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Vor welchen Herausforderungen steht die Ethnologie angesichts der Globalisierung?

Portfolio

Studienarbeit 2016 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Ethnologische Forschungsmethoden
Erläuterung der Einlage
Einlage: Argonauten des westlichen Pazifik
Schlussfolgerungen

3. Regionalseminar Malawi
Erläuterung der Einlage
Einlage: Zeitzeugeninterview
Schlussfolgerungen

4. Emotionen und Affekte
Erläuterung der Einlage
Einlage: Exzerpt: Jan Plamper (2012) – Geschichte und Gefühl. Grundlagen der Emotionsgeschichte
Schlussfolgerungen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Verlauf des Ethnologie Studiums werden einem Studenten einige Herangehensweisen aus dem Bereich der Ethnologie erläutert und entsprechende Konzepte an die Hand gegeben. Als Student[1] wird man herausgefordert einen Bezug zu diesen Konzepten herzustellen. Zunehmendes Kennenlernen des Studienfachs machte deutlich, dass viele Forschungen interdisziplinär stattfinden. Das Fach der Ethnologie wendet sich deshalb auch Disziplinen, wie z.B. den Sozial-, Politik-, Geschichts-, und Religionswissenschaften zu. Zusätzlich zu solchen „wissenschaftlichen Brücken“ die gebaut werden, entstehen nicht nur Einblicke in andere wissenschaftliche Gebiete, sondern eben auch die Möglichkeit diesen Perspektivwechsel bei Gelegenheit abrufen zu können und ihn sich wissenschaftlich zu Nutze zu machen. Eine Perspektive an sich ist abhängig vom biographischen und wissenschaftlichen Hintergrund des Betrachters und besonders von den jeweiligen Situationen, die sich ergeben und im Fokus der Analyse stehen. So zeichnet sich das Fach der Ethnologie[2] hauptsächlich durch seine Erkenntnisse von fremden Kulturen aus, die durch zahlreiche Feldforschungen gewonnen und nachhaltig festgehalten wurden. Dieses Portfolio beschäftigt sich mit der Frage, vor welchen Herausforderungen die Ethnologie angesichts der Globalisierung steht.

2. Ethnologische Forschungsmethoden

Erläuterung der Einlage

Die von mir besuchte Vorlesung im Aufbaumodul zu „Ethnologische Forschungsmethoden“ wurde von Frau Dr. Anna-Maria Brandstetter geleitet. In dieser Vorlesung wurden die Ursprünge der Ethnologie und ihre Entwicklung, sowie die wichtigsten Theorien und ihre Vertreter behandelt. So wurden unter anderem Lebenswerke von Margaret Mead, Bronislaw Malinowski und Franz Boas vorgestellt, um einen allgemeinen Überblick über die Geschichte des Fachs zu vermitteln. Als erste Einlage möchte ich eine von mir angefertigte Zusammenfassung zum Einleitungskapitel von Malinowskis Buch Argonauten des westlichen Pazifik[3] nutzen. Bronislaw Malinowski, welcher in der Einleitung des in 1922 erschienen Buchs „Argonauten des westlichen Pazifik“ die Methode der Feldforschung erläutert, wird liebgemeinterweise als „Großvater“ der teilnehmenden Beobachtung bezeichnet.

Einlage:Argonauten des westlichen Pazifik

VL: Geschichte und Theorien der Ethnologie

Dozent: Dr. Anna-Maria Brandstetter

Malinowski, Bronislaw, [1922] 1979: „Einführung. Gegenstand, Methode und Umfang der Untersuchung“. In: Argonauten des westlichen Pazifik. Frankfurt / M.: Syndikat, 23-49

Definitionen:

- Imponderabilien = Gefühls- und Stimmungsschwankungen, Unwägbarkeiten, nicht quantifizierbare Risiken.
- Folklore = Bestand materieller und immaterieller kultureller Überlieferungen einer Gemeinschaft (Sagen, Märchen, Sprichworte, Musik, materielle Kultur, Trachten, Kunst etc)

gute Arbeitsbedingungen:

- Der Ethnologe soll möglichst bei den Beforschten leben
- Erlernen der Sprache als Werkzeug für die Forschung
- Gefühl für lokale Sitten und Wertvorstellungen entwickeln (gute und schlechte)
- Distanz von der westlichen Gesellschaft (Weißen) halten

Wissenschaftliche Ziele der Feldforschung:

→ Beschreibung der Gesamtheit einer Gesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Skelett: Aufbau einer Gesellschaft / sozialen Gruppe und die sich herauskristallisierenden Einzelheiten der Kultur.

- Fleisch & Blut: Daten über das Alltagsleben und das normale Verhalten

- Geist: Anschauungen, Meinungen und Äußerungen der Beforschten

Probleme der Feldforschung:

- Einsamkeit
- Mutlosigkeit
- Sprachprobleme
- Beobachtungsfehler
- ...

Bedeutung für die Ethnologie:

- Popularisierung der "teilnehmenden Beobachtung" als zentrale Forschungsmethode der Sozial- und Kulturanthropologie
- Spekulative und verallgemeinernde Theorien werden verworfen à stattdessen sollen durch teilnehmende Beobachtung empirische Daten direkt erhoben und festgehalten werden
- unterscheidet zwischen Daten die tabellarisch oder in synoptischen Karten festgehalten werden und Interpretationen des Handels der lokalen Bürger
- berücksichtigt stets die "Komplexität" des Menschen
- betrachtet die Menschen in ihren Interaktionen innerhalb der Gesellschaft à nicht als Individuum

- drei methodische Prinzipien:

1. wissenschaftliche Ziele und Kriterien aufstellen
2. Feldforschung vor Ort
3. Methoden des Sammelns, Aufbereitens und Sicherns der Daten

- Feldforschung ist auch heute noch die zentrale Methode der Ethnologie (bzw. je nach Sichtweise: die Feldforschung als methodisches Alleinstellungsmerkmal der Ethnologie)

Veränderungen der klassischen ethnologischen Forschungsgegenstände:

- Ethnologie war für lange Zeit eine westeuropäisch geprägte Wissenschaft mit einer eurozentrischen Perspektive.
- Im 20. Jahrhundert wurde das Fach maßgeblich von der amerikanischen Kulturanthropologie beeinflusst, so dass man eher von einem Amerozentrismus als einem Eurozentrismus sprechen könnte.
- Die Ethnologie hat sich auch außerhalb Europas /Nordamerikas etabliert (z.B. in Indien, Brasilien und Japan)
- Malinowski und seine Zeitgenossen verstanden und beschrieben die “klassischen” Völker und Gesellschaften (falls es diese je gab!): als natürlich, isoliert und grundsätzlich dem westlichen System entgegengesetzt.
- Kolonialismus hat diese Gesellschaften radikal transformiert.
- Damals forschten Ethnologen über "die xyz", heute beschäftigen sich Ethnologen eher mit sozialen Phänomenen wie Nationalismus, Identitätskonstruktionen, Religiosität, Migration, Wirtschaftsweisen oder auch materieller Kultur.
- Im Mittelpunkt steht heute eher das Selbstverständnis von Menschen innerhalb einer Gruppe (emische Perspektive) als das Beschreiben von Gruppen von außen (etische Perspektive)

Kritik:

- „Da der Eingeborene nicht der natürliche Gesellschafter eines weißen Mannes ist, sehnt man sich selbstverständlich, nachdem man mehrere Stunden mit ihm gearbeitet hat, ihm bei der Gartenarbeit zusah oder sich von ihm Einzelheiten der Folklore erzählen ließ oder seine Bräuche besprach, nach Umgang mit der eigenen Art“ (S. 28f)

→ Der Eurozentrismus ist auch in der Fußnote Nummer sieben auf Seite 32 gut dargestellt. Allerdings zeigt sich hier auch, dass Malinowski die Vorstellung des „Wilden“ nicht vertritt, sondern Respekt und Bewunderung empfindet. Es war mit sein Verdienst, dass sich dieser Blick wandelte und die Ethnologie bis heute prägt.

Ein weiterer Punkt der nicht deutlich wird im Text ist die Frage, ob man den Geist und somit die subjektive Wahrnehmung eines Individuums überhaupt studieren und aufzeichnen kann:

- „Ist dies aber möglich? Sind diese subjektiven Zustände nicht zu flüchtig und gestaltlos?“ (S. 46)

- So ist sich Malinowski dieses Problems bewusst und nennt es selbst einen „Gordischen Knoten“ (S. 46)

Schlussfolgerungen

In diesem Werk formuliert Malinowski das Fundament der ethnographischen Feldforschung, welches bald zum „Paradigma der modernen Ethnologie“ (Kohl 2012: 112) werden sollte. So versuchte Malinowski während seiner Zeit der Feldforschung am Alltagsleben der Argonauten teilzunehmen. Für ihn sollte die Ethnologie der Teil des sozialen Feldes sein, das er untersucht. Sein Ziel war es, „den Standpunkt des Eingeborenen, seinen Bezug zum Leben zu verstehen und sich seine Sicht seiner Welt vor Augen zu führen“ (Malinowski 1979: 49).

Jedoch befand sich Malinowski zu dieser Zeit in der Begleitung von einigen Forschern, welche ein sehr holistisches Weltbild vertraten. So kamen Äußerungen wie diese zustande:

„Der Unterschied liegt daran, dass jede Institution unserer Gesellschaft ihre intelligenten Mitglieder besitzt, ihre Historiker, ihre Archive und Dokumente, wohingegen eine Gesellschaft von Eingeborenen über nichts dergleichen verfügt“. (Malinowski 1979: 334)

[...]


[1] Aus stilistischen Gründen verzichte ich in dieser Arbeit auf geschlechtsspezifische Wortendungen, sofern diese keine Relevanz für den Inhalt mit sich bringen.

[2] Ethnologie verwende ich als Sammelbegriff einer Disziplin mit vielen Namen. Bei allem Bewusstsein für Unterschiede verstehe ich „Ethnologie“ als Synonym mit der amerikanischen Bezeichnung “Cultural Anthropology”, der britischen “Social Anthropology” und den (z. T. problematischen) deutschen Alternativen “Völkerkunde”, “Kulturanthropologie” und “Sozialanthropologie”

[3] Malinowski, Bronislaw, [1922] 1979: „Einführung. Gegenstand, Methode und Umfang der Untersuchung“. In: Argonauten des westlichen Pazifik. Frankfurt / M.: Syndikat, 23-49

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668345881
ISBN (Buch)
9783668345898
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344931
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
herausforderungen ethnologie globalisierung

Autor

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