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"Libertino patre natus". Autobiographie oder persona des Horaz?

Eine Ausarbeitung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 10 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Mittel- und Neulatein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Übersetzung Hor. sat. 1,6,45–52a

III. Analyse und Interpretation

IV. Schlussteil

V. Literaturverzeichnis
1. Editionen, Kommentare, Übersetzungen
2. Hilfsmittel
3. Sekundärliteratur

I. Einleitung

Die vorliegende Textstelle der Verse 45–52a der sechsten Satire im ersten Buch der sermones[1] des Horaz stellt einen Passus dar, in dem der satirische Erzähler scheinbar autobiographische Angaben macht. Nach seinem Aufenthalt in Brundisium befindet er sich in der Satire 1, 6 in einer Gesprächssituation mit seinem Freund Maecenas und berichtet von seinen familiären Hintergründen und seiner Vergangenheit. Dabei greift er Andeutungen aus früheren Abschnitten seiner Dichtung wieder auf und vervollständigt sie zu einem Bild von sich, das die Freundschaft zu Maecenas darstellt und rechtfertigt und Einwände unterschiedlicher Art antizipiert bzw. entkräftet. Inwieweit diese Beschreibungen aber tatsächlich auf die Person oder vita des Horaz zurückzuführen sind, soll in der folgenden Analyse des Textstückes ebenso erarbeitet werden wie die Intention, die ihn dazu veranlasst haben könnte, derartige Informationen zu geben. Da in der Satire 1, 6 auffällig viele und direkte scheinbar autobiographische Hinweise zu finden sind[2], eignen sich die Verse 45–51a sehr gut, um herauszuarbeiten, ob der satirische Erzähler an dieser Stelle hinter eine persona zurücktritt oder seinen Ausführungen tatsächlich Glauben geschenkt werden kann.

II. Übersetzung Hor. sat. 1,6,45–52a

Jetzt komme ich auf mich zurück, der ich abstamme von einem freigelassenen Vater, mich, den alle benagen und der abstammt von einem freigelassenen Vater.

Jetzt, weil ich dir, Maecenas, enger Begleiter[3] bin[4], einst indessen, weil eine römische Legion mir als Tribun gehorchte. Dieses ist jenem unähnlich; zwar mag mich vielleicht jemand wegen dieses Ehrenamtes mit Recht beneiden, nicht aber weil ich dich auch als Freund habe, zumal du dich vorsiehst, nur Würdige zum Freund zu nehmen[5], die sich von schlechter Ruhmsucht fernhalten.

III. Analyse und Interpretation

Den Beginn dieses autobiographischen Exkurses der Verse 45–52a markiert das prägnante Zeitadverb nunc, welches zusammen mit den folgenden drei Worten einen lucilischen Übergang[6] in Erinnerung ruft[7]. Der Satiriker, und mit großer Wahrscheinlichkeit kann hier tatsächlich von Horaz die Rede sein, möchte also erneut auf sich selbst zu sprechen kommen und etwas aus seiner Vergangenheit und über seine Herkunft schildern. Die Wendung libertino patre natum im gleichen Vers rekurriert offensichtlich auf selbige Junktur in Vers 6 dieser Satire. Außerdem wird sie nicht nur später auch in den Episteln erneut aufgegriffen[8], sondern, und das verstärkt die Fokussierung auf diesen Aspekt, gar im folgenden Vers 46. Dabei unterstützt auch jeweils eine Penthemimeres den etwas hölzern anmutenden Übergang zu dieser scheinbar formelhaften Wendung. Der Hinweis auf die niedere Abstammung ist zudem in Vers 58 und 64 zu finden[9]. Inwiefern diese bewusste und auffällige Wiederholung bzw. Akzentuierung seiner bescheidenen Herkunft mit den wahrhaftigen Begebenheiten in Horaz‘ Vita zu verknüpfen ist, darüber herrscht auch in der Forschung weitestgehend Uneinigkeit. Gordon Williams zieht den Wahrheitsgehalt dieser Aussage erheblich in Zweifel, indem er darauf verweist, dass diese Information ansonsten nirgendwo anders zu finden sei als bei Sueton, der wiederum einzig die zu behandelnde Satire 1,6 als Quelle gehabt habe[10]. In der Tat macht dieser in der Vita Horatii keinen Hehl daraus[11] und stützt sich demzufolge lediglich auf eine wörtliche Interpretation (ut ipse [sc. Horatius ] tradit) der entsprechenden Verse in den Satiren. Gerade diese für Horaz untypische und scheinbar plumpe Wiederholung der letzten drei Versfüße in 1,6,45 und 1,6,46 und die Tatsache, dass diese metrisch etwas ungelenk wirken, tragen dazu bei, dass Williams zufolge dieser mögliche Anknüpfungspunkt für Spott anderer Menschen gleichsam von Horaz in Anführungsstriche gesetzt worden sei und jene Worte somit keine Selbstbeschreibung des Dichters darstellen[12]. Vielmehr sei es in dessen Sinne, dieses Mittel anzuwenden, um sich als sozial benachteiligt darzustellen bzw. eine Form des Understatements zu bedienen, das seine moralische Stärke und Autorität erhöhe und zeige, wie weit und zu welchen Ehren er es als Sohn eines Freigelassenen gebracht habe[13].

Auch Plaza interpretiert die echo-gleiche Verwendung dieser Formulierung als Hinweis auf den Überdruss, den Horaz in Bezug auf diese oft bemühte, mögliche Ursache von Spott und Kritik empfindet und verweist darauf, dass der Autor auf diese spöttische repetitio der Menschen (omnes) zurückgreift, um selbige der Lächerlichkeit preiszugeben[14] und den trotz niederer Abstammung erlangten Ruhm und Stolz herauszuarbeiten[15]. Anders als Williams sieht sie die genealogische Verbindung zu einem freigelassenen Sklaven jedoch als „crucial fact“[16] an. Für Freudenburg spielt die Authentizität der Aussage eine untergeordnete Rolle, da die Beantwortung der Frage zum einen nicht leistbar und zum anderen nicht notwendig sei. Deshalb stellt er heraus, dass Horaz an dieser Stelle derjenige sei, der er in diesem Moment, in diesem Buch zu sein habe[17]: nämlich der Sohn eines Freigelassenen. Durch diese Offenheit gegenüber Maecenas, eingedenk der möglichen Konsequenzen, stellt der Satiriker sich als jemand dar, der auch unbequeme Wahrheiten offen heraus bekennt, der nichts zu verbergen hat und der somit geradezu perfekt in die Rolle des Erzählers der Satiren schlüpfen kann[18]. Der Tatsache, dass dieses Szenario eine Angriffsfläche für seine Kritiker bieten kann, ist er sich aber mehr als bewusst und nennt daher die o mnes, die hier präsent zwischen Trithemimeres und Penthemimeres stehen, als kollektiven Plural. Einzig Maecenas, der es schaffe, das Schändliche vom Edlen zu trennen[19], nimmt der poeta davon aus[20]. Um das niederträchtige Verhalten all dieser anderen Menschen zu illustrieren, verwendet Horaz mit rodere ein Verb, welches das Bild von Ratten nahelegt[21]. So stellt er seine Gegner als neidisch und gar animalisch dar und bemüht dabei Teile des traditionellen Vokabulars von satirischer invidia [22]. Auch der spondeische Aufbau des Verses 4 – es gibt ausschließlich Spondeen bis zum fünften Versfuß – verdeutlicht den iterativen und monotonen Vorgang des ‚Benagens‘ vonseiten der Anderen.

Der nächste Vers wird gerahmt von den antithetisch konstruierten Zeitadverbien nunc bzw. olim. Diese leiten jeweils Begründungen ein, welche als Ursache für die angesprochene invidia fungieren: nunc die Freundschaft zu Maecenas und olim Horaz‘ Tätigkeit als Militärtribun[23]. Eben diese antithetische Struktur könnte ein Hinweis dafür sein, dass die Distanz zum zweiten Glied nicht nur zeitlich, sondern auch emotional wahrnehmbar wird und sie somit eine persönliche Wertung impliziert. Die Tatsache, dass ihm das Verhältnis sowie die Nähe zu seinem Mäzen etwas bedeuten, werden besonders durch den persönlichen Ton und die direkte Ansprache (tibi, Maecenas) untermalt, sodass sowohl inhaltlich als auch stilistisch der erste Vers dieser Satire (Non quia, Maecenas, …) in Erinnerung gerufen wird[24]. Die Variante des Prädikats sim ist hier als Teil einer Art oratio obliqua dem zwar im codex Argentoratensis deperditus überlieferten, aber ansonsten nur schlecht bezeugten sum, vorzuziehen[25] und zeigt den subjektiven Charakter der ihm häufig begegnenden Vorurteile anderer an[26]. Horaz bezeichnet sich an der vorliegenden Stelle gar als convictor seines Förderers und Begleiters (sim tibi, Maecenas, convictor) und drückt auf diese Weise die sie verbindende Nähe und Freundschaft aus. Allerdings kann auch jener terminus seinen Gegnern zur Kritik gereichen, da convictor ebenso als Tischbeisitzer beim convivium, der im Sinne des griechisch-stämmigen Konzepts des Parasitismus (παρά σιτεῖσθαι) nur von anderen isst, aufgefasst werden kann. Hier ist es aber eher als Euphemismus für das Patron-Klienten-Verhältnis zu werten, welches auch Augustus gemäß Suetons Vita Horatii mit dem Protagonisten zu pflegen scheint[27].

Während dieses positive Verhältnis des Satirikers zu Maecenas zu dem Zeitpunkt (nunc) scheinbar Anlass für Neid seiner Gegner bietet, war es einst (olim) sein Rang als Militärtribun, der ihm das Kommando über eine römische Legion einbrachte. Um die Perspektive der omnes beizubehalten, wählt der poeta hier bewusst den Konjunktiv pareret der oratio obliqua. Tatsächlich hatte er 42 v. Chr. bei Philippi im Heer des Brutus gegen Octavian diese Rolle, die (im Vergleich zur Kaiserzeit) noch ein wirkliches Kommando darstellte, ausgefüllt[28]. Auch Harrison weist darauf hin, dass Horaz diesen Aspekt gar nicht erst zu verheimlichen sucht[29]. Dennoch sieht es so aus, als fühle er sich aufgrund der ersten Komponente noch stärker privilegiert als wegen seiner ihm einstmals zugeteilten militärischen Stellung. Diese persönliche Wertung findet auch im Subjektwechsel (sim […] convictor bzw. mihi pareret legio Romana) ihren Ausdruck, da er scheinbar den ersten Aspekt als zentral für das Selbstverständnis präsentiert.

Eben dieser Unterschied in der Wertung (dissimile) wird auch durch den Teil vor der auffälligen Penthemimeres in Vers 49 deutlich. Die Pronomina hoc und illi rekurrieren hier auf die nunc / olim - Korrelation in den beiden Versen darüber. Während sich hoc als das für das Subjekt (auch emotional) näherstehende Pronomen im Vergleich zu illi auf den erstgenannten Kritikpunkt der omnes (d. h. die enge Verbindung zu Maecenas) bezieht, verweist illi auf olim zurück. Die Begründung wird nach der Zäsur eingeleitet durch quia non[30] und weitergeführt in dem mit ita eingeleiteten zweiten Teil der ut / ita – Konstruktion, welche als ‚zwar / aber‘ ins Deutsche übertragen werden sollte. Horaz bekennt somit nicht nur durch das einräumende ita, sondern vor allem auch durch das Adverb iure die Berechtigung des Vorwurfs, er sei nicht für das Ehrenamt des Militärtribuns befähigt bzw. legitimiert gewesen, sodass er die Tatsache, dass jeder beliebige Kritiker (quivis) ihn verständlicherweise um dieses Ehrenamt beneiden könnte[31], nicht von der Hand weisen kann. Das Zugeständnis iure fußt sicherlich auf der Tatsache, dass im klassischen römischen Recht auch die Söhne von freigelassenen Sklaven eine im öffentlichen Leben untergeordnete Rolle gegenüber dem civis Romanus behielten und diese politische Zurücksetzung eigentlich mit der Erreichung eines solchen Ehrenamtes hätte unvereinbar sein müssen[32], zumal Horaz nicht, wie es eigentlich üblich war, vorher Kriegsdienst geleistet hatte[33]. Allerdings – und das offenbart der Satiriker im Folgenden noch stärker – legt er auf diesen honor keinen allzu großen Wert.

Eindeutig wichtiger erscheint die Freundschaft zu seinem Gönner und Förderer, die ihm nicht geneidet werden dürfe. Für die Übersetzung dieses letzten Teils des Verses sollten Subjekt und Prädikat aus dem mit ut eingeleiteten Nebensatz ergänzt werden, sodass te die Funktion des Akkusativobjekts von honorem aus dem ersten Teil der Korrelation übernimmt. Der inhaltliche Bruch bzw. der adversative Einschub werden sogar metrisch durch die bewusst gesetzte Hephthemimeres illustriert. Indem Horaz im folgenden Vers mit cautum (als Rückbezug auf te) auf Maecenas‘ gute Urteilsgabe in Bezug auf die Auswahl der Mitglieder des berühmten Literaten-Kreises hinweist, hebt er sich sozusagen von anderen neidischen Mitbewerbern und Gegnern ab und versäumt es nicht, zugleich seinem Freund (amicum, V. 50) zu huldigen und jeden Argwohn in Hinblick auf die Freundschaft zu zerstreuen[34]. Das Adjektiv cautum ist mit dem bloßen Infinitiv konstruiert, eine Variante, die zwar beispielsweise auch in Satire 1,4 zweifach vorkommt[35], ansonsten aber eher selten ist[36]. Dieser Infinitiv adsumere steht hier im Kontext der Freundschaft[37] und lässt also diejenigen, die sich als würdig für den Maecenas-Kreis erweisen (dignos), in einen deutlichen Gegensatz zu den indignos in Vers 16 treten, denen ansonsten oftmals die Ehrenstellen im Staat zugeteilt werden. Diese doch recht banale Freund / Feind-Kontrastierung stellt Horaz selbst als ebenso über jeden Zweifel erhaben dar wie die anderen poetae, die in der Gunst des Gönners stehen.

Der letzte Teil des in dieser Arbeit zu behandelnden Abschnitts bis 1,6,52a ist in Hinblick auf den Bezug zu den anderen Satzteilen nicht ganz eindeutig. Während Kiessling / Heinze erhebliche Zweifel an der grammatischen Umsetzbarkeit anmelden, prava / ambitione procul auf dignos zu beziehen und vorschlagen, es mit adsumere und daher mit Maecenas zu verbinden[38], legt Gowers einen Zusammenhang mit den dignos nah. Ihr zufolge wolle Horaz, indem er die ambitio anprangert, mögliche Kritik anderer vorwegnehmen[39] und demonstrieren, dass er und die anderen Zöglinge die Gunst des Maecenas auf rechtmäßige und tadellose Weise erlangt hätten, da dieser deren innere Größe erkannt habe und für ihn andere Faktoren – wie etwa die genealogische Abstammung – keinerlei Relevanz besäßen. Daher charakterisiert der Satiriker die Konzeption von ambitio hier als prava [40] und lässt auch sonst kaum eine Gelegenheit aus, ambitio negativ zu konnotieren[41] und sich so von jeder Form von Geltungssucht oder anderer Eitelkeiten zu distanzieren. Die Präposition procul [42] symbolisiert, ähnlich wie longe longeque (V. 18), ein nicht nur geographisches, sondern vielmehr emotionales Entferntsein von den indignos und jeder Art schädlichen Ehrgeizes. Folglich erscheint es mir ebenso deshalb sinnvoller, prava / ambitione procul tatsächlich auf die dignos zu beziehen, weil der gesamte autobiographische Teil in gewisser Weise darauf angelegt ist, die Berechtigung der Freundschaft zu Maecenas, die ihm nicht wegen hoher Abstammung oder opportunistischen ‚Anbiederns‘ geschenkt wurde, nachzuweisen.

IV. Schlussteil

Unabhängig davon, ob die Darstellung der bescheidenen Herkunft primär dem Understatement (siehe Williams) oder der Abwehr der invidia anderer Menschen (u.a. Kiessling / Heinze) dient, rekurriert Horaz in 1,6 auf die in den Satiren eingangs gestellte Frage Qui fitut nemo (sat. 1,1,1–3): er nämlich ist zufrieden mit dem, was er hat. Daher ist er auch bemüht darum, seinen Status zu verteidigen, Maecenas zu huldigen und sich von seinen Neidern abzuheben.

Dabei ist die Frage, ob es sich beim vorliegenden Passus aus 1,6 um wahrhaftig autobiographische Elemente handelt, auch abschließend nicht mit Gewissheit zu beantworten. Allerdings ist das auch nicht entscheidend. Für den modernen Rezipienten sollte bei der Lektüre eher die Interaktion mit dem, was der Dichter uns überliefert hat, im Vordergrund stehen. Daher gilt es, die Spuren, die Horaz immer wieder hinterlässt, aufzunehmen und deren Bedeutung mit Bezug auf die jeweilige Textstelle zu interpretieren. Das, was Freundeburg als „Catch-me-if-you-can“[43] bezeichnet, ist die Suche nach dem Wahren, welches Horaz situationsabhängig mal zu verschleiern, mal extrem herauszuarbeiten versucht[44]. Deshalb sollten in diesem Fall autobiographische Hinweise auch dann nicht zu wörtlich genommen werden, wenn sie sicher der Wahrheit entsprechen[45].

V. Literaturverzeichnis

1. Editionen, Kommentare, Übersetzungen

Wickham (1901) Q. Horatii Flacci Opera recognovit brevique adnotatione critica instruxit Eduardus C[harles] Wickham, Oxford 1901.

Kiessling/Heinze (51921) Q. Horatius Flaccus. Satiren, erklärt von Adolf Kiessling. Fünfte Auflage erneuert von Richard Heinze, Berlin 51921.

Büchner (1972) Quintus Horatius Flaccus. Sermones Satiren, Lateinisch / Deutsch, übertragen und herausgegeben von Karl Büchner, Stuttgart 1972.

Gowers (2012) Satires. Book 1/ Horace, ed. by Emily Gowers, Cambridge 2012.

De Vecchi (2013) Orazio. Satire. Introduzione, traduzione e commento di Lorenzo De Vecchi, Roma 2013.

2. Hilfsmittel

KS (31955) Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache von Raphael Kühner und Carl Stegmann, 1. Bd: Satzlehre, Hannover 31955.

3. Sekundärliteratur

Freudenburg (2010) Freudenburg, Kirk: Horatius Anceps: Persona and Self-revelation in Satire and Song, in: A Companion to Horace, hrsg. v. Gregson Davis, Chichester 2010, 271–290.

Gowers (2003) Gowers, Emily: Fragments of Autobiography in Horace Satires I, in: Classical Antiquity, hrsg. v. University of California Press, Berkeley 2003, 55–91.

Harrison (2007) Harrison, Stephen J[ohn]: Horatian self-representations, in: The Cambridge companion to Horace, hrsg. v. Stephen J[ohn] Harrison, Cambridge 2007, 22–35.

Plaza (2007) Plaza, Maria: The function of humour in Roman verse satire. Laughing and lying, Oxford 2007, 189–221.

Williams (1995) Williams, Gordon: Libertino patre natus: true or false, in: Homage to Horace, hrsg. v. Stephen J[ohn] Harrison, Oxford 1995, 296–313.

[...]


[1] Der satirische Erzähler bezeichnet die Verse dieses Werkes auch selbst als sermo, z. B. sat. 1,4,41–42: siqui scribat uti nos / sermoni propiora.

[2] Vgl. Gowers (2003) 78: „the most obviously autobiographical poem in the [sc. first] book”.

[3] ThLL 4,875,18–19 s.v. convictor: ein Begleiter, qui cotidie cum aliquo vivit, conviva, contubernalis, familiaris; auf die Ambiguität bzw. die unterschiedlich subjektiven Ausprägungen des Begriffs convictor wird im Verlaufe der Arbeit eingegangen werden.

[4] Meiner Meinung nach ist es nicht sinnvoll, den Konjunktiv der lateinischen oratio obliqua an dieser Stelle nachzuahmen, da das distanzierende Moment besser durch eine dementsprechende Übersetzung von convictor zum Ausdruck zu bringen ist (siehe vorausgegangene Anmerkung).

[5] Etwas neutraler könnte man auch „als Freund aufnehmen“ übersetzen, was gut in die Thematik des Maecenas-Kreises passen würde. Der ThLL listet diesbezüglich verschiedene Beispiele auch im Kontext mit socios o.ä. (u.a. ThLL 2, 927,40 s.v. adsumo).

[6] Vgl. nunc ad te redeo ut quae res me impendet agatur (inc. 98); aber auch bei Horaz selbst: illuc unde abii redeo (sat. 1, 1, 108).

[7] Vgl. Kiessling/Heinze (51921) 1, 6, 45.

[8] Hor. ep. 1, 20, 20: me libertino natum patre (…).

[9] non ego me claro natum patre […] narro (v. 58–60); non patre praeclaro (v. 64).

[10] Vgl. Williams (1995) 296.

[11] Sueton, Vita Horatii: Q. HORATIUS FLACCUS, Venusinus, patre ut ipse tradit libertino et exactionum coactore.

[12] Vgl. Williams (1995) 297.

[13] Vgl. Williams (1995) 298.

[14] Vgl. Plaza (2007) 202.

[15] Vgl. Plaza (2007) 201.

[16] Vgl. Plaza (2007) 201.

[17] Vgl. Freudenburg (2010) 280.

[18] Vgl. Freudenburg (2010) 280–281.

[19] V. 63–64: qui turpi secernis honestum, / non patre praeclaro, sed vita et pectore puro.

[20] Schon zu Beginn verweist er auf die Eigenschaft des Maecenas, Leute nicht aufgrund ihrer Herkunft zu beurteilen: nec […] / ut plerique solent, naso suspendis adunco / ignotos, ut me libertino patre natum. Des Weiteren nimmt er in Vers 51 erneut Bezug darauf.

[21] De Vecchi (2013) 1,6,46 beschreibt diese Menschen als Ratten, die an demjenigen zu ‚nagen‘ versuchen, der mehr vom Leben bekommen hat als sie und die aufgrund im Folgenden aufgeführter Begebenheiten neidisch auf Horaz sind. Auch in Satire 1, 4, 81–85 (absentem qui rodithic niger est, hunc tu Romane caveto) lässt sich eine ähnliche Konnotation finden.

[22] Vgl. Gowers (2012) 1,6,46.

[23] Vgl. u.a. De Vecchi (2013) 1,6,47.

[24] Vgl. Gowers (2012) 1,6,47.

[25] Kiessling/Heinze (51921) 1,6,47 verweisen darauf, dass sich sim (ebenso wie pareret, v. 48) nach dem als übergeordnet gedachten rodebant richtet.

[26] Vgl. Gowers (2012) 1,6,47.

[27] Vgl. Gowers (2012) 1,6,47; in der Vita Horatii heißt es: sume tibi aliquid iuris apud me, tamquam si convictor mihi fueris. Ansonsten listet der ThLL nur äußerst wenige Belegstellen: ThLL 4, 875, 14–29 s.v. convictor.

[28] Vgl. Kiessling/Heinze (51921) 1,6,48.

[29] Harrison (2007) 24–25 listet auch andere Stellen in Horaz‘ Werken auf, in denen diese Begebenheit Erwähnung findet: in den Satiren (1,7), den Oden (2,7 und 3,14,37–38) und den Episteln (2,2,46–48).

[30] Gowers (2012) 1,6,49–50 bezeichnet die Wendung als „echo“ von Vers 1.

[31] Der Konjunktiv invideat ist an dieser Stelle durch die potentiale Färbung zu erklären. Verstärkend, und beinahe redundant, steht noch die Einschränkung forsit. Dabei handelt es sich um eine „durch Priscian bezeugte Mittelform zwischen fors und forsitan “ (Kiessling/Heinze [51921] 1,6,48). Meines Erachtens könnte es sich auch um eine Kontraktion von fors sit handeln, die somit als Ursprung des italienischen forse fungiert.

[32] Raber, Fritz: DKP (Der Kleine Pauly) 3 (1979) 624–625 s.v. Libertini.

[33] Vgl. Kiessling/Heinze (51921) 1,6,48.

[34] Vgl. Gowers (2012) 1,6,51–2.

[35] durus componere versus (1,4,8) und piger scribendi ferre laborem (1,4,12).

[36] KS (31955) 683f.: Die Dichter und späteren Prosaiker gebrauchen den Infinitiv nach Adjektiven, die „eine Willenstätigkeit, ein Können, eine Notwendigkeit oder Pflicht ausdrücken“. Der ThLL 3, 642,50–51 listet für cautus mit Infinitiv noch zwei weitere Belegstellen auf: Pers. 5,24 und Claud. 18,89.

[37] ThLL 2, 927,38 s.v. adsumo.

[38] Kiessling/Heinze (51921) 1,6,51 sind der Ansicht, dass Maecenas weit davon entfernt sei, sich „mit einem möglichst vielköpfigen Hofstaat von Klienten zu umgeben“, was zu jener Zeit ansonsten gängige Praxis gewesen sei.

[39] Vgl. Gowers (2012) 1,6,51–2.

[40] OLD 1596 s.v. pravus: prava ist hier aufzufassen als „wrong-headed, misguided, perverse“ (vgl. auch Gowers (2012) 1,6,51–2).

[41] Gowers (2012) 1,6,51–2 verweist auf misera ambitione (1,4,26) und misera ambitione (1,6,129), wo die Ablehnung des kläglichen Ehrgeizes quasi als Leitfaden für ein angenehmeres Leben fungiert; zudem: ambitione mala (2,3,78) und malaambitio (2,6,18).

[42] Kiessling/Heinze (51921) 1,6,51 stellen heraus, dass procul hier erstmals seit Ennius wieder als Präposition auftaucht.

[43] Freudenburg (2010) 284 führt diesen Gedanken noch weiter und sieht hauptsächlich im Leser den Schlüssel zum Verständnis der Satiren. Daher legt er Horaz diese Herangehensweise in den Mund: „You tell me, reader, what is real. In the end, the reality of my life will always be exactly what you make of it”.

[44] Vgl. auch Gowers (2003) 60, die nachweist, dass Horaz einerseits sehr intime Einblicke gewährt (z.B. der feuchte Traum 1,5,82–85), andererseits aber andere, diskreditierende Aspekte (z.B. seine Proskription von den Triumvirn) unterschlägt, sodass es sich um „ informal [Hervorhebung im Original] ways of telling a life-story“ (S. 58) handelt.

[45] Vgl. Freudenburg (2010) 271.

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668355897
ISBN (Buch)
9783668355903
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v345495
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Klassische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
Horaz Satiren Autobiographie persona

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Titel: "Libertino patre natus". Autobiographie oder persona des Horaz?