Lade Inhalt...

Erwachsensein, Arten und Stufen des Lernens und Führungsstile

Einsendeaufgabe 2015 10 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Aufgabe:

Welche Idee von einem Erwachsenen haben Sie nach der Lektüre des Studienmoduls EB 0100? Beziehen Sie bei Ihren Überlegungen Konzepte mit ein, die im Studienbrief EB 0110 beschrieben sind.

Nach der Durcharbeitung des Studienmoduls EB 0100 habe ich folgende Idee von einem Erwachsenen (Wissend darum, dass der Begriff „Erwachsenen“ ein Konstrukt ist):

Ich persönlich sehe den Erwachsenen als einen Menschen welcher zu einem Teil genetisch vorbestimmt ist und zum anderen durch seine Sozialisation und bisherigen Lebenserfahrungen sowie erworbenen Emotionsmustern eine eigene individuelle Biografie besitzt. Das Wesen des Erwachsenen würde ich wie folgt beschreiben: Der Erwachsene ist gesellschaftsfähig und setzt sich als Individuum mit seiner Welt und der persönlichen Sicht auf die Welt auseinander. Das Individuum wird wiederum rückbeeinflusst.

Den Erwachsenen sehe ich nach Lektüre des Moduls als ein Individuum welches bestrebt ist, seine Identität herzustellen und seine Persönlichkeit weiter zu entfalten sowie eine angemessene Kompetenzentwicklung vornehmen kann, um im Leben bestehen zu können und sich seiner Endlichkeit nicht immer bewusst ist. Der Erwachsene als ein Selbstbestimmtes Subjekt welches selbst in der Lage ist zu entscheiden wann er wie, wo und zu welchem Zweck lernen möchte.

Wie ich einen Erwachsenen sehe, welche Idee ich davon habe, hängt auch davon ab, von welchem Blickwinkel ich den Erwachsenen versuche zu definieren. Eine universal gültige Definition des Begriffs des Erwachsenen ist nicht möglich (vgl. Arnold, 2010, S. 122).

Aus biologisch-medizinischer Sicht ist der Mensch erwachsen, wenn er seine biologische Reife abgeschlossen hat, also geschlechtsreif ist und die Adoleszenz beendet hat. Zu diesem Zeitpunkt muss nicht unbedingt die soziale Reife abgeschlossen sein. Sprich, ob er sein Leben selbständig meistert und eigenverantwortlich Handeln kann. Der Psychoanalytiker Holger Sage postuliert, dass sich die Jugend verlängert, da sich Ausbildung und Studium hinziehen. Aus juristisch/rechtlicher ist der Mensch erwachsen, wenn er das 18te Lebensjahr vollendet hat und voll geschäftsfähig ist. Er besitzt nun mehr Rechte und mehr Verantwortung. Beispielsweise darf er in Deutschland nun Auto fahren. Gerichte haben erkannt, dass zu diesem Zeitpunkt die geistig-soziale Reife nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt ist. Deshalb werden im Gesetz die 18-21jährigen als Heranwachsende bezeichnet. Sozusagen als eine Kategorie zwischen Jugendlichem und Erwachsenem. Wenn der Heranwachsende nach einer Straftat jedoch die Reife eines Erwachsenen besitzt, so wird er nach dem Erwachsenenstrafrecht geahndet, wenn nicht, nach dem Jugendstrafrecht. Aus geschichtlicher Perspektive galt Erwachsensein als die „Vollendung der menschlichen Entwicklung“. Dies wurde von der 1968-Studentenbewegung in Frage gestellt (vgl. Siebert, 2011, S. 12). Auch auf Grund des technischen und ökonomischen Wandels haben sich das Bild des Erwachsenen und die damit verbundenen Leistungsanforderungen geändert. Aus dem heilpädagogischen Winkel betrachtet lässt sich fragen, wann behinderte Menschen erwachsen sind. Gelten hier die gleichen Maßstäbe wie bei gesunden Menschen? Oder ist der behinderte Mensch dann erwachsen, wenn er sich in der ständig ändernden Lebenswelt – gemäß seinen Grenzen und Möglichkeiten bewegen und an der Gesellschaft teilhaben kann? Aus entwicklungspsychologischem Winkel nach Erikson unterscheidet er drei Phasen des Erwachsenenalters. Er besagt, dass ein Mensch sich im frühen Erwachsenenalter befindet, wenn eine eigene Identität erworben wurde und der Umgang mit intimen Beziehungen vertraut ist. Er teilt die Entwicklung des Menschen in Phasen ein. In der 7ten Phase – Generativität versus Selbstabsorption (Erwachsenenalter) - bezeichnet er den Menschen als erwachsen, indem er selbst Kinder erzieht, sich in verschiedenen sozialen und ehrenamtlichen Gremien für die zukünftige Generation betätigt. Wenn die Entwicklungsaufgaben in den Vorphasen nicht erfolgreich bewältigt wurden, so postuliert Erikson, dass es zu einer Stagnation in der Entwicklung kommen kann. Die 8te Phase nennt Erikson reifes Erwachsenenalter. Er gibt kein Alter vor sondern Reifeschritte welche von Mensch zu Mensch unterschiedlich lange bearbeitet werden (vgl. Santl, 2005, S. 28).

Nach der Emotionspädagogischen Erwachsenenbildung nach Holzapfel ist der Mensch ein Individuum, welches ganzheitlich angesprochen werden will. „ Kopf, Herz und Hand“, also denken, fühlen und handeln soll in Lernbezügen förderlich sein. Holzapfel sieht die Erwachsenen Lerner mit ihren persönlichen Deutungsmustern welche bei der Erwachsenenbildung berücksichtigt werden müssen. Faulstich betrachtet den Erwachsenen als Subjekt in seinem gesellschaftlichen Gefüge. Erwachsene müssen die an Sie gestellten Anforderungen mit ihren persönlichen Lebensplanungen zusammenbringen. Dabei ist der Erwachsene bestrebt emotionale Sicherheit zu erlangen und seine Identität auszubauen. Meueler ebenso wie Pongratz ist die Ich-Stärkung des Erwachsenen wichtig.

Versuche, den Begriff Erwachsenen zu definieren sind bisher nicht gelungen und haben die Unsicherheit erhöht. Es wurde lange Zeit von einer klaren Abgrenzung zwischen Jugendlichem und Erwachsenem ausgegangen. Schulenbergs Definition eines Erwachsenen klammert in seiner biografischen Sichtweise das „Zu-Ende-Gehen“ aus. (vgl. Arnold, 2010, S. 120). Kade schreibt: „Nicht fertig zu sein, sondern auf die eigene Biographie als eine durch Bildung immer erst noch herzustellende zu beziehen, das wird in diesem Sinne zum allgemeinen Merkmal eines nunmehr dynamisierten Erwachsenenbegriffs.“ (Arnold, 2010, S. 121 zitiert nach Kade, 1989b, S. 801) Dies ist zu undifferenziert dargestellt, da das Kindsein im Erwachsenensein unvermeidbar verbunden ist und „fortwirkende Kindlichkeit“ integriert (vgl. Arnold, 2010, S. 121).

Der Blick auf die Verschiebung der Lehr-Lern-Verhältnisse zwischen den Generationen zeigt Merkmale des Erwachsenenalters auf. Dies sind die „(…) größere Ausgereiftheit und „Dichte“ der lebensgeschichtlichen Erfahrung.“ (Arnold, 2010, S. 123) Diese generationale Differenz ist auch heute noch als Focus in der Erwachsenenpädagogik erhalten geblieben (vgl. Arnold, 2010, S.123). Sie dient als eine Art Legitimation für die Erwachsenenpädagogik. Somit kommt wieder eine Konstruktion des Begriffes Erwachsener zustande. „Erwachsene verfügen über ´mehr Biographie`, die Deutungs- und Emotionsmuster stiftet (...).“ (Arnold, 2010, S. 125) Erwachsene lernen in ihrer Art anders als das Aneignungslernen von Kindern und Jugendlichen. Dies kann auch als ein Kennzeichen des Erwachsenen betrachtet werden. Erwachsensein soll nicht mehr die „Annahme eines Wissens- und Kompetenzvorsprungs“ festschreiben sondern „Es ist der Modus der Aneignung, der die Differenz bildet, nicht die Abbildung einer universalen Vermittelbarkeit. Das Neue erreicht den Heranwaschenden in anderer Form, als den erwachsenen Lernern; der sich das Neue aus einer komplexeren biographische gewachsenen inneren Strukturiertheit konstruiert und durch seine Erfahrungsdichte festgelegter ist (…).“ (Arnold, 2010, S. 126)

Das biografische Wissen des Erwachsenen ist nicht nur dichter sondern evtl. auch festgelegter als bei Kindern und Jugendlichen. Hierbei soll der Frage nachgegangen werden, ob hirnphysiologische Verschaltungen Erwachsender auch erstarren können. Denn dies kann zukünftig auch ein mögliches Abgrenzungsmerkmal zum Kind bzw. Jugendlichen darstellen und hat Auswirkungen auf die Erwachsenenpädagogik (vgl. Arnold, 2010, S. 125).

Was ist nun ein Erwachsender? Niemand weiß dies genau. Wo die Jugend endet und ab wann Menschen Erwachsene sind, ist also nicht einheitlich zu beantworten. Der Begriff „Erwachsener“ bleibt weiterhin ein Konstrukt.

[...]

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Erwachsensein, Arten und Stufen des Lernens und Führungsstile