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Die Wählerschaft der Alternative für Deutschland. Warum wird die AfD gewählt?

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Etablierung der AfD seit 2013 und Schwierigkeit bei Einordnung in das deutsche Parteiensystem

2 Die Wählerschaft der Alternative für Deutschland: Warum wird die AfD gewählt?
2.1 Theorien zur Wahl rechtspopulistischer Parteien
2.1.1 Ökonomische Konflikte
2.1.2 Kulturelle Konflikte
2.1.3 Entfremdung vom politischen System
2.2 Hypothesen
2.2.1 Hypothese 1: Ökonomische Konflikte
2.2.2 Hypothese 2: Kulturelle Konflikte
2.2.3 Hypothese 3: Entfremdung vom politischen System
2.3 Daten und Operationalisierung
2.3.1 Abhängige Variable
2.3.2 Unabhängige Variablen
2.3.3 Kontrollvariablen
2.4 Deskriptive und multivariate Analyse
2.4.1 Deskriptive und multivariate Analyse zu Hypothese 1
2.4.2 Deskriptive und multivariate Analyse zu Hypothese 2
2.4.3 Deskriptive und multivariate Analyse zu Hypothese 3
2.5 Zusammenfassung und Diskussion

3 Ausblick auf Entwicklung der AfD und zukünftige Einordnung in das Parteiensystem

Literaturverzeichnis

1 Etablierung der AfD seit 2013 und Schwierigkeit bei Einordnung in das deutsche Par- teiensystem

Spätestens seit den drei Landtagswahlen im März 2016 und den anschließenden zwei Parla- mentswahlen im September desselben Jahres scheint sich die Partei Alternative für Deutschland (AfD) im deutschen Parteiensystem etabliert zu haben. Nach den Erfolgen in Baden-Württem- berg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sitzt die AfD momentan in zehn der 16 deutschen Landesparlamenten (Zicht und Cantow 2016c). Aktuellen Umfragen zu Folge hat die AfD zudem gute Chancen, bei der kommenden Bundestagswahl im Herbst 2017 mit einem zweistelligen Ergebnis deutlich über die Fünfprozenthürde zu kommen (Zicht und Cantow 2016b) und vorher noch in die Landtage des Saarlandes, Schleswig-Hol- steins und Nordrhein-Westfalens einzuziehen (Zicht und Cantow 2016a). Zusätzlich ist die AfD mit zwei Abgeordneten im Europäischen Parlament vertreten (Alternative für Deutschland 2016a). Bereits seit ihrer Gründung im Frühjahr 2013 und im Anschluss des knappen Scheiterns an der Fünfprozenthürde bei der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag Ende September 2013 (Der Bundeswahlleiter 2015) wurde nicht nur in den Medien debattiert, ob die AfD möglicher- weise eine rechtspopulistische Partei ist bzw. wie sie sich in das klassische Rechts-Links- Schema einordnen lässt.

Eine erste Studie von Kai Arzheimer untersucht etwa, ob die AfD eine erfolgreiche rechtspo- pulistische Partei in Deutschland ist (Arzheimer 2015: 535). Während Arzheimer aufgrund der Analyse der Wahlprogramme der großen deutschen Parteien zur Wahl zum Europäischen Par- lament 2014 den Schluss zieht, dass die AfD zwar am rechten Rand zu verordnen ist, sich aber keine Beweise für eine populistische bzw. rechtspopulistische Ausprägung finden lassen (Arz- heimer 2015: 551), kommen andere Arbeiten zu zum Teil abweichenden Ergebnissen.

Nicole Berbuir et al. stellen ein ähnliche Frage und untersuchen, ob die AfD eine rechtspopulistische Bewegung in Deutschland ist (Berbuir u. a. 2015: 154). In ihrer Analyse zu Inhalten und Sympathisanten der AfD schließen sie, dass die AfD populistische Methoden zur politischen Kommunikation benutzt. Schlussendlich bewerten sie die AfD als eine rechtspopulistische Bewegung (Berbuir u. a. 2015: 173).

Lewandowsky et al. ordnen alle Parteien, die an der Bundestagswahl 2013 teilgenommen haben, auf vertikalen und horizontalen Rechtspopulismusdimensionen ein und stellen fest, dass die AfD im Vergleich zu den anderen deutschen Parteien eine rechtspopulistische Partei ist (Lewandowsky u. a. 2016: 247).

Auch wenn viele Medien die AfD mittlerweile wie Berbuir et al. und Lewandowsky et al. eben- falls als rechtspopulistisch definieren (Joffe 2016; Nolte 2016; am Orde und Litschko 2016; Schmidbauer und Gupta 2016; Seibel 2016), scheint diese Einordnung in der Wissenschaft mit Blick auf die Arbeit von beispielsweise Arzheimer umstritten und alles andere als eindeutig. Um einen Beitrag zu dieser Debatte zu leisten und zu helfen, die AfD eindeutig als rechtspopu- listisch oder nicht einzuordnen, wird in der folgenden Arbeit die Wählerschaft der AfD analy- siert und die Frage beantwortet, warum die AfD gewählt wird. So kann festgestellt werden, ob die Wählerschaft der AfD typisch für rechtspopulistische Parteien ist, wodurch die AfD von dieser Betrachtungsweise aus als eindeutig rechtspopulistisch einzuordnen wäre.

Die Arbeit ist dabei wie folgt aufbaut: Zunächst wird die AfD im Sinne Berbuir et al. und Le- wandowsky et al. (Berbuir u. a. 2015; Lewandowsky u. a. 2016) als rechtspopulistisch definiert. Durch diese Einordnung können zur Untersuchung der AfD-Wählerschaft Theorien zu rechts- populistischen Parteien verwendet werden. Dazu werden aus den dargestellten Theorien über rechtspopulistische Parteien drei Hypothesen zu den Wählern dieser Parteien bzw. der AfD abgeleitet. Diese Hypothesen werden anschließend unter Verwendung der Allgemeinen Bevöl- kerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) 2014 als Datensatz entsprechend opera- tionalisiert und getestet. So kann in der Zusammenfassung und der Diskussion als Beantwor- tung zur Forschungsfrage festgestellt werden, welche Personen die AfD wählen, und ob diese Personen die AfD aus Gründen bzw. in Mustern wählen, die typisch für die Wahl rechtspopu- listischer Parteien sind. Ist dies der Fall, wäre das ein Indiz, die AfD tatsächlich und nachhaltig als rechtspopulistisch einzuordnen. Ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Einord- nung der AfD als rechtspopulistisch, rechtsextrem oder weder noch schließt die Arbeit ab.

2 Die Wählerschaft der Alternative für Deutschland: Warum wird die AfD gewählt?

Um die Gründe für die Wahl rechtspopulistischer Parteien zu verstehen, werden diese Gründe in der Literatur oft zweigeteilt. Auf der eine Seite steht dabei die Nachfrage seitens der Wähler, auf der anderen Seite das Angebot seitens der rechtspopulistischen Parteien selbst (Mudde 2007; Norris 2005). Um die Forschungsfrage dieser Arbeit zu beantworten und dafür die Wählerschaft der AfD zu analysieren, konzentriert sich die weitere Betrachtung auf die Nachfrageseite und damit auf die Wähler der AfD.

2.1 Theorien zur Wahl rechtspopulistischer Parteien

Da die theoretische Arbeit zu Wählern rechtspopulistischer Parteien sehr generell und unterentwickelt ist (Mudde 2007: 201), stützt sich die Analyse auf generelle und allgemeine Settings für Erklärungen des Wählens rechtspopulistischer Parteien.

In einer Arbeit zur rechtspopulistischen Parteien in Belgien, Frankreich, Österreich, Norwegen und der Schweiz hat Daniel Oesch verschiedene Hypothesen zur Wahl rechtspopulistischer Parteien entwickelt und getestet (Oesch 2008).

Er sieht dabei drei wesentliche Erklärungen für die Wahl rechtspopulistischer Parteien (Oesch 2008: 350). Diese Darstellung bzw. Einteilung und Einordnung stellt auch die Basis für die in der Analyse zu testenden Hypothesen dar:

2.1.1 Ökonomische Konflikte

Rechtspopulistische Parteien erhalten Unterstützung von Menschen, die mehr als andere durch sozialökonomische Veränderungen, beispielsweise durch Grenzöffnungen, zu verlieren haben. Das trifft vor allem auf Menschen zu, die versuchen, durch die Wahl rechtspopulistischer Parteien ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen vor Wettbewerb mit Arbeitsemigranten oder mit dem internationalen Handel zu schützen (Oesch 2008: 350).

2.1.2 Kulturelle Konflikte

Personen, die rechtspopulistische Parteien wählen, zeigen ihre Besorgnis mit multikulturellen Tendenzen und ihre Ablehnung von gleichen Rechten für ausländische Bürger. Zudem scheinen Menschen, die weniger kognitive Fähigkeiten haben um die Schwierigkeiten mit kulturellen Herausforderungen durch Immigration zu bewältigen, eher rechtspopulistische Parteien wählen (Oesch 2008: 350).

2.1.3 Entfremdung vom politischen System

Bürger, die mit der Funktionsweise des politischen Systems und dem Parteienestablishment unzufrieden sind, wählen in Westeuropa diejenige Alternative, die am weitesten vom politischen System entfernt ist. Im Normalfall stellen rechtspopulistische Parteien diese sogenannten Anti-System-Parteien dar (Oesch 2008: 350).

Die aus diesen drei Settings folgenden Hypothesen werden nun im folgenden Abschnitt vorge- stellt und formuliert. Anschließend werden sie mit Daten des ALLBUS 2014 entsprechend ge- testet.

2.2 Hypothesen

2.2.1 Hypothese 1: Ökonomische Konflikte

Speziell Modernisierungsverlierer sind typischerweise Wähler rechtspopulistischer Parteien (Oesch 2008: 351). Davon ausgehend erhalten rechtspopulistische Parteien Unterstützung von Wählern, die mit Zuwanderern und Migranten um Arbeitsplätze, Löhne, Sozialleistungen und Wohnungen konkurrieren. Zudem stehen solche Menschen in einer Art ethnischen Wettbewerb mit diesen Zuwanderern und Migranten (Oesch 2008: 351f.). Zusammenfassend führen diese Überlegungen zu der ersten Hypothese:

H1: Je gr öß er die Angst eines Menschen vor dem Wettbewerb mit Zu- wanderern umökonomische Faktoren ist, desto wahrscheinli- cher wÄhlt dieser die AfD

2.2.2 Hypothese 2: Kulturelle Konflikte

Das zweite Erklärungssetting konzentriert sich auf die Rolle von Werten. Der Wahlerfolg rechtspopulistischer Parteien beruht dabei nicht nur auf einem Verteilungskonflikt von Res- sourcen, sondern auch auf den Positionen, die rechtspopulistische Parteien bei Fragen zur Ge- sellschaft bzw. zur Gemeinschaft und zur Identität vertreten (Oesch 2008: 352). Die Unterstüt- zung von Wählern rührt von der Verteidigung der nationalen Identität gegen den Multikultura- lismus, die rechtspopulistische Parteien repräsentieren. Der Wahlerfolg rechtspopulistischer Parteien kann daher durch das Unbehagen der Menschen über kulturelle Herausforderungen erklärt werden, die sich beispielsweise durch eine steigende Zahl von Zuwanderern zeigt (O- esch 2008: 352). Diese als kulturellen Konflikte zusammengefasste Erklärungen führen zur zweiten Hypothese:

H2: Je gr öß er die Angst eines Menschen vor kulturellen VerÄnderun- gen durch Zuwanderung ist, desto wahrscheinlicher wÄhlt dieser die AfD

2.2.3 Hypothese 3: Entfremdung vom politischen System

Der letzte Erklärungsbereich beruht auf dem Grad der Entfremdung des Wählers und bezieht sich daher auch auf den Protestcharakter rechtspopulistischer Parteien. Protestwähler zeigen ihren Unmut über die politische Elite, indem sie eine Partei wählen, die aus der politischen Arena ausgestoßen ist (Oesch 2008: 353). Generell unzufriedene und durchweg vom gesell- schaftlichen Leben entfremdete Bürger wählen zunehmend rechtspopulistische Parteien. Zu- dem spielt die Schwächung von politischen Loyalitäten eine Rolle, da rechtspopulistische Par- teien eine neue Möglichkeit der politischen Ausdrucksform und der Mobilisierung bieten (O- esch 2008: 353). Die dritte und letzte Hypothese unterstreicht die Erklärung durch Entfremdung vom politischen System und lautet daher:

H3: Je entfremdeter ein Mensch vom politischen System ist, desto wahrscheinlicher wÄhlt dieser die AfD

2.3 Daten und Operationalisierung

Für die folgende Analyse dieser drei Hypothesen werden Daten des ALLBUS 2014 verwendet. Da die eingangs erfolgte Einstufung der AfD als rechtspopulistische Partei auf Arbeiten basiert, die unter anderem Wahlprogramme und Wahlplakate der AfD aus den Jahren 2013 und 2014 untersuchen (Berbuir u. a. 2015; Lewandowsky u. a. 2016), bietet es sich an, mit dem ALLUBS 2014 die Analyse durchzuführen, da dessen Daten im Zeitraum März bis September 2014 und damit zu einer ähnlichen Zeit erhoben wurden (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaf- ten 2016).

Als Stichprobeneingrenzung werden alle Personen ausgeschlossen, die zum Zeitpunkt der Erhebung nicht wahlberechtigt waren.

Im Folgenden werden nun die Operationalisierungen der abhängigen und unabhängigen Variablen sowie der Kontrollvariablen erläutert.

2.3.1 Abhängige Variable

Da die abhängige Variable der drei Hypothesen entsprechend messen soll, ob ein Befragter die AfD wählt oder nicht, wird für die abhängige Variable die Variable V609 verwendet. V609 fragt: „ Wenn am nÄchsten Sonntag Bundestagswahl wÄre, welche Partei würden Sie dann mit Ihrer ZWEITSTIMME wÄhlen? “ (GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2015a:

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668362468
ISBN (Buch)
9783668362475
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Politische Soziologie
Erscheinungsdatum
2016 (Dezember)
Note
1,7
Schlagworte
wählerschaft alternative deutschland warum

Autor

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Titel: Die Wählerschaft der Alternative für Deutschland. Warum wird die AfD gewählt?