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Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich am Beispiel der Hitlerjugend

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Zusammenhang
2.1 Die Hitlerjugend vor der Machtergreifung
2.2 Die HJ als Staatsjugend im Führerstaat

3. Charakteristika der Organisation
3.1 Aufbau, Organisation und Funktion
3.2 Pädagogische Maximen und ideologische Ausrichtung

4. Fazit

Literatur

Abkürzungen

1. Einleitung

Auch heute, fast 70 Jahre nach Kriegsende, interessieren sich noch viele Menschen für das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, das allgemein als die „Nazi-Zeit“ oder „Drittes Reich“ bezeichnet wird und dass im Januar 1933 mit dem Wahlerfolg der NSDAP ihren Anfang nahm. Kaum 12 Jahre währte Hitlers Herrschaft, bis im Mai 1945 große Teile der Welt in Schutt und Asche lagen und 60-70 Millionen Menschen den Tod gefunden hatten. Die Kriegsschuld ist längst geklärt. Hitler und mit ihm das deutsche Volk haben diesen Krieg mit all seinen Opfern zu verantworten. Es bleibt die Frage, wie es den Nationalsozialisten in so kurzer Zeit gelingen konnte, einen Vernichtungsfeldzug von solch gigantischem Ausmaß zu organisieren. Ein Pfeiler, auf dem die Nazis ihre Macht begründeten und aus dem sie die Kraft für ihren Eroberungs- und Vernichtungskrieg schöpften, waren die in der Hitlerjugend zusammengefassten Jugendlichen, die, sobald sie im Alter von zehn Jahren in die Organisation aufgenommen wurden, weltanschaulich geschult und indoktriniert und auf den angeblich das deutsche Volk bedrohenden Feind eingeschworen wurden.

Als die Hitlerjugend im Jahr 1926 gegründet wurde und nicht mehr als 100 eingeschriebene Mitglieder besaß, hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass sie nur 13 Jahre später zu einer solch gigantischen Jugendorganisation mit annähernd 10 Millionen Mitgliedern anwachsen würde. Die vielen anderen Jugendverbände, die es bis zur „Machtergreifung“ 1933 im Deutschen Reich gab, wurden binnen kürzester Zeit aufgelöst oder verboten und ihre Mitglieder im Zuge der Gleichschaltung zur Mitgliedschaft in der HJ gedrängt.

Wie konnte dieses gigantische Unterfangen gelingen? Welche Organisationsstruktur war dafür vonnöten und wer war die treibende Kraft dahinter? Mit welchen Mitteln wurden die Jugendlichen dazu gebracht, sich in der HJ einzuschreiben? Was waren Hitlers pädagogische Maxime und welche Weltanschauung wurde den Jugendlichen eingeimpft, dass sie zu solch fanatischen Unterstützern des verbrecherischen Regimes werden konnten? Im folgenden Text werde ich diese Fragen, nach einem kurzen Abriss über den historischen Zusammenhang der Organisation erörtern, wobei ich mich, wegen des begrenzten Umfangs, auf die Beschreibung der Situation der männlichen Jugendlichen in der Hitlerjugend beschränken werde.

2. Historischer Zusammenhang

2.1 Die Hitlerjugend vor der Machtergreifung

Bereits 1922 wurde in München die erste kleine nationalsozialistische Jugendorganisation gegründet. Sie umfasste die 14-18jährigen männlichen Jugendlichen und war unterteilt in die „Jungmannschaften“, für die 14-16 jährigen, sowie den „Jungsturm Adolf Hitler“, für die 16-18jährigen, wurde allerdings nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 gemeinsam mit der NSDAP verboten (vgl. Brandenburg 1968, S.22).

1925/26 entstanden nach der Neugründung der NSDAP verschiedene kleine Jugendgruppen, durch die Initiative einzelner Parteimitglieder. Gegen Ende des Jahres 1926 erfolgte dann aufgrund des Bestrebens Kurt Grubers der Zusammenschluss der verschiedenen unbedeutenden Gruppen zur „Großdeutschen Jugendbewegung“ (vgl.Klönne 1995, S,15). Auf dem Parteitag der NSDAP, der am 3 und 4. Juni 1926 in Weimar stattfand, wurde die Organisation offiziell als „Jugendarbeit der NSDAP“ anerkannt und auf Betreiben Julius Streichers in „Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend“ umbenannt. Mit der Leitung wurde Kurt Gruber betraut (vgl. ebd., S.15).

Gruber, ein glühender Verehrer Hitlers, umriss seine Vorstellung von der Funktion der HJ in seinem Grundsatzreferat wie folgt: „…Die Hitler-Jugend ist die neue Jugendbewegung sozialrevolutionärer Menschen deutscher Art und volkhaften Wesens, verkettet mit dem Schicksal der Nation. Sie betont die Erziehung und die Pflege der Persönlichkeit unter klarer Erkenntnis der gegebenen Verhältnisse und ihrer Forderungen. Diese … heißen heute die Heimat mit dem Einsatz des Lebens erkämpfen, heißen: Staat und Wirtschaft aus den Krallen kapitalistischer, volkstumsfeindlicher Mächte zu befreien. …“ (Gruber 1935, zit. in Brandenburg 1968, S.246)

Kurze Zeit später wurde die HJ der SA unterstellt, wodurch sie faktisch zu deren Nachwuchsorganisation wurde. 1927 wurde dies durch Erlass der NSDAP, der besagte, dass alle Hitlerjungen, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten, in die SA überzuwechseln hätten, für alle Mitglieder rechtsverbindlich (vgl. Klönne 1995, S.16).

1931 trat Gruber als Reichsführer HJ zurück und Hitler ernannte den bisherigen Führer des NS-Studentenbundes, den ehrgeizigen und gebildeten und auf musikalischem Gebiet als hochbefähigt geltenden Baldur von Schirach zu dessen Nachfolger (vgl. Wortmann 1989, S.250).

Schirach hatte das Ziel, die HJ, die damals nur einer unter zahlreichen anderen deutschen Jugendverbänden war, möglichst schnell zu vergrößern, um sich nach der erwarteten Machtübernahme der NSDAP eine möglichst gute Position im Rennen um die Führung der gesamten deutschen Jugend zu sichern (vgl. ebd., S.250).

Durch die von Schirach initiierte Bürokratisierung und Professionalisierung der Verwaltung der HJ, war die Organisation nun in der Lage und gewillt, Millionen Mitglieder zu verwalten (vgl Brandenburg, 1968, S.114). Allerdings war die Hitlerjugend bis 1933 weit von diesem Ziel entfernt. So zählte die HJ im Jahr 1932 etwa 40 000 Mitglieder die sich hauptsächlich aus Jungarbeitern und Lehrlingen (69%), Angehörigen kaufmännischer Berufe (10%), Schülern (12%) und viele Arbeitslosen zusammensetzte (vgl. Klönne 1995, S.19).

Größter Erfolg Schirachs vor der Machtübernahme der NSDAP war die Teilnahme von 70 000 Jugendlichen am Reichsjugendtag, der im Oktober 1932 in Potsdam stattfand (vgl. Wortmann 1989, S.250).

Ausgelöst durch ein drohendes SA-Verbot wurde die HJ im März 1932 aus der SA ausgegliedert und das bestehende Unterstellungsverhältnis zu dieser aufgehoben. Die Maßnahme blieb zwar erfolglos – die HJ wurde gemeinsam mit der SA für kurze Zeit verboten – Konsequenz war jedoch, dass sie durch die Ausgliederung aus der SA größere Selbstständigkeit gewinnen konnte.

Die Funktion der Organisation ähnelte jedoch weiterhin der der SA. Sie bestand hauptsächlich in Demonstrations- und Agitationstätigkeit für die Partei und so konnte in der HJ von eigentlicher Jugendarbeit in den Jahren vor der Machtergreifung kaum die Rede sein (vgl. Klönne 1995, S.19).

Ein führender HJ-Theoretiker charakterisierte die Organisation wie folgt: „Der Kampf um die Macht im Reich ließ die HJ nicht dazu kommen, eine Jugendarbeit in großem Umfang zu gründen. Nur vereinzelt konnten Aufgaben außerhalb der politischen Propaganda und der organisierten Formung von ihr in Angriff genommen werden“ (Zahn 1946, S 212).

Durch die aus dem Wahlerfolg im Januar 1933 resultierende Machtübernahme der Nazis eröffneten sich für Schirach und die Hitlerjugend neue Perspektiven und es fand eine Verlagerung der Schwerpunkte und Ziele der Organisation statt. Das neue Ziel der HJ-Führung wurde in den damaligen Partei-Publikationen wie folgt beschrieben (vgl. Klönne 1995, S.19): „Die Kampfauslese der HJ muss nun zur Volksjugend werden“ (HJ-Publikation 1933, zit. in Klönne 1995, S.19).

2.2 Die HJ als Staatsjugend im Führerstaat

Sofort nach dem Sieg der Wahl änderte sich die Agenda der Organisation. Schirach beanspruchte für die HJ von nun an, einzige zugelassene Jugendorganisation im Deutschen Reich zu sein (vgl. Klönne 1995, S.19). Öffentlich äußerte er sich hierzu wie folgt: „Wie die NSDAP nunmehr die einzige Partei ist, so muss die HJ die einzige Jugendorganisation sein“ (Schirach 1933, zit. in Klönne 1995, S.19).

Ein weiterer HJ-Theoretiker sah den „Totalitätsanspruch“ der HJ auf zwei Ebenen (vgl. Klönne S.19) “Die HJ will sowohl die Gesamtheit der Jugend, wie auch den gesamten Lebensbereich der Jungen Deutschen erfassen“ (Schirach 1933, zit. in Klönne 1995, S.19).

Damit war klar umrissen, welche Ziele nun mit aller Macht verfolgt wurden. Gebremst wurden von Schirachs ehrgeizige Ambitionen von der Tatsache, dass die Verwaltung der Organisation dem explodierenden Anstieg der Mitgliederzahlen noch nicht gewachsen war. So hatte sich die Mitgliederzahl der HJ von 15 000 Mitgliedern im Jahr 1933 auf über 1,5 Millionen im Jahr 1934 enorm vergrößert (vgl. ebd., S.24). Außerdem hatte Hitler bis zum Tode des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg im August 1934 noch nicht die absolute Macht im Staat, wodurch Schirachs Expansionsdrang zusätzlich gebremst wurde (vgl. Wortmann 1989, S.250).

Mit Schirachs Ernennung zum Jugendführer des Deutschen Reichs am 17. Juni 1933 konnte dieser die Stellung der HJ festigen und ihren Machtanspruch ausbauen. Andere Jugendverbände wurden nach und nach aufgelöst und verboten oder, soweit ideologisch möglich, der HJ eingegliedert. So brachte allein die Aufnahme der Angehörigen der im Dezember 1933 aufgelösten evangelischen Jugend, aufgrund eines Abkommens mit dem damaligen Reichsbischof Müller, auf einen Schlag 700000 neue Mitglieder in die Hitlerjugend. Bis September 1935 schwoll die Organisation durch weitere Zwangseingliederungen und –Abkommen sowie den Zulauf von Freiwilligen auf fast 3,2 Millionen Mitglieder an (vgl. Wortmann 1989, S.250).

Die Übernahme der katholischen Jugendverbände nach evangelischem Vorbild wurde allerdings durch das Deutsch-Vatikanische Konkordat, sowie den Widerstand der katholischen Laienführung, die jegliche Verhandlungen mit der HJ-Führung ablehnten, verhindert, worauf die HJ einen propagandistischen Feldzug gegen die katholischen Jugendverbände startete und deren Führung durch Terror und regionale Verbote unter Druck setzte (vgl. Klönne 1995, S.24).

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Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668358324
ISBN (Buch)
9783668358331
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346599
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Hitlerjugend 3. Reich Drittes Reich Erziehung Pädagogik Nationalsozialismus HJ Erziehungswissenschaft

Autor

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