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Der Utilitaristische Standpunkt Singers in Bezug auf die Tierethik

Hausarbeit 2014 20 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Position Peter Singers
2.1 Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung
2.2 Singers Position in der Frage des Tötens
2.3 Bezug auf die Tierethik

3 Kritik an Singer
3.1 Kritik am Personenbegriff und seiner Bedeutung für den moralischen
Status
3.2 Kritik der Rechte-Theorie
3.3 Kritik der Tugendethik
3.4 Kritik der Mitleidsethik

4 Eigene Position

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der australische Philosoph Peter Singer, der zur Zeit Professor an der Princeton University in den Vereinigten Staaten ist[1], stieß 1975 mit seinem Buch Animal Liberation die bis heute andauernde Tierrechtsdebatte an.[2] In Folge dessen wurden Organisationen, die sich für Tierrechte einsetzen, gegründet, eine sogar unter anderem von Singer selbst. [3] Was die theoretische Debatte betrifft, vertritt Singer einen präferenzutilitaristischen Standpunkt, von dem aus er alle ethischen Fragen beantwortet. Das führt ihn nicht nur dahin, Tieren teilweise den gleichen moralischen Status zuzusprechen wie Menschen, sondern ihnen in einigen Fällen sogar einen höheren Status zuzugestehen. Eine andere Provokation Singers ist es, das Verhalten der Menschen den Tieren gegenüber, mit dem Verhalten von rassistischen Sklavenhaltern zu vergleichen und als Bezeichnung dafür das Wort „Speziesist“ einzuführen. Diese radikale Position zu einem in der heutigen Gesellschaft akuten Thema, löste unter den Anhängern verschiedenster Moraltheorien die Auseinandersetzung mit dem Thema aus, was zu einer langen Reihe von Texten führte, die zum Thema Tierethik veröffentlicht wurden, und von denen sich einige kritisch mit Singers Theorie auseinandersetzen. So gut wie alle Kritiken stimmen aber mit Singer darin überein, dass Tiere auf irgendeine Art und Weise in die Moral einzubeziehen sind, und dass heutige Praktiken der Massentierhaltung von einem ethischen Standpunkt aus kritisiert werden sollen. Sie vertreten jedoch unterschiedliche Auffassungen über den moralischen Status der Tiere und kritisieren häufig Singers grundsätzliche utilitaristische Haltung.[4]

In der vorliegenden Hausarbeit wird es zunächst darum gehen Singers Position im allgemeinen und konkret auf die Tierethik bezogen herauszuarbeiten und anschließend aus Platzgründen nur eine kleine Auswahl von Kritiken vorzustellen, die sich auf seine Werke beziehen. Abschließend werde ich alle Positionen bewerten und meine eigene Position darstellen.

2 Theoretische Position Peter Singers

2.1 Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung

Als wichtigstes und grundlegendstes Merkmal aller ethischen Theorien und Positionen hebt Singer den universalen Standpunkt hervor, den man einnehmen sollte, wenn man ein moralisches Urteil fällt. Das schließt aus, dass Moraltheorien zugelassen werden, die auf Egoismus basieren oder bestimmte Gruppen von Wesen gegenüber anderen bevorzugen. Er bezieht sich dabei auf die bekanntesten Ethischen Theorien, von den Philosophen der Antike bis hin zu John Rawls und seinem Kontraktualismus, um zu verdeutlichen, dass diese Voraussetzung seit jeher dem Common-Sence entspricht.[5]

Dieser universale Standpunkt liefert laut Singer plausible Gründe dafür, dass eine utilitaristische Haltung als erste Grundlage sinnvoll ist, solange einen nichts dazu zwingt, weitere Annahmen für die Theorie zu treffen. Die Herleitung lautet folgendermaßen:

„Indem ich akzeptiere, dass moralische Urteile von einem universalen Standpunkt aus getroffen werden müssen, akzeptiere ich, dass meine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Interessen nicht (...) mehr zählen als die von jemand anderem. Daher muss dann, wenn ich moralisch denke, mein ganzes natürliches Bestreben, das für meine Bedürfnisse, Wünsche und Interessen (...) gesorgt wird, ausgedehnt werden auf die Präferenzen anderer.“[6]

Einen utilitaristischen Standpunkt einnehmen bedeutet demnach nichts anderes als unter dem Gesichtspunkt der Universalisierbarkeit bei seinen Entscheidungen nicht nur die eigenen Präferenzen zu berücksichtigen, sondern die von allen Betroffenen. Der damit von Singer vertretene Präferenz-Utilitarismus unterscheidet sich vom Klassischen Utilitarismus, bei dem es nicht allgemein um die Präferenzen der Betroffenen geht, sondern nur um die Vermehrung von Lust und die Verminderung von Schmerz, unabhängig davon, ob derjenige eine konkrete Präferenz dazu hat.[7]

Die Universalisierbarkeit der Moral für alle Menschen bedeutet die Gleichheit ihrer Berücksichtigung bei moralischen Entscheidungen. Um die Gleichheit der Menschen trotzt aller ihrer Unterschiede zu rechtfertigen, arbeitet Singer die einzige Eigenschaft heraus, die moralisch relevant ist und jemanden dazu qualifiziert in ethischen Überlegungen berücksichtigt zu werden, und zwar die Eigenschaft überhaupt Interessen zu besitzen.[8] Denn es geht nicht darum, dass alle Menschen hinsichtlich ihrer Eigenschaften faktisch gleich sind, sondern darum, dass ihre Interessen im gleichen Maße berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich das Prinzip der gleichen Interessenabwägung.[9] Es besagt, dass es nicht darum geht, wessen Interesse betroffen ist, sondern allein um die Interessen an sich, unabhängig von ihren Trägern. Damit ist jede Form von Inegalitarismus ausgeschlossen, denn die Interessen von jedem werden berücksichtigt, unabhängig von beispielsweise Religion, Geschlecht und ethnischer Herkunft.[10]

Singer sieht die Problematik, dass es nahezu unrealisierbar ist, bei jeder ethischen Entscheidung in jeder Lebenslage, die Interessen aller Beteiligten abzuwägen. Als Lösung dieses Problems unterteilt er das moralische Denken in zwei Ebenen. In der einen Ebene denkt man als Philosoph kritisch darüber nach, was als ethisch richtig und falsch einzustufen ist, dort sollte man das Prinzip der gleichen Interessenabwägung anwenden. In dieser Ebene kann man aus dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung jedoch auch allgemeine Regeln ableiten, die man für die andere Ebene anwendet, um im Alltag schneller zu einem Ergebnis zu gelangen. Man könnte beispielsweise Regeln wie ein allgemeines Tötungsverbot für Menschen ableiten, aber sie auch in Form von Rechten formulieren.[11]

2.2 Singers Position in der Frage des Tötens

Um zu untersuchen ob und in welchen Fällen das Töten von Menschen moralisch zulässig oder sogar zu befürworten ist, unterteilt Singer den Begriff Mensch in die Begriffe Mitglied der Spezies Homo sapiens und Person.[12] Während Mitglied der Spezies Homo sapiens keiner weiteren Erklärung bedarf, muss der Begriff Person klar definiert werden, damit deutlich wird, inwiefern er sich von dem anderen unterscheidet. Bei der Frage, ob es sich um eine Person handelt, ist es nach Singers Definition vollkommen unerheblich, welcher Spezies das Wesen angehört. Die Merkmale, die es zu einer Person machen, sind vielmehr, dass es rational ist und ein Selbstbewusstsein hat.[13] Mit dieser Definition geht er zurück auf den Begriff den Locke von einer Person hatte und der bis heute zu großen Teilen anerkannt ist.[14]

Daraus dass das Wesen sich seiner Selbst bewusst ist, erschließt sich, dass es sich auch seiner Vergangenheit und seiner Zukunft bewusst ist und damit fähig, sich zu erinnern und Wünsche und Erwartungen an die Zukunft zu haben. Vor allem die Zukunftserwartungen spielen bei der Tötungsfrage eine entscheidende Rolle.

Vorher ist es aber noch wichtig zu erwähnen, dass „biologischen Fakten, an die unsere Spezies gebunden ist“[15], für Singer keine Auswirkung auf die Antwort irgendeiner ethischen Frage haben, also auch nicht dann, wenn es um die Frage geht, ob man ein Wesen unter gewissen Umständen töten darf oder nicht.

Ob es sich bei dem Wesen aber um eine Person handelt oder nicht, spielt dagegen eine entscheidende Rolle. Denn wenn man eine Person tötet, vereitelt man damit die Erfüllung all ihrer in die Zukunft gerichteten Wünsche, die eine Nichtperson nicht haben kann.[16] Da es bei dem Präferenzutilitarismus, den Singer vertritt, darum geht, die Präferenzen eines Wesens zu berücksichtigen, also auch seine in die Zukunft gerichteten Präferenzen und seine Präferenz weiter zu leben, ist das für ihn das entscheidende Argument gegen das Töten von Personen.

Der klassische Utilitarismus kann diesen Grund nicht akzeptieren, da das Unrecht, das der Person zugefügt wird, von ihr, im Fall eines sofortigen Todes, nicht mehr als Leid wahrgenommen werden kann, da sie dann nicht mehr existiert. Es gibt aber einen anderen Grund für den klassischen Utilitarismus, warum die Fortdauer des Lebens einer Person einen höheren Wert hat als bei einem nichtpersonellen Wesen. Es ist ein indirekter Grund, der sich nicht auf das Unrecht bezieht, das der betroffenen Person widerfährt, sondern auf das Unbehagen, dass es in anderen Personen auslöst, die in einer Gesellschaft leben, in der es kein großes Problem darstellt Personen wie sie zu töten.[17]

[...]


[1] Singer, Peter: Praktische Ethik. Stuttgart. 2013. Reclam S. 7

[2] Jamieson, Dale: Singer and his critics. Cornwell. 1999. Blachwell S.1,5

[3] http://greatapeproject.de/was-genau/. 7.08.2014

[4] Wolf, Ursula: Texte zur Tierethik. Stuttgart. 2013. Reclam S.9

[5] Singer, Peter: Praktische Ethik. Stuttgart. 2013. Reclam S.36-37

[6] Ebd. S. 39 Z. 3-12

[7] Ebd. S.41

[8] Ebd. S. 54

[9] Ebd. S. 52 Z.6-7

[10] Ebd. S. 54-55

[11] Ebd. S. 40

[12] Ebd. S.142 Z. 7-10

[13] Ebd. S. 143 Z. 3-9

[14] Regenbogen, Arnim,Meyer, Uwe(Hrsg.): Wörterbuch der Philosophischen Begriffe. Hamburg. 2013. Meiner S.490

[15] Singer, Peter: Praktische Ethik. Stuttgart. 2013. Reclam S.143 Z. 16-18

[16] Ebd. S. 145-146 Z.27-19

[17] Ebd. S. 147 Z. 14-26

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668330689
ISBN (Buch)
9783668330696
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343214
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Speziesismus Präferenzutilitarismus Tierethik Tierrecht Praktische Ethik Konsequentialismus Angewandte Ethik Peter Singer

Autor

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