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Geschichte in Film und Fernsehen

Hausarbeit 2000 17 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Das Thema
1.2. Film und Fernsehen in der Geschichtsdidaktik

2. Quelle und Medium, ein Problemaufriß
2.1 Film und Fernsehen als historische Quelle
2.2 Film und Fernsehen als Vermittler von Geschichte

3. Die verschiedenen Arten von audiovisueller Geschichtsdarstellung
3.1 Das Filmdokument
3.2. Die historische Quellenkompilation
3.3. Die Dokumentarsendung, die Dokumentarreihe
3.4. Das Dokumentarspiel
3.5. Der Spielfilm

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Das Thema

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Thematik Geschichte in Film und Fernsehen geben.

Jeden Tag bekommen wir einen Großteil unserer Informationen aus dem Fernsehen. Dieses Medium ist für uns neben Zeitungen und Literatur zu einer wichtigen Wissensvermittlungsinstanz geworden. Dies gilt auch für die Vermittlung von historischem Wissen. Beinahe täglich flimmern Dokumentarfilme, Dokumentarspiele, historische Spielfilme und andere Sendungen mit Bezug zur Geschichte über unsere Bildschirme. Dazu gehören historische sogenannte Sandalenfilme wie z. B. Spartacus genauso wie andere Sendungen, wie z. B. Holocaust, Rote Erde, Hitlers Krieger, die regelmäßig hohe Einschaltquoten erzielen. Das Medium Fernsehen hält verschiedene Spielarten von Sendungen mit geschichtlichem Inhalt für uns bereit.

Geschichtswissen aus dem Fernseher ist für uns bequemer zu bekommen als aus Fachbüchern, können hier doch Unterhaltungs- und Lerneffekt miteinander verknüpft werden. Nur zu gerne sind wir bereit, das für uns mehr oder weniger aufbereitete und oftmals in eine unterhaltsame Handlung verpackte Wissen (oder Nichtwissen) kritiklos zu konsumieren. Mit (oder anstatt) dem vermeintlichen Wissen werden nämlich auch Stereotypen, Klischees, Vorurteile und sogar grobe Verfälschungen vermittelt. Fernsehen und Film sind daher als Medien der Geschichtsdarstellung nicht unumstritten. Die Qualität der Sendungen, hinsichtlich wissenschaftlicher Fundiertheit und Präsentationsstil, variiert in einem starken Maße.

So ist z. B. von einem Preußenfilm aus der Zeit des Nationalsozialismus eine rein objektive Darstellung der Geschichte nicht zu erwarten. Vielmehr ist in diesem Fall eine bewußte Verzerrung der Geschichte nicht auszuschließen, wird dabei doch offensichtlich ein gewisser Propagandazweck verfolgt. Damit bieten Film und Fernsehen auch die Möglichkeit der Manipulation von Meinungen bzw. in diesem Fall von Geschichtsbildern.

Film und Fernsehen stellen nicht nur Geschichte dar, sondern werden auch selbst als Quelle angesehen. Dies gilt besonders für Nachrichtensendungen wie z. B. die Wochenschau oder Sendungen die Ausschnitte aus Wochenschauen o. ä. verwenden.

Damit ergibt sich für diese Arbeit eine inhaltliche Zweidimensionalität. Die eine ist Film und Fernsehen als historische Quelle, die andere Film und Fernsehen als Vermittler von historischem Wissen, gleichsam als erweiterte bzw. audiovisuelle ,,oral history". Dem Medium Film kommen somit zwei Aufgaben zu.

,,Er ist Quelle und Material historischer Information und Erkenntnis, und er ist ein besonders attraktives und wirksames Medium der Geschichtsdarstellung."1

Diese Aspekte werden, nachdem ich einige Ausführungen zum Forschungsstand gemacht habe, im Abschnitt dieser Arbeit eingehend beleuchtet und die ihnen zugrunde liegenden Probleme erörtert. Im zweiten Abschnitt werden dann die gängigsten Arten von Filmen und Sendungen mit historischem Bezug vorgestellt. Am Ende der Arbeit wird ein entsprechendes Fazit gezogen.

1.2. Film und Fernsehen in der Geschichtsdidaktik

Film und Fernsehen sind in der geschichtsdidaktischen Forschung und Diskussion durchaus ein Thema. Dennoch ist dieser Bereich noch nicht eingehend genug untersucht worden Es sind zwar schon wesentliche Aspekte diskutiert und viele filmische Werke analysiert und rezensiert worden, aber über die Wirkungsweisen historischer Sendungen auf die Fernsehzuschauer gibt es noch keine breit angelegten empirische Studien, die fundierte Ergebnisse hervorgebracht haben.2

Verbreitet ist der Einsatz von Filmmedien im Unterricht. Er gehört schon zur allgemein üblichen Ergänzung des Geschichtsunterrichts. Dementsprechend gibt es zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Film im Geschichtsunterricht. Dabei wurden Lernerfolge bei Schülern mit Hilfe von Film und Fernsehen festgestellt.3

Eine neue Komponente, die neben audiovisuellen auch interaktive Elemente beinhaltet sind die sogenannten neuen Medien, PC-Spiele, Lernsoftware, CD-Roms usw.. Hier gibt es bereits schon Geschichtsdidaktiker, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Eine weitere und intensivere Erforschung der audiovisuellen und interaktiven Medien mit historischem Bezug ist wünschenswert, wenn die Geschichtsdidaktik für die Informationsgesellschaft gerüstet sein will.

2. Quelle und Medium, ein Problemaufriß

2.1 Film und Fernsehen als historische Quelle

Schon in den frühen Jahren des Films, als noch von Kinematographie die Rede war, wurde das Medium als historische Quelle erkannt. Dies manifestiert sich in einer Veröffentlichung des Polen Boleslaw Matuszewski im Jahre 1898 mit dem Titel: ,,Une nouvelle source de l'histoire".4 Er sah im Film das genaue Abbild des Geschehnisses, welches er darstellte. Diese Abbildungstreue macht es nach Ansicht Matuszewski möglich Geschichte gleichsam einzufangen und für die Nachwelt zu konservieren. Dieses Verständnis hängt wohl mit der damaligen Neuheit des Mediums und einer damit verbundenen Euphorie für selbiges zusammen. Auch die Mobilität der Ausrüstung spielt für ihn eine wesentliche Rolle, kann so doch das Medium zum historischen Ereignis gebracht werden. Geschichtliche Ereignisse können somit dokumentiert werden.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß der Begriff Filmdokument schon Authentizität suggeriert. So bildet die Kamera im technischen Sinne auf Zelluloid zwar genau das ab, was sich vor ihrer Linse abspielt. Dennoch ist dies noch lange nicht eine genaue Abbildung eines Ereignisses, das auch ohne Kamera so stattgefunden hätte.

,,Denn Abbilder allein sind die Film- und Fernsehbilder nie, auch wenn sie sich explizit authentisch oder dokumentarisch geben. In jedem von ihnen stecken Momente der Gestaltung, der Auswahl und des Zurechtmachens des abgelichteten Wirklichkeitsausschnites"5

Allein das bloße Wissen um die Existenz der Kamera beeinflußt das Handeln der vor ihr Agierenden und somit die Objektivität des Films. Eine Objektivität im engeren Sinne können demzufolge nur Aufnahmen gewährleisten, die mit der sogenannten versteckten Kamera gedreht werden.

Weiterhin muß hierbei zusätzlich berücksichtigt werden, daß allein die Auswahl von Geschehnis, Perspektive, Bildformat und dergleichen auch eine Wirkung auf den Zuschauer hat. Eine Person beispielsweise, die aus einer bestimmten Perspektive gefilmt wird, erzielt eine ebenso bestimmte Wirkung. Wird sie z. B. von unten gefilmt, so wirkt sie groß und bedrohlich.

Dies hat eine Auswirkung auf die Emotion des Zuschauers. Bezieht man diese Möglichkeiten der filmischen Gestaltung in die Überlegungen zur Objektivität ein, so muß der Kreis noch einmal enger gezogen werden. Am Ende sind dann nur noch die Zufallsaufnahmen frei von subjektiven Intentionen und damit frei von inszenatorischen Elementen. Nur dann kann das von der Kamera eingefangene Geschehnis als objektiv abgebildetes und von der Filmaufnahme unbeeinflußtes Ereignis gelten.

Da es solche Aufnahmen so gut wie gar nicht gibt wäre unter solch strengen Kriterien jegliche filmische Aufnahme als Quelle wertlos.

Der Wert einer Quelle richtet sich nach der Fragestellung unter der sie begutachtet wird. Dies kann bei Filmen eine ganze Bandbreite sein. Dafür spricht allein schon die Menge von Filmanalysen die in der Zeit von 1945 bis heute gemacht wurde.

So geben z B. Filme aus dem Dritten Reich der historischen Forschung Aufschluß über Propagandamethoden, Manipulationstechniken, politische Einstellungen der Produzenten bzw. Auftraggeber, Gesellschaftsbilder, Geschichtsbilder Mentalitäten usw.. Es war Siegfried Kracauer von der Universität Princeton, der 1947 in seiner Studie From Cagligari to Hitler. A psychological History of the German Film mit der Frage nach Mentalitäten überzeugend operierte.

,,Die Filme einer Nation reflektieren ihre Mentalität unvermittelter als andere künstlerische Medien,.."6

Die Möglichkeiten der Fragestellungen sind sehr umfangreich. Dennoch darf bei all diesen Möglichkeiten der Objektivitätsgehalt bzw. Authentizitätsgehalt der Sendung nicht unberücksichtigt bleiben.

Die verschiedenen Gattungen von historischen Film- und Fernsehproduktion lassen sich in nach Faktualität bzw. Objektivität graduell einstufen. Generell gilt: Je mehr inszenatorische und fiktive Elemente einfließen, um so mehr weicht der Authentizitätsgehalt zurück.7 So steht die oben erwähnte Zufallsaufnahme am Anfang mit einem Faktizitätsgrad von 100% und am Ende der rein fiktive historische Spielfilm bzw. Trickfilm.8

Aber auch dieser verrät uns noch gewisse Dinge. So ist er z.B. aussagekräftig über das Geschichtsbild, daß Produzent, Auftraggeber und Regisseur des Filmes über eine bestimmte Epoche, ein Ereignis (sofern das im Film Dargestellte nicht völlig frei erfunden ist) über die Lebensumstände der im Film dargestellten Figuren haben. Er gibt Aufschluß über gesellschaftliche Werte, Normen und Geschichtsbilder der Zeit und Gesellschaft in denen er produziert wurde. Er kann Quelle zur Ideologie oder zur Kulturpolitik sein.9

Auch die zwischen der Zufallsaufnahme und dem Spielfilm in der Authentizitätsskala verorteten Produktionen sind natürlich als Quelle nicht wertlos. Zum einen sind sie ebenso Quelle von Geschichtsbildern, Werten und Normen der Produzenten und Auftraggeber bzw. der zeitgenössischen Gesellschaft.

Zum anderen sind sie als bewußt historische bzw. dokumentarisch ausgerichtete Sendung mit Quellenmaterial, wie z. B. Zeitzeugeninterviews, ergänzt bzw. stellen sie, wie im Dokumentarfilm, historische Ereignisse (z. T. an Originalschauplätzen) nach. Auch hier bedarf es einer kritischen Betrachtung von Auswahl des Quellenmaterials bis zum Präsentationsstil der Sendung. Die Zusammenstellung von dokumentarischem Quellenmaterial kann nämlich in manipulativer Absicht erfolgt sein.

2.2 Film und Fernsehen als Vermittler von Geschichte

Geschichte ist in der menschlichen Lebenswelt allgegenwärtig. Jeder Mensch hat einen Bezug zur Geschichte.

Geschichte hat für den Menschen drei wichtige Funktionen:

1. Entlastungsfunktion 10

Die Beschäftigung mit Geschichte bedeutet hierbei eine Flucht aus dem grauen Alltag. Sie wird gleichsam zum Hobby. Entspannung und Unterhaltung durch Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die als positiv gesehen wird, sind das primäre Ziel. Ein Lerneffekt tritt dabei gewissermaßen als Nebenwirkung auf.

2. Prestigefunktion

Die Geschichte dient dabei gewissermaßen als Attributenfundus aus dem sich der Einzelne bedient um seine Persönlichkeit hervorzuheben.

3. Stabilisierungsfunktion

Die Menschen wollen sich stets ihrer historischen Wurzeln besinnen. Es ist wichtig zur Stärkung des Bewußtseins aus der Geschichte politische, religiöse, nationale, regionale sogar lokale Identität zu schöpfen. Der Begriff Tradition ist dabei eng mit der Suche nach einer geschichtlich belegten Identität verbunden. Gerade in den Jahren der Herausbildung der Persönlichkeit kann Geschichte einen entscheidenen Beitrag leisten. ,,Neben den Fragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Steht die andere; Wozu gehöre ich?"11 Weiterhin dient Geschichte auch zur Rechtfertigung eigener politischer Ansichten und politischen Handelns, die ebenso Teil der Identität sind.12 Hier ist besonders die Geschichte als Teil der politischen Bildung gefordert, die den Menschen unserer Gesellschaft demokratische Grundwerte vermitteln soll.

[...]


1 Rohlfes, Joachim, Geschichte und ihre Didaktik, Göttingen 1997, S. 338.

2 Vgl. Kampen van, Wilhelm, Geschichte im Unterricht, Film, in: Bergmann, Klaus u. a. (Hrsg.), Handbuch der Geschichtsdidaktik, Bd. 2, Düsseldorf 1979, S. 81.

3 Vgl. Ebenda, S. 79.

4 Vgl. Aurich, Rolf, Wirklichkeit ist überall, Zum historischen Quellenwert von Spiel- und Dokumentarfilmen, in: Wilharm, Irmgard (Hrsg.), Geschichte in Bildern: von der Miniatur bis zum Film als historische Quelle, Pfaffenweiler 1995, S. 112 ff..

5 Kübler, H.-D. u. H, Geschichte als Film - Film als Geschichte, in: Praxis Geschichte, Jg.5, 6 /1992, S. 7.

6 Zitiert nach Aurich, S. 113.

7 Vgl. Rohlfes, S. 339.

8 Vgl. Fledelius, Karsten, Der Platz des Spielfilms im Gesamtsystem der audiovisuellen Geschichtsquellen - und die Frage seiner Verwendbarkeit in historischer Forschung und im Unterricht, in: Kampen, Wilhelm van, Kirchhoff, Hans Georg (Hrsg.), Geschichte in der Öffentlichkeit, Stuttgart 1979, 296.

9 Vgl. Ebenda, S. 299.

10 Vgl. Kuss, Horst, Geschichte in der Freizeit. Zwischen Freude am Fremden und Suche nach Identität, in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 44 (1993), S. 630.

11 Becher, Ursula A. J., Identität durch Geschichte? , in: Becher, Ursula A. J., Bergmann, Klaus (Hrsg.), Geschichte - Nutzen oder Nachteil für das Leben, Düsseldorf 1986, S. 55.

12 Vgl. Kuhn, Annette, Einführung in die Didaktik der Geschichte, München 1974, S. 36.

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638121408
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3479
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Didaktik der Geschichte
Note
gut
Schlagworte
Geschichte Film Fernsehen Geschichtsdidaktik Magisterstudiengänge

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Titel: Geschichte in Film und Fernsehen