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Tiergestützte Pädagogik. Interventionsmöglichkeiten im sozialpädagogischen Bereich

Hausarbeit 2016 9 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist tiergestützte Pädagogik?

3. Voraussetzungen und Grundlagen
3.1. Voraussetzungen für den Hundebesitzer
3.2. Voraussetzungen für den Hund
3.3. Rechtliche und organisatorische Grundlagen

4. Wirkungsweisen und Interventionsmöglichkeiten von Hunden im Hort

5. Fazit

1. Einleitung

Die tiergestützte Pädagogik findet in sozialen Tätigkeitsfeldern einen immer größeren Stellenwert. In den 60er Jahren entstanden erste Grundzüge dieser Thematik und ist mittlerweile in Kindertagesstätten, Kinder-, Jugendwohngruppen, sowie auch in Grundschulen verankert und umgesetzt. Vor allem Hunde begleiten ihre Besitzer während der Arbeit und sind ein großer Anziehungspunkt für Kinder und Jugendliche. Sie erleichtern den Kontakt zwischen Menschen und bieten viele Gesprächsanlässe und Aktivitäten, welche besonders im sozialpädagogischen Bereich Hort eines sozial schwachen Milleus von großer Wichtigkeit sind. Die Kinder halten sich jeden Wochentag und auch in den Schulferien im Hort auf. Daher wäre ein Hund als konstantes Lebewesen, welches jeden Menschen neutral bewertet und keine Unterschiede macht von großer Bedeutung. Dennoch wird diese Pädagogik oft noch kritisch betrachtet und durch viele Auflagen erschwert. Hinsichtlich dieser Problematik, stellt sich die Frage, in wie weit Hunde im Hortbereich unterstütztend eingesetzt werden können und welche Wirkungsweisen auf den Menschen bestehen, um als wichtiger "Mitarbeiter" anerkannt zu werden.

Zu Beginn folgt eine Definition über die tiergestüzte Pädagogik mit Hunden und deren verschiedenen Ausbildungsformen. Anschließend werden Voraussetzungen von Mensch, Hund und rechtliche Grundlagen für die Arbeit im sozialpädagogischen Bereich Hort aufgezeigt. Unter deren Betrachtung folgen mögliche Interventions- und Wirkungsmöglichkeiten. Mit einem Fazit wird die Fragestellung beendet.

2. Was ist tiergestützte Pädagogik?

Es wird unterschieden in Tiergestützte Aktivitäten (TGA), Tiergestützte Pädagogik (TGP) und Tiergestützte Therapie (TGT), welche nach der Qualifikation des Hundebesitzers, der steigenden Dokumentations- und Kontrollpflicht und der Zielsetzung zu unterscheiden sind. Die tiergestützte Pädagogik setzt sich das Ziel Lernprozesse im sozio-emotionalen Bereich durch eine Durchführung der Fachkraft mit einem spezifisch trainiertem Tier zu ermöglichen (vgl. Hartmann 2010:88ff). Diesbezüglich folgt ein Zitat, welches die tiergestützte Pädagogik einheitlich definitiert: "Tiergestützte Pädagogik beschreibt einen von Tieren begleiteten (Heil-) Pädagogischen Erziehungs- und Förderansatz, sowie die Integration von Tieren in das Leben von Menschen jeden Alters.[...]Die natürlichen Eigenschaften der Tiere und ihre spontane und unvoreingenommenen Kontaktaufnahme zum Menschen ermöglichen den Pädagogen eine Beziehung mit ihren zu betreuenden Personen einzugehen." (Forschungsgruppe Tipi der Universität Köln 2005, zitiert nach Saumweber 2009:74).

Tätigkeitsfelder und Ausbildungsformen von Hunden

Hinsichtlich tiergestützter Interventionen bestehen drei unterschiedliche Formen bezüglich Qualifikation und Ausbildung der Hunde:

- Therapiehunde, wie der Name bereits sagt, werden im TGT eingesetzt, der Hund unterstützt als "Co-Therapeut" und es ist eine lange und kostenintensive Ausbildung nötig. Er wird gezielt in der Psychotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, und in der Heilpädagogik eingesetzt.
- Behindertenbegleithunde benötigen ebenso eine gezielte Ausbildung, welche sich an die Bedürfnisse und der Behinderung des Menschen orientiert.
- Besuchshunde/Schulhunde benötigen keine spezielle Ausbildung, jedoch gibt es mittlerweile viele Ausbildungsmöglichkeiten, um gezielt soziale-emotionale Lernfortschritte bei Klienten zu erzielen. Diese Hunde begleiten ihre Besitzer in soziale Institutionen und haben meist keine spezifischen Aufgaben.

(vgl. Müller/Lehari 2011:13ff)

3. Voraussetzungen und Grundlagen

Der sozialpädagogische Bereich Hort wird durch die Nachmittags-, und Ferienbetreuung und einer engen Zusammenarbeit mit der Grundschule definitiert, hierbei wird sich am Bildungsplan orientiert. Im Folgenden werden Voraussetzungen und Grundlagen tiergestützter Interventionen hinsichtlich des sozialpädagogischen Bereich Hort erläutert.

3.1. Voraussetzungen für den Hundebesitzer

Um als Mensch-Hunde-Team im Hort arbeiten zu können, bedarfes theoretischer und praktischer Kenntniss des Hundebesitzers über die tiergestützte Arbeit. Hierfür bestehen mittlerweile unterschiedliche Ausbildungsformen, um diese Kompetenzen erwerben zu können. Auch muss man seinen Hund, welcher im Hort eingesetzt werden soll, gut analysieren können, ebenso seine Gestik und Mimik kennen und demenstsprechend agieren können. Wenn der Hund Anzeichen von Stress zeigt, sollte hierauf reagiert werden, um den Hund nicht zu überfordern, denn auch er sollte Spaß bei der Arbeit haben. Weiterhin ist es wichtig den Hund kontrollieren zu können, um eine Sicherheit bezüglich des Tieres und der Umwelt zu gewährleisten (vgl. Kirchpfening 2014:28ff).

3.2. Voraussetzungen für den Hund

Nicht nur für den Mensch gibt es Voraussetzung für die tiergestützte Arbeit im Hort. Der tierische Begleiter muss sozialverträglich gegenüber anderen Tieren und Menschen sein. Vor allem muss er offen gegenüber Menschen und neuen Situationen sein, da er viele Kinder und unterschiedliche Erfahrungen im sozialpädagogischen Bereich kennen lernen wird. Sehr wichtig ist auch eine stabile Bindung zum Hundeführer. Der Hund sollte diesem vertrauen und ihm ein Grundgehorsam entgegen bringen. Er wird unterschiedliche Interaktionen mit Kindern erleben, welchen er mit einer hohen Reizschwelle begegnen muss.Voraussetzung ist hierbei auch die körperliche und geistige Gesundheit des Hundes, um den Menschen in seiner Arbeit begleiten und unterstützen zu können. (vgl. Kirchpfening 2014:33ff)

3.3. Rechtliche und organisatorische Grundlagen

Eine wichtige Voraussetzung beinhaltet die Thematik Sicherheit und Hygiene. Die Vorschriften des jeweiligen Einsatzbereiches sind einzuhalten und Hygiene­maßnahmen im Vorfeld zu treffen. Daher empfieht es sich eine Arbeitsmappe zu erstellen, welche auch für den Arbeitgeber sinnvoll ist, um gewissen Gefahren und Risiken vorzubeugen. Diese Mappe würde auch nötige Einverständniserklärungen der Sorgeberechtigen beinhalten und es sollte je nach Art und Umfang der tier­gestützten Intervention ein Konzept erstellt werden, welches pädagogische Ziele anstrebt. Es ist ebenso notwendig, dass die Hundeversicherung über den Einsatz­bereich informiert wird und Impfungen des Hundes protokolliert sind. Als letzter Punkt ist aufzuzeigen,dass auch die räumlichen Gegegebenheiten und die Personalisierung beachtet werden müssen, da der Hund eine Rückzugsmöglichkeit während der Arbeit benötigt und ggf. je nach Aktivität mehrere Mitarbeiter benötigt werden. (vgl. Kirchpfening 2014:46ff)

4. Wirkungsweisen und Interventionsmöglichkeiten von Hunden im Hort

Trotz vieler Voraussetzungen und rechtlicher Bestimmungen, kann die tiergestützte Pädagogik im Hort erfolgreich angewendet werden. Im Folgenden werden mögliche Wirkungsweisen und Interventionsmöglichkeiten diesbezüglich aufgezeigt.

Eine wichtige Arbeit im sozialpädagogischen Bereich ist der Beziehungsaufbau zu Kindern, dieser legt den Grundbaustein für die pädagogische Arbeit der Fachkräfte. Kinder eines sozial schwachen Milieus sind oft durch unsichere Bindung des Eltern­hauses geprägt. Studien belegen, dass durch die Unterstützung eines Hundes in diesem Arbeitsbereich Kinder eher Vertrauen durch eine Triangulierung (Einbezug eines Dritten in einer Zweierbeziehung) zur pädagogischen Fachkraft erlangen.(vgl. Saumweber 2009:117). Hunde können ungezwungene Gesprächsanlässe und Aktivitäten im sozialpädagogischen Bereich ermöglichen, wodurch eine positive Beziehungsebene für die weitere Arbeit ermöglicht wird. Aber auch die Beziehungen der Kinder untereinander kann sich nachweislich verbessern. Saumweber spricht diesbezüglich von einer aufkommenden Chance zu einem stärkeren „Wir“ zu werden, was eine freie Kommunikation und ein leistungsorientiertes Lernen ohne Druck ermöglicht (vgl.ebd.:118). So hat auch B. Retzlaff nach eigenen Erfahrungen bestätigen können, dass "sich Schüler seit dem Einsatz der Hunde besser unter­einander vertrugen, es deutlich weniger verbale und körperliche Aggressionen gab und ein geringerer Geräuschpegel in der Klasse herrschte" (B. Retzlaff 2002, zitiert nach Beetz 2015:53).

Nicht nur die Beziehung zwischen Fachkraft und Kind ist wichtig, auch die Beziehung zu den Sorgeberechtigten. Denn auch die Gemeinwesenarbeit kann hinsichtlich der tiergestützten Interventionsmöglichkeiten profitieren. Durch den Einsatz mit Hund können Eltern und Fachkräften zu einem gemeinsamen Spaziergang eingeladen werden. Dies hat den Vorteil, dass eine nötige Transparenz geschaffen wird, aber auch die Beziehung durch eine freiwillige Unternehmung intensiviert wird, ebenso Fragen ggf. zur Arbeit mit dem Hund geklärt werden können.

Auch konnte nachweislich festgestellt werden, dass ein Hund eine Stressreduktion bei Menschen bewirken kann, was Beetz durch eine Auflistung mehrerer Studien belegt hat (vgl. Beetz 2015:67). Im Hort sind viele Kinder in räumlich begrenzten Orten untergebracht, wodurch der Lautstärke- und Stresspegel sehr hoch ist. Bei regelmäßigen Spaziergänge mit dem Hund ist dies nicht gegeben und Kinder können ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen. Hinsichtlich dessen, wird eine Stressreduktion schon bei bloßer Anwesenheit des Hundes nachgewiesen. Auf medizinischer Ebene wurde festgestellt, dass Menschen bei Anwesenheit des Hundes mit einer geringeren Herzfrequenz und einem niedrigen Blutdruck reagieren. (vgl. Beetz 2015:68f). Ein solcher Entspannungseffekt ist für Kinder hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit und der Aufmerksamkeitsspanne ein wichtiger Aspekt.

Eine weitere Wirkung des Hundes ist die Verstärkung der Lust am Lernen, was bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Hort und Schule sinnvoll erscheint: „eine enge Beziehung zu einem Hund hat positive Auswirkungen auf die Schulleistungen. [...] fördert die Einsicht, dass schulische Leistungserfolge in persönlichem Leistungs­verhalten begründet sind und verbessert das Arbeits- und Aufgabenverhalten“ (Saumweber 2009:93). Positive Erfahrungen des Kindes bleiben länger im Gedächnis, so würden auch positive Erfahrungen mit einem Hund für das Kind länger präsent sein.

Ebenso fördert der Einsatz mit Hund im sozialpädagogischen Bereich das Selbstbewusstsein des Menschen. Das Kind kann sich und seine Umwelt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen und hierbei seinen Kompetenzbereich erweitern. Die tiergestützte Pädagogik ermöglicht das eigene Verhalten adäquater einschätzen zu können, denn „Klienten fühlen sich durch Tiere nicht nur akzeptiert, sondern sie erfahren im Umgang mit dem Tier, dass sie für das Tier wichtig und bedeutsam sind.“ (Wohlfarth et al. 2013,www.tiere-begleiten-leben.de). Nathalie Hartmann erläutert bezugnehmen darauf, dass der Hund ein Spiegelbild des Menschen darstellt. (vgl. Hartmann 2010:106ff). Ist der Mensch hektisch und unruhig, überträgt sich dieses Verhalten auf den Hund und auch dieser beginnt Stressanzeichen wie verstärktes Hecheln o.ä. aufzuzeigen. Hinsichtlich dieser Sachlage, können Kind und Pädagoge Situationen besser erkennen und diese reflektieren. Ein Tier besitzt die Fähigkeit, Gefühle und Stimmungen des Kindes mithilfe seiner Sinne zu erspüren, besser als es ein Mensch kann. Demnach handelt der Hund auch unmittelbar darauf, er zeigt sein momentanes Befinden direkt und verstellt sich nicht. Er freut sich, wenn das Kind einen Ball in der Hand hält. Zeigt sich aber auch schreckhaft, wenn das Kind ihn an­schreit. Durch eine solch zeitgleiche Reaktion folgt eine sofortige Rückmeldung des

Hundes und das Kind kann sein Verhalten und dessen Wirkungsweisen bewusster wahrnehmen.

Bezugnehmend auf eine weitere Wirkungsweise ist auch die Erweiterung der Konflikt­fähigkeit zu nennen. Das Kind kann aufgrund seiner Selbstwirksamkeit und der Reflexionsfähigkeit Konflikte anders wahrnehmen und einschätzen, wodurch es mit Hilfe des Pädagogen alternative Handlungsstrategien erlernen kann. Hunde in diesem Bereich können Konflikte entstehen lassen, beispielsweise bei der Frage „Wer darf zuerst den Hund führen?“, hierbei ist von den Kindern eine hohe Konflikt­fähigkeit gefragt, da auch sonst der Hund durch das aufkommende Ärgernis unruhig wird und dieser „Spiegeleffekt“ vom Pädagogen aufgegriffen werden kann.

5. Fazit

Die tiergestützte Pädagogik im Hort bietet viele Fördermöglichkeiten für Kinder. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, kann ein Tier als große Unterstützung für die pädagogischen Fachkräfte dienen. Bindungsaufbau, Gewinnung an Selbstsicherheit, und andere Kompetenzen können hierbei erworben und durch die Arbeitsmappe nachweislich dokumentiert werden. Demnach kann das Tier als unterstützendes Medium, sowohl im pädagogischen Alltag, als auch in der Ferienbetreuung des Hort bei entsprechender Personalisierung eingesetzt werden. Projektarbeit, Gruppen- und Einzeltraining, Workshops zum Umgang mit Hunden oder die einfache Begleitung im Alltag sind hier möglich (vgl. Kirchpfening 2014:109ff).

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Details

Seiten
9
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668364363
ISBN (Buch)
9783668364370
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v346992
Note
Schlagworte
Hort Tierpädagogik Sozialpädagogik

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Titel: Tiergestützte Pädagogik. Interventionsmöglichkeiten im sozialpädagogischen Bereich