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Die Firma Krupp und der Zweite Weltkrieg. Zwischen Schuld und Profit

Facharbeit (Schule) 2016 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Darstellung der Firma
2. Rolle im Zweiten Weltkrieg
2.1 Beteiligung an Kriegsverbrechen-bewusst oder unbewusst?..
3. Vergangenheitsbewältigung
4 Stellungnahme

III. Schluss
Fazit

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Darstellungen

V. Anhang

I. Einleitung

So oft das Blut wie Wasser floss Sprachst du ein fromm Gebet Und riefst: Gott ist gro ß Und Krupp ist sein Prophet! Und hat man dann das Heldentum Mit frommer Hand gepflegt - Wer heilt die Wunden, die der Ruhm Daheim der Freiheit schl ä gt?

( Georg Herwegh 1817-1875) 1

In dieser Arbeit steht die Familie Krupp und der Konzern im Mittelpunkt und es soll geprüft werden, ob das Unternehmen als Profiteur der Kriegsmaschinerie anzusehen ist und die Dynastie des Krupp Konzerns eine Schuld an den Taten des Dritten Reichs trägt.

Ziel ist es, zu untersuchen, ob das Unternehmen Krupp eine Kollaboration mit Hitler einging und das NS-Regime durch seine Produktionen unterstützt und eine Mitschuld an Kriegsverbrechen hatte.

Anschließend stellt sich die Frage, ob die Beteiligung im Zweiten Weltkrieg bewusst eingegangen wurde oder ob die Firma Opfer der Manipulation durch Anhänger des Nationalsozialismus geworden war.

Desweiteren ist die Schuldfrage zu klären - Wer hat das Dritte Reich militärisch unter stützt? Handelte der gesamte Konzern nach einem Familienkonzept oder einer Firmenphilosophie? Oder waren es vereinzelte Personen, die in dem Unternehmen tätig waren, sogar eine führende Position vertraten?

Damit diese Analyse durchgeführt werden kann, wurden sowohl Quellen (Primärliteratur), Darstellungen (Sekundärliteratur) als auch wissenschaftliche Abhandlungen hinzugezogen. Es wurden Werke von Historikern, die sich ebenfalls mit den Krupps beschäftigt haben, verwendet, um Meinungen bzw. Aussagen zu unterstützen oder zu relativieren.

Auch die Perspektiven derjenigen, die in den damaligen Sachverhalten involviert waren, wurden betrachtet, da sie beispielsweise in Reden festgehalten wurden.

II. Hauptteil

1. Darstellung der Firma

Am 20. November 1811 gründete Friedrich Krupp bereits im Alter von 14 Jahren mit zwei Teilhabern, den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel, eine Fabrik zur Herstellung von englischem Gussstahl und der daraus angefertigten Produkte. Dabei sollte Friedrich Krupp für den kaufmännischen Teil und das Finanzwesen der Fabrik zuständig sein, während die Geschwister von Kechel den handwerklichen Teil und den Umgang mit den Metallen erfüllen sollten. Jedoch stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass das Fachwissen der Beteiligten begrenzt schien. Somit wurde die gewünschte Qualität des Stahls nicht erreicht, woraus geringe Einnahmen folgten. Krupp musste auf das Erbe seiner Großmutter zur Aufrechterhaltung der Firma zurückgreifen. Nachdem 1816 das Erbe verbraucht war, trennte sich F. Krupp von den Geschwistern Kechel.

Ab 1816 oblag die Firma Friedrich Krupps alleiniger Führung. Doch nach seinem Tod 1826 brachen die Produktionen fast zusammen. Daraufhin übernahm seine Frau und Witwe Therese Krupp das Unternehmen und führte es mit Unterstützung von Verwandten und ihrem ältestem Sohn Alfred Krupp, der zu dieser Zeit 14 Jahre alt war, weiter. Deshalb konnte die Erzeugung englischen Gussstahls fortgeführt werden. Ab 1830 wechselte Alfred Krupp zur Herstellung von Fertigprodukten, beispielsweise Fertigwalzen. Diese Produktion blieb jedoch auf niedrigem Niveau. Erst seit 1834/1835 war eine Expansion des Unternehmens zu erkennen. Ab 1848 war die Firma im Alleinbesitz von Alfred Krupp, die durch einen Großauftrag Russlands, der nur aufgrund eines erneuten Rückgriffs auf das Privatvermögens realisiert werden konnte, nicht zu- grunde ging. Ab 1850 erlebte das Unternehmen einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Ausbau von Eisenbahnen, welche zur Zeit der Ersten Industriellen Revolution sehr gefragt waren. Bis 1873 expandierte der Konzern immer weiter. Damit einhergehend war die Verwirklichung der Krupp´schen Sozialpolitik, die die Gründung von Kranken-/Sterbe- und Pensionskassen, Werkswohnungen bzw. Arbeitersiedlungen, Schulen oder Krankenhäuser beinhaltete, gemäß der Firmenphilosophie Alfred Krupps „ Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, Essen, Februar 1873“2.

1887 kam es zum Tod von Alfred Krupp, worauf hin sein einziger Sohn Friedrich Alfred, der sich hauptsächlich auf Stahlerzeugung konzentrierte, das Unternehmen fortführte. 1902 kam es zum unerwarteten Tod von Friedrich Alfred . Seine Tochter Bertha Krupp erbte das Unternehmen und wandelte dieses in eine Aktiengesellschaft um.

Die Expansion des Unternehmens setzte sich in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg unter der Leitung Gustav Krupps von Bohlen und Halbach aufgrund der guten und internationalen Auftragslage fort. Die Krupp AG versorgte alle bedeutenden Länder (z. B. Frankreich, England) mit Kriegswaffen.

Sozialleistungen blieben erhalten und wurden erweitert. Auch im Verlauf des Ersten Weltkriegs (1914-1918) hielt die Expansion durch erhöhte Produktion von Rüstungsgütern an. Mit Ende dieses Krieges (1918) untersagte der Vertrag von Versailles dem Unternehmen die Produktion von Munition. Daraufhin stellte es seine Produktionen um und entwickelte von nun an Lokomotiven, Lastkraftwagen etc.. 1943 übergab Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Mann von Bertha Krupp, die Firma an seinen Sohn Alfried Krupp. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde G. Krupp v. Bohlen und Halbach als Hauptkriegsverbrecher angeklagt, der jedoch aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes juristisch nicht belangt wurde. Seinem Sohn und dessen Mitarbeiter wurde vorgeworfen, einen Angriffskrieg vorbereitet zu haben. In diesen Fällen wurden die Angeklagten schuldig gesprochen. 1951 wurden Vater und Sohn frei gesprochen, woraufhin Alfred Krupp wieder die Leitung der Firma übernahm. Die Entwicklung des Unternehmens erwies sich bis Mitte der 1960er Jahre als äußerst positiv. Nach Erbverzicht seines Sohnes Arndt Krupp, ging das Vermögen, in die von Alfried errichtete gemeinnützige Stiftung über. Somit setzte sich die Idee der Sozialverpflichtung in moderner Weise fort: Die Erträge des Unternehmens sollten dem Allgemeinwohl zugute kommen.3

2. Rolle im Zweiten Weltkrieg

2.1 Beteiligung an Kriegsverbrechen - bewusst oder unbewusst?

„ Es ist das gro ß e Verdienst der gesamten deutschen Wehrwirtschaft, dass sie in diesen schlimmen Jahren nicht unt ä tig gewesen ist, mochte aus aus einleuchtenden Gr ü nden ihre T ä tigkeit dem Lichte der Ö ffentlichkeit entzogen sein... Nur durch diese verschwiegen T ä tigkeit deutschen Unternehmertums... konnte nach 1933 unmittelbar der Anschluss an die neuen Aufgaben der Wiederwehrhaftmachung erreicht, konnten dann auch die ganz neuen vielf ä ltigen Probleme gemeistert werden. “ 4

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (IMT, Bd. I, S.203 f.) (Braunbuch Seite 17)

In der Rede von 1944 bestätigte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach die heimliche und militärische Unterstützung des NS-Regimes. Mithilfe dieses Passus lässt sich die einleitende Frage, ob die Beteiligung an Kriegsverbrechen bewusst oder unbewusst erfolgte, untersuchen. Dabei sollte man aber zwischen der Familie und dem Konzern differenzieren.. Die Familie Krupp war aus der Geschichte heraus zu tiefst monarchisch und antimarxistisch eingestellt.

Nicht nur, dass Friedrich Alfred Krupp 1893 zum Reichstagsabgeordneten der kaisertreuen Nationalen wurde, darüber hinaus verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Kaiser Wilhelm. 1931 besuchte er den abgedankten Kaiser noch im holländischen Exil, der Kontakt wurde auch noch über 1933 hinaus fortgesetzt5.

Parallel zum wirtschaftlichen und machtpolitischen Wachstum des Kaiserreiches wuchs der Konzern durch den Flottenbau. Der Wunsch des Kaisers nach einer schlagkräftigen, mächtigen und eisernen Flotte bescherte dem Konzern Prosperität und Wachstum. Im Jahr 1902 waren 45.000 und im Jahr 1910 67.000 Arbeiter beschäftigt.

Bertha (Alleinerbin Friedrich Alfreds ) heiratete Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, einen bekanntermaßen autoritätsgläubigen Legationsrat, der das Unternehmen 1909 übernahm und es im Sinne des Kaisers führte und bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die Arbeiterzahl auf 100.000 erhöhte.

Der Krupp Konzern, Teil der gesamten deutschen Hoch-/Schwerindustrie und Finanzwelt (z. B. BMW, VW, Mercedes, Deutsche Bank6 ), standen dem Aufstieg und Dritten Reich wohlwollend und als Paten helfend zur Seite, immer im Glauben mit dem Führer zu paktieren und gute Geschäfte zu machen. Krupp und zahlreiche weitere Großindustriellen waren sich einig, dass Deutschland damit „die Grundlage für ein stabiles Regierungsfundament geschaffen, und es die Störungen beseitigt hätten, die sich aus den ständigen politischen Schwankungen der Vergangenheit ergeben und die wirtschaftliche Initiative stark lähmten.“7

Als erste „Waffenschmiede des Deutschen Reiches“8 erfüllte der Konzern auch hier eine bedeutende Vorreiterrolle.

Die schon oben angesprochene Kongruenz zwischen Deutschem Kaiserreich und den Krupps hatte Gustav auf die nationalsozialistische Herrschaft Hitlers übertragen.

In den Jahren des Versailler Vertrages (vgl. Zitat Krupp von Bohlen und Halbach) unterlag die Firma Krupp den „Fesseln von Versailles“9, da dieser der gesamten deutschen Rüstungsindustrie die Produktion von Schwer- und Kriegsmaschinerie untersagte. Dies zeigt, dass der Konzern, hauptsächlich im Sinne von Gustav Krupp v. Bohlen und Halbach, mit der Wehrwirtschaft bereits in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg paktierte.

Zur Zeit Hitlers Machtergreifung ging in Deutschland ein Wirtschaftsaufschwung einher. Mit diesem Aufstreben wurde die Unternehmenspolitik mit der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik stark verknüpft. Als Beweis für den Aufschwung des Konzers zu dieser Zeit können Umsatz- und Beschäftigungszahl herangezogen werden: In den Jahren 1937/38 stieg der Umsatz von 809,6 Mill. RM auf 1,1 Mrd. RM in 1942/43, die Beschäftigtenzahl im gleichen Zeitraum von 123.400 auf 235.000.10

Ein weiteres Indiz, dass für eine Zusammenarbeit spricht, sind die Spenden der Großindustriellen, mit inbegriffen die Firma Krupp, vertreten durch Krupp von Bohlen und Halbach, an die NSDAP, wobei mehr als zwei Millionen RM an die Partei nachweisbar sind.11 G.Krupp v. Bohlen und Halbach wirkte seit dem 04. April 1933 im geheimen „Reichsverteidigungsrat“ an der Nazifinanzierung entscheidend mit und organisierte die „Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft.“12 Dieses Gremium führte er mit „Martin Bormann, Hitlers Schatten,“13 ein und erzielten bis 1945 Spenden i.H.v. 700 Mill. RM.14

In einem Dankesbrief an den Führer und Reichskanzler bedankte er sich ausdrücklich, dass er als Leiter des Ausschusses der „Adolf-Hitler-Spende“ seine Arbeit mehr als erwartet und erhofft erfüllen konnte: „Es ist mir eine tiefe Befriedigung, dass ich Ihnen während dieser Zeit auf eine bescheidene Weise dienen durfte.“15

Außerdem übernahm Krupp von Bohlen und Halbach, bereits am 24. April 1933, im „Reichsverband der deutschen Industrie“16 das Führerprinzip.

Noch 1942 blickt Gustav mit gewissem Stolz auf die Zeit nach Hitlers Machtübernahme 1933 zurück: „Nach der Machtübernahme hatte ich die Genugtuung, dem Führer melden zu können, dass Krupp nach geringer Anlauffrist für die Wieder-wehrhaftmachung des deutschen Volkes ohne Lücken in seinen Erfahrungen bereits stehe.“17

Hitlers Regime und Regierungsapparat, insbesondere das Waffenamt der Wehrmacht war auch an der Unterstützung der größten deutschen Schwerindustriellen interessiert. Für die Aufrüstungspläne wirtschaftlich, technisch und auch ideologisch unverzichtbar. In Hitlers Rede am 14. Sept. 1935 in Nürnberg, vor 54.000 Hitlerjungen, „... muss der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.“18 Dies unterstreicht den Fokus Hitlers auf die Firma Krupp zur Verwirklichung seiner Rüstungspläne. Entscheidend für die Beurteilung des Konzerns ist auch sein Verhalten in den ersten Kriegsjahren nach der Annexion Polens, Niederlande, Belgien Frankreichs Luxemburg Norwegen, Dänemark, Jugoslawien und Griechenland. Dort wurden Vermögen, Betriebe und Rohstoffe annektiert und geplündert. „Inzwischen hatte Krupp (Alfried) beachtliches Geschick erworben, anderer Leute Fabriken zu übernehmen und sie auf Waffenproduktion umzustellen.“19 Er sollte später auch juristisch belangt werden im Kriegsverbrecherprozess wegen der „Plünderung von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland “20

Schon vor dem Überfall auf Polen hat Hitler von den Großindustriellen eine Liste über das 1918 verlorene Vermögen verlangt.21 In Frankreich ist beispielweise zu erwähnen wie mit Robert de Rothschild verfahren wurde, der wegen seiner jüdischen Herkunft sein Traktorwerk mit einem „freiwilligen“ Vertrag an Krupp abtreten sollte, sich aber weigerte. „Rothschild musste in die Gaskammer, damit Krupp sich bereichern konnte“.22

Beleg für den Antisemitismus im Krupp-Konzern ist eine Zünderfabrik, in der Nähe des KZ in Auschwitz, für die das Konzentrations- und Vernichtungslager die Arbeitssklaven lieferte, eine Vernichtung durch Arbeit.23

Ein weiterer Anklagepunkt war „Sklavenarbeit.“24 Es war ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.“25 Dafür sprechen die unfassbaren Zahlen der in den „81 Fabriken des Kruppkonzerns“26 ausgebeuteten Opfer: In der Zeit von 1940- 1945 69.898 Zwangsarbeiter, 4978 KZ-Häftlinge und 23.076 Kriegsgefangene.27 Synonym für die unmenschliche Behandlung und Ausbeutung war das Barackenlager an der Humboldtstraße, das zur Außenstelle des KZ Buchenwald wurde28, weil dort 520 jüdische Frauen aus Ungarn interniert waren.

Die unzähligen und unbeschreiblichen Gräueltaten sind nur ein Abbild wie sie, gleichgültig, unmenschlich und sadistisch auch in den Konzentrationslager begangen wurden. Ein Krupparbeiter schreibt am 18.3.1942 „ es geht nicht an, dass die Leute (Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Frau und Kinder) hier bei der Arbeit verrecken, die Leute sollen bei uns arbeiten, dann muss man aber auch dafür sorgen.“29

Das Kapitel Zwangsarbeit ist für Krupp in jedem Fall beschämend.30

Für die Beurteilung der Schuldfrage ist die Unterscheidung in juristischer und moralischer Kategorie von Relevanz.

Die Schuld liegt bei der Leitung, Direktoren, Vorarbeitern und Aufsehern.

Allein Alfried Krupp hätte die Bedingungen für die Sklavenarbeiter ändern können. Juristisch wurde Alfried Krupp am 1. Juli 1948 schuldig wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Beschäftigung ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen gesprochen und zu zwölf Jahren Haft mit dem Verlust seines Vermögens verurteilt. 1951 wurde er begnadigt und erhielt sein Vermögen zurück (Krupp wurde im Kalten Krieg auf Seiten der USA benötigt). Sowohl die Strafe an sich, als auch die Begnadigung sind moralisch dennoch nicht vertretbar. Denn die Schuld wurde nicht persönlich bereut und die Verbrechen im Zuge der Ideologie des Nationalsozialismus und des Holocaust von sich abgewiesen. Daraus folgt, dass die finanzielle Entschädigung der Opfer nicht als ernst gemeinte Sühne verstanden werden kann.

3. Vergangenheitsbewältigung

Nachdem im anfänglichen Teil dieser Arbeit die Schuldfrage der Firma Krupp im Zweiten Weltkrieg analysiert wurde, wird im Folgenden der Aspekt der Vergangenheitsbewältigung betrachtet. Wie geht das Unternehmen selbst mit seiner Vergangenheit um? War eine Konfrontation mit einem solch prekären Thema erwünscht oder wurde es bewusst in den Hintergrund gestellt? Auffällig beim Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist, dass die Aufarbeitung der Geschichte und Taten des selbst errichteten Unternehmens unzureichend sind und große Lücken enthalten, sodass Fragen aufkommen und teils offenbleiben.

Der Name Krupp und das Thema Krieg soll in keinerlei Weise miteinander in Verbindung gebracht werden. „Als hätte es die „Waffenschmiede des Reiches“ nie gegeben.“31

Der Umgang mit der Vergangenheit lässt sich im Falle dieser Unternehmerfamilie so charakterisieren, dass eine direkte Schuld für die Beteiligung an Kriegsverbrechen von sich abgewiesen und der Profit, der zu Kriegszeiten aus entsprechenden Produktionen gezogen wurde, mit der Einstellung bzw. dem Konzept eines Geschäftsmannes, für den die Erhaltung seines Betriebes und der Arbeitsplätze oberste Priorität hat, begründet und entschuldigt wird. Die Großgewinner, die Drahtzieher der deutschen Großindustrie ziehen sich zurück und werden verschont. Die Alleinschuld wird auf Hitler und seine Anhänger im NS-Regime geschoben. Eine „Gründlichkeit des Vertuschens“32 ist in der Aufarbeitung der Geschichte dieses Unternehmens, welches aus lukrativen Rüstungsgeschäften und den damit verbundenen Zuspruch zur „Hitler-Diktatur“ zu eines der Größten in der Rüstungsindustrie machten, zu erkennen und die eigentliche deutsche Genauigkeit wird vermisst. So sei hier aufgeführt, dass sich in einer siebenundzwanzigseitigen Broschüre „Ideen machen Geschichte“, herausgegeben von der Fried. Krupp GmbH, nur zwanzig Zeilen mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges und deren Produktionen beschäftigen.

4. Stellungnahme

Die Frage, ob das Unternehmertum Krupp bewusst oder unbewusst die Unterstützung von Kriegsverbrechen bzw. eine Kollaboration mit dem Führer Adolf Hitler vollzogen hat, ist in meinen Augen klar zu beantworten:

Der Gedanke, aus Rüstungsgütern für den Krieg, Profit zur Aufrechterhaltung der eigenen Firma zu schlagen, war durchaus in mehreren Generationen der Familie Krupp zu erkennen. Es besteht somit die Möglichkeit, diesen Gedanken bzw. Wunsch als ein Familienkonzept, eine Firmenphilosophie anzusehen.

Oder war es sogar typisch Krupp?

Es kann die Folgerung gezogen werden, dass man sich der Beteiligung an Kriegsverbrechen vollkommen bewusst, wenn sie nicht sogar erwünscht war. Indizien dafür sind, dass Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Ehemann der Firmeninhaberin Bertha Krupp von 1902-1943, sein Unternehmen selbst als die „Waffenschmiede des Reiches“33 bezeichnete. Außerdem machte er dieses heikle Thema bewusst nach außen hin deutlich und bestätigte 1944 in einer Rede die militärische Unterstützung des NS-Regimes. Sein Vorgänger Alfred Krupp, der die Firma 1826 im jungen Alter von 14 Jahren übernahm, wurde zu seinen Lebzeiten ebenfalls als „Kanonenkönig“ bezeichnet, da sich die kruppschen Geschütze schon im deutsch - französischem Einigungskrieg 1870/1871 als deutlich überlegen erwiesen.

Außerdem fanden des Öfteren Treffen der Familie Krupp und Adolf Hitler im Park der „Villa Hügel“ statt.

Schließlich ist eine bewusste Beteiligung an Kriegsverbrechen und eine militärische und private Verbindung mit Hitler nicht zu leugnen.

Des Weiteren stellt sich nun die Frage, ob diese Taten und Gedanken eines solch expandierten, international bekannten und einflussreichen Unternehmens vertretbar oder mit einem kritischen Auge zu betrachten sind.

Dabei ist eine Relativierung dieser Fragestellung erforderlich.

Einerseits sind Produktionen, damit inbegriffen Rüstungsgeschäfte für den Krieg, vertretbar, da so hohe finanzielle Gewinne erbracht wurden, die zur Aufrechterhaltung und Expansion des Unternehmens beitrugen. Eine Gewinnmaximierung zur Versorgung der eigenen Existenz und die des Unternehmens, sind schließlich bei jedem Geschäftsmann vorhanden. Sowohl zur damaligen Zeit als auch in der aktuellen Situation.

Es ist nicht vertretbar, dass Firmen (neben Krupp noch zahlreiche weitere, beispielsweise Mercedes-Benz, BMW und VW)34 sich bewusst an Kriegsverbrechen, Mord an Millionen von Menschen und an der Ausrottung verschiedenster Kulturen, Völker und Länder zu beteiligen, es aber trotzdem aufgrund der „Banknoten in ihren Augen“ und Gewinnstrebens in Kauf nehmen.

Somit haben sich die Erben dem Firmenphilosophie des Gründers Alfred Krupp „Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein“35 deutlich entfernt und diese konterkariert. Sie bauen ihre Firmen auf den Gräbern anderer auf und aus. Sie verdienen ihr Geld durch Töten anderer Menschen. Sie sind als „Förderer und Nutznießer und Mitverantwortliche am Massenmord zweier Weltkriege“36 anzusehen, aber zeigen keinerlei Ansätze der Reue, Buße oder Scham!

III. Schluss

1. Fazit

Die ideologischen Standpunkte beider Seiten sprechen für eine Zusammenarbeit in privater und militärischer Hinsicht. Hitlers fanatische Auffassung von Antisemitismus und Rassismus trafen im Krupp-Konzern und in der Familie auf offene und immanente Zustimmung bzw. fruchtbaren Boden. Insgesamt wies die Familie Krupp Interesse an Staatsmännern auf, um durch solche Zusammenarbeit und Kollaborationen Vorteile für ihre Firma zu erzielen und das eigene Vermögen zu vermehren. Es wurde schon zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches mit Reichskanzler Otto von Bismarck und mit Kaiser Wilhelm agiert. Diese Kongruenz wurde fließend auf das Staatsoberhaupt und den Führer Adolf Hitler übertragen.

Krupp als Profiteur der Kriegsmaschinerie lässt sich mit Zahlen belegen, aus denen sich eine Steigerung des Vermögens zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ablesen lässt.

Trotzdem stellt sich immer noch die Frage, wer einen solch engen Kontakt mit Hitler geführt hat und wer sich hauptsächlich für die Kriegsmaschinerie interessierte.

Doch auch diese Fragestellungen lassen sich wir folgt beantworten: Es war Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Ehemann von Bertha Krupp, der die Firma dazu veranlasste, ihr Vermögen mithilfe von Produktionen für den Zweiten Weltkrieg zu steigern. Indiz dafür ist die Anklage in Nürnberg vor dem Internationalem Gerichtshof als Hauptkriegsverbrecher. Doch krankheitsbedingt war Gustav Krupp nicht verhandlungsfähig.

Durch diese Krankheit hatte Bertha Krupp es geschafft, bei Hitler durch eine „Lex Krupp“37 vom 29.12.1943 die Aktiengesellschaft ohne steuerliche Folgen, in eine Einzelfirma mit Inhaber Alfried umzuwandeln. Statt seines Vaters, stand Alfried im juristischen und moralischen Fadenkreuz. Somit wurde Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, dem eigentlichen Drahtzieher, die Schuld nicht zugerechnet und nicht zur Verantwortung gezogen.

Am Ende dieser Arbeit lässt sich sagen, dass kaum eine Familiengeschichte so mit der Gründung und Entwicklung des Deutschen Reiches, Deutschlands und Dritten Reiches verbunden und interaktiv beeinflusst ist, wie die, der Familie Krupp.

Doch das ambivalente Verhalten der Familienmitglieder mit dem Hitler-Regime und den Untaten gegenüber dem Menschen, hat oft zu einem großem Spektrum an Interpretationen der Schuldfrage geführt, aber die hier angeführten Fakten sprechen schließlich gegen den Kruppkonzern und Familie, sodass selbst die Stiftung „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung“38 die Schuld an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht bereinigen kann.

IV Quellen- & Literaturverzeichnis

1. Quellen

HERWEGH, Georg: Fragmente und Aphorismen, Kapitel 27, 1870-1875, Projekt Gutenberg/ gutenberg. Spiegel. Online.de. (= „Fragmente und Aphorismen“, Georg Herwegh)

KRUPP VON BOHLEN UND HALBACH, Gustav: Rede 1944, hrsg. v. VVN-BdA Essen, P Schnittker. (= „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, P. Schnittker)

HITLER, Adolf: Die Reden Hitlers am Parteitag der Freiheit, 1935, hrsg. v. F. Eher Nachf. (= Die Reden Hitlers am Parteitag der Freiheit, 1935, F. Eher Nachf.)

2. Darstellungen

FRIED. KRUPP GmbH: Ideen machen Geschichte, Stabsabteilung Information, 4300 Essen 1. (= „Ideen machen Geschichte“, Fried. Krupp GmbH)

KÖHNE-LINDENLAUB, Renate: Unternehmensgeschichte Krupp, Deutsche Fassung des

Artikels in: International Directory of Company Histories, Vol, IV, St. James Press, London 1992, p 85-89. (= „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne- Lindenlaub)

MANCHESTER, William: Krupp. Chronik einer Familie, München 1982. (= „Krupp. Chronik einer Familie“, W. Manchester)

MANCHESTER, William:Krupp Zwölf Generationen, München 1968 ( = „Krupp - Zwölf Generationen“, W. Manchester)

SCHNITTKER, Paul: Krupp-die blutige Spur der Dynastie, hrsg. v. VVN-BdA Essen, Co Paul Schnittker, 45279 Essen. (= „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, P. Schnittker)

STENGLEIN, Frank: Krupp-Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens, Essen 1968. (= „Krupp“, F. Stenglein)

VVN/BDA NRW: Die Geschichte der Krupps im NS Faschismus (http.//www. Verbrechen-der-wirtschaft.de/texte/0031_krupp.html) (Stand:13.12.2015). (= VVN/BdA NRW)

WIKIPEDIA: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Krupp_Logo.svg. (= Logo Krupp) WULF, Joseph: Martin Bormann, Hitlers Schatten, 1962. (= „Martin Bormann, Hitlers Schatten“, J. Wulf)

ZDF Mediathek: https://www.youtube.com/results?search_query=krupp+mythos+und+wahrheit. (=ZDF Doku Krupp)

V.Anhang

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[...]


[1] „ Fragmente und Aphorismen“, Georg Herwegh

[2] „Ideen machen Geschichte“, Fried. Krupp GmbH, S.2

[3] Vgl.:Ideen machen Geschichte“, Fried. Krupp GmbH

[4] „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P. Schnittker, S.7

[5] Vgl.: „KRUPP“, F. Stenglein, S.103

[6] Vgl.: „KRUPP“, F. Stenglein, S. 122

[7] „Krupp. Chronik einer Familie“, W. Manchester, S.281

[8] VVN/BdA NRW

[9] „Krupp. Chronik einer Familie“, W. Manchester, S.333

[10] Vgl.: „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne-Lindenlaub, S.4

[11] Vgl.: „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.8

[12] „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.9

[13] „Martin Bormann, Hitlers Schatten“, J.Wulf

[14] Vgl.: „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.10

[15] „Krupp. Chronik einer Familie“, W. Manchester, S.356

[16] „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.12

[17] „KRUPP“, F. Stenglein, S.115

[18] Die Reden Hitlers am Parteitag der Freiheit 1935, F. Eher Nachf. S. 57

[19] W. Mamchester:²Krupp Chronik einer Familie“, S.409

[20] „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne-Lindenlaub, S.5

[21] „Krupp. Chronik einer Familie“, W. Manchester, S.400

[22] „Krupp Zwölf Generationen“ W. Manchester, S. 403

[23] Vgl.: „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.13

[24] „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne-Lindenlaub, S.5

[25] „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne-Lindenlaub, S.5

[26] „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.17

[27] Vgl.: „Krupp-die blutige Spur der Dynastie“, VVN-BdA Essen, P.Schnittker, S.17

[28] Vgl.: „KRUPP“, F. Stenglein, S.141

[29] ZdF Doku Krupp

[30] Vgl.: „KRUPP“, F. Stenglein, S.141

[31] VVN/BdA NRW

[32] VVN/BdA NRW

[33] VVN/BdA NRW

[34] „KRUPP“, F. Stenglein, S. 122

[35] „Ideen machen Geschichte“, Fried. Krupp GmbH, S.2

[36] VVN/BdA NRW

[37] „KRUPP“, F. Stenglein, S.125

[38] „Unternehmensgeschichte Krupp“, R. Köhne-Lindelaub, S.6

[39] Logo Krupp

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (Buch)
9783668346338
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344585
Note
Befriedigend
Schlagworte
Krupp Zweiter Weltkrieg NS-Zeit Schuldfrage Profit Nationalisozialismus Drittes Reich

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