.4 Grundsatz der Gemeinwohlorientierung
2.5 Grundsatz der Unentgeltlichkeit
2.6 Definition nach Berger-Winkler
2.7 Definition nach Moldenhauer

3. Grenzen des Ehrenamts
3.1 Verstoß gegen den Grundsatz der Gemeinwohlorientierung
3.2 Verstoß gegen den Grundsatz der Unentgeltlichkeit
3.3 Verstoß gegen den Grundsatz der Freiwilligkeit
3.4 Grenzen im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements

4. Entwicklung des Ehrenamts
4.1 Entwicklung anhand der Johanniter Unfall Hilfe
4.2 Entwicklung anhand des SV Energie Cottbus

5. Maßgeblichkeiten für diese Entwicklung
5.1 Zielorientierte Wunscherfüllung der JUH
5.2 Großveranstaltungen der JUH
5.3 Maßgeblichkeiten des SV Energie Cottbus

6. Fazit und Ausblick

7. Anhang
7.1 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Begriffliche Verwendung synonymial zu Ehrenamt 6

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, das Ehrenamt in Deutschland unter besonderen Gesichtspunkten der Tätigkeit als Ehrenamtler im Sportverein, dem SV Energie Cottbus e.V. und in einer Hilfsorganisation, der Johanniter Unfall Hilfe e.V. zu beleuchten und will sich mit der Frage auseinander setzen, wie sich das Ehrenamt in Deutschland entwickelt. Das Ehrenamt ist ein wichtiger Baustein der deutschen Gesellschaft und Stütze der Gemeinschaft.

Dazu wird zunächst der Begriff Ehrenamt dargestellt und abgegrenzt. Darüber hinaus wird der praktischen Fragestellung nach der Entwicklung des Ehrenamts auf Grundlage der beiden betrachteten Vereine nachgegangen und nach Gründen für diese Entwicklung wird des Weiteren geforscht.

Historisch ist das Ehrenamt wohl auf das christliche Weltbild mit der Wohltätigkeit und Hilfe im deutschen Mittelalter hauptsächlich zurück zu führen und erlangte seine Bedeutung durch die medizinische Versorgung und den Wiederaufbau nach Kriegen1. Insbesondere in der jüngsten Geschichte wurde die Ehrenamtlichkeit wichtig, denn der Wiederaufbau und die Notfallmedizinische Versorgung nach dem 2. Weltkrieg musste organisiert und strukturiert durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang gründete sich die Johanniter Unfall Hilfe 1952 aus dem Johanniter Orden2.

Ich selbst kam durch den Sport zum Ehrenamt und gerade dies bildet einen elementaren Bestandteil der Gesellschaft und Kultur und wird zum überwiegenden Teil durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gestützt. Häufig wird unterschätzt, wie viele Menschen es im Jugend- und Amateurbereich bedarf, um überhaupt ein Spiel zwischen zwei Mannschaften stattfinden zu lassen.

Auch die Johanniter stützen sich zusätzlich zu den rund 15.000 hauptamtlichen Mitarbeitern auf 30.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, sowie auf 1,3 Millionen Fördermitglieder bundesweit. Der Großteil der Ehrenamtler wird in Bereichen wie der Johanniter Jugend, dem Sanitätsdienst und dem Katastrophenschutz aktiv und diese Bereiche werden in der Regel durch hauptamtliche Mitarbeiter organisiert. Alle verfolgen den Leitsatz der Johanniter, sie handeln „Aus Liebe zum Leben“3.

2. Definition Ehrenamt

Der Begriff des Ehrenamts fasst viele verschiedene Termini zu einem Oberbegriff zusammen, welche dem Grunde nach Engagement in unterschiedlichen Kontexten bedeuten und auf mannigfaltige geschichtliche Zusammenhänge verweist. Mit dem Wort Ehrenamt verbindet man meist ehrenamtliches, bürgerschaftliches und freiwilliges Engagement.4 Charakterisiert für das Ehrenamt sind drei zentrale Merkmale: Freiwilligkeit, Gemeinwohlorientierung und Unentgeltlichkeit. Dabei ist es unerheblich , ob es sich um natürliche oder juristische Personen handelt.5

2.1 Ehrenamtliches Engagement

Das ehrenamtliche Engagement geht traditionell auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück und war die Übernahme eines öffentlichen Amtes in Anerkennung (Ehre) der bisher erbrachten Leistungen. Ein weiterer Grund in dieser Zeit war die Zahlungsunfähigkeit des preußischen Staates nach dem napoleonischen Krieg und die Notwendigkeit kommunale Ämter kostengünstig zu besetzten. Dementsprechend ist das Ehrenamt klassisch „eine staatlich abgeleitete Tätigkeit“6.

2.2 Bürgerschaftliches Engagement

Das bürgerschaftliche Engagement bezieht sich vorwiegend auf gesellschafts- und sozialpolitische Aspekte zum Wohle der Gemeinheit. Neben politischem und sozialem Engagement, den Verpflichtungen in Vereinen, Verbänden und Kirchen7 sind auch Tätigkeiten wie Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe8, soziales und kulturelles Engagement von Unternehmen in dem Begriff bürgerschaftliches Engagement eingeschlossen9. Wesentliches Merkmal des bürgerschaftlichen Engagements ist der bewusste und selbstorganisierte Beitrag zur Gestaltung des lokalen Lebensumfeldes10.

2.3 Freiwilliges Engagement

Das freiwillige Engagement kennzeichnet neue Formen des Engagements, wie bspw. Initiativen und Projekte zu unterschützen. Das Wort freiwillig steht für persönliche Entscheidungsmöglichkeiten und Gestaltungsfreiräume.11 So trennt man den Zwang zur Schaffung einer Lebensgrundlage vom Freiwilligen, was die anderweitige Schaffung der Lebensgrundlage impliziert. Beispielsweise durch die Unterscheidung von Freiwilliger - und Berufsfeuerwehr.12 Des Weiteren zeigt der Begriff des freiwilligen Engagements am ehesten den Zusammenhang mit der internationalen Bezeichnung ‚volunteering‘, denn ›Freiwilligkeit‹ ist das beste verbale Bindeglied zwischen den verschiedenen Nationen und Kulturen13.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Begriffliche Verwendung synonymial zu Ehrenamt14

2.4 Grundsatz der Gemeinwohlorientierung

Die Gemeinwohlorientierung des Ehrenamts ist nicht gleich der steuerrechtlichen Gemeinnützigkeit. Das Gemeinwohlorientieren eines Handelns impliziert eine „objektive gemeinnützig orientierte Tendenz“15 der Handlung. Im einfachsten Sinne ist das Gemeinwohl die Restgröße aus dem Verhältnis von Tätigkeiten für den Eigennutz und der gesamten Zeitausstattung. Die Werthaltigkeit dieses Begriffes bezieht sich aber vor allem auf christliche Termini wie Nächstenliebe und der Begriff an sich beschreibt den Weg zum Ziel. Das Ziel ist Selbstlosigkeit im Vergleich zum Eigennutz.16 Das Steuerrecht zeigt deutlich die Unterscheidung zwischen Weg und Ziel der Gemeinwohlorientierung: Die Gemeinnützigkeit wird begründet durch den gesetzlich gegeben Zweck, „die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“17 und durch die Selbstlosigkeit in der Zweckverwirklichung18.

2.5 Grundsatz der Unentgeltlichkeit

Die prinzipielle Unentgeltlichkeit des Engagement geht auf die Historie des ehrenamtlichen Engagements zurück, was hieß, dass die ‚Bezahlung‘ nicht in Form von Geld bestand, sondern in Form von Anerkennung (Ehre). Das Kriterium der Unentgeltlichkeit ist wohl das strittigste aller Kriterien. Das zentrale Kriterium für ein unentgeltliches Ehrenamt ist, ist, dass für seine Leistung kein markttypisches Äquivalent gezahlt wird. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Betriebswirt für seinen Verein die Funktion des Kassenwartes übernimmt und dafür 50€ im Monat erhält, es trotzdem ehrenamtlich ist, denn ein Monatsgehalt eines Betriebswirts ist in der Regel in Vielfaches von 50€. Grundsätzlich ist der Aufwendungsersatz der Ersatz von Ausgaben für die freiwillige Tätigkeit (Fahrtkostenabrechnung für die Autofahrt des Trainers zum Spiel) und wird niemals besteuert. Die Aufwandsentschädigung jedoch ist die Entschädigung für die eingesetzte Zeit und ist bis zu einem Gesamtbetrag von 3.020€ p.a. steuerfrei19.

2.6 Definition nach Berger-Winkler

Aus meinem Gespräch mit Herrn Berger - Winkler20 erfuhr ich die Definition des Ehrenamts in der JUH, die dem Grunde nach aussagt, dass das Ehrenamt ein wichtiger Baustein zum Funktionieren eines Wohlfahrtsverband ist und da zum Tragen kommt, wo die Hilfe notwendig ist, jedoch finanziell nicht gestemmt werden kann. Die Erfüllung der Kernaufgaben der JUH ist nur mithilfe des Ehrenamts möglich.

Berger-Winkler selbst definiert Ehrenamt für sich als „Menschen kennen lernen“ und „was tolles unternehmen“, darüber hinaus unterscheidet er zwei Arten von Ehrenamt für sich. Zum einen mit dem klassischen Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr verbundenen Motivation des „Orden Sammelns“ und des Truppengefühls. Zum Anderen meint er, dass die ehrenamtlichen Helfer beispielweise im Sanitätsdienst der JUH hauptsächlich mitwirken, weil dort ihr Freundeskreis liegt und sie durch Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern besser motiviert werden können, als durch (Bar-)Geld. Gleich haben beide Formen die Motivation durch fachlichen Input und damit verbundenen Mehrwert, wie beispielweise die Kostenübernahme für die Ausbildung zum Hospizbegleiter, Trauerbewältigter oder Rettungssanitäter.

Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die sich nicht ständig ehrenamtlich engagieren, sondern nur in Zeiten großer Katastrophen wirklich helfen wollen. Beispielhaft das Elbe Hochwasser vor zwei Jahren oder die Flüchtlingshilfe.

Herr Berger-Winkler ist der Ansicht, dass es eigentlich drei Situationen im Leben eines Menschen gibt, in denen er sich entscheidet, sich ehrenamtlich zu engagieren. Zum einen kann es persönliche Veränderungen im Leben eines Menschen geben, die dazu führen, dass sich Menschen engagieren wollen (bspw. wenn eine Kindergärtnerin in Rente geht - ehrenamtliche Kinder- und Jugendhilfe), zum anderen private Veränderungen, wie ein Umzug in eine neue Stadt und den Willen, soziale Kontakte zu finden und schlussendlich das mitwirken wollen an einem bestimmten Projekt.

2.7 Definition nach Moldenhauer

Rainer Moldenhauer21 definiert den Terminus Ehrenamts für sich als gemeinnützige Tätigkeit ohne Bezahlung und charakterisiert die Ehrenamtler als Menschen, die keiner materiellen Denkweise folgen und etwas Gutes tun wollen.

Zusammenfassend ist der Begriff des Ehrenamts als ein objektiv gemeinwohlorientiertes Handeln, das von der handelnden Person freiwillig übernommen worden ist und das überwiegend unentgeltlich ist, zu beschreiben.22

[...]


1 Vgl. (Wagner, 2007)

2 Vgl. (JUH, 2015)

3 (JUH, 2015)

4 Vgl. (Han-Broich, 2012)

5 Vgl. (Igl, 2002)

6 (Zimmer, 2007) S.99

7 Vgl. (Schumacher, 2001)

8 Vgl. (Jakop, 2001)

9 Vgl. (Zimmer, 2007)

10 Vgl. (Enquête-Kommission, 2002)

11 Vgl.(Han-Broich, 2012)

12 Vgl. (Igl, 2002)

13 Vgl. (Gensicke/Picot/Geiss, 2006)

14 Daten entnommen aus (Han-Broich, 2012) S.68

15 (Igl, 2002) S.34

16 Vgl. (Igl, 2002)

17 § 52 AO

18 Vgl. § 55 AO

19 Vgl. §§ 3 Nr. 26 und 26a EStG

20 Vgl. (Berger-Winkler, 2015)

21 Vgl. (Moldenhauer, 2015)

22 Vgl. (Igl, 2002)

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668341470
ISBN (Buch)
9783668341487
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343210
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Unternehmensführung
Note
1,0
Schlagworte
Ehrenamt Sozialwissenschaft bürgerliches Engagement freiwilliges Engagement politisches Engagement Johanniter Unfall Hilfe e.V. Angehörige des Bundestages Sport

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Stirbt das Ehrenamt in Deutschland aus?