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Bildung in Indien. Erfolge der indischen Bildungspolitik

Hausarbeit 2016 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südasien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das theoretische Konzept von „Education for all“
2.1 Das Menschenrecht auf Bildung
2.2 Inhalte und Umsetzung von „Education for all“

3. Bildungssituation in Indien
3. 1 Historische Ursprünge
3.2 Zentrale Inhalte des Bildungssystems
3.2 Strukturelle Besonderheiten
3.3 Das „Ministry of Human Resource Development“
3.4 Untere Kästen und Stammesbevölkerung
3.5 Mädchen
3.6 Alphabetisierung
3.7 Zukünftige Herausforderungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des Zugangs zur Bildung für die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten Indiens. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Bildungspolitik als ein soziales Grundrecht definiert und ist eine wichtige Säule eines Sozialstaates geworden. Darüber hinaus ist die Bildungspolitik zum Bestandsteil der Wirtschaftspolitik avanciert.[1]

Im Bezug zu Indien soll die Ausbildung einer breiteren Bevölkerungsschicht ein Teil des wirtschaftlichen Wachstumsprozesses werden. Das Bildungsniveau Indiens bekommt zunehmend auch für deutsche Wirtschaft größere Bedeutung. Dadurch, dass deutsche Unternehmen stetig in Indien investieren, sind derzeit mehr als 400.000 Inder in deutschen Firmen angestellt.[2]

Es ist bewiesen, dass eine gut ausgebildete Bevölkerung unbedingt erforderlich für einen wirtschaftlichen Wachstumsprozess ist.[3] Zu diesem Thema haben die Vereinten Nationen das Milleniumsziel „Education for all" formuliert welches insgesamt sieben Unterziele enthält. Untersucht werden dabei auch die strukturellen und kulturellen Besonderheiten des Subkontinents und die Reformbestrebungen der indischen Regierung. Anhand von ausgewählten Kennzahlen bewertet diese Arbeit die Entwicklung von drei Unterzielen im Zusammenhang mit den Bildungszielen der indischen Regierung. Das Resultat dieser Arbeit soll aussagen ob in der institutionellen Bildung Indiens diese drei Unterziele bereits erreicht worden sind.

2. Das theoretische Konzept von „Education for all“

Dieses Kapitel beschreibt den Aspekt der Bildung als Menschenrecht und enthält die Strategie der Vereinten Nationen zur Umsetzung der „Bildung für alle“.

2.1 Das Menschenrecht auf Bildung

Die Bildung ist in vielen Ländern nicht allen Menschen zugänglich. Viele Kinder und Jugendliche aus sozial schlechter gestellten Familien weltweit haben keine Chance auf den Schulbesuch und somit auch auf die Selbstverwirklichung. Die Vorstellung, dass jeder Mensch auf der Welt unabhängig von Nationalität, Rasse oder Geschlecht ein Recht auf Bildung hat, ist wegweisend. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch als schwierig. Zentrale Basis für die internationalen Menschenrechte ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR).[4]

Artikel 26 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt:

„Jedermann hat das Recht auf Bildung“(...)“Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein.

„Die Bildung ist unentgeltlich, zumindest der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemeinen verfügbar gemacht werden und der Hochschulunterricht muss allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.“[5]

Die wichtigsten Botschaften in diesem Artikel sind somit: Kein Kind darf benachteiligt werden, die Schulpflicht soll weltweit eingeführt werden und unentgeltlich sein, die Erziehungsberechtigten können den Bildungsweg ihrer Kinder bestimmen.[6] Dieser Artikel galt vor allem in der Zeit des Kalten Krieges als schwer umsetzbar. Das Vorhaben von „Bildung für Alle" stieß auf Finanzierungsprobleme und außerdem stand es im Gegensatz zu den nationalen Bildungsplänen.[7]

Die Vereinten Nationen haben Forderungen an die Staaten gestellt. Die Schulen müssen flächendeckend verfügbar sein und die Lehrkräfte selber ausreichend ausgebildet. Die Schüler müssen im ausreichenden Maß Unterrichtsmaterialien besitzen. Eine Diskriminierung muss ausgeschlossen und unterbunden werden. Jedem Menschen, unabhängig von der sozialen Stellung, muss der Weg zur Bildung sowohl de jura als auch de facto freigemacht werden. Der dabei vermittelte Lerninhalt soll hochwertig sein und mit einem für die Zukunft relevanten Inhalt. Die Schulbücher müssen dabei aktuell sein. Das Lehrmaterial hat die Aufgabe die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen zu fördern. Es soll sich an Bedürfnisse einer sich veränderter Gesellschaft anpassen. Kinder und Jugendliche sollen nicht wegen kulturellen Gegebenheiten im Bildungswesen benachteiligt werden.[8]

Eine Herausforderung dabei ist es den Analphabetismus zu verringern. Rund 875 Millionen Menschen, davon etwa 113 Millionen Kinder können nicht lesen und schreiben. Vor allem Kinder aus der Entwicklungs- und Schwellenländern und Mädchen haben oft keine Chance auf den Schulbesuch.[9] Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2015 siebzehn Ziele für nachhaltiger Entwicklung (SDGs) verabschiedet die unter anderem die Bildung enthalte. Die UNESCO, innerhalb der UN-Organisation für die Bildung zuständig und koordiniert Programme um die Bildung weltweit zu verbessern.[10]

2.2 Inhalte und Umsetzung von „Education for all“

UNESCO hat folgendes Ziel bis 2030 im Rahmen der Milleniumsziele als Bildungsziel ausgerufen: "Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern"

Im Genauen wurden sechs Unterziele formuliert. Unter anderem:

4.1. Bis 2030 allen Mädchen und Jungen den Abschluss einer kostenlosen, chancengerechten und hochwertigen Primär- und Sekundarschulbildung ermöglichen, die zu relevanten und effektiven Lernergebnissen führt

4.5. Bis 2030 Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit auf allen Bildungsstufen beseitigen und allen Menschen gleichberechtigten Zugang zu allen Bildungsstufen sichern, einschließlich Menschen mit Behinderung, indigenen Völkern und benachteiligten Kindern

4.6. Bis 2030 den Erwerb ausreichender Lese-, Schreib- und

Rechenfähigkeiten für alle Jugendlichen und für einen erheblichen Anteil der Erwachsenen sicherstellen[11]

Die Ergebnisse des „Education for all“-Programm wird jährlich von der UNESCO im Weltbildungsbericht veröffentlicht. Das „Bildung für alle“- Programm wurde 1990 auf einer gemeinsamen Konferenz von UNICEF, UNESCO und der Weltbank ins Leben gerufen um globale eine Grundbildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu schaffen. Im Fokus steht dabei die Bekämpfung des weltweiten Analphabetismus. Die EFA-Ziele wurden von 189 Staaten verifiziert. Diese Ziele sind ein Aspekt der acht Millennium Development Goals (MDGs) für eine globale nachhaltige Entwicklung. Die Vereinten Nationen fokussieren sich bei der Umsetzung des „Education for all“-Programms vor allem auf die Länder, die sich am weitesten von den EFA-Zielen befinden. UNESCO versucht in den Fällen mehr Investitionen im Bildungswesen des jeweiligen Landes zu erreichen um im speziellen die frühkindliche Bildung und die Alphabetisierung zu fördern. Die Qualität der Lehre soll durch eine bessere Ausbildung der Lehrer erreicht werden.[12]

Die EFA-Initiativen sind im Kontext vor allem Indien relevant. Denn für das Wirtschaftswachstum zu erreichen ist es wichtig das Humankapital zu fördern. Dabei sollen auch die benachteiligten Schichten der Gesellschaft ein Teil des Wachstumsprozesses werden. Somit müssen Bevölkerungsschichten ausgebildet werden, die in der Vergangenheit nicht in den Genuss von Bildung gekommen sind. Indien braucht für seine Entwicklung eine gut ausgebildete und junge Bevölkerung. Dies ist ein Teil der „demografischen Dividende" die Indiens Potential ausmacht.[13]

Der Aspekt der Chancengerechtigkeit ist ein zentrales Charakteristikum jedes Bildungssystems. Auch für eine sich rasant entwickelnde Volkswirtschaft wie Indien ist die Bildung ein wichtiger Faktor, der Bedarf an Humankapital wird sich in dem Wirtschaftswachstum weiter steigen. Somit ist die Bildungspolitik aufgefordert, allen begabten Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen zur Bildung einzuräumen.[14]

3. Bildungssituation in Indien

Dieses Kapitel beschreibt die Bildungssituation Indiens und analysiert anhand von Kennzahlen die Entwicklungen in den EFA-Zielen 4.1,4.5 und 4.6.

3. 1 Historische Ursprünge

Die Bildung in Indien ist stark von den Religionen des Landes geprägt. Die größte Religionsgemeinschaft ist die der Hindus. Daher steht ihr Einfluss an erster Stelle. Die ersten Schulen des Landes wurden in den Hindu­Tempeln 1000 Jahre v. Chr. eingeführt. Die anderen Religionen im Land wie Buddhismus und Islam gründeten mit der Verbreitung in Indien auch jeweils ihre eigenen Bildungseinrichtungen.[15]

Einige zentrale Aspekte der heutigen Bildungspraxis in Indien sind auf die Wertevorstellungen aus der vedischen Zeit (6. Und 5. Jahrhundert v. Chr.) angelehnt. Deren Lernmethode bestand aus dem Auswendiglernen und nicht in einer kritischen Diskussion. Unterrichtsinhalte bestanden in erster Linie aus den religiösen Texten die von den Schülern nachgesprochen wurden. Bildung wurde über die Jahrhunderte vor allem mündlich an die männlichen Mitglieder der höheren Kasten der Brahmanen (Priesterkasten) und Kshatriyas wiedergegeben. Ausgeschlossen waren Mädchen sowie die unteren Kasten (Vaishyas und Shudras) und die „unberührbaren" (Dalits/scheduled casts).[16]

Weiter von Bedeutung sind die Bildungseinrichtungen der Religion des Christentums. Die von Christlichen Missionen entwickelten „Convent Schools“ waren der Ursprung für die Elite des Landes.[17] Prägend für das heutige Bildungssystem waren die Schulen der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Für die Kolonialregierung war das Ziel die Koloniale Verwaltung durch die Bildung zu initialisieren.[18] Die Einflüsse der unterschiedlichen Religionen Hinduismus, des Buddhismus und des Islams sind sehr stark. Die jeweiligen Religionen sind heute noch in der Unterrichtsinhalten und Bildungspraxis präsent.[19]

3.2 Zentrale Inhalte des Bildungssystems

In den 1990er Jahren begann ein Trend mit der Verbreitung der privaten, internationalen Schulen. Oft werden diese Schulen von Unternehmen oder Politikern. Diese Internationale Schulen dienen zur der Elitebildung Indiens.[20]

Im Indischen Bildungssystem sind im Wesentlichen die Bundesstaaten für die primäre und sekundäre Bildung verantwortlich. Die tertiäre Bildung, vor allem die Universitäten, werden sowohl von den Bundesstaaten als auch vom Bund organisiert.[21]

Auf dem Subkontinent werden die Bildungsstufen wie folgt klassifiziert: Die Grundschule umfasst je nach Bundesstaat sieben oder acht Jahre. Die Sekundarstufe besteht aus zwei Teilen. Aus einer zwei bis drei Jährigen High School und einer zweijährigen Senior Secondary School mit der man, mit dem Abschluss, die Hochschulzulassung erwirbt.[22]

Laut der Universitätskommision Indiens (UCG) gibt es insgesamt 727 Universitäten im Land. Davon sind 505 staatlich organisiert und 222 privat. Die Indian Institutes of Technology (IIT) ist die Universität mit der höchsten Reputation im Land und befindet sich dabei weltweit ihr Netzwerk zu erweitern. Im Jahr 2015 gab es in Indien 26,5 Millionen eingeschriebene Studenten. Von einem starken Zuwachs in den nächsten Jahren ist in den nächsten Jahren zu rechnen. So gehen Experten davon aus, dass bereits im Jahr 2020, 40 Millionen Studenten eingeschrieben oder immatrikuliert sind.[23]

Abb. 1: Bildungsverlauf in Indien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Krisanthan, Balasundaram (2013): Vorberufliche Bildung in Indien. Eine Analyse ihrer curricularen Ausgestaltung, Wiesbaden. S.22

Das in der Verfassung verankerte Ziel der "Erziehung für alle" hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Nach der offiziellen Statistik Indiens von 2011 wird der Prozentsatz der Lese- und Schreibkundigen mit 78% der Gesamtbevölkerung angegeben (86% davon sind männlich und 68% weiblich). Die Qualität der Bildungseinrichtungen - von Grundschulen bis Universitäten, weist enorme Unterschiede auf. Die Zahl der privat geführten Institutionen (im Schul- sowie im Hochschulbereich) ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Allerdings ist der Besuch dieser Einrichtungen oft mit hohen Kosten verbunden. Hauptgründe für die überwiegend geringe Qualität der staatlichen Schulen (Grund- und Sekundarstufe) sind das Fehlen einer fundierten und modernen Lehrerausbildung und die oft schwache finanzielle, personelle und materielle Ausstattung der Schulen.[24]

3.2 Strukturelle Besonderheiten

Außer den staatlichen Strukturen existiert in Indien eine private Bildungsstruktur. Diese Privatschulen werden nicht von Staat reguliert. Dadurch, dass in Indien die Bevölkerung mit den staatlichen Bildungsinstitutionen unzufrieden ist, werden die Privatschulen mittlerweile auch von der weniger privilegierten Bevölkerung nachgefragt, die dadurch massiven finanziellen Probleme auf sich nehmen. Der Wunsch den eigenen Kindern eine privilegierte Schulbildung zu ermöglichen, hat für die betroffenen Familien langjährige Verschuldung zur Folge.[25]

Indien erhofft sich daraus, dass die Kinder später im Berufsleben in einer globalisierten Welt zurechtfinden können und in der Privatschule besser Englisch lernen. Das National Council of Educational Research and Training (NCERT) dient als eine Institution des Bundes, hat die Aufgabe die Zentralregierung in Neu-Dehli in Ausbildungsfragen zu unterstützen. Der NCERT ist die Hauptinstitution der Regierung für den Bereich Bildung. Er gibt die Bildungsinhalte als verpflichtende Vorgaben an. Dieser Rat erstellt den Rahmenverlauf für alle allgemeinbildenden Schulen.[26]

Das nationale Bildungsprogramm Sarva Shiksa Abhiyan (SSA) „Bildung für Alle" womit der Bund die Kontrolle über den Aufbau des öffentlichen Schulsystems übernahm. Mit den daraus gehenden Maßnahmen sollten die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesstaaten, der ländlichen und der städtischen Bevölkerung und Geschlechtern gesenkt werden.[27]

Seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947, enthält die Indische Verfassung zwei Artikel die jedes Kind ein Recht auf Ausbildung gewährt.

Der Gesetzestext in dem Artikel 21A der Indischen Verfassung lautet: „The State shall provide free and compulsory education to all children of the age of six to fourteen years in such manner as the State may, by law, determine“[28]

Die Bundesstaaten, als Verantwortliche für die primäre und sekundäre Bildung, wurden vom Bund aufgefordert eine verpflichtende und kostenfreie Schulausbildund für alle Kinder und Jugendliche zur Verfügung zu stellen. Die beiden Artikel sind jedoch kein Gesetz welches vor Gericht eingeklagt werden kann und somit ist der Schulbesuch in Indien nicht verpflichtend.[29]

Erst mit der Verabschiedung von des „Right of Children to Free and Compulsory Education Act" (RTE Act) im Jahr 2009. Dieses Gesetz verpflichtet erstmals die Bundesstaaten dazu eine umfassende allgemeine Schulpflicht, die mit der Ausnahme von Jammu und Kashmir, für alle Bundesstaaten gilt. Es beinhaltet eine kostenlose, verpflichtende Schulbildung für alle sechs bis 14-Jährigen und somit wird zum ersten Mal die Artikel zur Bildung in der Verfassung operativ umgesetzt. Das Right to Education (RTE) wurde im Jahr 2010 vom Parlament verabschiedet. Das Gesetz besteht aus folgenden Komponenten: Der Staat bietet kostenlose Schulbild für alle an, sowie ausgebildete Lehrer und Bildungsinfrastruktur Dadurch das Indien ein sehr vielfältiger Staat ist, soll RTE auch die Diskriminierung wie z.B. die geschlechtsspezifische Diskriminierung abbauen. Von diesem Gesetz sollen alle benachteiligten Gruppen wie Frauen, nationale Minderheiten und weniger privilegierter Bevölkerung profitieren. Die Qualität der Lehre soll zunehmen und der Unterrichtsinhalt soll relevant für sich wandelnden Bedürfnisse der Indischen Bevölkerung sein. Der damalige Premierminister Manmohan Singh unterstrich bei dem Erlass des Gesetzes dessen Bedeutung für große Teile der indischen Bevölkerung[30]

The Fundamental Right to Education, as incorporated in our Constitution under Article 21 A, has also become operative from today. [...] The needs of every disadvantaged section of oursociety, particularly girls, dalits, adivasis and minorities must be of particular focus as we implement this Act.[31]

3.3 Das „Ministry of Human Resource Development“

Die Gründung des Ministry of Human Resource Development (MHRD) 1895 war ein Meilenstein in der indischen Erziehung- und Bildungspolitik. Es beruht auf der Instutionalisierung der Idee in die Menschlichen Resourcen des Landes zu investieren und eine Entwicklung einzuleiten die über das wirtschaftliche Wachstum hinausläuft. Mit der Gründung des MHRD begann auch eine nationale Debatte über Unterricht und Erziehung. Das Ministerium erstellt Berichte über die Entwicklungen im Bildungssystem und formuliert die Entwicklungsziele in den Fünfjahresplänen. Diese Pläne wurden wegen der Planwirtschaftlichen Ideologie der Kongresspartei seit der indischen Unabhängigkeit erstellt. Markant dabei ist, dass die Kongresspartei keine konkrete Planung zugunsten der unterprivilegierten Bevölkerungsschichten betrieben hat. Erst mit der Gründung des MHRD wurde im sechsten Fünfjahresplan (1980-1985) die Universalisierung der Elemantarschulbildung zum Hauptziel erklärt.[32] Heute steht die Inklusion der gesellschaftlich Benachteiligten in das staatliche Bildungssystem. Dabei gilt zu beachten, dass diese Gruppen besonders gefördert werden müssen. Die schulischen Institutionen sollen außerdem durch Maßnahmen verbessert werden um einen qualitativ guten Unterricht für alle Bevölkerungsschichten bieten zu können.[33]

In den vom Ministry of Human Resource Development veröffentlichten Bericht „Education for All-Towards Quality with Equity“ aus dem Jahr 2014 sind mit den zwölften Fünfjahresplan die Ziele Bildungsziele bis 2017 vorgegeben. Der RTE-Act soll dabei operativ umgesetzt werden, so dass mehr Kinder (6-14 Jahren) von der Schulpflicht betroffen werden und qualitativ guten Unterricht besuchen können. Die Anzahl der Kinder die nie eine Schule besucht haben soll bis 2017 auf unter 2% sinken. Diese Entwicklung soll in allen Bevölkerungsgruppen und Regionen des Landes stattfinden. Die Abbrecherquoten in den Grundschulen und den höheren Grundschulen sollen bis zum Jahr 2017 auf 10% gesenkt werden. Im Bereich Alphabetisierung hat das MHRD sich 2 Ziele gesetzt. Zum einen soll die Gesamtalphabetisierung mehr als 80% der Bevölkerung einschließen, zum anderen soll die Alphabetisierung der Frauen schneller wachsen als die der Männer. Die Zielvorgabe dabei ist, dass 2017 die Frauen Indiens nur 10% weniger alphabetisiert sind als die Männer.[34]

3.4 Untere Kästen und Stammesbevölkerung

Die unteren Kästen und die Stammesbevölkerung machen 50% der indischen Gesamtbevölkerung aus.[35]

Untere Kästen und das Stammesvolk gelten im indischen Bildungssystem schon seit Jahrtausenden als benachteiligt. Als Maßnahme beschloss die indische Regierung eine Reservationspolitik. Somit werden 15% der Plätze der vom Bund geförderten Bildungseinrichtung für die Angehörigen der unteren Kästen freigehalten. Für das Stammesvolk die außerhalb des Kastensystems stehen, werden 7,5% aller Plätze freigehalten.

[...]


[1] Vgl. Betz, Joachim: (2007), Gesellschaftliche Strukturen, Bonn.

[2] Vgl. Handelsblatt: (2011), Wie deutsche Firmen in Indien wachsen.

[3] Vgl. Ministry of Human Resource Development: (2014), Education for All - Towards Quality with Equity New Dehli, S.12.

[4] Vgl. Lohrenscheit, Claudia (2013): Das Menschenrecht auf Bildung, Bonn.

[5] United Nations (1948): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, New York.

[6] Vgl. Lohrenscheit: (2013).

[7] Vgl. Mihr, Anja: (2008): Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsbildung, Bonn.

[8] Vgl. Lohrenscheit: (2013).

[9] Vgl. Schnurer, Jos: (2006):, Grundbildung für alle Menschen in: Dabisch (Hrsg.): Das Menschenrecht auf Bildung für alle. Partizipatorische Ansätze nach Paulo Freire, Freire Jahrbuch 6, Oldenburg, S. 23-28.

[10] Vgl. Lohrenscheit: (2013).

[11] Unesco: (2015), Bildung für alle.

[12] Vgl. Unesco: (2015).

[13] Vgl. Ministry of Human Resource Development: (2014), S.12.

[14] Vgl. Lang-Wojtasik, Gregor: (2013), Das Bildungswesen in Indien in: Christel [Hrsg.]: Bildungsentwicklungen und Schulsysteme in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik, Münster S. 216

[15] Vgl. Krisanthan, Balasumdaran: (2013), Vorberufliche Bildung in Indien. Eine Analyse ihrer curricularen Ausgestaltung, Wiesbaden. S.19-20.

[16] Vgl. dsb.:(2013), S.19-20

[17] Vgl. Hillger, Doris: (2014), Expansion, Qualität, Gerechtigkeit, Bonn.

[18] Vgl. Lang-Wojtasik, Gregor: (2013), Das Bildungswesen in Indien, Münter S. 216.

[19] Vgl. Krisanthan: (2013), S.19.

[20] Vgl. Hillger: (2014).

[21] Vgl. Brosch,Elena/van Hauff, Michael: Bildung und Forschung. Eine noch nicht ganz bewältigte Harausforderung in: van Hauff, Michael (Hrsg.): Indien. Herausforderungen und Perspektiven, Marburg 2009. S. 162.

[22] Vgl. dsb.: (2009), S. 162.

[23] Vgl. Auswärtiges Amt: (2016), Länderinformationen Indien.

[24] Vgl. Auswärtiges Amt: (2016), Länderinformationen Indien.

[25] Vgl. Lang-Wojtasik: (2013), S. 218.

[26] Vgl. dsb.: (2013), S. 218.

[27] Vgl. Hillger: (2014).

[28] Vgl. Krisanthan: (2013), S. 25.

[29] Vgl. Brosch/van Hauff: (2009), S.162.

[30] Vgl. Krisanthan; (2013), S. 26-27.

[31] Krisanthan: (2013), S. 27.

[32] Vgl. Kock, Renate: (2016), Education for all, Baltmannsweiler. S.58-59.

[33] Vgl. dsb.:(2016), S.132.

[34] Vgl. United Nations: (1948), S.8.

[35] Vgl. Kock: (2016), S.54.

Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668365520
ISBN (Buch)
9783668365537
Dateigröße
986 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v347020
Note
Schlagworte
bildung indien erfolge bildungspolitik

Autor

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Titel: Bildung in Indien. Erfolge der indischen Bildungspolitik