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Evaluation einer moodle-Lernumgebung in der Ausbildung zum/r Operationstechnischen Assistenten/in

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 36 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. OP-Campus

3. Kompetenzmodell von Theodor Hülshoff

4. Forschungsfrage und Hypothesen

5. methodischer Zugang
5.1. Fragebogenkonstruktion
5.2. Pre-Test

6. Datenerhebung

7. Auswertung des Fragebogens

8. Darstellung der Ergebnisse

9. Diskussion der Ergebnisse

10. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Handlungskompetenzmodell von Theo Hülshoff

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Cronbachs Alpha

1. Einleitung

Die Ausbildung zu Operationstechnischen Assistenten wird seit 1996 nach Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) durchgeführt. Der Bedarf an diesen Fachkräften wird in den nächsten Jahren stets weiter steigen. Daher hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine neue Fassung der Ausbildungsempfehlung für die Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen Assistenten mit Wirkung zum 01.04.2014 verfasst. Grundlage ist weiterhin die Fassung des OTA-Curriculums vom Deutsche OTA-Schulträger-Verband (DOSV) von 2012, welche einen Paradigmenwechsel in der Ausbildungsausrichtung darstellt (DOSV, 2011, S.2). Es sind handlungsorientierte Ziele definiert worden, welche neu bestimmten Lernbereichen zugeordnet worden sind. Insgesamt stehen in der OTA-Ausbildung 1600 Stunden für die theoretische Ausbildung, neben 3000 praktischen Stunden, zur Verfügung, um eine berufliche Handlungskompetenz zu erlernen. Diesbezüglich sind vier Lernbereiche konzipiert worden, die dazu beitragen sollen, dass die „Vermittlung der […] vorgegebenen Inhalte sich stärker an der beruflichen Wirklichkeit orientiert, damit die entsprechende Handlungskompetenz in den Ausbildungsmittelpunkt rückt und nicht wie bisher vorrangig fachspezifisches Detail- und Faktenwissen gelehrt und reproduziert wird“ (DOSV, 2011, S.4). Das Handlungskompetenzmodell dieses Curriculums leitet sich vom Kompetenzmodell Theodor Hülshoffs ab. Hülshoff beschreibt dazu vier Kompetenzbereiche: Sozial-, Personal-, Methoden- und Fachkompetenz. Anhand des Kompetenzmodells von Hülshoff werden bestimmte Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung gestellt. So verändert sich die Lehrerrolle, da der Lehrer die Funktion des Lernbegleiters einnimmt. Die Begleitung spielt im Ausbildungsverlauf eine wesentliche Rolle, da die Schüler den angestrebten Kompetenzerwerb nur durch adäquate Begleitung ermöglicht werden kann (DOSV, 2011, S.5). Die Lehrenden werden zu Begleitern und die Schüler zu eigenverantwortlichen Akteuren des eigenen Lernprozesses. Für diese handlungsorientierte Unterrichtsausrichtung des Ausbildungscurriculums von 2012 ist, wie bereits erwähnt, die DKG-Empfehlung der Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten im Jahr 2014 neu konzipiert worden, so dass E-Learning als ein zentraler Bestandteil in die theoretische Ausbildung integriert worden ist. „Bezüglich des theoretischen Unterrichts können maximal 10 von hundert in nachgewiesenen Formen von selbstgesteuertem und/ oder E-Learning durchgeführt werden“ (DKG-Empfehlung, 2014, S.7). Um diese Vorgabe umzusetzen ist am Bildungszentrum St. Hildegard für die dreijährige Ausbildung zum/r Operationstechnischen Assistenten/in eine Moodle-Plattform, welche „OP-Campus" benannt wurde, integriert worden. Diese wird unterstützend im Unterricht eingesetzt. Die Moodle Plattform ermöglicht den OTA- Schülern einen gegenseitigen Austausch in Foren, Zusatzinformationen zu einzelnen Unterrichtseinheiten können heruntergeladen werden und Videos bzw. Quizze unterstützen beim individuellen Lernprozess. Ziel im Bildungszentrum ist es, die berufliche Handlungskompetenz der Auszubildenden durch den Einsatz von Medien zu stärken. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Fach- sowie Methodenkompetenz. Diese Kompetenzen werden intern stets evaluiert. Allerdings fehlt in diesem Zusammenhang eine Erhebung über die Personal- und Sozialkompetenz. Laut Handlungskompetenzmodell von Theo Hülshoff aus dem OTA-Curriculum soll die Ausbildung zu einer beruflichen Handlungskompetenz befähigen, die alle vier Kompetenzen vereint. Daher soll sich diese Hausarbeit mit der Evaluation der Lernumgebung im Hinblick auf die Personal- und Sozialkompetenz beschäftigen und der Forschungsfrage nachgehen wie sich die Nutzung der Lernumgebung OP-Campus auf den von den Auszubildenden wahrgenommenen Kompetenzzuwachs auswirkt.

Im Rahmen dieser Evaluation werden zunächst in Kapitel 2 der OP-Campus und in Kapitel 3 das Kompetenzmodell von Theodor Hülshoff beschrieben. In Kapitel 4 werden die Forschungsfrage der Evaluation sowie die aus dem Kompetenzmodell von Theodor Hülshoff abgeleiteten Hypothesen dargestellt. Zudem erfolgt hier die Beschreibung der Operationalisierung. In Kapitel 5 wird der methodische Zugang, die Fragebogenkonstruktion mit anschließendem Pre-Test, erläutert. Daran anschließend erfolgt die Beschreibung der Datenerhebung in Kapitel 6, ehe in Kapitel 7 die Auswertung des Fragebogens thematisiert wird. Nachfolgend werden in Kapitel 8 Ergebnisse dieser Evaluation präsentiert. In Kapitel 9 schließt die Evaluation mit einem Fazit ab.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

2. OP-Campus

Am einem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe wird E-Learning seit einigen Jahren auf verschiedene Arten angeboten. Die jeweiligen E-Learning Möglichkeiten werden auf unterschiedliche Art und Weise in den einzelnen Unterrichtseinheiten angeboten, haben allerdings alle gemeinsam, dass diese durch die Nutzung einer Moodle Plattform ermöglicht werden. Die Schüler lernen an sogenannten E-Learning Tagen unabhängig vom Lernort Schule mit Hilfe medialer Ressourcen und werden dabei synchron oder asynchron betreut. Quiztools dienen der Vertiefung des erlernten Fachwissens. Zusätzlich zum Präsenzunterricht erhalten die Schüler die Möglichkeit mediale Zusatzinformationen zu Unterrichtsinhalten abzurufen und auch selber in ein Forum zu posten. Als weitere Möglichkeit können sich Schüler untereinander per Chat oder Forum austauschen. Foren sind in virtuellen Kursräumen ein unverzichtbares Kommunikationsmittel (Wiegrefe, 2011, S.311). Foren ermöglichen das zeitversetzte, asynchrone Abrufen von Informationen und dienen somit auch als virtueller Ort zur Speicherung von Wissen. Auszubildende können das in den Foren gesammelte Wissen zu den einzelnen Unterrichtsgebieten im Rahmen der Prüfungsvorbereitung am Ende der Ausbildung wieder aufgreifen und als Lernressource nutzen.

Schüler lernen durch diese virtuelle Art der Kommunikation neben der face to face Kommunikation, welche durch verbale und nonverbale Kommunikation geprägt ist, auch eine Kommunikationsform kennen, die die nonverbale Kommunikation des Partners oftmals nicht bzw. auf eine andere Art beinhaltet. Nonverbale Kommunikation in sozialen Netzwerken spiegelt sich durch die Nutzung von Emoticons, der Textlänge oder dem Schreibstil wider. Die Mimik und Gestik des Kommunikationspartners, die in der face to face Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil der nonverbalen Kommunikation ist, kann in der virtuellen Kommunikation nicht genutzt werden.

Viele dieser Möglichkeiten eines interaktiven und kollaborativen Kurses bietet eine moodle-Plattform. Moodle ist ein Lernmanagementsystem (LMS) im Open Source Bereich (Wiegrefe, 2011, S.374). Die Moodleplattform ist in der OTA-Ausbildung Schnittstelle von Präsenz- und E-Learning. Jegliche Art des medialen Lernens wird über Moodle angeboten. Jeder Schüler erhält zu Beginn der Ausbildung Zugangsdaten, so dass nur ein personifizierter Zugang möglich ist. Jede Kursplattform ist auch nur von den jeweiligen Schülern des Kurses einzusehen. Es entsteht ein virtueller Klassenraum, der als Ergänzung zum klassischen Präsenzunterricht wahrgenommen wird.

3. Kompetenzmodell von Theodor Hülshoff

Das Handlungskompetenzmodell von Theodor Hülshoff umfasst die vier Kompetenzarten Sozialkompetenz, Personalkompetenz, Fachkompetenz und Methodenkompetenz. Da diese vier Kompetenzarten die Entwicklung individueller Potentiale beim Lerner ermöglichen, ist laut Handlungskompetenzmodell von Hülshoff Lernen als Prozess der Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen (Hülshoff, 2010, S.70). Grundlage für Hülshoffs Handlungskompetenzmodell ist das Konzept des Ganzheitlichen Lernens. Darunter wird die Förderung aller vier Kompetenzarten, der Sozialkompetenz, Personalkompetenz, Fachkompetenz und Methodenkompetenz verstanden (Hülshoff, 2010, S.74). Die einzelnen Kompetenzarten bedingen sich gegenseitig und ermöglichen eine Handlungskompetenz. In nachfolgender Abbildung 1 ist das Handlungskompetenzmodell von Hülshoff dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Handlungskompetenzmodell von Theo Hülshoff (Hülshoff, 2010, S. 75)

Handlungskompetenz umfasst unter anderem Wissen, welches für bestimmte Tätigkeiten benötigt wird, die sogenannte Fachkompetenz. Dieses Wissen stellt die theoretische Grundlage der konkreten Handlungssituation dar und bietet Erklärungen für Handlungsschritte. Die Fähigkeit des Lerners, dieses Fachwissen auch in die Tat umsetzten zu können, wird als Methodenkompetenz bezeichnet (Hülshoff, 2010, S.74). Methodenkompetenz ermöglicht dem Lernenden die Interaktion in einer bestimmten Handlungssituation, indem Fachwissen praktisch umgesetzt und angewendet wird. Für die Ausbildung zum OTA bedeutet dies, dass Schüler das theoretisch erlernte Fachwissen in die Praxis transferieren müssen, also Fachkompetenz und Methodenkompetenz verknüpfen müssen, um in konkreten praktischen Situationen interagieren zu können. Diese beiden Kompetenzarten alleine stellen jedoch noch keine Handlungskompetenz dar. Um in einem Team zusammenarbeiten zu können, benötigen OTA-Schüler soziale und kommunikative Fähigkeiten, die Sozialkompetenz. Die Schüler müssen lernen mit Kollegen im Pflegeteam und auch mit dem Patienten respektvoll und wertschätzend zu kommunizieren und Handlungssituationen bedürfnisorientiert zu gestalten. Diese soziale Komponente der Handlungskompetenz hat in medizinischen Berufen und vor allem in einer Operationsabteilung einen hohen Stellenwert. Für die ganzheitliche Handlungskompetenz muss zudem die vierte Komponente, die Personalkompetenz, gefördert werden. Dazu bedarf es „in meinem Ich- oder Selbstkonzept einer mich prägenden und orientierenden Identifikation mit grundlegenden Werten und Überzeugungen“ (Hülshoff, 2010, S.74). Persönliche Überzeugungen und Werte sollen die Schüler befähigen eine patientenorientierte Arbeitsweise zu erlernen, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und zu verstehen. Fachwissen alleine befähigt noch nicht zum Handeln (Hülshoff, 2010, S.76). Erst das Zusammenspiel aller vier Kompetenzarten ermöglicht eine erfolgreiche Gestaltung von Handlungsabläufen, sei es im schulischen oder praktischen Kontext. Aus diesen Gründen ist das Handlungskompetenzmodell von Hülshoff in das OTA- Curriculum von 2012 aufgenommen worden. In Anlehnung an das Kompetenzmodell von Hülshoff sollen die OTA-Schüler theoretische und praktische Ausbildungsinhalte erlernen, so dass diese individuell eine berufliche Handlungskompetenz erwerben können.

„Die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenten vermittelt den Schülern entsprechend dem allgemein anerkannten Stand technischer, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personelle, soziale und methodische Kompetenzen für die verantwortliche Mitwirkung in operativen Bereichen, der Notfallaufnahme, der Endoskopie, der ZSVA und anderen diagnostischen und therapeutischen Funktionsbereichen. Im Mittelpunkt der Aufgabengebiete der OTA stehen die Mithilfe bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Maßnahmen der medizinischen Diagnostik und Therapie und die umfassende Betreuung der Patientinnen in diesen Arbeitsbereichen.“ (DKG, 2014, S.2)

Die einzelnen Kompetenzen sollen durch die Vermittlung patientenorientierter Verhaltensweisen erworben werden (DKG, 2014, S.3). Fachkompetenz und Methodenkompetenz haben sich in den letzten Jahrzehnten zu den prägenden Kompetenzarten in der OTA- Ausbildung entwickelt, da diese die Tätigkeiten währen einer OP maßgeblich bestimmen. Sozial- und Personalkompetenz sind nur beiläufig ausgeprägt worden. Seit Neuauflage des Curriculums 2012 und grundlegender Überarbeitung mit Implementation des Ausbildungsziels der beruflichen Handlungskompetenz nach dem Handlungskompetenzmodell von Theodor Hülshoff, sind die Sozial- und Personalkompetenz wieder gemeinsam mit der Fach- und Methodenkompetenz in den Fokus geraten. Eine zunehmende Zahl wacher Patienten im OP, welche mit Hilfe von Regionalanästhesien versorgt werden, erfordert empathisches und patientenorientiertes Arbeiten. Der Patient wird aktiv in die operativen Handlungsschritte einbezogen, so dass eine Kommunikation und Interaktion einerseits mit dem Patienten und andererseits im OP-Team an Bedeutung gewinnt. Diese Kompetenzen werden verstärkt durch Unterrichtsfächer der Kommunikation, Ethik und Sozialpsychologie vermittelt. Im nächsten Kapitel werden anhand dieser Entwicklung die Forschungsfrage näher erläutert und Hypothesen aufgestellt.

4. Forschungsfrage und Hypothesen

Wie im vorherigen Kapitel bereits erläutert, sind die Personal- und Sozialkompetenz aufgrund der Überarbeitung des Curriculums von 2012 wieder stärker in den Fokus der Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten geraten. Alle vier Kompetenzarten werden durch Präsenzunterricht vermittelt sowie durch die Nutzung der Lernplattform, mit Hilfe derer E-Learning möglich ist. Fach- und Methodenkompetenz werden sowohl durch die Vermittlung im Präsenzunterricht als auch über die mediale Nutzung des OP-Campus stets intern evaluiert. Leider sind bislang noch keine Evaluationen für den Bereich der Sozial- und Personalkompetenz erhoben worden. Daher soll sich diese Hausarbeit mit der Evaluation hinsichtlich der Vermittlung von Sozial- und Personalkompetenz mittels Lernplattform OP-Campus befassen und einen Nutzen für die OTA-Ausbildung darstellen. Da die Evaluation die subjektive Sicht einzelner Auszubildender bündelt und eine objektive Sicherung mittels Klausur oder Notenerhebung schwer messbar ist, soll in die Forschungsfrage explizit die Sichtweise der Auszubildenden aufgenommen werden. Diesbezüglich wird folgende Forschungsfrage aufgestellt:

Wie wirkt sich die Nutzung der Lernumgebung „OP-Campus" auf den von den Auszubildenden wahrgenommenen Kompetenzzuwachs aus?

Zur Generierung der Hypothesen wird die unabhängige Variable (UV), Nutzung der Lernumgebung OP-Campus, mit den jeweils abhängigen Variablen (AV), Sozialkompetenz und Personalkompetenz, in Bezug gesetzt. Hypothesen drücken Beziehungen zwischen Variablen aus (Beller, 2016, S.17). Somit werden folgende Hypothesen aufgestellt:

H1: Je häufiger die Auszubildenden die Lernumgebung nutzen, desto höher bewerten sie ihre Personalkompetenz.

H2: Je häufiger die Auszubildenden die Lernumgebung nutzen, desto höher bewerten sie ihre Sozialkompetenz.

Die in diesen Hypothesen genannten Begriffe müssen nun operationalisiert, das bedeutet übersetzt werden. Dabei wird die Bedeutung der Variablen festgelegt (Beller, 2016, S.32). Es werden demnach Merkmalsausprägungen für die jeweiligen Variablen zugeordnet. Variablen werden somit erfasst und messbar gemacht (Atteslander, 2010, S. 292). Die Unabhängige Variable (UV) Nutzung der Lernumgebung wird anhand der Häufigkeit operationalisiert. Hierbei ist es wichtig, dass die Merkmale ausreichend unterschiedlich sind, so dass sich der erwünschte Effekt auf die abhängige Variable tatsächlich einstellen kann (Beller, 2016, S. 32). Die Operationalisierung der abhängigen Variablen (AV) Sozialkompetenz und Personalkompetenz erfolgt anhand des Handlungskompetenzmodells von Theodor Hülshoff. Die Operationalisierung der Unabhängigen Variable und der Abhängigen Variablen ist im Anhang I einzusehen.

5. methodischer Zugang

Die Zielgruppe der Evaluation ist ein OTA-Kurs des 2. Lehrjahres. Dieser Kurs hat insgesamt 31 Teilnehmer, sieben männliche und 24 weibliche. Die Auszubildenden haben bereits alle sechs verpflichtenden E-Learning Module absolviert, so dass eine ex-post Evaluation mittels Online-Fragebogen erfolgen kann. Bei der Evaluation handelt es sich um ein nicht-experimentelles Forschungsdesign, da die Bildungsmaßnahme in ihrer Durchführung stets Vorrang vor der Forschung hat (Kromrey, 2005, S.41). Zur Überprüfung des nachfolgend erläuterten Fragebogens anhand der Gütekriterien, soll ein Pre-Test erfolgen.

5.1. Fragebogenkonstruktion

Da sich die Evaluation mit der Thematik des medialen Lernens befasst, wird der Fragebogen als Online-Fragebogen konzipiert. Dazu wird das Umfragetool SurveyMonkey genutzt. Wichtig ist, dass der Fragebogen leicht auszufüllen und auf Sprachniveau der Schüler formuliert ist (Atteslander, 2010, S.158). Zudem müssen Fragen einfach formuliert und eindeutig sein sowie auf den konkreten Sachverhalt gerichtet sein. Weiterhin müssen Fragen beantwortbar sein und eine angemessene Antwortmöglichkeit haben. Negationen sollten vermieden werden (Beller, 2016, S.47). Für den Fragebogen werden ausschließlich geschlossene Fragen verwendet. Das bedeutet, dass den Befragten alle möglichen Antworten nach Kategorien geordnet vorgegeben werden (Atteslander, 2010, S. 146). Der Vorteil im Gegensatz zu offenen Fragen liegt darin, dass geschlossene Fragen eine größere Einheitlichkeit der Antworten ermöglichen, so dass letztlich die Auswertung erleichtert wird (Atteslander, 2010, S.148f.). Da die Antwortbereitschaft der Teilnehmer mit zunehmender Dauer des Fragebogens abnimmt, wird der Fragebogen so kurz wie möglich konzipiert (Schöneck & Voß, 2013, S. 74).

Der Fragebogen wird zur besseren Erreichbarkeit für die Auszubildenden auf der moodle-Lernumgebung verlinkt. Ein Einleitungstext mit organisatorischen und datenschutzrechtlichen Hinweisen für die Schüler wird beginnend eingefügt. In diesem Zusammenhang wird auf die anonyme Datenerhebung und -auswertung hingewiesen. Zur Beantwortung der Fragen wird eine fünf-stufige Likert-Skala konzipiert. „Jeder Antwortmöglichkeit wird eine ganze, rationale Zahl zugeordnet“ (Atteslander, 2010, S.237). Dabei ist zu beachten, dass die Zuweisung der Zahlen immer in gleicher Richtung erfolgt (Atteslander, 2010, S.237). Für diesen Fragebogen wird daher der besten Antwortmöglichkeit eine eins zugeordnet, wohingegen die schlechteste Antwortmöglichkeit einer fünf gleichgesetzt wird, so dass eine isomorphe Abbildung entsteht. Die im Rahmen der Operationalisierung formulierten Merkmale, auch Items genannt, werden für den Fragebogen genutzt und in die Likert-Skala implementiert.

Die unabhängige Variable Nutzung der Lernumgebung soll mittels Häufigkeit des Einloggens erfragt werden. Deshalb werden die Schüler nachfolgend an den Einleitungstext zur Häufigkeit des Einloggens befragt. Dazu werdend die Indikatoren täglich, wöchentlich, monatlich und nie verwendet. Weiter werden die Schüler gebeten Angaben zur Nutzung verschiedener medialer Tools zu machen, um weitere Daten zur Nutzungspräferenz zu generieren. Die Items werden dabei so aufgelistet, dass ein Halo-Effekt verhindert wird. Der Halo-Effekt beschreibt, dass die Beantwortung eines Merkmals durch das vorherige Merkmal beeinflusst wird (Schnell, 1999, S.320) Deshalb werden die Merkmale, die das Nachrichtenforum betreffen nicht untereinander aufgelistet, sondern durch andere Merkmale voneinander getrennt.

Die Likert-Skala erfasst die Spannweite von nutze ich nie (5) bis nutze ich immer (1). Den Indikatoren werden ebenfalls Zahlen zugeordnet, um eine isomorphe Abbildung von empirischen Beziehungen auf numerische Beziehungen zu garantieren. Dieses numerische System bildet eine Skala (Beller, 2016, S.26). Das daraus resultierende Skalenniveau ist entscheidend für die Datenerhebung.

Zum Abschluss dieses Teilbereichs werden die Schüler aufgefordert dem OP-Campus eine Note zu geben. Im Verlauf des Fragebogens wird dann die erste abhängige Variable (AV) Personalkompetenz erfragt. Die durch die Operationalisierung formulierten Items werden abgefragt. Da eine subjektive Beurteilung der Personalkompetenz erhoben wird, sollen die Schüler ihrer eigenen Personalkompetenz eine Note geben. Dieser dient dazu, die Ergebnisse der Beantwortung mit der Schulnote abzugleichen. Weiterhin wird die Sozialkompetenz thematisiert. Die operationalisierten Items werden nach demselben Schema und ebenfalls mit Notengebung erhoben. Die Likert-Skala reicht von trifft überhaupt nicht zu (5) bis hin zu trifft voll zu (1). Zum Abschluss des Fragebogens wird ein Dankestext eingefügt. Der fertig erstellte Fragebogen ist in Anhang II einzusehen.

Der Fragebogenentwurf wird anhand einer kleineren Personenanzahl im sogenannten Pre-Test getestet, um mögliche Fehler und Missverständnisse auszuräumen und Hinweise auf Verbesserungen zu erhalten (Beller, 2016, S.48).

5.2. Pre-Test

Bevor die Schüler des OTA-Kurses den Online-Fragebogen nutzen können, wird ein Pretest durchgeführt. Mittels Pretest wird der Fragebogen auf seine Tauglichkeit hin getestet und es wird geprüft, inwieweit sich die Hypothesenprüfungen durchführen lassen (Atteslander, 2010, S. 295). Für die Durchführung ist es wichtig, „die Zuverlässigkeit und Gültigkeit, die Verständlichkeit von Fragen […] und konkrete Erhebungsprobleme zu erfassen“ (Atteslander, 2010, S.296). Es erhöht sich die Chance, durch eine gute Formulierung der Fragen und Struktur im Fragebogen brauchbare Daten für die Beantwortung der Forschungsfrage zu erhalten (Beller, 2016, S.48). Damit im Arbeitsschritt der Datenerhebung nicht erhebliche Fehlerquellen auftreten, muss die Messung der Merkmale eindeutig und einfach sein (Atteslander, 2010, S.295).

Für den Pretest bietet sich ein weiterer OTA-Kurs mit 10 Schülern an, welche ebenfalls im 2. Ausbildungsjahr sind. Auch dieser Kurs hat alle verpflichtenden E-Learning Module absolviert und stellt dementsprechend eine gute Vergleichsgruppe dar. Durch die Vergleichbarkeit der Gruppen wird ein Bezug hergestellt, der es ermöglicht zusätzlich die Praktikabilität der Online-Umfrage zu testen (Atteslander, 2010, S.295). Dieser OTA-Kurs hat zurzeit keine Präsenzphasen am Bildungszentrum, so dass der Online-Fragebogen per WhatsApp an die Schüler verschickt und mittels Nachrichtenforum auf der moodle-Lernumgebung eingestellt wird. Für den Pretest ist ein 14-tägiger Zeitraum vom 13.06. - 24.06.2016 ausgewählt worden. Sieben der zehn Schüler haben am Pretest teilgenommen. Somit ist eine Ausfallquote von drei Schülern (30%) zu verzeichnen. Der Pretest wird mittels Cronbachs Alpha ausgewertet. Cronbachs Alpha ist eine Standard-Schätzformel und beschreibt das Reliabilitätsmaß zur Bestimmung der internen Konsistenz einer Skala. Das bedeutet, dass Cronbachs Alpha angibt, ob die Items für die Messung der Variable geeignet sind. Cronbachs Alpha kann Werte zwischen -1 und +1 annehmen. Für eine zufriedenstellende Reliabilität sollte ein Wert von min. 0,7 erreicht werden. Werte unter 0,5 gelten als nicht akzeptabel (Hossiep, 2016). Für die Likert-Skala der OP-Campus Nutzung, der Personalkompetenz und der Sozialkompetenz sind die jeweiligen Cronbachs Alpha Werte bestimmt worden. Diese sind in nachstehender Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1 Cronbachs Alpha (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da die Werte der jeweiligen Skala über 0,7 liegen, ist eine interne Konsistenz in allen drei Skalen gegeben. Die jeweiligen Items sind für die Messung der Variablen geeignet. Im Rahmen des Forschungsprozesses kann mit Hilfe des erstellten Fragebogens eine Datenerhebung erfolgen, welche im nächsten Kapitel näher beschrieben wird.

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Details

Seiten
36
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668343108
ISBN (Buch)
9783668343115
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344832
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
evaluation ausbildung operationstechnischen assistenten/in

Autor

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Titel: Evaluation einer moodle-Lernumgebung in der Ausbildung zum/r Operationstechnischen Assistenten/in