Lade Inhalt...

Hannah Arendts Konzept der Banalität des Bösen

Referat (Ausarbeitung) 2007 10 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Adolf Eichmann

2. Eichmann bei Hannah Arendt

3. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Ausarbeitung meines Referates vom 9.11.2006 wird Hannah Arendts Buch: Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht über die Banalität des Bösen im Mittelpunkt stehen.

Hannah Arendt wählte ihre weltberühmte Formulierung als Untertitel für ihr Buch, weil sie Adolf Eichmann nicht als grausames Ungeheuer und krankhaften Judenhasser darstellte, sondern als einen Mann ohne Grundsätze, der gewissenhaft seine Pflicht getan hatte, aber unfähig war zu denken und somit Recht von Unrecht zu trennen.

Ihr Werk ist keine theoretische Abhandlung über das Wesen des Bösen.

Die Person Eichmann steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit und sie erstellt das Profil eines Mannes, der eine ganz eigene Rolle bei den Verbrechen des Holocausts spielte.

Der erste Teil besteht aus der Biographie Eichmanns. Der zweite Teil beschreibt das Bild, welches Hannah Arendt von Eichmann zeichnet.

Im letzten Punkt findet sich schließlich eine Analyse des Buches.

Die jüdische Autorin Hannah Arendt wurde 1906 in Deutschland geboren. Sie studierte in Deutschland und promovierte 1928. 1933 verließ sie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten das Land und siedelte 1941 endgültig in die USA über. 1961 berichtet sie für die Zeitschrift „New Yorker“ über den Eichmann- Prozeß. 1963 veröffentlicht sie das Buch „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen".

1975 verstirbt sie in New York.[1]

1. Adolf Eichmann

Adolf Eichmann wurde am 19. März 1906 in Solingen geboren. Sein Vater war Buchhalter der Straßenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft. 1914 siedelte die Familie nach Linz um. Adolf Eichmann schaffte den Abschluß an der Realschule nicht und war wurde von seinem Vater an das Polytechnikum geschickt. Auch hier konnte er keinen Abschluß erreichen. Vor seiner Zeit bei der NSDAP arbeitete er als Verkäufer, zuletzt bei der Vacuum Oil Company AG.

Im April 1932 wurde er Mitglied der österreichischen NSDAP und der SS. Als die NSDAP in Österreich verboten wurde, ging er nach Bayern und absolvierte dort eine militärische Ausbildung. 1934 trat er dem SD bei. Im Juni 1935 wurde Eichmann in das neugeschaffene Referat II 112 versetzt und war nunmehr als Sachbearbeiter für „Judenangelegenheiten“ zuständig. Während dieser Zeit las er Theodor Herzls Buch „Judenstaat“. Seitdem bezeichnete er sich selbst als Zionist und behauptete, dass sein Hauptinteresse darin liege „wie man wieder festen Grund und Boden unter ihre [Juden] Füße“ bekommen könnte.[2] Er eignete sich umfangreiches Wissen über jüdische Organisationen und Zionismus an, was ihm den Ruf eines Experten auf diesem Gebiet einbrachte.

1938, nach dem „Anschluß“ Österreichs, wurde er nach Wien versetzt, um die Auswanderung der Juden zu erzwingen und organisieren. Die „focierte Auswanderung“ der Juden war sein Gebiet. In Zusammenarbeit mit jüdischen Organisationen wurde die Zwangsauswanderung durchgeführt und finanziert. Reiche Juden, die auswandern wollten, mussten eine gewisse Summe bezahlen, die dann für die Finanzierung der Auswanderung mittelloser Juden genutzt wurde. Der „Papierkrieg“, der für die Auswanderung notwendig war, wurde vereinfacht, was diese erheblich erleichterte. Innerhalb von 18 Monaten verließen so 150.000 Juden Österreich. Eichmanns Talente waren organisieren und verhandeln.

1939 wurde Eichmann dann nach Prag versetzt, wo er nach dem gleichen Muster die Auswanderung organisieren sollte.

Anfang 1940 übernahm Eichmann die Leitung der „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ in Berlin und wurde Leiter des Referats IV D 4 (Räumungsangelegenheiten und Reichszentrale für jüdische Auswanderung) beim Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin. Im Oktober 1941 stieg er in den Rang des Obersturmbannführers auf, über den er nicht hinauskam.

„Technisch und organisatorisch war Eichmanns Stellung also nicht sehr bedeutend; sein Posten erwies sich nur deswegen als so entscheidend wichtig, weil die letztlich rein ideologisch bestimmte Kriegführung des Dritten Reiches der Judenfrage eine immer größere Bedeutung zumaß, bis sie schließlich in den Jahren der Niederlage, von 1943 an, wirklich phantastische Proportionen annahm.“[3] Eichmann konnte also weder Tötungsbefehle geben, noch führte er selbst solche aus. Seine Aufgabe war die Organisation.

Eichmann war für die gesamte Organisation der Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig. Er war somit direkt mitverantwortlich für die Enteignung, Deportation und Vernichtung von über 6 Millionen Juden.

Auf der Wannseekonferenz 1942 („Endlösung der Judenfrage“) war Eichmann Protokollführer. Als die Niederlage absehbar wurde, beschloss Himmler die Einstellung der „Endlösung“ hinter Hitlers Rücken.

In den letzten Kriegsmonaten sank Eichmann in die Bedeutungslosigkeit ab. Die SS versuchte die Spuren des Massenmordes zu beseitigen.

Eichmann war Hitler nie persönlich begegnet.

1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, in der seine Identität unerkannt blieb. 1946 floh er aus dieser Kriegsgefangenschaft und versteckte sich zunächst vier Jahre in Deutschland. 1950 nahm er Verbindung zu ODESSA, einer Geheimorganisation ehemaliger SS-Mitglieder, auf und gelangte mit ihrer Hilfe nach Argentinien. Sein dortiger Deckname war Richard Klement. 1952 folgte ihm seine Familie.

Am 11. Mai 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst entführt und nach Jerusalem gebracht.

Der Eichmannprozeß begann am 11. April und endete am 15. Dezember 1961 mit dem Todesurteil.

2. Eichmann bei Hannah Arendt

Hannah Arendt zeichnet in ihrem Buch ein Bild von Eichmann, dass dem des Dämons, dass die Staatsanwaltschaft erfolglos versucht hat zu propagieren, entgegensteht. Für sie ist Eichmann ein Mensch mit Schwächen und ohne jedes Unrechtsbewusstsein.

Sie stellt bei ihm eine Realitätsferne und Gedankenlosigkeit fest, von der sie sagt, dass sie mehr anrichten können, als die dem Menschen innewohnenden bösen Triebe.[4]

Die Neigung Eichmanns zu übertreiben war eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften. Er war ein „Wichtigtuer und Angeber“[5] und hatte eine Neigung sich mit „fremden Federn zu schmücken“.[6] So beanspruchte er etwa die Erfindung des Gettosystems, die zweifelsfrei auf Heidrich zurückging, für sich. Auch der Plan die Juden nach Madagaskar auszusiedeln war angeblich seine Idee. Tatsächlich aber hatte das Auswärtige Amt den „Madagaskarplan“ entworfen.

[...]


[1] http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ArendtHannah/

[2] Siehe: Arendt, H.: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen, München 1964 S.115

[3] Siehe: Arendt, H.: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen, München 1964 S.152

[4] Vgl.: Arendt a.a.O. S.16

[5] Vgl.: Arendt a.a.O. S.57

[6] Siehe: Arendt a.a.O. S.73

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668345317
ISBN (Buch)
9783668345324
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344844
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Fachgebiet Völkerkunde
Note
2
Schlagworte
Völkerkunde Eichmann Hannah Arendt Das Böse

Autor

Zurück

Titel: Hannah Arendts Konzept der Banalität des Bösen