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Coco Chanel. Die Entwicklung der Französischen Haute Couture

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definition Haute Couture
2.2 Die Entstehungsgeschichte der Schneiderkunst
2.3 Frankreich als Hauptzentrum der Entstehung von Haute Couture
2.4 Die Krisenzeiten und der Wandel in der Haute Couture

3. Der Werdegang von Coco Chanel als Couturiere

4. Die Umkremplung der Konzeption der Haute Couture
4.1 Die Bedeutung der Haute Couture Heutzutage

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Internetquellen

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit befasst sich mit der Entstehung der Schneiderkunst im 18. Jahrhundert und der daraus resultierenden Entwicklung der Haute Couture Mode im 19. Jahrhundert.

Im ersten Kapitel wird zunächst der Begriff „Haute Couture“ definiert und erläutert. Es wird auf die Entstehungsgeschichte der Haute Couture Mode in Frankreich - im besonderen in Paris - eingegangen, des weiteren wird der immer wichtiger werdende Stellenwert der Mode aufgezeigt.

Die Fragestellung, ob die Kriege sich auf die Haute Couture Mode ausgewirkt haben, wird in ebenfalls im ersten Kapitel beantwortet.

Anhand von Coco Chanels Biographie wird im 2. Kapitel die Rolle des Haute Couture Designers zur der damaligen Zeit verdeutlicht – der Ruhm sowie der Fall und das Wiederauferstehen der Modeschöpferin werden berücksichtigt. In diesem Zusammenhang wird die Situation der Modeschöpfer während und nach dem 2. Weltkrieg erläutert.

In einem weiteren Kapitel wird auf den Wandel der Gesellschaft sowie auf die maßgebenden Vorraussetzungen für ein erfolgreiches Modeunternehmen heutzutage eingegangen. Hierbei wird auf die Umkehrung von der heutigen Art und Weise, Trends zu setzten und der früheren Entstehung von Modetrends eingegangen. Zudem wird deutlich klargestellt, was sich verändert hat.

Der letzte Teil dieser Hausarbeit ist eine abschließende Betrachtung der Geschichte der Haute Couture Mode bis zum heutigen Tage.

Die Notwendigkeit des Bestehens der Haute Couture wird erklärt und eine Prognose für das weitere Bestehen der Haute Couture Branche wird in diesem letzten Abschnitt ebenfalls gegeben.

2. Hauptteil

2.1 Definition Haute Couture

Die Bezeichnung Haute Couture stammt aus dem Französischen. Der Begriff wurde in Frankreich im 19. Jahrhundert geprägt und bedeutet übersetzt „Gehobene Schneiderkunst“.

Charles Frederick Worth, einer der Mitbegründer der Haute Couture, gründete 1857/58 das größte Modehaus, in dem er neuartige, äußerst exklusive Mode für gehobene Kundschaft anbot.

Laut Ingrid Loshek ist die Haute Couture Mode die wegweisende, exklusive Pariser Schneiderkunst, die in hochwertiger Handarbeit maßgeschneidert erstellt wird.

Die Bezeichnung Haute Couture ist zudem juristisch vom „Chambre Syndicale de la Haute Couture“3 in Paris geschützt. Dieser Club entscheidet, welche der größten Modehäuser den Titel eines Haute Couture Hauses tragen dürfen, nachdem sich diese in einem Auswahlverfahren beworben haben.

2.2 Die Entstehungsgeschichte der Schneiderkunst

Um das 12. Jahrhundert herum wurde die Bekleidung vorwiegend noch in Klöstern hergestellt. Der Beruf des Schneiders kam erst Mitte des 12. Jahrhunderts auf. In Deutschland verwendete man schon damals den Begriff des „Sniders“1. In Frankreich gab es schon eine Differenzierung zwischen dem Schneider und dem Näher. Der Schneider war im Gegensatz zum Näher nicht in einer Zunft[1] organisiert und hatte von daher einen weniger guten Ruf, den er galt nicht als kreativer Künstler wie heutzutage, sondern schlichtweg als ein Handwerker. Er hatte somit auch weniger Aufträge.

„Herein, wenn’s kein Schneider ist“

Diese Redewendung stammt aus dieser Zeit und wird heutzutage noch oft verwendet, es gibt verschiedene Deutungsansätze.

Bezogen auf das Schneiderhandwerk leitet sich die Redewendung wie folgt ab:

Wie oben aufgeführt, gehörten die Schneider damals nicht zu den angesehenen Ständen. Sie hatten ein geringes Einkommen und wurden für ihre Arbeit schlecht, wenn nicht sogar gar nicht bezahlt, so dass sie Hausbesuche abstatten mussten, um sich ihr Geld zu holen.

Durch die französische Revolution in 1789 wurden die Zünfte endgültig abgeschafft und somit veränderte sich nach und nach auch die Stellung des Schneiders.

Auch schon vor der Revolution um 1760 gab es einige Veränderungen, so wurde die Zunft des Kurzwarenhändlers zur Zunft des Modehändlers umbenannt. Der Modehändler fertigte damals anfänglich Mäntel und Umhänge.

2.3 Frankreich als Hauptzentrum der Entstehung von Haute Couture

Das Thema Mode gewann in Paris im 18. Jahrhundert einen immer größeren Stellenwert.

Die Stadt war eingenommen von der Verschwendungssucht am Hof. Es gab eine Vielzahl an talentierten Schneiderinnen, Stickerinnen, Putzmacherinnen und zudem viele Hersteller von Knöpfen, Schnallen, Gürteln und Fächern, welche die gehobene Pariser Kundschaft mit alldem, was sie sich vorstellte, versorgte.

Die neuesten Kleidungsstücke der Schneider wurden anhand einer Puppe, die heutzutage mit dem Mannequin gleichzusetzen ist, von Stadt zu Stadt durch Europa gefahren und präsentiert.2

Die Haute Couture wird zuerst Grande Couture genannt und derjenige, der diese anfertigt, wird noch „Tailleur“ gennant, später dann Couturier.

Der Schneider ist in diesem Sinne kein simpler Schneider mehr sondern ein schöpfender Künstler, welcher tragbare Kunst entwirft.

1845 kam der Engländer Frederick Worth nach Paris und veränderte die bis dahin bestehende Modewelt nachhaltig.

Er fing als Verkäufer bei dem damals hoch angesehenen Modehaus Gagelin an und designte nach kürzester Zeit Kleider für die Firma.

1858 eröffnete er seine eigene Firma und entwarf seine eigene Mode. Das erste Mannequin, das die Entwürfe von Charles Frederick Worth trägt, ist seine eigene Frau.

Zu seinen damaligen Kundinnen gehörten Damen aus der High Society wie die Kaiserin Eugenie, die Fürstin Metternich von Österreich, Königin Victoria von England und noch viele weitere.

Was Worth revolutionierte, war die Methode des Entwerfens. So war es zuvor in der Regel üblich, dass die wohlhabenden Damen das Design ihres Kleides vorgaben, welches dann vom Schneider exakt nachgeschneidert wurde. Worth entwarf seine eigenen Modelle bzw. Kollektionen, welchen er Namen gab und präsentierte diese mehrmals jährlich auf seinen Modeschauen. Die Kundinnen entschieden sich auf diesem Wege für eines der präsentierten Modelle, welches sie sich dann mit einem selbst ausgesuchten Stoff auf ihre Maße anfertigen bzw. umnähen ließen.

Die stets mit seinem Namen versehenen Couture Modelle wurden beliebig oft verkauft, exportiert und auch reproduziert, es dauerte nicht lange bis es immer mehr Nachahmer und Kopien von Worths Couture Modellen gab.

Er war Mitinitierer der „Chambre Syndicale de la Couture Francaise“, welche später dann noch in „Chambre Syndicale de la Couture Parisiene Federation Francaise“ umbenannt wurde.3

Die Aufgabe dieses Clubs, war es Regeln aufzustellen, welche besagten, was für Anforderungen ein Modehaus erfüllen muss, um sich als ein Haute Couture Haus zu bezeichnen.4

Somit wurde die Exklusivität und Einzigartigkeit der Couture Mode gesichert, da sie immer mehr kopiert wurden.

Aufgrund der Vielzahl an Abnehmern und der berühmten Persönlichkeiten, die seine Kreationen trugen, eröffnete Worth sein eigenes Modehaus, welches den Namen „House of Worth“ trug.

Worth gehörte somit zu den Mitbegründern der Haute Couture Mode.

Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurde zum Beispiel zum ersten Mal eine Nähmaschine gezeigt, welche damals noch als „Weltneuheit“ galt.

2.4 Die Krisenzeiten und der Wandel in der Haute Couture

Nachdem ersten Weltkrieg veränderte sich die gesellschaftliche Lage, die gehobene Gesellschaft konsumierte nun nicht mehr wie sonst und die Frauen mussten arbeitstüchtig werden und bekamen mehr Rechte, zudem wurde die Haute Couture Mode ein Teil der Industrie. Der persönliche Kontakt wie er bis dato vom Designer zur Kundschaft geführt wurde war somit auch nicht mehr gegeben. Immer häufiger wurde in die USA exportiert. Die Frauenmode verlangte nun immer mehr nach funktioneller, tragbarer Bekleidung, welche zur Arbeit getragen werden konnte.

Coco Chanel, echter Name Gabrielle Chanel, traf genau diesen Zeitgeschmack mit ihren sportlichen, schlichten und unverzierten Schnitten und gründete zu dieser Zeit das große Chanel Imperium.

3. Der Werdegang von Coco Chanel als Couturiere

Gabrielle Chanel, geboren am 19.August 1883 in Saumur Frankreich, wuchs unter ärmlichen Verhältnissen in einer zerütteten Familie auf.

Ihr Vater, Albert Chanel, war ein freilebender Mensch. Er wird als temperamentvoller, aufbrausender Mensch beschrieben, der sich an nichts binden wollte, nicht einmal an die Mutter seiner unehelichen Kinder, Jeanne Devolle. Sie wurde versehentlich von ihm schwanger und Albert Chanel flüchtete aus Courpiere, um sich den daraus entstehenden Problemen und Schwierigkeiten zu entziehen.

Es verstrich eine gewisse Zeit bis Jeanne den Vater ihrer noch ungeborenen Tochter in Aubenas auffinden konnte. Er sollte schließlich sein eigenes Kind anerkennen und Jeanne verhoffte sich doch noch eine Heirat mit Albert, die dieser aber zunächst verweigerte, um sich dann später doch überreden und Jeanne als rechtlich angetraute Frau erklären zu lassen. Jeanne blieb bei ihm in Aubenas, da sie auch aufgrund ihres schlechten Rufs nicht mehr zurück in ihre Heimat wollte.

Sie sollte kurz darauf mit Gabrielle Chanel erneut schwanger werden. Für Jeanne und Albert war es zu diesen Zeiten schwer, sich öffentlich zu zeigen. Jeanne war an Albert gebunden, sonst wäre sie mit 2 Kindern auf der Straße gelandet. Auf die Geburt von Gabrielle Chanel folgten 4 weitere Kinder bis Jeanne im Alter von 33 Jahren tot aufgefunden wurde.

Da sich Albert Chanel nach wie vor nicht sonderlich um seine Kinder kümmerte, wuchsen die beiden Schwestern Gabrielle und Julia in einem Waisenhaus auf, im Kloster von Obasine, franz. „Aubazine“. Dort elernten sie - bis sie mit 18 das Kloster verließ - die Fähigkeiten des Schneiderns.

Gabrielle „Coco“ Chanel fing zunächst als Schneiderin in Moulin an und trat zu dieser Zeit auch als Sängerin auf, um sich noch etwas dazu zu verdienen. Ihr Standardstück, das sie stets sang war „Qui qu’a vu Coco“. Dies brachte ihr den Rufnamen „Coco“ ein, den sie Ihr Leben lang behalten sollte.

Während dieser Zeit in Moulin lernte Chanel viele reiche Offiziere kennen und lieben. Zahlreiche Liebschaften werden ihr nachgesagt.

Diese Partner und Liebhaber eröffneten ihr die Pforten in eine neue glanzvolle Welt und es dauerte nicht lang und sie machte sich einen Namen in der feinen, reichen Abendgesellschaft Moulins.

Eine Bekanntschaft in Moulin jedoch, die mit dem Pariser Offizier Ethienne Balsan, veränderte ihre bisherige Lebenssituation und ihren beruflichen Werdegang enorm.

Im Jahre 1909 ermöglichte Ethienne es Gabrielle ihr eigenes Hutatelier in seiner Pariser Wohnung zu eröffnen. Sie begann für ihre Bekannten und Freunde der feinen Pariser Gesellschaft eigens designte Haute Couture Hüte herzustellen.

Diese waren erstmalig für diese Zeit ohne jegliche Verzierungen wie Straußenfedern,Tüll und Schleifen aus Samt.6

Eine weitere, sehr wichtige Bekanntschaft machte sie mit dem reichen Erben Arthur Chapel mit dem Spitznamen „Boy“. Er verkehrte in der feinen, reichen Gesellschaft und war ein Kohleminen Erbe.

Es dauerte nicht lange und Gabrielle und Arthur waren ein Paar. Coco Chanel hat immer gesagt, dass er die Liebe ihres Lebens war. Er unterstützte sie soweit es ging und gab ihr Bestätigung indem was sie machte. Zudem finanzierte er sie und gab ihr sein Geld.7

„Er hat mich geformt und verborgene Talente in mir gefördert, die einzigartig waren“8

Bereits nach kurzer Zeit waren die Chanel Hutkreationen so gefragt, dass sie ihr eigenes Geschäft unter dem Namen „Chanel Modes“ eröffnete.

Sie wurde immer mehr zur Stilberaterin ihrer Kundschaft und kam so auf die Idee, irgendwann ihre eigenen Kleider zu entwerfen.

Sie verhalf den Damen der Gesellschaft aus der engen, umständlich geschnürten und in ihren Augen frauenfeindlichen Kleidermode, in der sich die Frauen nicht alleine bewegen konnten – enggeschnürte Korsetts und schwere Kleider. Die Frauen mussten sich stets konzentrieren während sie sich fortbewegten und es kam nicht selten vor, dass eine von ihnen ohnmächtig wurde.

[...]


[1] Hellmeister,Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S.3

2 http://www.zeit.de/1962/48/puppen-sind-nicht-nur-harmlos (Stand:19.06.2013).

3 vgl. Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S.7

4 http://www.zeit.de/lebensart/mode/2010-01/designer-maenner (Stand:02.06.2013).

6 http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=453&RID=1 (Stand:19.06.2013)

7 Charles-Roux,:Edmonde: Coco Chanel. Ihr Leben in Bildern,München , Knesebeck GmnH & Co. Verlags KG,2005, S 78.

8 Chanel, zit. nach Wallach, Janet (1999): Coco Chanel, S 27

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668349254
ISBN (Buch)
9783668349261
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344779
Note
1,1
Schlagworte
Coco Chanel Haute Couture Modeschöpferin Modetrends Mode im 19. Jahrhundert

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Titel: Coco Chanel. Die Entwicklung der Französischen Haute Couture