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Der Begriff der Erfahrung in der Pädagogik von John Dewey

John Dewey - ein Klassiker der Erziehungswissenschaft?

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Biographie

2. Werk
2.1. Konzept der Erfahrung
2.2. Erziehungskonzept
2.3. Konzept der Schule
2.4. Das Lehr-Lern-Konzept

3. Wirkung von Deweys Werk in der Gegenwart
3.1. Dewey als Vertreter libertärer Pädagogik?

4. Klassiker der Erziehungswissenschaft

4.1. Kann John Dewey als Klassiker der Erziehungswissenschaft gelten?

Literatur

1. Biographie

John Dewey wurde am 21.10.1859 in Burlington, einer kleinen Stadt in Vermont in den USA, als dritter von vier Brüdern geboren. Seine Eltern entstammten beide Bauernfamilien, die sich in den Mittelstand hochgearbeitet hatten; der Vater war Lebensmittel- und Tabakwarenhändler.

Mit 16 Jahren begann Dewey nach der Beendigung der Mittelschule seine Studien an der John-Hopkins-Universität in Baltimore/ Vermont. Er durchlief einen klassischen Bildungsgang mit Griechisch, Latein, englischer Literatur, Mathematik, Rhetorik und Philosophie. Diesem letztgenannten Fach galt sein Hauptinteresse und er graduierte im Jahr 1879 in Philosophie.

In den beiden nachfolgenden Jahren war er tätig als Mittelschullehrer (High-School) in Pennsylvania. Zur Fortsetzung seiner Studien kehrte er 1882 nach Vermont zurück. Er studierte unter anderem bei George Sylvester Morris, einem Neu-Heglianer, der Dewey stark beeindruckte. Daneben arbeitete er weiter als Lehrer, bis er 1884 seine Promotion fertig stellte über die Philosophie Kants.

Die nächsten vier Jahre lehrte er Philosophie an der Universität von Michigan. 1886 heiratete er Harriet Alice Chipman, die seine Arbeit zeitlebens aktiv unterstützte und sich daneben sehr für die Weiterbildung von Frauen engagierte. Aus der Ehe gingen fünf eigene Kinder und ein Adoptivkind hervor. Zwei der leiblichen Kinder verstarben jung auf Auslandsreisen. In Michigan wurde Dewey vor allem durch zwei Publikationen bekannt, die sich beide mit den Gemeinsamkeiten von Philosophie und Psychologie befassen: Psychology (1887) und Leibniz´s New Essays Concerning the Human Understanding (1888).

Im Jahr 1888 ging er für ein Jahr als Professor an die Universität in Minnesota. Nach seiner Rückkehr an die Universität von Michigan, wurde er Nachfolger des inzwischen verstorbenen Morris. Als er 1894 eine Berufung als Professor für Philosophie an die erst vier Jahre alte Universität in Chicago erhielt, versuchte er dort Philosophie, Psychologie und Pädagogik zu vereinen. Auch sollte Pädagogik als Fach bei der Lehrerausbildung stärker berücksichtigt werden. Die neu gegründete Pädagogik-Abteilung wurde ihm unterstellt. Zwei Jahre später eröffnete Dewey die „University Elementary School“ (auch bekannt unter den Namen Versuchsschule, Laborschule). Aber als es 1904 zu internen Problemen mit der Universitätsleitung kam, trat er von seinem Amt zurück. Zu dieser Zeit war Dewey einer der bekanntesten Vertreter der amerikanischen Erziehungsphilosophie.

In den nachfolgenden Jahren war er bis 1930 als Professor an der Columbia Universität in New York im Fachbereich Philosophie tätig und daneben Dozent am Lehrerseminar.

Er nahm Gastprofessuren in China und Japan an, besuchte die Türkei und Mexiko zur Beratung beim Aufbau ihres neuen Schulwesens, besichtigte Schulen in Russland.

Nachdem seine Frau Alice im Jahr 1927 verstorben war, heiratete er 1946 die viel jüngere Roberta Lowit Grant. Sechs Jahre darauf verstarb er in New York.

(vgl. Dewey Center Köln, 09.05.2010, 15:30 Uhr; Bohnsack 2003; Martin 2002)

Dewey lebte in einer Zeit von starken Veränderungen: Seine Jugend war geprägt von den Nachwirkungen des Bürgerkriegs. Er erlebte, wie sich die USA zur Weltmacht entwickelten und der Demokratiegedanke sich gleichzeitig ausbreitete. Dies beeinflusste seine Arbeit stark. In den 20er Jahren folgte die Rezession, schließlich der 2.Weltkrieg. Im Anschluss wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung bei dem sich die Einwohnerzahlen der USA vervielfachten, was zum Teil auch durch die Flüchtlinge und Immigranten bedingt war. Die Technisierung und Mechanisierung entwickelten sich mit enormer Geschwindigkeit (Auto, Flugzeug, Rundfunk, Atombombe, Fließbandarbeit).

Dass Dewey mit seinem Projekt der Versuchsschule ausgerechnet in Chicago so erfolgreich war, sei den dortigen damaligen Zuständen zuzuschreiben: Im Hinterland von Chicago lagen riesige Weideflächen für Rinder. Chicago war beherrscht von der fleischverarbeitenden Industrie. Billige Arbeitskräfte wurden angeworben und die Einwohnerzahl der Stadt wuchs rasant an, was mit großer Armut in der Arbeiterschaft einherging. Damit wurde Chicago zu einem optimalen, praktischen Beobachtungsfeld für Sozial- und Geisteswissenschaftler (vgl. VL Amos 02.06.2010).

2. Werk

Ist Dewey zu Beginn seiner Laufbahn noch stark beeinflusst vom Neu-Heglianer George Sylvester Morris, so wendet er sich später dem Pragmatismus zu. Der Grundgedanke Deweys ist, dass sich wissenschaftliche Theorie in der Praxis bewähren müsse. Die daraus gewonnenen Erfahrungen sollen wiederum zurück fließen in die Theorie, so dass eine ständige Wechselwirkung von Theorie und Praxis stattfände (vgl. VL Amos 09.06.2010). Daraus entwickelt er seine naturalistische Erkenntnistheorie. Sie beruht auf der Grundlage, dass menschliches Wissen im Laufe der Evolution erwachsen ist aus Problemsituationen heraus. Dewey fordert eine praktische Einsetzbarkeit von philosophischen Meinungen in Politik, Gesellschaft und der Pädagogik. Seine sozialen Theorien stehen in engem Zusammenhang mit den Ideen von George Herbert Mead.

Deweys Gesamtausgabe deutet auf seinen Arbeitseifer hin: sie umfasst 37 Bände.

Seine Werke thematisieren vor allem Gebiete der Philosophie und der Pädagogik. Dewey glaubt, dass der Respekt der Menschen untereinander vor der jeweiligen Einzigartigkeit zu einem besseren zwischenmenschlichen Verständnis führen würde, welches eine Verbesserung der Gesamtlebensumstände zur Folge hätte. Ziel seiner Arbeit ist die Verwirklichung von Demokratie in allen Lebensbereichen. Dazu entwickelt Dewey vier grundlegende Konzepte. Diese sind:

1. Das Konzept der Erfahrung
2. Das Erziehungskonzept
3. Das Konzept der Schule
4. Das Lehr-Lern-Konzept

(vgl. Bohnsack 2003, S. 44f)

2.1. Konzept der Erfahrung

Dewey unterscheidet zwei Arten von Erfahrung. Zum einen die Erfahrung in der Natur, nämlich „Dinge, die auf bestimmte Weise miteinander agieren“ (Dewey 2007, S. 18). Zum anderen gebe es die Erfahrung von der Natur, bei der es darum gehe, wie der Mensch die Natur erfährt. Dewey sieht die die Natur durchdringende Erfahrung als wesentliche Voraussetzung für die Existenz von Wissenschaften an (vgl. Dewey 2007, S. 18f). Die empirische Methode sei für ihn die einzig in Frage kommende zur Untersuchung von Erfahrung, da sie die Bestandteile des zu beobachtenden Vorgangs nicht von vorneherein getrennt betrachte. Sie würden hierbei in ihrer Ganzheit belassen bis sie sich selbst voneinander lösten. Sodann werde erkundet, warum und auf welche Weise dieser (vorläufige) Trennungsvorgang stattgefunden habe (vgl. ebd., S. 26f). Die empirische Methode ermögliche, den Weg der aufeinander wirkenden Subjekte und Objekte nachzuvollziehen (vgl. ebd., S. 45).

Dewey geht davon aus, dass Mensch und Umwelt eine grundsätzliche Einheit bilden. Sie trennen sich erst in der Krise. Dies aber auch nur, um anschließend „bereichert“ wieder zusammen zu finden (vgl. Bohnsack 2003, S. 45). Das soll an einem Beispiel verdeutlicht werden. Ganz bewusst orientiert sich dies nicht an Kindheitserfahrung, um zu zeigen, dass nach Deweys Verständnis Erfahrungen bis zum Lebensende möglich sind und sich nicht auf die Kindheit beschränken.

Ein Mensch, das „Subjekt“ der bis dahin angenehmen „Situation“, joggt durch den Wald. Er stolpert über eine Wurzel und verstaucht sich den Knöchel. Indem er einen Ausweg aus der unangenehmen „Situation“ sucht, stellt er Hypothesen auf zur Problemlösung. Da er sein Handy nicht bei sich trägt, hofft er auf eine Begegnung mit einem hilfsbereiten Spaziergänger. Der Spaziergänger wäre hier das „Objekt“.

In diesem Zustand spricht Dewey von einer „Entfremdung“ des „Subjekts“ von der Umwelt, denn die Situation erfordert eine Problemlösung. Für welchen Ausweg der Mensch sich auch entscheidet, die Erfahrung dieser Situation wird ihn prägen. Er wird danach nicht mehr der gleiche Mensch sein wie zuvor (vgl. Bohnsack 2004, S. 45f). Durch diese Erfahrung im Wald beim Joggen hat er seine Fähigkeit erhöht, zukünftige Situationen einzuschätzen. Darin besteht des Menschen Weiterentwicklung.

Nach Dewey gibt es neben der passiven Seite der Erfahrung, in welcher der Mensch einen Zustand erleidet, die aktive Seite des Ausprobierens (vgl. Dewey 1986, S. 140). Im voran gegangenen Beispiel erleidet der Jogger zuerst eine Verstauchung und erfährt neben dem Schmerz auch das Gefühl der Hilflosigkeit, des Ärgers vielleicht. Gleich darauf überlegt er aktiv eine Lösung, um diesem Zustand zu entrinnen. Dewey befindet, dass die Erfahrung umso wertvoller für den Menschen ist, je enger der passive Teil des Erleidens mit dem aktiven des Versuchens verbunden ist (vgl. ebd., S. 140f). Im genannten Beispiel bedeutet dies: Je verzweifelter der Jogger ist, desto bedeutsamer wird ihm die Lösung erscheinen. Die Nachhaltigkeit des dadurch entwickelten Lernvorgangs bestimmt sich nach Dewey einerseits durch die Intensität der beiden Erfahrungskomponenten und andererseits durch das Bewusstmachen des Unterschiedes zwischen dem Erkenntnisstand vor und nach der Erfahrung (vgl. Dewey 1986, S. 140f). Diesen Vorgang der „planmäßigen und sorgfältigen Herstellung von Handlungen und ihren Folgen“ bezeichnet Dewey als das Denken. Eine Situation denkend erfassen bedeute also: Problem erkennen, Tatsachen beobachten, Schluss daraus ziehen, sich an einer Lösung probieren (vgl. ebd., S. 153).

Wie prägend sich eine Erfahrung auf den Menschen auswirkt, hänge von der Kontinuität der Erfahrung ab (vgl. Dewey 1986, S. 284). Beim Beispiel des Joggers wird dieser wie beschrieben verändert aus dem Erlebnis hervorgehen. Zuvor war er vielleicht leichtsinniger, unvorsichtiger, fühlte sich durch langsame Spaziergänger gestört, die ihn oft in seinem Laufrhythmus behinderten. Seine Sicht auf diese Menschen hat sich geändert, nachdem er Hilfe von einem von ihnen erfahren hat. Doch von der Kontinuität und der Intensität der Erfahrung hänge die Qualität und Nachhaltigkeit derselben ab (vgl. ebd., S. 284f). Nach Dewey genügt eine Erfahrung nur dann dem Kriterium des Wachstums, „wenn sie zu fortgesetztem weiteren Wachstum anregt“ (Dewey 1986, S. 285f) und entsprechend vom Menschen bewertet werde. Das bedeutet, dass die vom Menschen empfundene Qualität und Intensität der Erfahrung darüber entscheidet, inwiefern sie seine folgenden Erfahrungen beeinflusst. Damit könne Erfahrung sowohl motivierend empfunden werden als auch als belanglos (vgl. Dewey 1986, S. 284ff). Neben dem Prinzip der Kontinuität spiele noch das Prinzip der Wechselwirkung eine entscheidende Rolle für die Erfahrung. Beide gemeinsam seien der Maßstab für die „pädagogische Bedeutung“ und den „Wert der Erfahrung“. In Wechselwirkung zueinander stehen nach Dewey der Mensch und seine Umwelt. Dabei stelle die Umwelt sich dar als „das Insgesamt der Bedingungen“ bei jeder Erfahrung (vgl. Dewey 1986, S. 291f). In jede neue Erfahrung fließt demnach etwas von vorher gemachten Erfahrungen ein. Jedes Ende der Handlung wirkt auf den Anfang zurück. Das Maß dieser Beeinflussung richtet sich nach der Kontinuität der gemachten Erfahrungen sowie nach der Intensität, das heißt dem persönlichen Erfahrungswert bereits gemachter Erfahrungen.

Erkenntnis wiederum sei in der Folge verinnerlichte Erfahrung, welche - auch unbewusst – in den der Erfahrung folgenden Handlungen, Gewohnheiten und Lebensweisen, dem Denken und Planen einflösse (vgl. Dewey 2000, S. 441).

Deweys Kritiker hätten sein Erfahrungskonzept gerne auf der theoretischen Ebene gehalten gesehen, doch dies lehnte Dewey entschieden ab, da er im Verfahren der Konkretisierung von wissenschaftlichen Theorien auf der Alltagsebene eine Möglichkeit der Überprüfung dieser Theorie sah, die seinem Grundverständnis von Demokratie entsprach, nämlich der alternativlosen „Idee des Zusammenlebens selbst“ (vgl. Bohnsack 2003, S. 45ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Versuch einer grafischen Darstellung des Erfahrungskonzeptes

2.2. Erziehungskonzept

Deweys Erziehungskonzept ist gerichtet an eine offene Gesellschaft, die geprägt ist durch Eigenschaften wie Kreativität, Flexibilität, Initiative, Zivilcourage und Unabhängigkeit (vgl. Bohnsack 2003, S. 48f).

Er unterscheidet zweierlei Erziehung: Zum einen die unbewusste Erziehung im persönlichen Umfeld des Kindes unter Berücksichtigung von Zeit, Kultur, sozialem Hintergrund und die geplante schulische Erziehung (vgl. ebd., S. 47).

Dewey lehnt es ab, die individuelle Erfahrung und damit auch individuelle Form des Lernens einem vorher festgelegten Ziel zu opfern. Es ist demnach gleichgültig, ob ein Kind sein Essen mit dem Besteck zu sich nimmt oder mit den Fingern. Beim Essen mit den Fingern wird es unterschiedliche Konsistenzen und die Temperatur der Speisen bemerken und damit verbundene Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme. So lässt sich Suppe zwar mehr oder weniger gut trinken, aber schlecht greifen. Derartige Erfahrungen sieht Dewey als wertvoller an als die Einhaltung von konventionellen Tischregeln. Nicht das Auswendiglernen einer Methode sei das Ziel, sondern der Erziehungsvorgang selbst (vgl. Bohnsack 2003, S. 48). Mit anderen Worten: Die individuelle Entwicklung durch Erfahrung ist das Ziel, nicht ein einheitliches Ergebnis bei allen Erzogenen. Wenn ein Kind beispielsweise lernen möchte Fahrrad zu fahren, so soll die Mutter nicht vorab erklären, wie dies am besten geht oder gar das Fahrrad laufend von hinten festhalten. Stattdessen soll das Kind selbst durch Ausprobieren herausfinden, dass sich das Gleichgewicht nur bei einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit halten lässt. Wenn es bis zur dieser Erkenntnis einige Male vom Rad fällt, so ist dies hinzunehmen. Lediglich bei Gefahr für die Gesundheit und das Leben des Kindes ist das verhindernde Eingreifen des Erziehers wichtig. Auch wenn ein Kind sich unhöflich oder rücksichtslos gegenüber anderen Menschen verhält, so soll man auf erzieherische Ermahnungen verzichten, denn das Kind wird am Verhalten seiner Umwelt erkennen, welches Benehmen angemessen ist.

Dewey sieht nicht als entscheidend an, wie schnell und sicher ein Kind Neues lernt, sondern welche Erfahrungen es auf dem Weg des Sich-Aneignens macht (vgl. Dewey 2000, S.146ff). Der individuelle Lern- und Erziehungsvorgang führt nach Dewey durch Erfahrungen zu einer persönlichen Weiterentwicklung, zum Wachstum. Dieses kann für den Einzelnen durchaus als Ziel angesehen werden. Doch das individuelle Wachstum bringt auch gemeinsame Qualitäten hervor, die Deweys Vorstellung von Demokratie unterstützen. Dies sind beispielsweise „Kraft der intelligenten Selbstführung“, „Kontinuität der Aufmerksamkeit und Ausdauer“ (Bohnsack 2003, S. 48f). Auch sieht er Erziehung durchaus als Vorbereitung auf die Zukunft, doch dürfe diese nicht den Fixpunkt darstellen, auf den jede Erziehung zustrebe, da Zukunft immer nur vermutet werden könne. Zukunft sei damit ein unsicheres Ziel. Stattdessen verlangt Dewey nach der vollständigen Ausschöpfung des Erfahrungspotentials der Gegenwart. Denn gegenwärtige Erfahrungen können in ihrer allgemeinen Bedeutung eingeordnet werden, die Zukunft sei uns fremd (vgl. Bohnsack 2003, S. 48).

2.3. Konzept der Schule

Das schulische Lernen unterscheidet sich vom außerschulischen Lernen nach Dewey vor allem in folgenden Punkten:

1. Die Lebens- und Lernprozesse verlaufen nicht zufällig, sondern geplant (siehe beispielsweise Lehrplan)
2. Komplexe gesellschaftliche Strukturen werden vereinfacht vermittelt (siehe beispielsweise Französische Revolution)
3. Es findet eine „gesiebte“ Wissensvermittlung statt, d.h. es gibt eine Vorgabe, welche Inhalte eines Themas wie behandelt werden sollen
4. Es wird versucht, einen Gemeinschaftssinn aufzubauen, der über unterschiedliche Religionen, Herkunft, Rasse hinwegsieht

(vgl. Bohnsack 2003, S. 50)

Nach dem Verständnis von Dewey sind nur sehr wenige Anlagen des Kindes biologisch determiniert. Seiner Meinung nach sei jeder Schüler positiv durch Erziehung veränderbar, wobei er es ablehne, die psychische Disposition des Zöglings in eine bestimmte Richtung zu leiten. Intelligenz hält Dewey für weder messbar noch statisch; sie sei eine Eigenschaft von Interaktionsvermögen. Damit habe Intelligenz immer einen kollektiven Bezug. Auch der Habitus des Einzelnen könne sich im Laufe des Lebens verändern; jeder Mensch sei jederzeit entwicklungsfähig (vgl. VL Amos 09.06.2010). Allerdings komme es auch vor, dass Erfahrungen das Ende einer einzelnen Wachstumslinie darstellten. Aufgabe des Erziehers sei es, sowohl einseitiges Wachstum als auch ein solches Wachstumsende in einer Richtung zu verhindern. Dazu müsse der Erzieher ein Gespür für das Individuum entwickeln, und der Lehrer solle seine Unterrichtskonzepte an dessen Bedarf orientieren unter Einbeziehung der Gruppe (vgl. VL Amos 23.06.2010).

An der Universität in Chicago gründet Dewey 1894 eine Versuchsschule, die es den Schülern ermöglichen soll, über eine zielgerichtete, an den menschlichen Bedürfnissen orientierte Tätigkeit Erfahrungen zu sammeln. Diese so genannten „occupations“ der Schule bestehen zum Beispiel aus Metall- und Holzarbeit, Nähen, Weben, Kochen, Zimmerei. Alle Tätigkeiten stehen stellvertretend für das Bedürfnis des Menschen nach Behausung, Kleidung, Nahrung und sind nach heutigem Stand insofern überholt, als sie das Handwerk in den Vordergrund stellen und die Technisierung und Mechanisierung nicht einbeziehen.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668361966
ISBN (Buch)
9783668361973
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346907
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Erfahrung Libertäre Pädagogik Konzept der Erfahrung Demokratie

Autor

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Titel: Der Begriff der Erfahrung in der Pädagogik von John Dewey