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Die Textilindustrie als Ausgangspunkt der industriellen Revolution

Hausarbeit 2003 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ausgangsposition

2. Am Anfang war die Textilindustrie

3. Die Textilindustrie im Verlauf der industriellen Revolution

4. Die Arbeiter

Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Entwicklung der Textilindustrie während bzw. vor der industriellen Revolution kann in drei Perioden eingeteilt werden. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Ausgangssituation. Wie sah die Vorform der Fabrik aus und welche Rolle spielte die Textilindustrie in der präindustriellen Gesellschaft?

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Beginn der industriellen Revolution (etwa 1780 bis 1840) und den Impulsen, die die Textilindustrie anderen Industriebranchen gab.

„Die „Mutter“ der Industrialisierung ist die Textilindustrie. Mit ihr hat alles angefangen: die Mechanisierung und der technologische Fortschritt bis zur Technologiegläubigkeit, wirtschaftliche Prosperität, internationale Handelsexpansion und Verflechtung einerseits, aber auch Veränderung der Landschaft, Bevölkerungsakkumulation und –explosion, sozialer Abstieg bis zur Verarmung der Massen andererseits.“[1]

Die Textilindustrie stellte vor der industriellen Revolution den größten Anteil der nichtagrarischen Produktion und war dadurch prädestiniert, den Ausgangspunkt derselben zu bilden. Sie war der Ausgangspunkt, nicht der Motor der industriellen Revolution. Diese These soll belegt werden. Die Gründe, warum die industrielle Revolution von der Textilindustrie und nicht von einer anderen Branche ausging, sollen aufgezeigt werden.

Der dritte Teil der Arbeit (etwa ab 1840-1900 mit dem Schwerpunkt 1875) beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

Welche Bedeutung hatte die Textilindustrie im Verlauf der industriellen Revolution? War sie im Vergleich zu den anderen Industriezweigen zurückgeblieben (quantitativ und qualitativ)?

Wie war das Los der Textilarbeiter? Dieser Frage soll im letzten Teil der Arbeit nachgegangen werden.

1. Ausgangsposition

Die wichtigsten Zweige der Textilindustrie waren Woll-, Flachs-, Seide- und Baumwollverarbeitende Industrie. Diese Rohstoffe wurden vor und zu Beginn der Industriellen Revolution im weitaus größten Maße im Heimgewerbe verarbeitet. Es gab also kein zentralisiertes Textilgewerbe im Sinne von großen Manufakturen. Die verbreitetste Vorform der Fabrik war das Verlagssystem. Der Verleger lieferte Garn an die einzelnen Weber, die ihm dann das fertige Gewebe gegen einen vorher festgelegten Stücklohn verkauften. Das Verlagssystem ermöglichte es den Händlern, Erfahrungen für die Lösung der Probleme einer Großproduktion zu sammeln, die z.B. bei der Rohstoffbeschaffung und dem Absatz der Produkte entstanden. Die Produktion der Textilien fand allerdings dezentralisiert bei den einzelnen Webern statt.[2]

Dennoch war dieses regionale Textilgewerbe Voraussetzung für den Beginn der Textilindustrialisierung. In keiner Region, in der es nicht vorher ein textiles Heimgewerbe gegeben hatte, entstand eine Textilindustrie. Die ersten Baumwollspinnfabriken entstanden im sächsischen und rheinischen Baumwollwebereigebiet (Zwickau, Chemnitz, Köln, Düsseldorf, Aachen). Die ersten Flachsspinnfabriken entstanden in Schlesien und die ersten Kammgarnspinnfabriken im Eichsfeld, einem der wichtigsten Zentren dieses Gewerbes.[3]

Vor der Industriellen Revolution und in deren Anfängen stellte das Textilgewerbe den mit Abstand größten Zweig der nichtagrarischen Produktion dar. Die Ursache hierfür lässt sich mit der einfachen Tatsache erklären, dass der Mensch neben Nahrung am nötigsten Kleidung braucht. Außerdem waren Textilien schon im vorindustriellen Zeitalter Güter, die massenhaft produziert werden konnten. Textilien hatten außerdem den Vorteil, dass sie leicht zu transportieren waren. Daher waren die Regionen, in denen es ein Textilgewerbe und später die ersten Fabriken gab, arme Regionen, in denen die Löhne sehr niedrig waren. Die Ersparnisse an Löhnen glichen die Transportkosten mehr als aus.[4]

Die Ausdehnung des Weltmarktes kam dem Textilgewerbe in besonderem Maße zu gute, waren Textilien doch neben agrarischen Produkten das wichtigste Exportgut der west- und mitteleuropäischen Staaten. Besonders nach Osteuropa konnte das Textilgewerbe viele seiner Erzeugnisse Exportieren. Aber auch im Orienthandel waren es weitgehend Textilien bzw. Tuche, die die Europäer den Arabern im Austausch für Seide, Gewürze usw. lieferten.[5]

2. Am Anfang war die Textilindustrie

„Die industrielle Revolution hatte ihren Ursprung nicht in der Entwicklung der Schwerindustrie oder des Transportwesens; sie entstand - und das war auch die einzige Möglichkeit - aus den Entwicklungen innerhalb des wichtigsten Industriezweigs Englands, ja aller damaligen Länder: der Textilindustrie.“[6]

Die Einführung der Arbeitsmaschine im Textilgewerbe führte zu einer enormen Steigerung der Produktion. Den Prototyp der Arbeitsmaschine brachte das Textilgewerbe hervor.

„Die Maschine, wovon die industrielle Revolution ausgeht, ersetzt den Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch einen Mechanismus, der mit einer Masse derselben oder gleichartiger Werkzeuge auf einmal operiert und von einer einzigen Triebkraft, welches immer ihre Form, bewegt wird.“[7]

Die ersten Antriebsformen waren die Wasser- aber auch Pferdekraft.

Der Gebrauch von Wasserkraft war allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Zum einen konnte man sie nicht beliebig erhöhen und zuweilen mangelte es an ihr, zum anderen war sie nicht überall vorhanden. Und erst als die Dampfmaschine ein ausgereifteres Stadium ihrer Entwicklung erreicht hatte, konnte dieses Problem gelöst werden.

Die ersten Spinnfabriken entstanden in den alten Zentren der Textilproduktion.

Hier war in der Regel Wasserkraft vorhanden und es gab massenhaft billige Arbeitskräfte. Das Spinnen konnte zuerst mechanisiert werden, weil es weit geringere Anforderungen an die Technik stellte als das Weben. Der Mechanische Webstuhl wurde erst 1786 erfunden, die erste Spinnmaschine baute James Hargreaves aber schon 1767.[8]

Der Siegeszug der Baumwolle über das bis dahin dominante Leinen liegt größtenteils in der besseren Verarbeitbarkeit der Baumwolle durch Maschinen begründet. Die erste Spinnmaschine (von 1767) verspann Baumwolle. Die erste brauchbare Spinnmaschine für Flachs wurde erst in den 1820er Jahren in Großbritannien entwickelt.[9]

[...]


[1] Siehe: Mildner-Flesch: Die Macht der Maschine. Ratingen 1985. S.155

[2] Vgl.: Adelmann: Vom Gewerbe zur Industrie im kontinentalen Nordwesteuropa. Stuttgart 1986. S.165-167

[3] Vgl.: Blumberg: Die dt. Textilindustrie in der industriellen Revolution. Berlin 1965. S.53

[4] Vgl.: Kisch: Die hausindustriellen Textilgewerbe am Niederrhein vor der industriellen Revolution. Göttingen 1981. S.49-50

[5] Vgl.: Blumberg: Die dt. Textilindustrie in der industriellen Revolution. Berlin 1965. S.17

[6] siehe: Bernal: Die Wissenschaft in der Geschichte. Berlin 1961. S.369

[7] siehe: Marx: Das Kapital. Frankfurt, 1932. Bd.6, S.396

[8] Vgl.: Adelmann: Vom Gewerbe zur Industrie im kontinentalen Nordwesteuropa. Stuttgart 1986 S.167

[9] Vgl.: Pollard in: Ditt: Von der Heimarbeit in die Fabrik. Paderborn 1992. S.454-455

Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783668345683
ISBN (Buch)
9783668345690
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v344942
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Schlagworte
Textilindustrie Industrielle Revolution

Autor

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