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Soziale Schließung im Bildungsbereich. Bildungs(un)gleichheit in Deutschland

Hausarbeit 2016 10 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was versteht man unter Bildungsungleichheit?

Das Prinzip der Meritokratie in Bezug auf Bildung

Leistungsselektion in der Grundschule

Dimensionen sozialer Ungleichheit

Der Einfluss der sozialen Herkunft

Wie entstehen soziale Milieus?

Theorie von Boudon (1974)

Bildungsexpansion seit 1950

Status Quo in Deutschland

Ansätze zu einer besseren Chancengleichheit im Bildungssystem

Fazit

Quellen

Einleitung

„Wo und wann immer Menschen zusammenlebten und -arbeiteten, waren bestimmte Menschen besser als andere gestellt.“ (B. Schäfers, S. 248) - Der Begriff der sozialen Ungleichheit beschreibt ein Phänomen, bei dem die Ressourcenausstattung oder Lebensbedingungen von Gruppen so beschaffen sind, dass einige regelmäßig bessere Lebens- und Verwirklichungschancen als andere haben. Der Begriff ist in der Sozialwissenschaft zunächst neutral gebraucht - soziale Ungleichheit ist somit zunächst einmal weder gerecht noch ungerecht. (vgl. Hradil, 2001)

Soziale Schließung ist ein Grundbegriff der Soziologie, der allgemein beschreibt, dass die Möglichkeit, Mitglied einer sozialen Gruppe zu werden beschränkt oder verboten ist.

Als Chancenungleichheit wird dagegen die über oder unterdurchschnittliche Chance bestimmter Be- völkerungsgruppen bezeichnet, durch eigene Leistung sich Vor- oder Nachteile zu erarbeiten. Bei- spielsweise bessere Bildungsabschlüsse zu erlangen, oder der Zugang zu bestimmten Berufen. In unserer heutigen Gesellschaft erheben wir den Anspruch, jedem Gesellschaftsmitglied einen leis- tungsgerechten Bildungsstatus zu ermöglichen. Der Zugang zu Bildung sollte nicht von sozialen Fakto- ren, wie unterschiedlichen Sozialkapitalen abhängen, sondern lediglich durch Leistung bestimmt wer- den. Dieses sogenannte meritokratische Verständnis - abgeleitet von „meritum“, lateinisch „Ver- dienst“ - wird als gerecht angesehen. Im Gegensatz zur sozialen Ungleichheit - die lediglich den ma- nifestierten Lebensumstand beschreibt - ist der Begriff der Chancenungleichheit in unserem Ver- ständnis stark wertend gebraucht. Jeder sollte zunächst einmal dieselben Voraussetzungen haben - wenn dem so ist, ist eine spätere soziale Ungleichheit das Resultat eines „fairen Wettbewerbs“ und unterschiedlicher individueller Anstrengungen. So zumindest die Theorie.

Ich möchte in dieser Hausarbeit auf die derzeitige Bildungssituation in Deutschland eingehen und der Frage nachgehen, welche Faktoren maßgeblich für den Zugang zu Bildung entscheidend sind und wie man diese eventuell angleichen kann.

Dazu werde ich im Folgenden auf das meritokratische Verständnis von Bildung und Chancen in unserer Gesellschaft eingehen und den Einfluss von Herkunftsmerkmalen an Hand der Theorie von Boudon (1974) untersuchen.

Was versteht man unter Bildungsungleichheit?

Die Bildungsungleichheit stellt eine spezifische Form der sozialen Ungleichheit dar. Soziale Ungleichheit wird laut Hradil folgendermaßen definiert:

„Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungs- gefügen von den „wertvollen Gütern“ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.“ (Hra- dil, 2001) Hierbei wird Bildung als ein wertvolles gesellschaftliches Gut angesehen. (vgl. ebd. S.148- 149) Chancengleichheit im Bildungswesen liegt dann vor, wenn allen Personen unabhängig von sozia- len Faktoren die gleiche Möglichkeit zu Leistungsentfaltung gewährt wird.

Das Prinzip der Meritokratie in Bezug auf Bildung

Unter formaler Chancengleichheit im Sinne der Meritokratie wird verstanden, dass alle Individuen - entsprechend ihren Fähigkeiten und Leistungen - gleiche Chancen zum Erwerb von Bildungszertifika- ten erhalten. Leistungsfremde Kriterien - wie zum Beispiel Geschlecht, soziale Herkunft oder Natio- nalität sollen bei diesem meritokratischen Prinzip keine Rolle spielen. Eine Auslese nach Leistungen ist dennoch notwendig um den Bildungserfolg zu maximieren. Gute Schüler sollen nicht durch schlechtere aufgehalten werden und die schlechteren nicht überfordert werden. Soziale Positionen sollen dann grundsätzlich allen Gesellschaftsmitgliedern offenstehen, und alle müssen gleiche Chan- cen haben, in diese Positionen zu gelangen - allerdings nur insofern sie über die erforderlichen Fähig- keiten verfügen und entsprechende Leistungen tatsächlich auch erbringen (vgl. Ditton 2008). Hiermit ist der Gedanke an eine natürliche Ungleichheit impliziert. Unklar ist, ob diese Ungleichheit geneti- sche Ursachen hat oder ob hier der soziale Einfluss bereits eine Rolle spielt. Ich werde hierauf später unter der Theorie von Boudon genauer eingehen. Man kann an dieser Stelle konstatieren, dass eine fehlende solche Leistung (in Form von höheren Schulabschlüssen) - aus welchen Gründen auch im- mer - elementar wichtig sind für die Zukunft.

Leistungsselektion in der Grundschule

Eine Gesellschaft, die den Zugang zu Bildung ausschließlich nach Leistung vergibt, erscheint fair - dass diese Leistungsdifferenzierung allerdings nicht so einfach ist, wird beim Blick auf das deutsche Schulsystem schnell deutlich. So sind Bildungsabschlüsse zwar untereinander vergleichbar, jedoch ist die Frage berechtigt, ab wann eine Leistungseinstufung mit Auswirkungen auf das spätere berufliche Leben sinnvoll ist. Derzeit wird in Deutschland häufig eine erste entscheidende Selektion nach der vierten Klasse vorgenommen, wenn über den Besuch der weiterführenden Schulart entschieden wird. Doch haben Schulnoten im Alter von 9-10 Jahren tatsächlich eine valide Aussagekraft über den zukünftigen Bildungserfolg? Das würde bedeuten, dass man in diesem Alter bereits das endgültige Potential von einem Kind vorhersagen könnte.

Abgesehen davon gibt es Anzeichen dafür, dass in Deutschland vielfach dann doch nicht nur die Schulnoten ausschlaggebend für eine spezifische Schulempfehlung sind, sondern auch Faktoren wirken, die mit der sozialen Herkunft zusammenhängen.

Die Gründe mögen teilweise Vorurteile gegenüber den Eltern sein. Die Erfolgsaussichten im Bildungs- system für Kinder mit Migrationshintergrund werden beispielsweise als niedriger angesehen, als die von deutschen Kindern - sogar, wenn die soziale Klasse vergleichbar ist. Durch die frühe Einstufung in etwaige niedrige Bildungswege werden bereits sehr früh Weichen gestellt, die über die späteren Zukunftschancen entscheiden. Eine spätere Kursänderung ist dann in der Regel nur noch mit sehr hohem Aufwand möglich - beispielsweise durch den Besuch einer Abendschule in der ein Abitur nachgeholt wird. Diese Möglichkeit geht jedoch wiederum mit verhältnismäßig deutlich schwierigeren Anforderungen einher, als der direkte Weg über ein Gymnasium.

Dimensionen sozialer Ungleichheit

Kategorien wie materieller Wohlstand, Macht und Prestige sind Beispiele für sogenannte Dimensionen sozialer Ungleichheit. In Deutschland gibt es theoretisch eine Garantie der Chancengleichheit. So darf es laut Grundgesetz keine Diskriminierung auf Grund der Herkunft (soziale Herkunft eingeschlossen) geben. Des Weiteren ist jeder Person auf Grund von Art. 14 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union das Recht auf Bildung zugesichert. (vgl. BVerfG, 22.01.1959 - 1 BvR 154/55) Chancengleichheit im Bildungswesen liegt nach (Hradil, Stefan: 2001, S.153) jedoch nur dann vor, wenn allen Personen unabhängig von leistungsfremden Eigenschaften die gleiche Möglichkeit zu Leistungsentfaltung und Leistungsbestätigung gewährt werden.

Der Einfluss der sozialen Herkunft

Oftmals wird die soziale Herkunft mit Migrationshintergründen gleichgesetzt. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund seien sozial benachteiligt - unabhängig von ihrer tatsächlichen sozialen Schicht. Vergleicht man die Kinder mit Migrationshintergrund, die ja meist aus Arbeiterfamilien stam- men, mit Kindern der deutschen Arbeiterschicht, so sind die Unterschiede der Schulerfolge gering. Dies wirft berechtigte Zweifel auf, inwieweit wirklich Migration und inwieweit nicht doch die berufli- che Zugehörigkeit der Eltern die Kinder benachteiligt. Zu bedenken ist auch, dass die Bildungserfolge von Kindern aus unterschiedlichen Ethnien erheblich sind. So schneiden Kinder mit iranischen und griechischen Wurzeln besser ab als einheimische Kinder. Besonders schlechte Bildungserfolge erzie- len Kinder italienischer und türkischer Herkunft.

Unter einem „sozialen Milieu“ versteht man eine Gruppe gleich gesinnter Menschen mit ähnlichen Werthaltungen und Grundeinstellungen (Akademiker-Milieu, Arbeiter-Milieu etc.). Jeder sieht sich in seinem Milieu als ähnlich an und fühlt sich darin bestärkt. Häufig arbeiten und wohnen die Menschen eines bestimmten sozialen Milieus auch in ähnlichen Gebieten. So wohnen in sozialen Brennpunkte in Berlin Neukölln beispielsweise deutlich mehr Kinder der Unterschicht, als in anderen Bezirken. Die Zugehörigkeit wird somit immer weiter verstärkt. Soziale Brennpunkte wie in Berlin Neukölln funktionieren als Motor für Chancen- und Perspektivlosigkeit.

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Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668363175
ISBN (Buch)
9783668363182
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346832
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Schlagworte
Meritokratie Chancengleichheit Chancenungleichheit Weber Gesamtschule Bildung

Autor

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Titel: Soziale Schließung im Bildungsbereich. Bildungs(un)gleichheit in Deutschland