Lade Inhalt...

Ist die deutsche Gebärdensprache eine "richtige" Sprache?

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 SPRACHE
2.1 DEFINITION
2.2 SPRACHLICHE EBENEN
2.2.1 Phonetik
2.2.2 Phonologie
2.2.3 Morphologie
2.2.4 Syntax und Semantik

3 GEBÄRDENSPRACHE
3.1 DEFINITION
3.1.1 Deutsche Gebärdensprachen
3.1.2 Vor- und Nachteile von Gebärden
3.2 SPRACHLICHE EBENEN
3.2.1 Phonologie
3.2.2 Morphologie
3.2.3 Syntax und Semantik

4 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Komponenten einer Grammatik

Abbildung 2: DGS „Mut" - „Mein"

Abbildung 3: DGS „Fahrrad“ - „Maschine“

Abbildung 4: DGS „Papier"

Abbildung 5: DGS „Bauer"

Abbildung 6: DGS „Sicher“ - „Schade“

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unterschiede Laut- und Gebärdensprache

Tabelle 2: Silbentypen in DGS

Tabelle 3: Verbstellung in deutscher Lautsprache

Tabelle 4: Stellung des Verbes in deutscher Gebärdensprache

1 Einleitung

„Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache“1 (Humboldt, 1820)

Auch die Griechen bezeichneten einst den Menschen als das „Sprache habende Wesen“ (zoon logon echon), doch das Wort „nur“ in Humboldts Satz ließ mich bei meinen Recherchen zu dieser Seminararbeit innehalten.2 Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Menschen welche ihre Sprache durch Gehirnverletzungen verloren haben oder durch eine Behinderung nie die Lautsprache beherrscht haben, für Humboldt keine Menschen sind? Das Zitat ließ mich an die vielen Vorurteile denken, mit denen die Gebärdensprache auch heute noch oft konfrontiert wird. Gebärden seien gar keine „richtige“ Sprache, sondern einfach nur eine Pantomime, es gäbe eine einzige internationale Gebärdensprache und der Wortschatz sei beschränkt.

Im Rahmen meiner Arbeit möchte ich diese Vorurteile in Frage stellen. Dazu werden zunächst verschiedene sprachliche Ebenen der deutschen Lautsprache untersucht und anschließend mit denen der deutschen Gebärdensprache verglichen. Dabei wird auch die Entstehung letzterer betrachtet sowie von anderen Sprachen differenziert, in denen Gebärden verwendet werden. Folgend wird die Frage beantwortet:

Ist Gebärdensprache eine „richtige“ Sprache?

2 Sprache

2.1 Definition

Man kann Sprache rein naturwissenschaftlich als Sequenz von sinusförmigen Schwingungen definieren, die von menschlichen Sprachorganen erzeugt werden, oder geisteswissenschaftlich über ihre Funktion als Kommunikationsmittel und damit verbunden als soziales Phänomen.3 Dennoch gibt es, selbst in der Sprachwissenschaft, keine einheitliche Definition. Man erkennt die Mehrdeutigkeit des Begriffes an und definiert Sprache für jeden Teilbereich anders.

2.2 Sprachliche Ebenen

Zur Untersuchung der Sprache als Kommunikationsmittel können die sogenannten sprachlichen Ebenen herangezogen werden. „Innerhalb der Teilbereiche der Systemlinguistik - Phonetik und Phonologie, Morphologie, Semantik (…) Syntax - wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten der sprachlichen Äußerung es prinzipiell gibt.“4 Semantik, Syntax, Phonologie und Morphologie werden als Kerngebiete der Linguistik angesehen und können als Ausdrucks- und Inhaltsseite differenziert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Komponenten einer Grammatik

Quelle: Ramers (2000), S.13

2.2.1 Phonetik

Aufgabe der Phonetik ist die Beschreibung der Laute.5 Sie „befasst sich mit Eigenschaften gesprochener Äußerungen, die ihre akustische Gestalt, ihre Produktion mithilfe der Sprechorgane und ihre Wahrnehmung mithilfe des Gehörs betreffen“6 Genauer: Mit Geräuschen, die im Artikulationskanal (Rachen, Mund, Nase) erzeugt werden und zum Sprechen benutzt werden. Man unterscheidet in drei Unterdisziplinen der Phonetik:

- Artikulatorische Phonetik

Befasst sich mit der Produktion von Lauten mit Hilfe menschlicher Sprechwerkzeuge

- Akustische Phonetik

Analysiert physikalische Eigenschaften von Lauten bei ihrer Ausbreitung in der Luft oder anderen Medien.

- Auditive/perzeptive Phonetik7

Befasst sich mit der Wahrnehmung von Lauten durch das Ohr, wobei auch psychische Vorgänge (Interpretation) Forschungsgegenstand sind.

2.2.2 Phonologie

„Phonetik und Phonologie (vgl. griechisch phōnē - „Laut“) sind zwei verwandte, aber doch verschiedene Zweige der Sprachwissenschaft, die als gemeinsamen Gegenstand Laute untersuchen, die in natürlichen Sprachen vorkommen.“ Phonetik und Phonologie beschäftigen sich ausschließlich mit Sprachlauten (Segment, Phon, Laut), nicht mit Lauten wie etwa Räuspern oder Husten.8 „Die Phonologie beschreibt […] die Funktion der Laute im sprachlichen Zeichen innerhalb eines Sprachsystems“9 Es wird die Systematik der Laute einer Sprache, also das Vorkommen und Nichtvorkommen von Lauten in gewissen Segmentfolgen untersucht.10

Wenn zwei Worte sich in einem einzigen Laut unterscheiden, spricht man von einem Minimalpaar. (Tante - Kante). Laute, die eine kontrastierende Funktion haben, so wie (k) und (t), bezeichnet man dies als „Phonem“. Phoneme werden als kleinste bedeutungsunterscheidende Elemente definiert. Diese müssen jedoch nicht immer ein Minimalpaar darstellen, sie müssen nur kontrastieren.

2.2.3 Morphologie

Die Bezeichnung „Morphologie“ wurde von Johann Wolfgang Goethe ursprünglich zur Bezeichnung der Lehre von Form und Struktur lebender Organismen verwendet.11 Sie wurde in die Sprachwissenschaft adaptiert und beschreibt dort die Bestandteile und den Aufbau komplexer Wörter.12 Dies kann über die Komposition erfolgen. Dabei handelt es sich um die Bildung eines Wortes, welches sich aus mehreren lexikalischen Wörtern zusammensetzt.13 „Als morphologischer Prozess unterliegt Komposition morphologischen Regeln. Generell, d.h. übereinzelsprachlich, werden beim Kompositionsprozess die Komponenten direkt hintereinander geäußert, also einfach zusammengesetzt.“14

2.2.4 Syntax und Semantik

„Syntax bezeichnet den Satzbau als Regelsystem der Sprache sowie die wissenschaftliche Teildisziplin, die sich mit der Analyse und Beschreibung dieses Regelsystems beschäftigt.“15 Das Substantiv Syntax (griech. Syntaxis) ist vom Verb syntassein „zusammenordnen“ abgeleitet. Ries definiert Syntax als „Lehre von den Wortgefügen“ (1894, S.84)16 Syntaktiker beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, warum gewisse Sätze grammatisch sind, andere nicht. Dabei spielt die von Chomsky als „Kompetenz“17 bezeichnete Fähigkeit eine tragende Rolle. Diese Fähigkeit ermöglicht es, gewisse Sätze als „richtig“ beziehungsweise „wohlgeformt“ zu empfinden und Abweichungen zu erkennen. Jeder wird die Situation kennen, dass er eine grammatische Regel erklären möchte, aber es nicht genau kann, weil die Regularien der Sprache einem selbst nicht bewusst sind und man diese intuitiv handhabt.

„Die Semantik ist die Lehre von der Bedeutung. Ihr Gegenstand ist die Bedeutung auf allen Ebenen, besonders der Wörter und Sätze.“18 Die Semantik ist eng mit den Disziplinen Semiotik (Zeichentheorie) und Sprachphilosophie verbunden und ist durch diese kontinuierlich beeinflusst worden.19

[...]


1 Humboldt (1903-36)

2 Vgl. Trabant (2009), S.7.

3 Vgl. Vater (2002), S.12f.

4 Bergmann, Pauly, Stricker (2010), S.263

5 Vgl. Bergmann, Pauly, Stricker (2010), S. 53.

6 Fuhrhop, Peters (2013), S. 2

7 Vgl. Heike (1969)

8 Vgl. Hall (2000), S. 1f.

9 Bergmann, Pauly, Stricker (2010), S. 53

10 Vgl. Hall (2000) S. 1f.

11 Vgl. Goethe (1817), S. 4.

12 Vgl. Lüdeling (2015), Kapitel 7.1.

13 Vgl. Vater (2002), S.76

14 Roth (2014), S. 32

15 Bergmann, Pauly, Stricker (2010), S.147

16 Ries (1894), S. 84

17 Vgl. Chomsky (1965).

18 Bergmann, Pauly, Stricker (2010), S. 204

19 Vgl. Busse (2009), S. 13.

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668355507
ISBN (Buch)
9783668355514
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v343436
Institution / Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Gebärden Sprache Kommunikation DGS inklusion acessibility gleichberechtigung behinderung sprachwissenschaft

Autor

Zurück

Titel: Ist die deutsche Gebärdensprache eine "richtige" Sprache?