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Altersarmut. Ursachen, Folgen und Interventionsmaßnahmen

Spaltung einer Gesellschaft?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 25 Seiten

Soziologie - Alter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gesellschaftliche Armut - Versuch einer Begriffsbestimmung
1.1 Definition von Armut
1.2 Messung von Armut

2. Ursachen von Armut im Alter - Soziale Ungleichheit?
2.1 Einkommensverteilungen im Alter
2.2 Soziale Lebenslage bestimmt den Lebenslauf

3. Soziale Exklusion und gesundheitliche Ungleichheit - Mögliche Folgen von Armut im Alter
3.1 Was ist Einsamkeit?
3.2 Risikofaktoren - Einfluss von Einsamkeit auf die Gesundheit

4. Verbesserung der Lebenslagen - Mögliche Interventionsmaßnahmen zur Vorbeugung von Armut im Alter: Handlungskonzept „NRW hält zusammen“

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Ursachen und Folgen von Altersarmut sowie Interventionsmaßnahmen zur Bekämpfung von Armut im Alter. Ziel dieser Arbeit ist eine Diskussion darüber, ob Altersarmut zu einer Spaltung der Gesellschaft führen kann.

Kapitel 1 befasst sich mit der Beschreibung und Definition von Armut. Es wird aufgezeigt, wie sich Armut messen lässt und an welchen Merkmalen und Faktoren dies ermittelt wird.

Kapitel 2 setzt einen Schwerpunkt auf die Einkommensverteilungen im Alter und versucht die Ursachen der Altersarmut im Einzelnen zu erörtern. Dargestellt wird die Einkommenssituation im Alter von Frauen, Männern und Paaren. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, ob sich die soziale Lebenslage über den Lebenslauf hinweg verändert und ob die Lebenslage ausschlaggebend für Armut im Alter ist.

Kapitel 3 legt den Fokus auf soziale Exklusion; einer möglichen Folge von Armut im Alter. Im Wesentlichen stehen hier die Themen Einsamkeit und Gesundheit im Vordergrund. Das Kapitel befasst sich mit der Definition von Einsamkeit und benennt Risikofaktoren. Es wird versucht aufzuzeigen, wie soziale Exklusion die Gesundheit beeinflussen kann. Kapitel 4 greift mögliche Interventionsmaßnahmen auf, um gegen Armut im Alter präventiv vorzubeugen. Hier wird auf das Handlungskonzept „NRW hält zusammen“ der nordrhein-westfälischen Landesregierung verwiesen. Einige wesentliche Aspekte aus diesem Konzept werden vorgestellt und erörtert.

Abschließend greift das Fazit die Positionen, Probleme und Erkenntnisse auf, um zu untersuchen, ob Fortschritte zu beobachten und wie konkrete Handlungsbedarfe zu definieren sind.

„Wie eine Gesellschaft ihre Armen sieht und behandelt, ist der Prüfstein dafür, ob sie als human, sozial und demokratisch gelten kann.“ (Butterwegge 2012: 15)

1. Gesellschaftliche Armut - Versuch einer Begriffsbestimmung

1.1 Definition von Armut

Der Begriff Armut lässt sich nicht einheitlich definieren. Fast jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung und Auffassung von Armut. Meist ist diese subjektiv und wird von den allgemeinen Lebensumständen eines Einzelnen beeinflusst. Armut umfasst viele verschiedene Aspekte: ökonomische, soziale und kulturelle Faktoren, welche als mehrdimensionales Problem dargestellt werden können. Armut hat in diesem Zusammenhang viele Facetten und wird nicht nur am Faktor der Mittellosigkeit gemessen: Ausgrenzung und soziale Benachteiligung in unterschiedlichen Lebensbereichen, Bildungsarmut, Mangel an gesellschaftlicher Inklusion, Existenzrisiken, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder der Verlust an Wertschätzung und des eigenen Selbstbewusstseins (vgl. Butterwegge 2012: 17-28).

Die absolute Armut in der Bundesrepublik Deutschland wird als Gefährdung des physischen Überlebens eines Menschen definiert. Diese Definition wird ergänzt durch die relative Armut welche aussagt, dass ein Mindestmaß des Lebensstandards durch eine Unterversorgung an Ressourcen nicht gedeckt ist. Fraglich ist jedoch, an welchen Faktoren sich ein Mindestmaß bestimmen lässt. In der Regel wird dies von normativen Ereignissen und Entscheidungen beeinflusst (vgl. Bertermann et al. 2012: 129). In Anlehnung an den Herausgeber „gilt als armutsgefährdet, wer über ein bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen (auch Äquivalenzeinkommen genannt) von weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Durchschnitts (Median) verfügt“ (Langness 2015: 19). Dieses Einkommen unterschreitet das Existenzminimum und eine gesellschaftliche Teilhabe am Leben wird somit nicht ermöglicht. Ältere Menschen sind von der relativen Einkommensarmut häufig betroffen. In Anlehnung an den Sozialbericht 2012 des Landes Nordrhein-Westfalen wurde für das Jahr 2010 ermittelt, dass die Armutsrisikoquote bei rund 11,4 Prozent lag. In der Gruppe der Menschen, die 65 Jahre oder älter waren, lag die Armutsrisikoquote bei 14,7 Prozent. Dabei sind Frauen häufiger benachteiligt als Männer. Im Jahr 2010 waren von der relativen Einkommensarmut 9,7 Prozent der älteren Männer und rund 12,8 Prozent der älteren Frauen betroffen (vgl. Müller et al. 2012b: 203-204).

Synonyme für den Begriff Armut gibt es nur wenige. Mit den Definitionen Not, Elend oder Mittellosigkeit versucht man einen Bezug herzustellen, welcher aber nicht die materiellen, kulturellen und sozialen Mittel eines Menschen wiederspiegelt. Armut hat immer etwas mit sozialer Ungleichheit und ungleicher Verteilung in der Gesellschaft zu tun (vgl. Langness 2015: 16).

1.2 Messung von Armut

Nun stellt sich die Frage, wie man Armut in einer Gesellschaft messen kann und welche Konzepte es zur Messung von Altersarmut gibt. Man unterscheidet zwischen zwei maßgebenden Konzepten:

I. Der Ressourcenansatz
II. Der Lebenslageansatz

Der Ressourcenansatz zeigt eine Dimension von Armut, welche die fachwissenschaftliche Literatur als sehr bedeutsam einstuft. Eine Person gilt demnach als arm, wenn die finanziellen Ressourcen nicht ausreichen beziehungsweise nicht vorhanden sind. Um hier eine korrekte Messung der Armut vornehmen zu können, ist es von Bedeutung, dass einkommensbezogene Armutsgrenzen und Armutsschwellen definiert sind. Zur Diskussion stehen unterschiedliche Prozentanteile, die von dem Durchschnittseinkommen als sogenannte Grenzwerte bezeichnet werden. In der Europäischen Union liegt dieser Grenzwert bei 60 Prozent.

Eine weitere, jedoch laut Bertermann et al., sehr kritische und fragwürdige Methode die Einkommensarmut zu messen, ist die jeweilige Einkommensgrenze bei Bezug von Grundsicherung im Alter. Hierbei handelt es sich um eine, von der Politik vorgegebene, festgelegte Bemessungsgrenze. Ebenso gibt es viele Leistungsberechtigte, die ihre Ansprüche nicht geltend machen, weil sie unwissend sind oder sich dessen schämen. Dies wird als verdeckte Armut bezeichnet. Auch Personen, die ein Einkommen erzielen, welches knapp oberhalb oder unterhalb der Bemessungsgrenze liegt, werden in der Messung nicht berücksichtigt (vgl. Bertermann et al. 2012: 129).

Der Lebenslageansatz ist ein multidimensionaler Ansatz zur Messung von Altersarmut. Neben dem Einkommen nehmen folgende Faktoren eine bedeutende Rolle ein: der Wohnraum, die Bekleidung, die Nahrungsversorgung, die gesundheitliche Versorgung sowie die gesellschaftliche Teilhabe am sozialen Leben. Nach Auffassung Langness bestehen Forschungslücken. Die Lebenslage von sehr armen Menschen wird kaum empirisch überprüft und erfasst, da die verschiedenen Dimensionen der Lebenslagen kaum zu messen oder zu quantifizieren seien. Langness betont, dass man die Betroffenen persönlich nach ihrer allgemeinen subjektiven Wahrnehmung zur Armut und zur sozialen Ausgrenzung befragen sollte. Auch sollte der Fokus auf eine regionale Entwicklung der Altersarmut gesetzt werden, damit Unterschiede und soziale Ungleichheiten in der räumlichen Verteilung deutlich werden. Demnach könnte man einen Handlungsbedarf erkennen und Lösungen aufzeigen sowie Maßnahmen ergreifen (vgl. Langness 2015: 16-21).

2. Ursachen von Armut im Alter - Soziale Ungleichheit?

2.1 Einkommensverteilungen im Alter

Die Einkommenssicherung im Alter ist eine Lebenslagendimension. Die Alterssicherung in der Bundesrepublik Deutschland basiert auf dem Mehr-Säulen-System. Hiermit ist gemeint, dass eine Altersgrenze überschritten wird und man die Erwerbslebensphase im Lebenslauf verlässt. Die erste Säule basiert auf der gesetzlichen Rentenversicherung. Die zweite Säule basiert auf der betrieblichen Alterssicherung, in der Anwartschaften eingezahlt werden können. Die dritte und letzte Säule ist die private Altersvorsorge. Man kann sagen, dass alle drei Säulen von der individuellen Erwerbsbiografie eines Menschen sowie dessen weiteren Lebensverlauf abhängig sind (vgl. Schulz-Nieswandt 2006: 186-191).

Im Alter kann die Einkommenslage nicht einheitlich, sondern sie muss individuell betrachtet werden. Die Einkommenslage richtet sich hierbei nicht nur an Renten oder Pensionen, sondern auch nachfolgend aufgeführte Komponenten müssen unter anderem berücksichtigt werden:

- Geld- und Sachleistungen, wie zum Beispiel Wohngeld, Sozialhilfe oder Leistungen der Pflegeversicherung
- Private Renten oder Betriebsrenten
- Vermögenseinkünfte
- Schenkungen oder Erbschaften

Laut Backes & Clemens lässt sich ableiten, dass alleinige Renten oder Pensionen für eine gesicherte finanzielle und materielle Lebenslage im Alter nicht ausreichen (vgl. Backes & Clemens 2013: 203-210). Zu berücksichtigen ist jedoch immer die individuelle finanzielle Lebenslage. Es gibt durchaus Personen, die von ihren Renten oder Pensionen ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Das verfügbare Einkommen ist abhängig von der Personenanzahl eines Haushaltes. Laut des Statistischen Bundesamtes waren 2011 rund 92 Prozent der älteren Menschen ab 65 Jahren alleinlebend oder bewohnten mit dem Partner oder mit der Partnerin einen gemeinsamen Haushalt.

Die nachfolgend aufgeführte Tabelle zeigt das durchschnittliche monatlich verfügbare Einkommen von alleinlebenden Männern und Frauen im Jahr 2008 (Statistisches Bundesamt 2011: 54, Abb. 1).

Abb. 1: Verfügbares Einkommen alleinlebender Männer und Frauen, Durchschnitt je Monat, 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2011: Im Blickpunkt. Ältere Menschen in Deutschland und der EU. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Die Tabelle zeigt, dass alleinlebenden Männern ab 55 Jahren im Durchschnitt rund 2.300 Euro monatlich zur Verfügung standen. Zu erkennen ist auch, dass die älteren Männer mehr Geld zur Verfügung hatten als die jüngeren Männer. Deutliche Unterschiede zeigten sich bei den Frauen. Alleinlebende Frauen ab 55 Jahren hatten im Durchschnitt mit rund 1.600 Euro ein wesentlich geringeres monatliches Einkommen als Männer.

In den Paarhaushalten sieht die Verteilung des Einkommens dagegen anders aus. Die nachfolgende Tabelle zeigt das verfügbare Einkommen von Paaren ohne Kinder im Durchschnitt pro Monat. Die gemachten Angaben beziehen sich auf das Jahr 2008 (Statistisches Bundesamt 2011: 54, Abb. 2).

Abb. 2: Verfügbares Einkommen von Paaren ohne Kinder, Durchschnitt je Monat, 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2011: Im Blickpunkt. Ältere Menschen in Deutschland und der EU. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Die Tabelle zeigt, dass den Haupteinkommenspersonen im Alter ab 80 Jahren im Durchschnitt rund 2.974 Euro zur Verfügung standen. Die Haupteinkommenspersonen zwischen 55 und 64 Jahren hatten durchschnittlich monatlich ein Einkommen in Höhe von 3.708 Euro. Es stellte sich heraus, dass das Einkommen mit zunehmendem Alter abnimmt. Die Haupteinkommenspersonen zwischen 55 und 64 Jahren verfügten über ein monatlich deutlich höheres Einkommen, da diese Haushalte in der Regel ein Erwerbseinkommen erzielten.

Das Statistische Bundesamt zeigte auf, das ältere Menschen überwiegend von einer Rente oder von einer Pension lebten. 2009 bezogen 96 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen eine Rente oder eine Pension. Des Weiteren wurde untersucht, dass insgesamt 13 Prozent der älteren Frauen von den Einkünften ihrer Angehörigen lebten. Als Angehöriger wurde hier der Ehepartner oder der Lebenspartner definiert (vgl. Statistisches Bundesamt 2011: 53-57).

Im Zuge des demographischen Wandels haben sich Probleme auf dem Arbeitsmarkt entwickelt. Die Probleme sind unter anderem: Langzeitarbeitslosigkeit, Beschäftigungsverhältnisse in Teilzeit, im Niedriglohnsektor sowie prekäre Arbeitsbedingungen. Dies wirkt sich auf die individuellen Renten aus. Die Rente als Einkommen ist ein Spiegelbild der eigenen Erwerbsbiografie. Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre auf dem Arbeitsmarkt können das aufgeführte Problem der Altersarmut nicht beseitigen. In erster Linie sind hiervon Frauen betroffen. Die Altersarmut basiert auf der Grundlage der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch XII. Immer mehr ältere Frauen und Männer müssen trotz Bezug einer Rente diese Leistungen in Anspruch nehmen. Die Quoten sind in den Jahren 2003 bis 2013 drastisch angestiegen.

Die nachfolgend aufgeführte Tabelle zeigt die Empfänger von Grundsicherung im Alter (Schräpler et al. 2015: 24, Abb. 3).

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Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668353701
ISBN (Buch)
9783668353718
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345360
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
altersarmut ursachen folgen interventionsmaßnahmen spaltung gesellschaft

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Titel: Altersarmut. Ursachen, Folgen und Interventionsmaßnahmen