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Die wirtschaftliche Entwicklung Spaniens nach dem Bürgerkrieg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa Nachkriegszeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlinien der spanischen Wirtschaftspolitik in der Zeit vor dem Bürgerkrieg

3. Franquistische Wirtschaftspolitik nach dem spanischen Bürgerkrieg
3.1 Unmittelbare Situation nach dem Bürgerkrieg
3.2 Neue wirtschaftspolitische Ordnung
3.3 Isolation Spaniens und die wirtschaftlichen Folgen daraus

4. Fazit

5. Literatur und Quellenverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Einleitung

Anders als in den meisten europäischen Staaten, bei denen es im 19. Jahrhundert unter dem Aspekt der Industrialisierung zu grundlegenden Änderungen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse kam, gestaltete sich dies in Spanien etwas differenzierter[1]. Trotz einer auf Industrie ausgerichteten Wirtschaft bestand immer noch eine agrarisch geprägte Bevölkerung und ein vergleichsweise niedriger Industrialisierungsgrad. Die politische Prägung dieser Zeit war von Autarkie geprägt. Erst durch die Machtergreifung Francos, welche zu politisch, sowie wirtschaftlich veränderten Verhältnissen führte, vollzog sich ein Wandel in sämtlichen Bereichen. In der Folgenden Arbeit wird vor allem auf die wirtschaftliche Entwicklung von der Vorkriegszeit ausgehend bis zum Anfang der 1950er Jahre eingegangen. Hierbei soll nun zu erst die spanische Wirtschaftspolitik vor dem Bürgerkrieg vor allem anhand einer Studie von Dr. Klaus Heinrich[2], als auch die Franquistische Wirtschaftspolitik nach dem Krieg anhand mehrerer Artikel von Angel Viñas, Ulrich Zelinsky, Higinio Paris Eguilaz, Irmgard De Arlandis, herausgearbeitet werden. Wobei sich die Leitfrage darum dreht ob die Wirtschaftsphasen vor und nach dem Krieg, vor allem in Bezug auf die autarkische Politik Spaniens in beiden Phasen vergleichbar sind.

Als Quellenmaterial werden zum einen auf Statistiken aus dem Werk von Dr. Klaus Heinrich zurückgegriffen, der als ausgewiesener Experte auf weltwirtschaftlichem Gebiet gilt[3] sowie auch auf Statistiken von Higinio Paris Eguilaz. Als Schriftquelle dient ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1935 von Román Perpiñá Grau über den Wirtschaftsaufbau Spaniens und die Problematik seiner Außenhandelspolitik.

2. Grundlinien der spanischen Wirtschaftspolitik in der Zeit vor dem Bürgerkrieg

Spanien war hauptsächlich davon geprägt weder ein Land für Monokulturen, noch eines mit einer herausragenden Industrie zu sein. Die Exportbeziehungen mit dem Ausland verfolgten auf der einen Seite das Ziel überschüssige Ware zu verkaufen und auf der anderen Seite, sollte der Import hauptsächlich dafür genutzt werden, Produkte einzuführen, die Spanien nicht selbst herstellen konnte. Die wirtschaftliche Ausrichtung vor dem Bürgerkrieg war folglich weitreichend unabhängig vom Ausland zu werden. Dieses angestrebte Hauptziel der spanischen Wirtschaft, die Autarkie, sollte mithilfe des Protektionismus[4] erreicht werden. Weitreichenden Schutzzölle, die schon 1892, später dann im Zollschutzgesetz von 1906 immer weiter verschärft wurden ebneten den wirtschaftlichen Weg in die Autarkie. Durch diese und besondere gesetzliche Schutzmaßnahmen gegenüber der Landwirtschaft und der Industrie[5] wurde der Aufbau einer Nationalen Industrie gefördert und geschützt. So wurde 1907[6] beispielsweise das Industrieschutzgesetz verabschiedet, das unter anderem zum Schutz der Fertigfabrikatindustrie diente und Verwaltungsbehörden dazu verpflichtete ausschließlich einheimische Produkte zu kaufen. In Folge dessen, kam es zum Beispiel bei Eisenbahnen, Schiffswerften und Hafenbaufirmen zu Monopolstellungen, die die Belieferung staatlicher Behörden innehatten[7]. Die aus den Schutzzöllen bedingten Einfuhrbeschränkungen hatten jedoch auch negative Folgen an sich. Es kam zu erhöhten Kosten der Industrieproduktion und somit zu steigenden Preisen für den Verbraucher, folglich wurden spanische Erzeugnisse auf dem Weltmarkt Konkurrenzunfähig[8]. Es entstand ein immer dichteres System aus Zöllen, Einfuhrverboten. Durch den Ersten Weltkrieg und den dort erzielten hohen Devisenüberschüssen durch Lieferungen kriegswichtiger Rohstoffe an die kriegstreibenden Mächte konnte die Industrie stark gefördert werden, folglich wuchs die Wirtschaft des Landes. Als es in der Nachkriegszeit wieder zu normalen Konkurrenzverhältnissen kam, wurde mit einem 1922 verabschiedeten Zolltarif versucht den wirtschaftlichen Schwierigkeiten entgegenzuwirken. Dadurch erhob Spanien die Zollbelastungen seiner Importe noch einmal und stand in dieser Kategorie an der Spitze Europas. Primo de Rivera weitete den Protektionismus durch das Gesetz zum „Schutz und Unterstützung der einheimischen Industrie“[9] noch weiter aus. Ausländische Investitionen und Exportförderungen sollten gänzlich vermieden werden. Kurz vor dem Bürgerkrieg war die spanische Wirtschaft nun also nahezu völlig von den staatlichen Schutzzöllen abhängig und hatte teilweise das Hauptziel ihrer Wirtschaftspolitik erreicht, wobei es gerade im Bergbau zu enormen Steigerungen der Förderungen nahezu jedes Bergbauproduktes kam. Zwischen 1921 und 1931 wuchs die Steinkohleförderung beispielsweise von 4,7 Millionen Tonnen auf ca. 6,5 Millionen an[10]. Entgegen lässt sich bei den Einkommen je Einwohner kein Zuwachs erkennen, es besteht eher ein jährliches Schwanken im minimalen Bereich. 1924 steht ein jährliches Einkommen von 1098 Pesetas zu einem Einkommen von 1076 Pesetas 1931[11]. Folglich kann man daraus schließen, dass die protektionistische Politik zwar manchen Wirtschaftsbereichen, wie dem Bergbau geholfen haben, nicht jedoch zum Anwachsen des Wohlstands in der spanischen Bevölkerung beitrug.

3. Franquistische Wirtschaftspolitik nach dem spanischen Bürgerkrieg

3.1 Unmittelbare Situation nach dem Bürgerkrieg

Der dreijährige spanische Bürgerkrieg, dessen Ausmaß an materieller Zerstörung den Schäden der kriegsführenden Länder im Zweiten Weltkrieg gleichzusetzen war, stellte eine bedeutende Herausforderung für die spanische Wirtschaft dar. Neben den ca. 7 Milliarden Pesetas an Sachschaden werden ca. eine Millionen Opfer gezählt[12]. Der Verlust für das Land war somit enorm. Unter die Zerstörung fallen auch viele, den wirtschaftlichen Aufbau des Staates stark behindernde Schäden, wie beispielsweise zerstörte Berieselungsbecken in der Landwirtschaft, Straßen, Brücken, Industrieanlagen[13] usw.. Zusätzlich kommt hinzu, dass der Import elementarer Investitionsgüter blockiert wurde. Die Lebenshaltungskosten während des Bürgerkrieges wurden in der nationalen Zone durch strenge Preiskontrollen und relativ geringe Versorgungsprobleme in erträglichem Maße gehalten[14]. Nach dem Krieg und dem Beginn einer langen Dürrephase änderte sich diese Situation. Durch den wenige Monate nach dem spanischen Krieg beginnenden Zweiten Weltkrieg konnten diese Investitionsgüter und auch Lebensmittel, die für den Wiederaufbau der Industrie und der Intensivierung der Landwirtschaft, sowie der Ernährung der Bevölkerung benötigt wurden, nicht, oder nur stockend eingeführt werden[15]. Außerdem kommt hinzu, dass die Goldreserven Spaniens durch die Unterlegenen Republikaner ins Ausland verschleppt wurden. Folglich waren weder genug Goldreserven, noch genügend Devisen vorhanden um elementare, zum wirtschaftlichen Aufbau benötigten Güter einzuführen.

3.2 Neue wirtschaftspolitische Ordnung

Nach dem Francos Truppen bis Ende 1937 fast 65 % der Schiffsbauindustrie, nahezu alle bedeutenden Waffen- und Munitionsfabriken, mehr als die Hälfte aller Kohlegruppen, sowie auch ergiebige Schwermetallvorkommen erobert hatte, war eine Vorentscheidung im Bürgerkrieg gefallen. Dies ließ sich auch unter dem Gesichtspunkt erkennen, dass Großbritannien zwar noch keine Botschafter, aber Bevollmächtigte zu Franco schicken[16]. Nach dem Bürgerkrieg sollte nun eine neue wirtschaftliche Ordnung errichtet werden, welche die Form des Nationalsyndikalismus annahm. Die dort festgelegten völlig neuen Arbeitsprinzipien spiegelten sich in der Zusammenarbeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum Wohle aller, sowie im Verbund zwischen Unternehmen und dem Staat auf der Grundlage der Zwangsmitgliedschaft in Gewerkschaften, als auch in der Unterordnung der Wirtschaft der Politik wieder[17]. Franco ließ durch die Falange Gewerkschaftsorganisationen gründen, wobei mehrere nationale Syndikate aufgebaut wurden. Diese besaßen verschiedene Aufgabenbereiche (Holz, Viehzucht, Bauwesen, Chemische Industrie etc.) und waren dort für die Bestimmungen über die Produktion, dem Konsum, Kontingentierung der Rohstoffe , Festsetzung von Preisen und Löhnen und Bestimmung der Liefer- und Transportbedingungen zuständig[18]. Zwar blieb die private Unternehmerinitiative unangetastet, so wurden jedoch in den Produktionsbereichen, die die privaten Unternehmen nicht abdecken konnten, der Staat aktiv. Durch fehlende Unternehmeraktivität wurden schließlich zahlreiche öffentliche Unternehmen gegründet und im „Instituto Nacional de Industria“[19]

[...]


[1] Vgl. Bernecker, Walther L.: Krieg in Spanien 1936-1939. Darmstadt (1991), S.7.

[2] Vgl. Dr. Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. In: Kieler Studien. Forschungsberichte des Institutes für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. Kiel (1954) Bd. 28.

[3] Vgl. Bernácer, Germán: Review by: Germán Bernácer. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Bd. 113 (1957), S. 370-371.

[4] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S. 10.

[5] Vgl Grau, Román Perpiñá: Der Wirtscahftsaufbau Spaniens und die Problematik seiner Außenhandelspolitik. In: Weltwirtschaftliches Archiv. Bd. 41 (1935), S. 61-131

[6] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S.13.

[7] Vgl. Grau, Román Perpiñá: Wirtschaftsaufbau Spaniens und die Problematik seiner Außenhandelspolitik.

[8] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S. 11.

[9] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S. 13.

[10] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. Tabelle 14.

[11] Vgl. Eguilaz, Higinio Paris: Die wirtschaftliche Entwicklung Spaniens von 1924 bis 1964. In: Weltwirtschaftliches Archiv. Bd. 98 (1967), S.137-154.

[12] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S. 15.

[13] Vgl. De Arlandis, Irmgard: Probleme des Wiederaufbaus der spanischen Wirtschaft. In: Weltwirtschafts Archiv, Bd. 56 (1942), S. 509-527.

[14] Bernecker, Walther L.: Der Spanische Bürgerkrieg: Materialien und Quellen. Frankfurt am Main 2. Auflage (1986).

[15] Vgl. Dr.Heinrich, Klaus: Strukturwandlungen und Nachkriegsprobleme der Wirtschaft Spaniens. S. 15.

[16] Vgl. Dahms, Hellmuth Günther: Francisco Franco.Soldat und Staatschef. In: Persönlichkeiten und Geschichte. Göttingen (1972), S. 53f. Bd. 70.

[17] Vgl. Zelinsky, Ulrich: Spaniens wirtschaftspolitische Wende von 1959: Vorgeschichte, Determination, Durchsetzungsstrategien. In: Peter Waldmann, Walther L. Bernecker, Francisco Lòpez-Casero (Hrsg.): Sozialer Wandel und Herrschaft im Spanien Francos. Paderborn (1984), S.279-303.

[18] Vgl. De Arlandis, Irmgard: Probleme des Wiederaufbaus der spanischen Wirtschaft. In: Weltwirtschafts Archiv, Bd. 56 (1942), S. 509-527.

[19] Im Folgenden nur noch als INI bezeichnet.

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668342408
ISBN (Buch)
9783668342415
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344451
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
entwicklung spaniens bürgerkrieg

Autor

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