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Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Wie nehmen Menschen Videoüberwachung in ihrer Umwelt wahr?

Seminararbeit 2016 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Auflärung von Verbrechen durch Videoüberwachung
2.2 Prävention von Verbrechen
2.3 Subjektives Sicherheitsgefühl

3 Auswertung der Umfrage
3.1 Konstrukt I: Quantität Videoüberwachung
3.2 Konstrukt II: Auswirkung der Überwachung
3.3 Konstrukt III: Überwachte Orte

4 Schussbetrachtung und Anschlussmöglichkeiten

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

“Under observation, we act less free, which means we effectively ‘are’ less free.”

(Snowden 2014)

Im heutigen Zeitalter ist Videoüberwachung ein ständiges Thema. In den letzten Jahren gibt es in der Öffentlichkeit eine ständige Debatte zwi- schen Befürwortern und Kritikern von Überwachungsmaßnahmen, die mit der ersten Verleihung des Big Brother Awards - eines Negativ- Preises, der Firmen oder Personen „auszeichnet“, die besonders die Pri- vatsphäre von Menschen beeinträchtigen (Digitalcourage eV. 2000) - eine sehr aktive Kritikkultur geschaffen hat. Als Reaktion auf immer weitreichende Forderungen nach Überwachung auf Politikebene ent- stand 2006 die Bewegung „Freiheit statt Angst“, die mit einer jährlichen Demonstration in Berlin ihre Kritik an Überwachungsmaßnahmen äußert und zahlreiche Anhänger verschiedener Parteien unter ihrem Motto versammelt (Lüke 2006).

Videoüberwachung macht inzwischen nur noch einen kleinen Teil der Debatte aus, dennoch ist diese Form besonders direkt, da wir sie am deutlichsten wahrnehmen können, bzw. wahrgenommen werden.

Ziel der Arbeit ist es, eine Übersicht bisheriger Forschungsergebnisse über Akzeptanz und Wirkung von Videoüberwachungsmaßnahmen zu liefern, diese anschließend in Bezug zu der erhobenen Umfrage zu setzen und diese Erkenntnisse in der Schlussfolgerung darzulegen und somit einen wissenschaftlich untermauerten Einblick in das aktuelle Meinungsbild zum Thema Videoüberwachung zu geben.

Dazu wird am Beginn der Arbeit zunächst der Stand der Forschung anhand einiger repräsentativer Studien dargestellt.

Im anschließenden Teil wird die Umfrage ausführlich vorgestellt, indem die einzelnen Fragen und ihre Relevanz erläutert werden. Anschließend werden die Ergebnisse der Umfrage interpretiert und mit den Erkenntnissen der vorgestellten Studien in Bezug gesetzt.

Am Schluss der Arbeit werden die Erkenntnisse zusammengefasst und Anschlussmöglichkeiten vorgestellt.

2 Theoretische Grundlagen

Videoüberwachung ist die Überwachung von Orten mittels optisch-elek- trischer Mittel. Die aufgenommenen Bilder werden meist für einen bestimmten Zeitraum gespeichert und können automatisch oder manuell ausgewertet werden.

Videoüberwachung findet aus vielfältigen Gründen statt. Sie kann dazu dienen Betriebsanlagen und deren Funktion, auch in Gefahrenbereichen, in denen Menschen sich nicht aufalten können, zu überwachen. Ebenso werden Videoüberwachungssysteme zur Forschung benutzt, um etwa Landschaftsveränderungen über einen längeren Zeitraum zu beobachten oder Verkehrsaufommen besser verstehen zu können. Es gibt vielfältige Möglichkeiten des Einsatzes, doch diese Arbeit beschränkt sich auf den Aspekt der dauerhaften Videoüberwachung im öffentlichen Raum und die direkten Auswirkungen dieser Überwachung auf die Überwachten.

Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen ist häufig Bestandteil politischer Kampagnen. Von Befürwortern der Überwachung wird häufig angeführt, dass Videoüberwachung der Sicherheit diene und unverzichtbar bei der Auflärung von Verbrechen sei. Auch sollen die Kameras in öffentlichen Orten potentielle Straftäter abschrecken.

2.1 Auflärung von Verbrechen durch Videoüberwachung

„Die Ereignisse in Boston zeigen erneut, wie wichtig die Überwachung des öffentlichen Raums durch Videokameras für die Auflärung schwerster Straftaten ist“

- ehem. Innenminister Hans-Peter Friedrich (Biermann 2013)

Die Videoüberwachung von öffentlichen Orten spielt laut Befürwortern immer wieder eine zentrale Rolle bei Auflärung von Verbrechen. Regel- mäßig werden in Zeitungen und anderen Medien Bilder von Straftätern gezeigt, die durch Videoüberwachungsanlagen aufgenommen wurden. Üblicherweise folgt einige Tage später eine Meldung, dass der Täter gefasst sei. Allein diese Art der Berichterstattung gibt der Bevölkerung das Gefühl, dass Videoüberwachung ein effektives Mittel zur Auflärung von Straftaten ist und birgt auch einen Rechtfertigungsversuch der For- derungen von Befürwortern (vgl. Taab 2014).

In der Realität ist es jedoch schwierig zu sagen welche Rolle Videoüber- wachung genau bei der Auflärung von Verbrechen spielt. Wäre ein Ver- brechen auch ohne Überwachung aufgeklärt worden? Diese Frage ist im Nachhinein schwer zu beantworten. Dazu kommt, dass es schwierig ist von Verbrechensauflärung durch Videoüberwachung im Allgemeinen zu sprechen, da nur ein Bruchteil der Verbrechen in überwachten Räu- men stattfindet oder auf den aufgezeichneten Videos zu erkennen ist. Dementsprechend wird im Zusammenhang mit Videoüberwachung in den letzten Jahren gezielt die Auflärung und Prävention von Terroran- schlägen und Gewaltverbrechen diskutiert.

2.2 Prävention von Verbrechen

Neben der Auflärung ist auch die Prävention von Verbrechen ein häufig vorgebrachtes Argument für den verstärkten Einsatz von Videoüberwachung. Laut Jörg Ziercke - dem ehem. Präsident des Bundeskriminalamtes - könne Videoüberwachung „abschreckend wirken […]“.

Doch auch hier gibt es in der Forschung noch keine generell aussagekräf- tigen Ergebnisse, sondern nur Studien die einzelne Videoüberwachungs- projekte untersucht haben und zu dem Schluss kommen, dass Video- überwachung kein effektives Mittel zur generellen Verbrechenspräven- tion ist. Ein Bericht vom California Research Bureau über die Effektivität von Videoüberwachung zur Verbrechensprävention kommt zu dem Schluss, dass überraschend wenig über die Folgen von Videoüberwa- chung bekannt ist (vgl. Nieto 1997).

Eine andere Studie, die sich mit dem Einfluss von Videoüberwachung auf die Häufigkeit von Ladendiebstahlsdelikten in US-amerikanischen Shopping Malls beschäftigt, kann keinen nennenswerten Einfluss erkennen (Helten 2007, S. 250). Auch die Auswertung eines großangelegten Dauerüberwachungskampagne der Berliner Verkehrsbetriebe kam zu dem Ergebnis, dass die Videoüberwachung keinen Einfluss auf die Kriminalitätsrate hat (Hempel und Alisch 2006, S. 34).

Die meisten Studien zur Prävention von Verbrechen durch Videokame- ras kommen aus England, dem Mutterland der Videoüberwachung. Viele Studien beschreiben, dass es durchaus zu einer selektiven Kriminalitäts- reduktion kommen kann (Klauser 2006, S. 75ff). Damit ist gemeint, dass bestimmte Arten von Kriminalität, wie etwa Diebstähle und Überfälle, zurückgehen können, Vergehen gegen die öffentliche Ordnung jedoch anstiegen, was allerdings auch an der erhöhten Wahrnehmung dieser Verbrechen liegen könnte. Klauser stellt verschiedene Studien vor, die von einer Kriminalitätsverschiebung sprechen, also einer Anpassung der Kriminalität an die Videoüberwachung. Außerdem wird auf die Tatsache hingewiesen, dass sich die Kriminalität einfach in andere, evtl. nicht überwachte Gegenden verschiebt.

Ein weiterer Aspekt ist die Eignung von Videoüberwachung zur Prävention im Vergleich zu anderen Methoden. Wichtiger Faktor sind hierbei auch die Kosten, die Aufau, Betrieb und Wartung einer Überwachungsinfrastruktur erzeugen. Auch wird erwähnt, dass in London eine weit höhere Kriminalitätsrate vorherrscht, als z. B. in New York, wo 40% mehr Polizisten auf den Straßen patrouillieren (Klaß 2007).

2.3 Subjektives Sicherheitsgefühl

Neben der Uneinigkeit bei den Meinungen und Forschungen zur Auswirkung von Videoüberwachung bei der Verbrechensauflärung und -prävention, ist die Studienlage zum subjektiven Sicherheitsgefühl durch Videoüberwachung meist ebenso uneinig. Eine Studie, in denen die Befragten der Videoüberwachung eher kritisch gegenüberstehen, zeigt, dass sich Menschen in der Umgebung von Kameras häufig sicherer füh- len (ULD 2004). Diese Ergebnisse lassen sich jedoch leicht in Frage stel- len. Die direkte Frage nach einem gefühlten Sicherheitsgewinn durch Videoüberwachung, könne implizit die Antwort schon vorwegnehmen. Ein besseres Forschungsdesign wäre eine Befragung vor und nach der Installation von Überwachungsmaßnahmen und ohne direkten Bezug auf derer Vorhandensein. Videoüberwachung werde häufig auch dann befürwortet, wenn sie die Sicherheit nicht erhöht. Schon in der Erfüllung öffentlicher Erwartungen, die durch falsche Wirkungsversprechen ent- standen sein können, und in der Vermittlung eines Gefühls von Sicherheit liegt ein Imagegewinn für die Verantwortlichen (Ketzer 2005).

Auch eine Untersuchung zur Veränderung des Sicherheitsgefühl durch Videoüberwachung an zwei öffentlichen Plätzen in Wien kam zu dem Ergebnis, dass es keine signifikanten Veränderungen des Gefühls durch die Überwachung gibt (Rothmann 2010).

Der Wunsch nach mehr Überwachung oder, weniger aktiv formuliert, die Zustimmung zu vermehrten Überwachungsmaßnahmen beruht dem- nach möglicherweise auf den falschen Wirkungsversprechungen der Befürworter von Videoüberwachung und nicht auf einer Zunahme des Sicherheitsgefühls.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668361805
ISBN (Buch)
9783668361812
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346890
Note
Schlagworte
videoüberwachung raum menschen umwelt

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