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Ein Vergleich der Weltausstellungen 1889 und 1900 in Paris

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 19 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundzüge der Weltausstellungen 1889 und 1900
1.1. Die Weltausstellung 1889
1.2. Die Weltausstellung 1900

2. Die Weltausstellungen 1889 und 1900 im Vergleich
2.1. Unterschiede der Ausstellungen von 1889 und 1900

3. Politische Zusammenhänge
3.1. Deutschlands Teilnahmeboykott 1878 und 1900
3.2. Darstellung des Kolonialismus auf den Weltausstellungen

4. Probleme der Weltausstellungen
4.1. Industrielle Schwierigkeiten bei der Ausrichtung
4.2. Finanzielle Aspekte der Ausstellungen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert lösten die schon lange in Europa abgehaltenen Gewerbeausstellungen ab. Frankreich hatte durch die Weltausstellungen 1855, 1867, 1878 bereits eine große Erfahrung in der Ausrichtung dieser Ausstellungen. Dennoch ist es interessant die beiden Ausstellungen von 1889 und 1900 zu vergleichen, da sie aus unterschiedlichen Gründen große Erfolge waren.

Dazu werden im ersten Teil der Arbeit Grundzüge und Unterschiede von 1889 und 1900 dargestellt. Mit dem historisch wichtigen Datum 1889 (dem hundertjährigen Jubiläum der Französischen Revolution) und der letzten Ausstellung des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind den beiden Ausstellungen auch gleichzeitig zwei schwierige Themen zur Umsetzung gegeben worden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird dann auf politische Zusammenhänge und Probleme der Weltausstellungen eingegangen.

Als Sekundärliteratur zu dieser Arbeit wird das Buch „Die Geschichte der Weltausstellungen“ von Winfried Kretschmer den Stellenwert der Weltausstellungen hervorheben und einen Einblick über ihre Inhalte geben.[1] Weiterhin wird durch Martin Wörners „Vergnügung und Belehrung“ Kapitel 3. der Arbeit unterstützt.[2] Für Kapitel 2. der Arbeit hat ein Beitrag von Wolf Schön in Uwe Schultz „Das Fest“ zur Kritik verholfen.[3] Außerdem wurden die Bücher von Evelyn Kroker, „Die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert“[4] und Thomas Kuchenbuchs „Die Welt um 1900“[5] zur Unterstützung der Arbeit herangezogen. Im Kapitel 3.2. wird neben genannter Literatur auch Eckhardt Fuchs „Weltausstellungen im 19. Jahrhundert“ zitiert.[6] Im letzten Kapitel der Arbeit wird ein kurzer Überblick über Gewinne und Verluste der Ausstellungen von Paris gegeben, deren Zahlen ebenfalls aus Winfried Kretschmers Buch stammen.

1. Grundzüge der Weltausstellungen 1889 und 1900

1.1. Die Weltausstellung 1889

Mit der Weltausstellung 1889 stand für Paris ein schwieriges und bedeutendes Jahr in der Ausrichtung einer Ausstellung an. Es galt das Jubiläum der französischen Revolution von 1789 gebührend zu feiern und gleichzeitig das Hauptaugenmerk auf die Ausstellung zu richten, um die europäischen Herrscherhäuser nicht mit der Erinnerung an 1789 zu brüskieren.[7]

Man entschied sich dazu an der traditionellen Verfahrensweise der drei vorangegangenen Ausstellungen festzuhalten und in dieser Weise die Weltausstellung vorzubereiten. Im Verlauf der Ausstellung stellte man aber fest, dass es einen Unterschied gab zwischen dem „offiziellen“ und „inoffiziellen“ Denken über den Bezug zum Jubiläum von 1789.

Offiziell wurde alles was an dieses Jubiläum erinnerte von der Weltausstellung getrennt, aber inoffiziell gab es viele Anknüpfungspunkte. So wurde die Historie der Erstürmung auf die Bastille nachgespielt und mit Nachbauten inszeniert.[8]

Der Zweck für diese Handhabung war nationales Bewusstsein und Frankreichs historische Vorreiterrolle zu demonstrieren.[9]

Neben innovativer Technik und neuen Maschinen trat dieses Mal die Architektur in den Vordergrund. Insbesondere der neu erbaute Eiffelturm war die Hauptattraktion und übertraf aus architektonischer Sicht alles was man bisher gesehen hatte.

Die Idee zur Erbauung eines Turms dieser Art war nicht neu. Bereits in den 30´er Jahren war sie erstmals von Richard Trevitchick formuliert und zur ersten Weltausstellung in London von einem anderem Ingenieur wieder neu aufgelegt worden. Für die Weltausstellung 1876 in Philadelphia lag bereits ein vollständiges Konzept für den Bau eines 1.000 Fuß hohen Turm vor, dass allerdings nicht verwirklicht wurde.[10]

Zur Durchsetzung des Projekts gelangten nur Planungen des Ingenieursbüro von Gustave Eiffel, die bereits 1884 vorlagen, aber erst später von Eiffel ausgenutzt wurden. Dem entgegen stand, dass es eigentlich keinen Nutzen für diesen Turm gab, aber Eiffel letztlich davon überzeugt war ein einmaliges Monument zu schaffen. Zwei Jahre vor der Weltausstellung begannen die Bauarbeiten zu dem 1.000 Fuß hohen Eiffelturm auf dem Champs de Mars. Er wurde zum Teil vom Staat und zum größerem Teil über Kredite finanziert.[11] Neben der großartigen Ingenieursleistung erwies sich der Eiffelturm als lukrative Einnahmequelle und wurde zum Hauptanziehungspunkt der Weltausstellung von 1889.

Zur Hochzeit des Eisenbaus trug aber nicht nur der Eiffelturm dieser Ausstellung bei. Mit der ebenfalls neu erbauten Maschinenhalle war das Zeitalter eines neuen Eisenkonstruktivismus eingeläutet worden. War es der Eiffelturm, der in die Höhe gebaut worden war, so machte die Maschinenhalle am Boden mit gigantischen Ausmaßen von sich reden. Mit einer Länge von 423 Metern, einer Breite von 110 Metern und einer maximalen Höhe von 45 Metern wurde die Maschinenhalle erbaut. Die Besucher waren beeindruckt von der gewaltigen Konstruktion und konnten die Ausmaße durch die „Ponts roulants“ erleben, die als rollende Verbindungen über den Ausstellungsgegenständen angebracht waren.[12]

Hinter den architektonischen Meisterleistungen der Ausstellung, gerieten die raren technischen Innovationen in den Hintergrund. Die neuen Fortbewegungsmittel, wie das Fahrrad und das erste Motorfahrzeug von Carl Benz, wurden dem Besucherpublikum vorgestellt. Außerdem wurde das Thema der Elektrizität ausgebaut und neuartige Dynamomaschinen und der Elektromotor, zeigten verschiedene Wege der Stromversorgung auf. Thomas Alva Edison hatte mit einer 12 Meter Riesenglühbirne seine Erfindung von 1878 weiterentwickelt und sie den Besuchern vorgestellt.[13] Mit dem Phonographen, auf dem Orchesterstücke abgespielt wurden, hatte Edison einen Publikumsmagneten geschaffen.

Die Lichtspiele, die auf der Weltausstellung 1889 die Nacht erhellten, schlugen einen Bogen zwischen 1789 und 1889. Sie sollten als Symbol der Revolution dienen. Schließlich wurde mit der „Rue de Caire“ auch der internationale Gedanke einer Weltausstellung weitergetragen. Dort wurde in landestypischer Art und Weise die Lebensweise der jeweiligen Länder gezeigt.[14]

Mit insgesamt über 32 Millionen Besuchern und einem Gewinn von 8 Millionen Franc (im Gegensatz zu steten Defiziten der letzten Ausstellungen) war die Weltausstellung von 1889 ein großer Erfolg.[15]

1.2. Die Weltausstellung 1900

Als Thema der fünften Pariser Weltausstellung wählte man die Bilanz des Jahrhunderts. Das Gelände war immens gewachsen und auf zwei Bereiche in Paris verteilt. Zum einem gab es 120 Hektar innerhalb von Paris auf dem Gelände von Cours La Reine, Esplanade des Invalides, Champs de Mars, dem Hügel von Chaillot und den beiden Seineufern. Zum anderen waren es 110 Hektar außerhalb von Paris in Vincennes, die durch die neu gebaute und erstmals während der Weltausstellung eingesetzte Metro erreichbar waren.

Mit dem Elektrizitätspalast und dem davor liegenden Wasserschloss war ein neues Wahrzeichen für die Weltausstellung geboren und an der besten Stelle auf dem Champs de Mars platziert. Seine Außenfassade war 70 Meter hoch und mit verschiedenartigen Glühlampen bestückt.

Um die weitläufigen Flächen überhaupt besuchen zu können, gab es neben der Metro eine Attraktion, die als „Platforme roulante“ bezeichnet wurde. Auf zwei unterschiedlich schnellen Laufbändern sprangen die Besucher auf und fuhren auf den Vorläufern der heutigen Rollbänder von einem Ausstellungsplatz zum nächsten. Außerdem gab es Illusionskabinette, sogenannte Panoramen, die als eine Art Kino, die Massen anzogen und Gemälde mittels technischer Tricks oder realer Szenen kombinierten.

Bis zur Abwicklung dieser Ausstellung hatte man aber einige Hindernisse zu überwinden. Denn nicht nur Paris, sondern auch Berlin hatte sich um die Ausrichtung beworben. Aufgrund der hohen Kosten, bei denen sich die deutsche Reichsregierung und Industrielle nicht einigen konnten wer sie zu begleichen hatte, konnte Paris schon 1892 die Chance ergreifen die letzte Exposition Universelle im 19. Jahrhundert anzukündigen.[16] Damit hätte man in Paris eine achtjährige Vorbereitungsphase für dieses Vorhaben gehabt. Trotzdem war es ein Problem für die Ausrichter rechtzeitig alle Bauten abgeschlossen zu haben. Der Grund dafür war, wie bereits erwähnt, der gesteigerte Platzbedarf, den man auf zwei Gelände innerhalb Paris und in Vincennes aufteilte. Nach der Hochzeit des Eisenbaus in der Architektur hatte sich der Baustil geändert: Stuckfassaden in ausgeladener Form waren nun die bevorzugte Bauweise.[17] Nach Chicagoer Vorbild zog der „Weiße Elefant“ in Form von Stukkateuren und Architekten ein.[18] In der „Rue de Nations“ fand man diesen Stil in den Bauten der Pavillons der einzelnen Länder wider.

[...]


[1] Vgl. Kretschmer, Winfried: Die Geschichte der Weltausstellungen, Campus Verl., Frankfurt/ New York , 1999.

[2] Vgl. Wörner, Martin: Vergnügung und Belehrung, Waxmann Verl. GmbH, Münster, 1999.

[3] Vgl. Schultz, Uwe: Das Fest, C. H. Beck Verl. München, 1988.

[4] Vgl. Kroker, Evelyn: Die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1975.

[5] Vgl. Kuchenbuch, Thomas: Die Welt um 1900, J. B. Metzler Verl., Stuttgart, Weimar, 1992.

[6] Vgl. Fuchs, Eckhardt: Weltausstellungen im 19. Jahrhundert, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig, 2000.

[7] Vgl. Kretschmer, Winfried: Die Geschichte der Weltausstellungen, S.121.

[8] Ebd., S.122.

[9] Ebd., S. 123.

[10] Ebd., S. 123.

[11] Vgl. Kretschmer, Winfried: Die Geschichte der Weltausstellungen, S. 125.

[12] Ebd., S. 126.

[13] Ebd., S. 128.

[14] Vgl. Kretschmer, Winfried: Die Geschichte der Weltausstellungen, S.128.

[15] Ebd., S. 129.

[16] Vgl. Kretschmer, Winfried: Die Geschichte der Weltausstellungen, S. 141.

[17] Ebd., S. 143.

[18] Ebd., S. 143.

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638349314
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34818
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2
Schlagworte
Vergleich Weltausstellungen Paris

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Titel: Ein Vergleich der Weltausstellungen 1889 und 1900 in Paris