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Bedeutungswandel der Medien durch Bildmanipulation. Das Beispiel eines Pressefotos vom Anschlag in Luxor 1997

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildmanipulation
2.1 Der Vergleich zwischen der Manipulation bei analoger und digitaler Fotografie

3. Bildmanipulation am Beispiel eines Pressefotos des Anschlages in Luxor von 1997
3.1 Bedeutungsverschiebung durch die Bildmanipulation
3.2 Wirtschaftliche und politische Motive der Bildermanipulation

4. Fazit – Die Pflicht zur Analyse und Historisierung von Medien

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„The media’s the most powerful entity on earth. They have the power to make the innocent guilty and to make the guilty innocent, and that’s power. Because they control the minds of the masses.“ Dies schrieb der US-amerikanische Führer der Bürgerrechtsbewegung Malcolm X, welches die große Macht der Massenmedien und ihre Beeinflussung auf die Anschauung der Menschen deutlich macht. Es liefern uns jegliche Art von Massenmedien, wie Fernsehen, Radio, Internet und Zeitschriften, täglich Fakten über die aktuellen Weltgeschehnisse. Bevor der Rezipient, die Rezipientin Zugriff auf die gezeigten Medien bekommt, werden die Bilder und die aufgenommenen Fotos oder das Filmmaterial bearbeitet. Im Fernsehen wird Bildmaterial digital geschnitten, analog geschieht dies mit Tonmaterial beim Radio. Schon kurz nach der Erfindung der Fotografie in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde auch ihr großes Manipulationspotential entdeckt und genutzt. Auch die Politik und die Wirtschaft nutzt die Kunst der Manipulation aus, getreu der Regel, dass sich dramatische Bilder besser verkaufen als weniger spektakuläre (Wie Stalin und Ulbricht Fotos retuschieren ließen, Sven Felix Kellerhoff).

Vor diesem Hintergrund und in Bezug auf das Konzept der Visuellen Migrationen von Kerstin Brandes, soll im Rahmen dieser Hausarbeit der Unterschied zwischen analoger und digitaler Fotografie im Hinblick auf die Manipulierbarkeit untersucht werden. Es folgt ein konkretes Beispiel eines manipulierten Pressefotos von 1997 während des Anschlages im ägyptischen Luxor, bei dem lediglich eine Farbveränderung zu einem kompletten Deutungswandel des Bildes führte. Anschließend wird auf den Prozess eingegangen, wie das Foto durch die Manipulation die Bedeutung verändert und welche politischen Botschaften es dadurch vermittelt. Der Zusammenhang zwischen der Manipulation von Medien und ihren politischen und wirtschaftlichen Motiven wird deutlich. Zum Ende der Hausarbeit soll folgende Frage beantwortet werden: Inwieweit hat sich die Signifikanz des Pressefotos verändert und welche Auswirkungen hat dies auf die Politik und die Öffentlichkeit? Als auch die Frage, inwieweit sich dieses Beispiel der Bildmanipulation mit der Theorie von Brandes vergleichen lässt.

2. Bildmanipulation

„Manipulation“ leitet sich vom lateinischen Wort für Handgriff oder Kunstgriff ab und bedeutet Handhabung. Es steht für eine gezielte Beeinflussung von Personen, ohne deren Wissen oder Zustimmung (Vgl. Online Duden, Stichwort Manipulation). „ [...] Manipulation [wird] auch definiert als moderne Herrschaftstechnik zur Steuerung großer Massen, bei der persönliche Erkenntnis und Wissen des einzelnen ausgeschaltet werden“ (Hahne 1984, 14).

Bilder spielen in unserer von Medien geprägten Gesellschaft eine zunehmend wichtigere Rolle. Diese Beliebtheit ist wohl darauf zurückzuführen, dass der Kontext eines Bildes, anders als bei Texten, schon in wenigen Sekunden von dem Rezipienten, der Rezipientin erschlossen werden kann. Wie der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Winfried Schulz vermerkte: „Während die Wortnachricht erst durch den „Verdauungstrakt“ der kognitiven Informationsverarbeitung gehen muß, nehmen wir Bildnachrichten gleich intravenös auf.“ Bereits kurz nach der Erfindung der Fotografie erprobten Fotografen und Fotografinnen diese Möglichkeit der Manipulation und Täuschung. Es wurden Köpfe und Körper ausgetauscht und Hinrichtungen nachgestellt. Microsoft-Gründer Bill Gates hatte einmal gesagte: „Wer die Bilder beherrscht, der beherrscht die Köpfe“ (Retuschierte Wahrheit: Rolex weg, Fleck weg, Speck weg, Barbara Hans). All diese Formen der Manipulation dienten in erster Linie dazu, dem Mediennutzer, der Mediennutzerin eine andere Realität und Wahrheit vorzuspielen als die tatsächliche. Bilder bieten kein authentische Visualisierung der Welt. Bereits die Auswahl der Bildgestaltung, des Motivs und der gewählte Bildausschnitt hängen von den jeweils subjektiven Neigungen, Interessen und Zielen des einzelnen Fotografen und Fotografin ab. Ein einzelner Bildausschnitt wird aus einem breiten Zusammenhang gerissen. Bilder sind Momentaufnahmen, sie fangen einen einzigen Augenblick ein. Wie auch Brandes in ihrer Theorie der Visuellen Migrationen verdeutlicht, ist es notwendig Bilder als Zeichen und Zeichengefüge zu begreifen. Bilder sollten analysiert und historisiert werden, differenziert, verantwortungsvoll und kritisch betrachtet werden, um ihre Aussagekraft verstehen zu können (vgl. Brandes 2011).

2.1 Der Vergleich zwischen der Manipulation bei analoger und digitaler Fotografie

Die Manipulation von Bildern ist kein Phänomen der digitalen Fotografie. Die Möglichkeiten der Bildfälschungen zeigten sich früh. Seitdem es möglich ist durch Fotografien in Druckzeugnissen die öffentliche Meinung zu beeinflussen, wurde dies auch getan (vgl. Deussen 2007, 33). Die Manipulation von Bilder war bei der analogen Fotografie wesentlich aufwendiger und komplizierter, als bei digitalen Fotos. Es waren zu Beginn nur einfache Eingriffe möglich und die Bearbeitung wurde mithilfe mechanischen Mitteln ausgeübt. Es begann mit dem Retuschieren von Staubkörnern und Kratzern, alsbald „Verschönerungen“ von Portrait dazu kamen, um die Verkaufszahlen und den Marktwert zu erhöhen. Das Spektrum der Manipulationsmöglichkeiten erweiterte sich stätig. Meist wurden Objekte oder Personen aus den Bildern entfernt und in seltenen Fällen auch hinzugefügt. Personen, die aus Bildern entfernt werden sollten, schnitt man mit einem Skalpell aus, radierte sie weg oder übermalte diese mit feine Pinselstrichen. Binnen kurzem wurde das Potential entdeckt, manipulierten Bilder für propagandistische Zwecke einzusetzen (vgl. Deussen 2007, 33). Dies zeigt exemplarisch die stalinistische Ära in der Sowjetunion. Fotografien von Stalin wurden verfälscht und serienmäßig reproduziert. Er ließ zudem seine politischen Gegner und Gegnerinnen durch Fotomanipulation eliminierten und tilgen. Bilder wurden übermalt, unerwünschte Gegenstände und Personen wurden ausgeschnitten oder auf andere Art verstümmelt (vgl. Wie Stalin und Ulbricht Fotos retuschieren ließen; Sven Felix Kellerhoff). Neben der Elimination von Personen ging Stalin aber auch den entgegengesetzten Weg. Er litt unter einem Mangel an Bilder aus seiner Kindheit und beauftragte Maler und Bildhauer künstliche Jugendbilder von ihm zu rekonstruieren (vgl. Deussen 2007, 36).

Was früher eine Kunst war, kann heute mittlerweile jede und jeder mit dem kleinsten Aufwand. Techniken der aktuellen Bildbearbeitungen sind wesentlich einfacher und vermeintlich unbegrenzt. Es bedarf kein Skalpell oder andere Handwerkzeuge zur Bildbearbeitung. Die Techniken der Manipulationen sind heutzutage für jeden und jede frei zugänglich. Mithilfe den verschiedensten Bildbearbeitungsprogrammen ist es möglich die Darstellung der Farbe zu verändern und diese in verschieden Farbmodellen darzustellen, es lassen sich verschiedene Bildteile zu einer Bildmontage zusammenstellen, die Möglichkeit besteht Bildteile zu eliminiere oder zu rotieren und problemlos können Fotografien virtuell verschönert werden. Digitale Veränderungen an Medien sind kaum noch auszumachen und zurück zu verfolgen. Die Technik ist scheinbar unendlich. Die Anwendungsbereiche finden sich hauptsächlich in Werbung, Nachrichten, Kriegsdarstellungen, bei Kunst oder bei Personen des öffentlichen Lebens (vgl. Deussen 2007, 43ff.). Bildbearbeitungsprogramme, wie Adobe Photoshop, Corel Paint Shop Pro Photo X2 oder Serif Photo Plus X2 gehören nach einem Test der Computer-Bild zu den aktuell besten und sind für jeden frei verfügbar (vgl. Test: Die beste Bildbearbeitungs-Software).

Beispiele, wie das Pressfoto von dem Massaker in Luxor 1997 verdeutlichen die technische Fähigkeit zur digitalen Manipulation. Es wird immer unkomplizierter Fotos zu bearbeiten und zu verfremden und damit ihre Bedeutung zu verfälschen. Es bedarf nur eine Veränderung der Farbe, um die Aussagekraft des Bildes vollkommen zu verändern.

Wer Zeitung, Hörfunk und Fernsehen in seinen Gesichtskreis holt, setzt sich damit - ganz gleich, wie man den Inhalt bewertet - einer Beeinflussung aus. Er öffnet sich einer Welt, die er meist nicht mehr kontrollieren und auf Wahrheit überprüfen kann (Hahne 1984, 18).

3. Bildmanipulation am Beispiel eines Pressefotos des Anschlages in Luxor von 1997

Oftmals reicht eine minimale Veränderung, um einem Bild eine ganz neue Bedeutung zu verleihen. Ein sehr bekanntes Beispiel für eine Farbmanipulation an einem Foto ist die Aufnahme von einem Bombenattentat auf Touristen am Totentempel der Hatschepsut in dem ägyptischen Luxor von 1997, unter ihnen auch eine Anzahl von Schweizer Bürgern (vgl. Bildmanipulation am Boulevardjournalismus, Peter Glaab).

Das Foto, welches in der schweizerischen Blick Zeitung veröffentlicht wurde, zeigt einen aus Säulen bestehenden Tempel, welcher von Bergen umgeben ist. Eine breite Rampe führt auf die obere Terrasse des Tempels. Rechts und links von ihr stehen zwei schwarz gekleidete Personen. Eine rote Blutlache verläuft die Rampe hinunter, weiter über den Steinboden vor dem Tempel und fließt quer über das Foto. Das Bild erhielt in der Schweizer Zeitung die Überschrift: „Das Massaker von Luxor“. Darunter steht in noch dickerer Schrift die Worte: „Ein Land wie im Krieg“. Es lässt vermuten, dass an diesem Ort der Anschlag stattgefunden hat (vgl. Abbild 2). Vergleicht man das Foto mit dem Original, welches von der Associated Press veröffentlicht wurde und den Tatort nach der Reinigung zeigte (vgl. Deussen 2007, 39), erschließt sich folgende Aussage:

Wenn sich der Journalist aus das „Rech, zu informieren“ beruft, auf ein „Informationsrecht“, so bezieht er sich auf sein eigenes Recht, die Tatsachen so darzustellen, wie er es für gut befindet, und kaum jemals auf das Recht des Publikums, mit Genauigkeit und Aufrichtigkeit informiert zu werden

(Revel 1991, 249).

Denn im original Foto ist der blutiger Rinnsal eine Pfütze (vgl. Abbild 1). Das Schweizer Boulevard-Blatt Blick ließ durch die Verfärbung des Fotos eine Wasserlache wie Blut erscheinen und veränderte die Aussage des Bildes damit radikal. Das Boulevardblatt Blick erzielte damit die gewünschte und beabsichtigte Schockwirkung.

3.1 Bedeutungsverschiebung durch die Bildmanipulation

Um den genauen Bedeutungswandel zu verdeutlichen, folgen zu Beginn noch weitere historische Hintergründe des Pressefotos.

Es handelt sich bei dem Foto, wie bereits beschrieben, um eins von der Zeitung Blick dargestellten Fotografie. Es wurde kurz nach dem Massaker von Luxor im Jahre 1997 aufgenommen. Bei dem Anschlag wurden damals 62 Menschen von der islamischen Gruppe Gamma Islamija getötet, wovon 25 Personen aus der Schweiz kamen (vgl. Youtube: Phil Day - Massacre in Luxor - 3 of 7). Das Originalbild zeigt eine Wasserpfütze, die zu dem Totentempel von Luxor führt. Das Foto wirkt durch die grau, braunen Farben unscheinbar und sensationslos. Es würde nicht den Großteil der Leser dazu verführen den Artikel zu lesen. Es lässt keine Rückschlüsse zu, dass an diesem Ort ein erbarmungsloses Massaker stattfand. Erst durch das Hinzuziehen von Hintergrundwissen, können die Folgen des Geschehens nachvollzogen werden, die allein durch das Originalbild nicht bewiesen werden könnten. Im Nachhinein wurde mittels einer Bildbearbeitungssoftware der Gesamtfarbton angepasst und die Pfütze wurde mit roter Farbe eingefärbt. Sie erscheint als Blutlache. Durch die Bearbeitung wirkt das Foto wesentlich dramatischer. Es vermittelt den Eindruck, als seien die 62 Menschen direkt vor dem Tempel auf so grausame Art und Weise ermordet worden, dass eine meterlange Blutlache entstanden ist. Die Bildaussage harmoniert nun perfekt mit dem Titel „Ein Land wie im Krieg“.

Dieses Beispiel einer Bildmanipulation zeigt deutlich, dass der Fotograf oder in diesem Fall der Journalist viele Möglichkeiten hat, die Wirkung des Bildes dem gewünschten Effekt anzupassen. Der Journalist hat die Kontrolle, welche Emotionen er mit dem Bild transportieren möchte und der dazugehörige Titel des Fotos beschreibt, was der Leser und die Leserin zu sehen hat. Steht keine passende Fotografie zur Verfügung, welches die Dramatik des Geschehens verdeutlichen soll, wird es dementsprechend bis zum gewünschten Effekt manipuliert. Der Bedeutungswandel des Fotos nach der Bearbeitung und wie dies durch massenhafte Zirkulation auf die Rezipienten und Rezipientin wirkt ist erkennbar. Die Verpflichtung zur Nachfrage von Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen eines Bildes der Massenmedien und die Notwendigkeit sachgerecht mit Bildern umzugehen wird mit diesem Beispiel dargelegt.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668363458
ISBN (Buch)
9783668363465
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346919
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Philosophische Fakultät
Note
Schlagworte
Bildmanipulation Medienmanagegment Medien Presse presselüge

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Titel: Bedeutungswandel der Medien durch Bildmanipulation. Das Beispiel eines Pressefotos vom Anschlag in Luxor 1997