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Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Therapeutische Ansätze und Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 42 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Adipositas
2.1 Was bedeutet Adipositas? (Definition)
2.2 Prävalenzzahlen
2.3 Ursachen und Entstehung von Adipositas
2.3.1 Genetische Faktoren
2.3.2 Psychische Faktoren
2.3.3 Soziale und familiäre Faktoren
2.3.4 Andere Einflussfaktoren
2.4 Diagnostik
2.5 Adipositasformen
2.6 Folgen und Konsequenzen von Adipoistas
2.6.1 Medizinische Konsequenzen
2.6.1.1 Unmittelbare Konsequenzen
2.6.1.2 Langzeitfolgen
2.6.2 Psychosoziale Folgen
2.6.3 Gesellschaftliche Folgen/ Auswirkungen

3 Wie kann Adipositas behandelt werden? (Therapieformen und -möglichkeiten)
3.1 Ansatzpunkte und Grundelemente der Adipositasbehandlung
3.2 Therapieziele
3.3 Therapieformen
3.3.1 Gruppen- oder Einzeltherapie?
3.3.2 Stationäre Adipositasbehandlung
3.3.3 Ambulante Adipositasbehandlung
3.4 Qualität und Quantität von Therapieangeboten und –konzepten in Deutschland

4 Prävention
4.1 Früherkennung einer Entwicklung zu Adipositas
4.2 Primäre Prävention
4.3 Sekundäre Prävention

5 Begründung und Darstellung sozialpädagogischer Interventionsmöglichkeiten

6 Schlussbetrachtung

Literatur

1 Einleitung

Adipositas ist derzeit ein sehr aktuelles Thema im Gesundheitssektor. In vielen Zeitschriften findet man Artikel mit Überschriften wie beispielsweise: „Hilfe, mein Kind ist zu dick“ . Lebensbedrohliche Erkrankungen und andere Folgen von Adipositas sind fatal, deshalb zählt Übergewicht/ Adipositas zu den erheblichen gesundheitlichen Risikofaktoren, die zu vermeiden bzw. zu reduzieren möglich sind. „In einer Konferenz im Juni 1997 hat die WHO dem Problem der Adipositas einen Stellenwert eingeräumt, der in seiner Wichtigkeit dem Tabakrauchen gleichkommt“ (Roberts et al., 1988 in Zwiauer, 1998:88).

Bisher wird dem Thema Übergewicht/ Adipositas im Bereich der Sozialen Arbeit noch nicht ausreichend Bedeutung beigemessen, obwohl es dort in der alltäglichen Arbeit mit vielen betroffenen Kindern und Jugendlichen Berührungspunkte gibt. Dies gab mir Anlass, in Form einer Hausarbeit mich ausführlicher mit dem Thema und die daraus folgenden Aufgaben für unser Arbeitsfeld auseinander zusetzen. Da es noch nicht viel Literatur gibt, die sich mit diesem Thema im Hinblick auf das soziale Arbeitsfeld beschäftigt, habe ich zur Bearbeitung dieser Hausarbeit überwiegend mit Artikeln und Literatur aus dem pädiatrischen und medizinischen Bereich gearbeitet.

Zu Beginn stelle ich grundlegende Informationen über Adipositas da, wie die Definition, die Prävalenzzahlen, Ursachen und Entstehung von Adipositas, die Diagnostik und Adipositasformen, sowie die Folgen und Konsequenzen von Adipositas.

In einem weiteren Schritt beschreibe ich die Therapieformen und –möglichkeiten, wie Adipositas behandelt werden kann, und gehe auf die Verbreitung der Therapieangebote in Deutschland ein.

Damit die Prävalenzzahlen, wie unter Punkt 2.2 dargestellt, nicht enorm weiter ansteigen, ist es wichtig, dass auch in der Sozialen Arbeit im alltäglichen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen präventiv gehandelt wird. Mögliche Formen der Prävention werden in einem weiteren Kapitel erläutert. Die Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit werden in Kapitel 5 ausführlicher beschrieben.

2 Adipositas

2.1 Was bedeutet Adipositas? (Definition)

Im Roche Lexikon Medizin wird Adipositas wie folgt definiert: Adipositas (im Englischen obesity) heißt Fettleibigkeit, d. h. „die generalisierte Vermehrung des Fettgewebes infolge positiver Energiebilanz; meist unterschieden als reine Folge übermäßiger Nahrungsaufnahme, als psychosomatisches Symptom, bei Stoffwechselerkrankungen sowie bei seltenen angeborenen Syndromen“ (Roche Lexikon Medizin, 1998:21). Eine exaktere, konkretere und handbarere Definition ist in den Texten zu finden, die sich mit Adipositas beschäftigen. Ich habe entschieden, mich an den Leitlinien der AGA zu orientieren.

In den Leitlinien der AGA (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter), die in Deutschland maßgebend für den Umgang mit Adipositas sein sollen, wurde folgende Definition festgelegt: „Eine Adipositas liegt vor, wenn der Körperfettanteil an der Gesamtkörpermasse pathologisch erhöht ist“ (Leitlinien der AGA, 2003: 11).

Wie der Körperfettanteil berechnet wird, um Adipositas zu diagnostizieren, ist im Punkt 2.4 Diagnostik beschrieben.

In der Literatur ist keine einheitliche Verwendung der Begrifflichkeiten Adipositas, Übergewicht, Fettsucht und Fettleibigkeit zu finden. Häufig werden sie synonym verwendet.

Oft ist mit Übergewicht die Vorstufe zu Adipositas gemeint. Dies ist nach den eben aufgeführten Definitionswerten in den Leitlinien der AGA nachvollziehbar. So werde ich auch die Begriffe im Verlauf meiner Arbeit verwenden.

Zu der Frage, ob Übergewicht/ Adipositas eine Krankheit ist oder nicht, äußert sich die WHO dazu wie folgt: „Übergewicht an sich ist zunächst nicht als Krankheit anzusehen. Wenn es jedoch ein bestimmtes Maß überschreitet, wird es als Adipositas bezeichnet und als Krankheit eingestuft“ (Weltgesundheitsorganisation (WHO), 1997 zit. n. Robert Koch Institut, 2003: 7).

2.2 Prävalenzzahlen

In der Literatur wird von einer besorgniserregenden Epidemie gesprochen; so auch die Weltgesundheitsorganisation (vgl. WHO, 2001).

Zahlen aus den USA belegen, dass 58% der US-Amerikaner als übergewichtig bzw. 21% als adipös anzusehen sind, wobei diese Zahlen ständig weiter ansteigen. Des weiteren fand man heraus, dass jeder 3. von den Betroffenen schon als Kind übergewichtig war (vgl. Leitlinien der AGA, 2003). Diese Tatsachen unterstreichen die Dringlichkeit, etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen.

In Deutschland geht man derzeit je nach Definition davon aus, dass 10-20 % aller Schulkinder und Jugendlicher übergewichtig sind. Eine Adipositas haben 7- 8 % aller Kinder in Deutschland (vgl. M. Wabitsch, 2003). Ein enormer Anstieg bis hin zu einer Verdoppelung ist seit Anfang der 80-iger Jahre zu beobachten (vgl. DGE, 2003). Genauso wie diese Verdoppelung des Auftretens von Adipositas und Übergewicht weltweit wahrzunehmen ist (vgl. Roth et al., 2002).

Dr. Wabitsch, Uniklinik Ulm, betont, man könne davon ausgehen, dass „jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche übergewichtig ist“. Bei der Hälfte der Betroffenen kann man eine weitere Begleiterkrankung oder Risikofaktoren feststellen (vgl. M.Wabitsch et al., 2004: 251).

Bundesweit liegen verschiedene regionale Untersuchungen vor. Die Kiel Obesity Prevention Study (KOPS) hat eine Quer- und Längsschnittsstudie durchgeführt bei der Erstuntersuchung von Schulanfängern. Nachuntersuchungen folgten 4 und 8 Jahre später, die ebenfalls eine Verdoppelung des Auftretens von Übergewicht und Adipositas verzeichneten. Auch das Weiterbestehen der Adipositas bei schon betroffenen Kindern zeigte sehr hohe Zahlen, so blieben 87,5% der 6 bis 7-jährigen über den Beobachtungszeitraum übergewichtig (vgl. Kromeyer- Hausschild et al., 2001 in: DGE, 2003).

Aufgrund dieser Zahlen soll die Brisanz und Bedeutung dieses Themas auch für den Bereich der sozialen Arbeit verdeutlicht werden.

2.3 Ursachen und Entstehung von Adipositas

Die Ursachen für den extremen Anstieg von Adipositas in den letzten 20 Jahren können laut DGE nicht genau erklärt werden. Bewegung und Ernährung beeinflussen das Körpergewicht, aber auch die genetische Veranlagung muss beachtet werden(vgl. DGE, 2003).

So spricht Roth nach Warden von einer komplexen „Krankheit mit genetischen, verhaltens- und umweltbezogenen Ursachen“ (Roth, 2002: 330).

In der Monatschrift Kinderheilkunde schreibt Holub: „Übergewicht entsteht durch eine über längere Zeit bestehende positive Energiebilanz. Das bedeutet, die Energieaufnahme übersteigt den Energieverbrauch, wobei der Energieverbrauch durch Grundumsatz, Thermogenese und Aktivität bestimmt wird“ ( Holub, 2003: 227).

In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Faktoren wie psychische, genetische, soziale und familiäre ausführlicher beschrieben. Trotz der Einzeldarstellung stehen sie miteinander in Wechselwirkung und sind als ein Gesamtes für mögliche Ursachen zu betrachten.

2.3.1 Genetische Faktoren

Sind die Eltern übergewichtig, besteht eine 80% Wahrscheinlichkeit für das Kind, auch adipös zu werden. Wenn nur ein Elternteil betroffen ist, reduziert sich diese auf 40% (vgl. Zwiauer, 1998). Bei schlanken Eltern dagegen ist ein Risiko für die Entstehung von Adipositas noch zu 20% vorhanden. Deutlichere Zusammenhänge liefern die Zwillings- und Adoptionsstudien von Stunkard et al. (1986). Es wurde nachgewiesen, dass der BMI in Wechselbeziehung mit dem Gewichtsindex der biologischen Eltern und nicht mit dem der Adoptiveltern steht. Dies spricht für den ausgeprägten genetischen Einfluss.

Wenn auch durch Erforschung der Gene herausgefunden wurde, dass Adipositas nicht durch einzelne Gendefekte bedingt wird und so noch keine Gentherapie entwickelt werden konnte, weisen aber die Familien- , Zwillings- und Adoptionsstudien von Stunkard et al. (1986) eindeutig darauf hin.

In einer weiteren Untersuchung über den Einfluß von elterlichem Übergewicht fand man heraus, dass für 3- jährige Übergewichtige von nicht Adipositas betroffenen Eltern nur ein geringes Risiko besteht, auch im Erwachsenenalter von Adipositas betroffen zu sein, dagegen spielt es aber beim Auftreten von Übergewicht in späteren Kindertagen keine Rolle, ob die Eltern betroffen sind oder nicht (vgl. Zwiauer, 1998).

In aktuellen Zusammenfassungen der Studien über genetische Faktoren werden Mutationen aufgelistet, die einen bedeutenden Zusammenhang zu Adipositas zeigen. Ständig werden diese Ergebnisse aktualisiert.

Auf der systematischen Suche nach genetischen Ursachen gibt es einen weiteren Ansatz, der sich auf die Untersuchung ethnischer Gruppen und Stämme stützt. Diese Untersuchung zeigt, dass nicht genetische Faktoren allein zu Adipositas führen, sondern durch zusätzlich entsprechenden Umwelteinflüssen aktiviert werden (vgl. Laessle et al., 2001).

Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Energieverbrauch des Körpers. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von Energieaufnahme und Energieverbrauch. So stört nicht nur übermäßige Ernährungsaufnahme die Stoffwechselabläufe des Körpers, sondern ebenso ein zu geringer Energieverbrauch, der sich negativ auf den gesunden Energiehaushalt im Körper auswirkt. Ursache dafür ist häufig mangelnde Bewegung.

Trotz alledem taucht häufig die Frage auf, warum einige Menschen viel essen können, ohne zuzunehmen, obwohl sie keinen Sport treiben. Der Grund dafür ist der individuelle Energieverbrauch. Schon sämtliche Bewegungsabläufe im Alltag verbrauchen Energie. Dies ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. So wird bei den einen die überschüssige Energie in Wärme umgewandelt und bei anderen ist das Ergebnis der Überernährung Fettspeicherung. Hinzu kommt, dass die Fett- und Muskelzellen einen individuellen Energieverbrauch haben. Daraus entsteht ein variierender Grundbedarf (vgl. Roth et al., 2002). Ist die Energieaufnahme zu hoch, so dass der Körper sie nicht bewältigen kann, führt dies zu Adipositas.

2.3.2 Psychische Faktoren

Die psychologischen und psychosozialen Einflüsse auf den Menschen stellen einen weiteren bedeutenden Faktor bei der Entstehung von Adipositas dar. Das Verhalten und die Bewegung sind hierbei besonders maßgebend. Beim Essverhalten angefangen, greifen Übergewichtige in großen Mengen auf energie- und fettreiche Lebensmittel zu. Beispielsweise verzehren sie täglich ca. 25 Gramm mehr Nahrungsfett als normalgewichtige Vergleichspersonen (vgl. Laessle et al., 2001). Innerhalb eines Jahres summiert sich dies zu einer Gewichtszunahme von 9 kg.

Emotionale Faktoren und Lernprozesse bestimmen die Anzahl der Mahlzeiten und die Kalorienmenge schon im Kindes- und Jugendalter. Die Eltern sind bereits früh für die Kinder Modell in Bezug auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten und prägen die Einstellung zum eigenen Körper. Später kommen weitere Vorbilder aus dem Umfeld dazu. Wird ein Kind schon früh in bestimmten Situationen mit Nahrung ruhig gestellt, so festigt sich dieses Verhalten, stellt sich ein und es nimmt auch später Nahrung nicht nur bei Hunger zu sich. Brakhoff (1987) machte hierzu eine Untersuchung, in der er herausfand, dass 38% der Befragten aus Langeweile essen, 22 % bei Einsamkeit und 11% bei depressiven Verstimmungen. Die Kinder und Jugendlichen geraten in eine Art „Teufelskreis“, sie essen ohne Hunger zu haben aufgrund ihrer Gefühle. Diese sind zusätzlich zu den nach Brakhoff untersuchten emotional motivierten Faktoren noch Stress, Angst und weitere seelische Probleme. Um Abhilfe zu schaffen, werden Diäten gemacht, die aber oft scheitern und so wiederum zu Frustrationen und damit zu Nahrungsaufnahme führen (vgl. Laessle et al., 2001).

2.3.3 Soziale und familiäre Faktoren

In der Bevölkerung ist die Bedeutung des Problems Adipositas noch nicht sehr präsent. Erst durch wesentlichen Leidensdruck einzelner Individuen wird ein wenig darauf aufmerksam gemacht.

Gesellschaftliche Faktoren und die Wertvorstellungen unserer heutigen Gesellschaft sind beim Thema Adipositas nicht zu unterschätzen. Laut Willich et. al. sind diese geprägt von großen Gruppen, Selbstverwirklichung, Freiheit, Freude und Glück in erster Linie, im Gegensatz zu Selbstbeherrschung, Anstrengungen und Durchhaltevermögen, auf welche heute kaum noch Wert gelegt wird (vgl. Willich et al., 2001). So ist es kein Wunder, wenn krankhafte Erscheinungen wie beispielsweise Adipositas sich epidemieartig immer weiter verbreiten, vor allem unterstützt durch die Nichtbeachtung der „disziplinierenden“ Werte in unserem Umfeld. Hätten diese mehr Bedeutung, würde das Gesamtbild anders beeinflusst werden und durchaus positiver ausfallen im Hinblick auf die Entstehung und Verbreitung von Adipositas.

Die freie Entfaltung jedes Einzelnen geht heutzutage vor, egal welche Konsequenzen sie mit sich bringt. Das dies wiederum negative Konsequenzen haben kann, sehen wir an den aktuellen Entwicklungen der extremen Gewichtszunahme bei Kindern und Jugendlichen.

Massive Einflüsse durch die Umwelt und gesellschaftliche Besonderheiten in der heutigen Zeit tragen auch als Ursache für Adipositas und Übergewicht bei. Zunehmende Modernisierung und Motorisierung fördern körperliche Inaktivität, u. a. durch ansteigenden Fernseh- und Computerspielkonsum.

Werbung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Einwirkung auf das Ernährungsverhalten. Es wird für angeblich „gesunde“, speziell für Kinder entwickelte Lebensmittel geworben. Dass in diesen aber ein extrem hoher Prozentsatz an Fett oder Zucker enthalten ist, wird verschwiegen und somit zu einer weiteren Gefahr für adipöse Kinder und Jugendliche (vgl. Roth e. al., 2002).

Bei dem allgemein tendenziell inaktivem Lebensstil kann schon die Höhe des Fernsehkonsums zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Adipositas beitragen. Auch nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Umgebung, so sind Stadtkinder im Gegenteil zu Landkindern eher betroffen. Noch dazu kommt bei Kindern die in einer urbanen Umgebung aufwachsen, häufig ein niedrigerer sozioökonomischer Status (vgl. Holub/Götz, 2003).

Mit eigenem Willen diesen Faktoren zu widerstehen, wird als sehr schwierig eingestuft. Auch das Umfeld bietet dabei keine Unterstützung, sondern agiert eher zu Lasten der Betroffenen. Angefangen bei Mahlzeiten in Schulen und anderen Einrichtungen, wo Kinder außerhalb der Schule versorgt werden, bis hin zu einschränkenden Bewegungsmöglichkeiten durch u.a. die Verinselung im Alltag der Kinder und Jugendlichen, wo sie selbst kaum Einfluss darauf nehmen können (vgl. DGE, 2003). So erleben sie in ihrer Umwelt wie auch daheim in ihrer Familie keine gesundheitsfördernde Haltung.

„Sozialer Wohlstand und Nahrungsüberfluss zeigen durch Adipositas negative Auswirkungen. „Erziehungsregeln“ von früher haben hier ebenso einen negativen Einfluss. Wie z. b. aus Zeiten der Nahrungsknappheit, wo Kinder gezwungen wurden, ihren Teller leer zu essen“ (Roth et al., 2002: 332).

So fördern aktuelle Lebensweisen wie Dauerkonsum von Snacks, unregelmäßige Mahlzeiten und die sich immer mehr verändernden Esskulturen (Tischkulturen, im Stehen/ Gehen) zusätzlich die Entstehung von Adipositas (vgl. ebd.).

2.3.4 Andere Einflussfaktoren

Das frühe Eintreten der Menstruation erhöht das Risiko für Adipositas im Erwachsenenalter(vgl. Holub/Götz, 2003). Sind die Eltern beide adipös, besteht zu 50-70% die Gefahr, dass das Kind adipös wird. Ist nur ein Elternteil adipös, so ist das Risiko höher, wenn auch die Mutter adipös ist. Zusätzlich steigt das Risiko, wenn die Mutter unter Essstörungen leidet, wie Magersucht und Bulimie. Töchter sind eher betroffen als Söhne (vgl. ebd.).

Zudem spielt das Bildungsniveau der Eltern eine Rolle. Werden die Kinder wenig gefordert und gefördert bzw. gar vernachlässigt, sind dies auch Faktoren, die die Entstehung von Adipositas begünstigen (vgl. ebd.). Auch sexueller Missbrauch im Kindes- und Jugendalter mit entsprechenden psychischen Folgen beim Opfer kann Ursache für eine Adipositas im Jugend- und Erwachsenenalter sein (vgl. ebd.).

Ebenso kann ein Mangel in der Ernährung für den Embryo im Mutterleib, während sensibler Phasen zu fehlerhaften Veränderungen in der Entwicklung führen und somit später das Risiko für Adipositas begünstigen (vgl. Barker et al., 1993).

2.4 Diagnostik

Die meist angewandte Methode zur ersten Diagnose von Adipositas ist die Berechnung mit Hilfe des Body Maß Index [BMI = Körpergewicht / Körpergröße² (kg/m²)]. Anhand dieses Wertes wird später auch der Therapieerfolg gemessen. Bei Kindern und Jugendlichen ist der BMI unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Körperentwicklung, nach bestimmten Referenzwerten in alters- und geschlechtsentsprechenden Perzentilen anzugeben.

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Details

Seiten
42
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638347228
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34525
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
sehr gut (1,0)
Schlagworte
Adipositas Kindern Jugendlichen Therapeutische Ansätze Interventionsmöglichkeiten Sozialen Arbeit Gesundheit Krankheit Kindes- Jugendalter

Autor

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Titel: Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Therapeutische Ansätze und Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit