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Ökonomische Analyse des europäischen Profifußballs

Diplomarbeit 2004 75 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transferrestriktionen im Europäischen Profifußball
2.1. Historische Entwicklung des Transferrechts
2.2. Theoretisches Modell zum Vergleich der verschiedenen Transfersysteme
2.2.1. Modellannahmen
2.2.2. Transferverhandlungen während der Spielerkarriere
2.2.3. Vertragsverhandlungen zu Beginn der Spielerkarriere
2.2.3.1. Gleichgewichtige Vertragslänge
2.2.3.2. Gleichgewichtiger Spielerlohn
2.2.4. Trade-Off zwischen Heterogenität und Moral-Hazard
2.3. Empirische Analyse
2.3.1. Beschreibung der Daten
2.3.2. Test der Theoretischen Ergebnisse
2.3.3. Bemerkungen
2.4. Zusammenfassung und Ausblick

3. Vermarktung der TV-Rechte im Europäischen Profifußball
3.1. Einzel- vs. Zentralvermarktung – Aktueller Hintergrund
3.2. Theoretisches Modell zum Vergleich der Vermarktungsstrategien
3.2.1. Modellannahmen
3.2.2. Teaminvestitionen im Gleichgewicht
3.2.2.1. Einzelvermarktung
3.2.2.2. Zentralvermarktung
3.2.3. Wohlfahrtsanalyse
3.2.3.1. Wohlfahrtsniveau bei Einzel- und Zentralvermarktung
3.2.3.2. Eine Liga mit zwei Teams
3.2.3.3. Große Ligen
3.2.4. Erweiterungen des Modells
3.2.4.1. Teamspezifische Einnahmequellen
3.2.4.2. Weitere Aspekte
3.3. Zusammenfassung und Ausblick

4. Schlussbemerkungen

Anhang A: Beweise

Anhang B: Abbildungen

Anhang C: Tabellen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Der Ablauf der Ereignisse“

Abbildung 2: „Der Transferverhandlungsprozess“

Abbildung 3: „Verteilung der Vertragsdauern“

Abbildung 4: „Schätzfunktion Transfersummen“

Abbildung 5: „Schätzfunktion Spielergehälter“

Abbildung 6: „Schätzfunktion Spielerleistung“

Abbildung 7: „Debütanten unter 21 in der Fußball-Bundesliga in den letzten zehn Jahren“

Abbildung 8: „Die Entwicklung der TV-Einnahmen in der Fußball-Bundesliga“

Abbildung 9: „Die optimale Investition als Funktion der Skalenerträge“

Abbildung 10: „Die optimale Einnahmenverteilung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] als Funktion von z“

Abbildung 11: „Der Grenzbereich für die Dominanz von Einzelvermarktung“

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: „Vergleich der ‚Einspruchssummen’ in den verschiedenen Systemen“

Tabelle 2: „Zusammensetzung des ‚Kick-Index’“

Tabelle 3: „Ermittelte Werte für abhängige Variablen“

Tabelle 4: „Unabhängige Variablen“

Tabelle 5: „Einfluss der Restvertragsdauer und des Transfersystems auf die Ablösesummen (Test von Behauptung 1)“

Tabelle 6: „Einfluss der Restvertragsdauer und des Transfersystems auf den Lohn im neuen Club (Test von Behauptung 1)“

Tabelle 7: „Einfluss des Transfersystems auf die Vertragslänge (Test von Behauptung 2)“

Tabelle 8: „Einfluss der Vertragsdauer und des Transfersystems auf das Jahresgehalt (Test von Behauptung 3)“

Tabelle 9: „Einfluss der Restvertragsdauer und des Transfersystems auf die Spielerleistung (Test von Behauptung 4)“

Tabelle 10: „Anteil der TV-Einnahmen an den gesamten Einnahmen in vier europäischen Top-Ligen“

Tabelle 11: „Verkaufsstrategien der TV-Rechte in den fünf großen europäischen Ligen“

Tabelle 12: „Verteilungsschlüssel in den drei Ligen mit Zentralvermarktung“

Tabelle 13: „First-to-last-Ratio”

Tabelle 14: „Grad der Einnahmenteilung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für verschiedene Werte von ap und aw“

1. Einleitung

Die ökonomische Bedeutung des europäischen Profifußballs hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Clubs handeln nicht länger als Vereine im eigentlichen Sinne, sondern als moderne Dienstleistungsunternehmen, die das Produkt „Profifußball“ als Gemeinschaftsgut anbieten und vermarkten. Steigende Kommerzialisierung, steigende Umsätze[1] gepaart mit hohem öffentlichen Interesse, machen den europäischen Profifußball für eine ökonomische Analyse interessant. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich auf zwei zentrale Themen.

Da es in den letzten Jahren zu dramatischen Veränderungen im Transferrecht gekommen ist und dadurch nachhaltige Konsequenzen für Spieler und Vereine entstanden sind, bezieht sich der erste Teil der Arbeit auf den Einfluss von Veränderungen der gesetzlichen Transferrestriktionen auf ökonomische Variablen wie Spielergehälter und Transferzahlungen und vergleicht auf Grundlage eines Modells von Feess, Mühlheusser und Frick aus dem Jahr 2004 die verschiedenen Wirkungen der in den letzten 10 Jahren gültigen Transfersysteme auf diese Variablen. Feess, Mühlheusser und Frick stellen erstmals ein brauchbares theoretisches Modell vor, welches die Auswirkungen eines Transfersystemwechsels beleuchtet und gleichzeitig die theoretischen Erkenntnisse anhand eines großen Datensatzes stützt[2]. Nach einer kurzen Einleitung, welche die historische Entwicklung des Transferrechts beschreibt, wird dieses Modell vorgestellt und der Einfluss von Transferrestriktionen auf Transfersummen, Spielerverträge, Spielergehälter und Spielerleistungen theoretisch untersucht. Diese theoretischen Ergebnisse werden im Anschluss empirisch geprüft. Abschließend wird neben einer Zusammenfassung und der Diskussion der Ergebnisse ein kurzer Ausblick gegeben.

Im zweiten Teil der Arbeit folgt eine Analyse von Vermarktungsstrategien der Fernsehübertragungsrechte im europäischen Profifußball. Die Einnahmen aus der Vermarktung der TV-Rechte sind in den letzten Jahren um ein vielfaches angestiegen und bilden zudem für viele Vereine und Ligen die höchste Einnahmenquelle. Daher wird auf Grundlage eines Modells von Falconieri, Palomino und Sákovics aus dem Jahre 2003 geprüft, wann eine zentrale Vermarktung der TV-Rechte, im Vergleich zu einer Einzelvermarktung der Rechte, wohlfahrtsverbessernd, bzw. wohlfahrtsverschlechternd wirkt. Zunächst wird im Zusammenhang mit der Vermarktung der Fernsehrechte die aktuelle Situation in den europäischen Top-Ligen[3] dargestellt. Im Anschluss daran wird das Modell zum Vergleich der beiden Strategien vorgestellt. Zunächst werden die gleichgewichtigen Investitionsniveaus der Teams hergeleitet. Im Rahmen einer Wohlfahrtsanalyse werden die beiden Vermarktungsstrategien im Anschluss daran miteinander verglichen. In einer darauf folgenden Erweiterung des Modells werden schließlich teamspezifische Einnahmequellen ausführlich, sowie einige weitere Aspekte kurz analysiert. Zum Abschluss des Kapitels werden die Ergebnisse zusammengefasst, diskutiert und es wird ein kurzer Ausblick gegeben.

Die Arbeit endet mit Schlussbemerkungen, die klar machen, dass der vorgegebene Rahmen einer Diplomarbeit nicht ausreicht, um dieses Thema inhaltlich voll auszuschöpfen.

2. Transferrestriktionen im Europäischen Profifußball

Im letzten Jahrzehnt gab es einschneidende Veränderungen im europäischen Transferrecht. Innerhalb dieses Zeitraums waren drei verschiedene Systeme gültig, welche verschiedene Wirkungen auf ökonomische Bezugsgrößen, wie Spielerverträge und Transfersummen hatten. Diese Einflüsse werden, nachdem die in den letzten Jahren gültigen Transfersysteme vorgestellt wurden, in einem Modell theoretisch untersucht und empirisch getestet.

2.1. Historische Entwicklung des Transferrechts

Der 15. Dezember 1995 gilt als historisches Datum für den europäischen Profifußball, denn an diesem Tag urteilte der Europäische Gerichtshof, aufgrund einer Klage des belgischen Fußballprofis Jean-Marc Bosman, dass das bis dahin gültige Transfersystem gegen Artikel 39 des EG-Vertrages verstoße, da es die Freizügigkeit und die Mobilität von Berufsfußballern einschränke[4].

Bis zu diesem Urteil waren bei einem Vereinswechsel frei verhandelbare Ablöseforderungen grundsätzlich zulässig und zwar unabhängig von der Vertragssituation. Die Transferzahlungen für Spieler mit ausgelaufenen Verträgen wurden im Zweifelsfall von den nationalen Verbänden festgelegt und stiegen (sanken) in der Stärke des neuen (alten) Clubs, während ein Spieler mit laufendem Vertrag nur mit Einverständnis seines Clubs wechseln konnte[5]. Ziel dieser Regelung war eine Umverteilung der Einkommen innerhalb einer Liga, um die Ausgeglichenheit der Liga zu gewährleisten. Zudem versprachen sich die Verbände davon zusätzliche Anreize zur Förderung junger Talente[6].

Mit dem Bosman-Urteil von 1995 fielen bei einem Spielerwechsel innerhalb der Europäischen Union (EU) die Transferzahlungen für Spieler, deren Verträge ausgelaufen waren ersatzlos weg, während die Situation für Spieler mit laufenden Verträgen unverändert blieb[7].

Trotzdem sorgten in der Folgezeit stark angestiegene Spielergehälter und Transfersummen für öffentliche Diskussionen[8]. Der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti erklärte im Jahr 2001, auch aufgrund dieser Entwicklung, das gültige Transfersystem, insbesondere die Ablösezahlungen für nichtig. Seiner Ansicht nach schränken Transferzahlungen, durch ihre mobilitätshemmende Wirkung, die Freizügigkeit der Sportler ein und stehen darüber hinaus in keinem rationalen Verhältnis zu den tatsächlichen Ausbildungskosten[9]. Nach heftigen Protesten von Seiten der nationalen Fußballverbände kam es zu einem Kompromiss zwischen der EU-Kommission, dem Weltfußballverband „Fédération Internationale de Football Association“ (FIFA) und dem europäischen Kontinentalverband „Union Européenne de Football Association“ (UEFA), so dass die FIFA am 01.09.2001 ein modifiziertes Reglement zum Transfer von Fußballspielern vorlegte[10]. Nach diesem neuen Reglement wird die maximale Vertragsdauer auf fünf Jahre beschränkt. Ablöseforderungen für Spieler mit laufendem Vertrag sind weiterhin zulässig und frei verhandelbar. Allerdings setzt ein Schiedsgericht im Zweifelsfalle eine Ablösesumme fest, die sich aus einer Strafe für den Vertragsbruch des Spielers[11] und einer Ausbildungsentschädigung für den abgebenden Verein zusammensetzt. Einem Spieler ist es jetzt möglich, trotz laufendem Vertrag und ohne Einwilligung seines Clubs den Verein zu wechseln[12].

2.2. Theoretisches Modell zum Vergleich der verschiedenen Transfersysteme

In dem folgenden Modell sollen die Wirkungen der drei Systeme auf bedeutende ökonomische Entscheidungsvariablen untersucht werden. Dabei wird das System, welches bis zu dem Bosman-Urteil Gültigkeit hatte mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], das Bosman-System mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und das Monti-System mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gekennzeichnet. Das vorgestellte Modell von Feess, Mühlheusser und Frick (2004) baut auf zwei weitere Arbeiten von Feess und Mühlheusser aus dem Jahre 2003 auf, die wiederum an ein Modell von Burguet, Caminal und Matutes (2000) angelehnt sind. In einem zwei-stufigen Modell wird zunächst ein Vertrag zwischen einem Spieler und einem Verein geschlossen, wobei die Produktivität des Spielers ex ante bekannt ist. In der zweiten Stufe kommt es zu Neuverhandlungen, in denen der Spieler simultan mit potentiellen Vereinen (darunter auch der, mit dem er auf Stufe eins den Vertrag geschlossen hat) verhandelt[13].

2.2.1. Modellannahmen

In dem Modell interagieren drei Akteure. Ein Spieler[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der in einem Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] seine Karriere beginnt und im Laufe seiner Karriere zu einem neuen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wechselt, falls sich ein Wechsel für alle drei Akteure lohnt. Zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verhandelt der Spieler mit Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] über einen Vertrag, der Vertragsdauer ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) und Spielergehalt ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) enthält. Mit der Annahme effizienter Verhandlungen und symmetrischer Information, maximiert dieser Vertrag den gemeinsamen Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler. Die Spielerleistung ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), gemessen pro Zeiteinheit, ist vom Potential des Spielers ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) und der Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abhängig, wobei die Leistung mit dem Potential steigt und mit der Vertragslänge sinkt. Formal ausgedrückt ergibt sich folgende Annahme:

Annahme 1: Es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Dass die Leistung des Spielers mit seinem Potential steigt ist offensichtlich, dass sie in der Vertragslänge sinkt, liegt an einer möglichen Leistungszurückhaltung aufgrund von Moral-Hazard[14]. Zur Vereinfachung soll [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gelten[15]. Die Spielerleistung ist zu-gleich die Produktivität (monetärer Überschuss), die der Spieler in dem Verein erzielt.

Zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] beginnt der Spieler auf der Basis, des in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] geschlossenen Vertrages seine Karriere bei Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Mit Wahrscheinlichkeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] tritt zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ein Schock auf, der das Leistungsniveau des Spielers bei einem Wechsel zu einem neuen Club (Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) auf [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) pro Zeiteinheit erhöht. Dies bedeutet, dass bei Auftreten des Schocks ein Wechsel, unabhängig vom Ausgangsvertrag zwischen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler, zu Stande kommt, da jeder Akteur von einem Wechsel profitiert[16]. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist genauso wie [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ex ante allen Beteiligten bekannt, so dass die einzige Unsicherheit darin liegt, ob der Schock eintritt oder nicht[17]. Tritt der Schock nicht ein, bleibt der Spieler bis zu seinem Karriereende zum Zeitpunkt 1 mit der Produktivität [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] pro Zeiteinheit bei seinem alten Club (Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Abbildung 1[18] fasst den Ablauf der Ereignisse zusammen.

Für den Fall von Transferverhandlungen durch das Auftreten eines Schocks sollen die drei Transfersysteme zunächst formal beschrieben werden.

Definition 1: Ein Transfersystem [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ist durch zwei gesetzlich vorgeschriebene Ablösesummen („Einspruchssummen“) pro Zeiteinheit charakterisiert, die Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] akzeptieren muss, wenn der Spieler zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] unter der Vertragssituation [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][19] zu Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wechseln will.

Die „Einspruchssummen“ bilden eine obere Grenze für die Ablöseforderungen von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und legen fest, bis zu welchem Betrag der Club „Einspruch“ gegen einen Wechsel einlegen kann. Sie können sich von den tatsächlich gezahlten Ablösesummen durchaus unterscheiden.

Bei einem Wechsel nach ausgelaufenem Vertrag in den Systemen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist keine Transferzahlung erforderlich, es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Bei noch laufenden Verträgen gibt es in den Systemen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] keine Summe, die Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] akzeptieren muss, es gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Für die beiden übrigen Fälle gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] kann den Transfer nicht verhindern, da eine obere Grenze festgelegt ist, er bekommt aber auf jeden Fall eine Ablösezahlung. Die „Einspruchssummen“ von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in den verschiedenen Systemen sind in Tabelle 1[20] übersichtlich zusammengefasst. Eine Transferzahlung bei laufendem Vertrag ist in jedem System stets größer, als bei bereits ausgelaufenen Verträgen. Es gilt immer [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], wobei diese Differenz in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist.

Das Modell wird nun mittels Rückwärtsinduktion gelöst. Bevor der Vertrag zwischen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler zu Beginn der Spielerkarriere betrachtet wird, werden die Transferverhandlungen während der Spielerkarriere zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] untersucht.

2.2.2. Transferverhandlungen während der Spielerkarriere

Ein Spieler möchte im Falle eines Schocks, zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wechseln und beginnt simultan mit beiden Clubs zu verhandeln[21]. In diesen Transferverhandlungen wird der monetäre Überschuss [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], der durch den Produktivitätsgewinn des Spielers in dem neuen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] erreicht wird, unter den drei Akteuren aufgeteilt. Die Höhe dieser gemeinsamen Auszahlungen hängt vom Potential des Spielers [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], die Verteilung dagegen vom Transfersystem [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ab. Die Auszahlungen pro Zeiteinheit aus den Transferverhandlungen werden daher für jeden Akteur [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] als Funktion von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] durch [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] definiert, mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Spieler[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](Transfersystem) und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (Vertragssituation). Anstatt den 3-Parteien-Neuverhandlungsprozess explizit zu modellieren, werden zur Vereinfachung die folgenden Annahmen für die Auszahlungen aus den Transferverhandlungen getroffen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Auszahlung für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steigt schwach mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], d.h. er gewinnt in den Verhandlungen durch eine höhere Ablöse- bzw. „Einspruchssumme“. Im Gegenzug dazu sinken die Auszahlungen für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und den Spieler schwach mit einer höheren Ablöse, da die Höhe der Auszahlung aus den Transferverhandlungen unverändert bleibt[22].

Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] profitiert in den Transferverhandlungen von einem höheren Spielerpotential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], wobei dieser Vorteil aber wieder mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sinkt. Da die Höhe der gesamten Auszahlung aus den Transferverhandlungen mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steigt, steigt natürlich auch der Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Durch eine Erhöhung der Ablösesumme geht allerdings der prozentuale Anteil von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am gesamten Überschuss durch einen Transfer zurück, so dass er hierdurch einen Nachteil hat.

Da jedes System durch [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] genau spezifiziert ist, wird zur Vereinfachung der Schreibweise anstatt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] benutzt. Außerdem genügt es den Zeitraum [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu betrachten, da es keinen Unterschied macht, ob die Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]oder [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist, denn in beiden Fällen wäre der Spieler bei Auftreten des Schocks vertragslos, so dass nur [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] betrachtet werden müsste. Der gesamte Transferverhandlungsprozess wird in Abbildung 2[23] übersichtlich illustriert. Da bisher mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nur die Auszahlungen pro Zeiteinheit betrachtet wurden, müssen diese aufsummiert werden, um die gesamte Auszahlung für den jeweiligen Akteur [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus den Transferverhandlungen als Funktion vom Potential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], dem Transfersystem [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und der verbleibenden Vertragslaufzeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu erhalten[24]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der erste Teil von Gleichung (1) beschreibt die Auszahlungen für die Periode, in welcher der Spieler einen gültigen Vertrag hat, während der zweite Teil für die Periode steht, in welcher der Spielervertrag ausgelaufen ist. Für die einzelnen Akteure bedeutet Gleichung (1) konkret: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist die tatsächlich gezahlte Transfersumme (Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist der Lohn des Spielers im neuen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (Spieler[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist schließlich der Rest des durch den Wechsel entstandenen Überschuss [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Behauptung 1 folgt unmittelbar aus Annahme 2 und den Eintragungen in Tabelle 1. Mit Punkt i) wird deutlich, dass die Auszahlung aus den Transferverhandlungen für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] unabhängig vom Transfersystem mit der verbleibenden Vertragsdauer steigt, bzw. für den Spieler und Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sinkt. Annahme 2, Teil i) zeigt, dass die Auszahlungen für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steigen. Da immer [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gilt, folgt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und daraus wiederum Teil i) der Behauptung[25]. Die Punkte ii) und iii) lassen erkennen, dass der Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sowohl im System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bei Spielern ohne Vertrag, als auch im System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bei Spielern mit gültigem Vertrag, schwach durch eine Erhöhung der Ablösesumme profitiert, während der Spieler und Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] dadurch schwach schlechter gestellt werden. Dies folgt direkt aus Annahme 2, Teil i). Aus dem vierten Teil von Behauptung 1 geht hervor, dass der Einfluss der verbleibenden Vertragslänge auf die Transferverhandlungsauszahlungen unter System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist, was daran liegt, dass die Beziehung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am höchsten ist.

2.2.3. Vertragsverhandlungen zu Beginn der Spielerkarriere

Im Weiteren werden nun die Vertragsverhandlungen zwischen Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler zu Beginn der Spielerkarriere analysiert. Der Vertrag enthält, wie bereits erwähnt, die Vertragsdauer [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und den Spielerlohn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und maximiert aufgrund der in Abschnitt 2.2.1. gemachten Annahmen den gemeinsamen monetären Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler. Zunächst wird die gleichgewichtige Vertragslänge im Ausgangsvertrag zwischen dem Spieler und Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] betrachtet und anschließend der gleichgewichtige Spielerlohn.

2.2.3.1. Gleichgewichtige Vertragslänge

Der zu maximierende gemeinsame Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler ist eine vom Potential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], der Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Transfersystem [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abhängige Funktion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bis zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] spielt der Spieler mit Produktivität [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Tritt der Schock nicht ein (mit WS [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), bleibt der Spieler auch die restliche Zeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bei Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Tritt der Schock ein (mit WS [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), wechselt der Spieler zu Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Der gemeinsame Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler aus den Transferverhandlungen ist der gesamte Überschuss aus den Transferverhandlungen ohne den Anteil von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] an diesem Überschuss ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Das gilt für die Zeit, in welcher der Spieler einen gültigen Vertrag bei Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] besitzt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und für den Zeitraum, in dem sein Vertrag bereits ausgelaufen ist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Zur weiteren Berechnung der gleichgewichtigen Vertragslänge wird [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] eingesetzt und anschließend ausgeklammert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die optimale Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ergibt sich durch die Maximierung von Gleichung (2). Die Bedingung erster Ordnung lautet:

[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Auflösen nach [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bringt die optimale Vertragslänge:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Aspekt i) von Behauptung 2 geht hervor, dass die optimale Vertragslänge in System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist, während eine Rangierung von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]nicht möglich ist. Dies ergibt sich direkt aus Gleichung (3), genauer gesagt aus der Beziehung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wird umso größer, je höher diese Differenz ist, die den Gewinn von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus den Transferverhandlungen bei laufendem Spielervertrag vom Gewinn bei ausgelaufenem Spielervertrag abzieht ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Diese Beziehung ist im Bosman-System am größten ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten])[27] und bei einem Vergleich der Systeme [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nicht eindeutig.

Der Spieler und Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] stehen einem Trade-Off gegenüber, wenn die optimale Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gewählt wird. Zum einen haben der Spieler und Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Anreize ineffizient lange Verträge abzuschließen, um die Auszahlungen von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus den Transferverhandlungen zu verringern und somit die eigenen Gesamtauszahlungen zu erhöhen. Zum anderen beinhalten lange Verträge die Gefahr einer Leistungszurückhaltung durch Moral-Hazard[28]. Der Moral-Hazard-Effekt ist unabhängig vom Transfersystem (Annahme 1, ii)), der positive Effekt längerer Verträge für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und den Spieler dagegen ist systemabhängig, da er von der Differenz der Transferverhandlungsauszahlungen für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bei einem noch gültigen und einem ausgelaufenen Vertrag abhängt. Da diese Differenz in System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist, folgt daraus, dass im Bosman-System längere Verträge geschlossen werden.

Im zweiten Teil der Behauptung 2 wird die These aufgestellt, dass unabhängig vom System, Spieler mit höherem Potential längere Verträge abschließen (Selektionseffekt). Die Ableitung von Gleichung (3) nach [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] unter Berücksichtigung der Beziehung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Tatsache, dass die Auszahlung für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus den Transferverhandlungen mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steigt (Annahme 2, Teil ii) folgt, dass [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist, wenn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gilt, was in allen drei Systemen der Fall ist.

2.2.3.2. Gleichgewichtiger Spielerlohn

Nachdem die optimale Vertragslänge hergeleitet wurde, bleibt die Frage offen, wie der gemeinsame Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler, der durch die Produktivität des Spielers erzielt wird, unter beiden Akteuren aufgeteilt wird. Dies geschieht über den Spielerlohn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist der gesamte Pay-Off aus der Spielerkarriere, vorrausgesetzt dass die gleichgewichtige Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gewählt wurde. Der Spieler bekommt solange er für Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] spielt den Lohn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Dies ist bis zum Zeitpunkt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sicher der Fall und im Zeitraum [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nur dann, wenn der Schock nicht eintritt (mit WS [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Bei Auftreten des Schocks (mit WS [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) bekommt der Spieler seine Auszahlung aus den Transferverhandlungen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][29].

Wie oben bereits erwähnt, soll der gemeinsame Überschuss von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und dem Spieler unter beiden Akteuren aufgeteilt werden. Der Anteil des Spielers am gemeinsamen Überschuss wird mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bezeichnet. Dieses [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] kann von Spieler zu Spieler variieren und stellt in gewissem Maße seine Verhandlungsmacht dar. Es kann z. B. durch den Wettbewerb um den Spieler oder die Verhandlungseigenschaften des Spielers beeinflusst werden. Ingesamt gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Um den gleichgewichtigen Lohn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu ermitteln, wird dieser Anteil am gemeinsamen Überschuss mit dem gesamten Pay-Off des Spielers gleichgesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beweis: Siehe Anhang A.

Teil i) von Behauptung 3 zeigt, dass eine höhere optimale Vertragsdauer unabhängig vom Transfersystem zu einem höheren Lohn führt. Behauptung 2, Teil ii) verdeutlicht, dass die optimale Vertragslänge mit dem Potential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] des Spielers steigt. Gibt es nun ein [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], was gleichzeitig [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bedeutet, muss daraus [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] folgen, denn Spieler und Club [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] könnten dieselbe Vertragslänge für [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wählen, was trotzdem

zu [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] führen würde. Da der Spielerlohn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] steigt folgt Teil i) von Behauptung 3[30].

Teil ii) der Behauptung 3 macht deutlich, dass dieser Einfluss in System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist. Da der negative Einfluss von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] auf die Auszahlungen von Club[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in den Transferverhandlungen unter System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am größten ist, muss der Einfluss von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] auf [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], und somit auch auf [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], im Bosman-System ebenfalls am größten sein muss[31].

2.2.4. Trade-Off zwischen Heterogenität und Moral-Hazard

In diesem Abschnitt wird ein wichtiges Thema der Vertragstheorie untersucht: Der Trade-Off zwischen Heterogenität und Moral-Hazard. In diesem speziellen Fall bedeutet dies eine genaue Betrachtung der Beziehung zwischen der gleichgewichtigen Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und der aktuellen Spielerleistung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in Abhängigkeit des gültigen Transfersystems. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist die aktuelle Spielerleistung, wenn die optimale Vertragslänge gewählt wurde. Die Fragestellung dieses Abschnitts lautet, welchen Einfluss eine Veränderung der optimalen Vertragslänge [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], in den verschiedenen Systemen, auf die aktuelle Spielerleistung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] hat.

Es sind zwei gegenläufige Effekte festzustellen, wodurch der Gesamteffekt nicht eindeutig beschrieben werden kann. Spieler mit höherem Potential unterzeichnen längere Verträge (vgl. Behauptung 2, Teil ii)). Da davon ausgegangen werden kann, dass Spieler mit einem höheren Potential eine höhere aktuelle Leistung abliefern, besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der optimalen Vertragslänge und der aktuellen Spielerleistung. Dieser sogenannte Selektionseffekt basiert auf der Annahme, dass die Spieler heterogen sind, also verschiedene Talente besitzen, was durchaus realistisch ist.

Im Gegensatz zum Selektionseffekt steht das Problem der Leistungszurückhaltung durch Moral-Hazard, welches mit der Vertragslänge steigt (vgl. Annahme 1, ii)). Es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der optimalen Vertragslänge und der aktuellen Spielerleistung.

Der Gesamteffekt ist unklar und hängt davon ab, welcher der beiden Effekte dominiert. Es ist nicht möglich ein eindeutiges und allgemeingültiges Ergebnis für das Zusammenspiel von Heterogenität und Moral-Hazard zu bestimmen, wohl aber ein Ranking über die relative Bedeutung dieser Beziehung in den verschiedenen Systemen aufzustellen.

Behauptung 4:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beweis: Siehe Anhang A.

Die Beziehung zwischen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist in System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] am geringsten, während ein Ranking zwischen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nicht möglich ist. Da die optimale Vertragslänge in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] immer höher ist als in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) (vgl. Behauptung 2, i)), ist auch das der optimalen Vertragslänge entsprechende Spielerpotential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] immer geringer als in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Da die aktuelle Spielerleistung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] vom Potential [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abhängt, folgt Behauptung 4. Weil in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] alle Spieler eine höhere optimale Vertragslänge wählen, werden auch schlechte und mittelmäßige Spieler in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] einen längeren Vertrag besitzen als in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), wodurch der Moral-Hazard-Effekt in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] von größerer Bedeutung ist.

Das Ranking zwischen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist hier nicht möglich, da es von der Differenz zwischen der Auszahlung aus den Transferverhandlungen ohne und mit gültigem Spielervertrag, also vom Vorzeichen von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abhängt.

Um die Moral-Hazard-Gefahr einzudämmen, besteht die Möglichkeit leistungsbezogene Verträge abzuschließen. Ziebs (2002) beobachtete allerdings, dass in den 90er Jahren nur etwa ein Anteil von 10 % der durchschnittlichen Spielergehälter aus leistungsbezogenen Prämien bestand[32]. Dies liegt nach Holmström und Milgrom (1991), sowie Baker (1992) daran, dass ein Spieler im Teamsport Fußball multiple Aufgabenbereiche zu erfüllen hat, die mehr oder weniger gut messbar sind. Eine (gut verifizierbare) Torprämie könnte einen Spieler z. B. dazu veranlassen, seine (schlechter nachvollziehbaren) Defensivaufgaben zu vernachlässigen.

2.3. Empirische Analyse

Im Folgenden werden die in Abschnitt 2.2. aufgestellten Behauptungen empirisch geprüft. Da das Monti-System erst vor kurzem eingeführt wurde, und somit noch keine verlässlichen Daten zu diesem System vorhanden sind, beschränkt sich der empirische Teil auf den Vergleich zwischen den Systemen vor und nach dem Bosman-Urteil ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]). Zunächst werden die benutzten Daten beschrieben und danach die Behauptungen aus dem theoretischen Modell getestet.

2.3.1. Beschreibung der Daten

In der folgenden empirischen Analyse werden sechs aufeinanderfolgende Saisons (1994/95-1999/2000) der deutschen Fußball-Bundesliga betrachtet, wobei in den ersten beiden Saisons (1994/95-1995/96) das System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und in den restlichen Spielzeiten (1996/97-1999/2000) das System [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gültig war. Die Beobachtungen geben detaillierte Auskünfte über Vertragslängen, Jahresgehälter, gezahlte Transfersummen und Spielerleistungen.

Es liegen Informationen über 1308 verschiedene Verträge vor, von denen 695 im Anschluss an einen Vereinswechsel unterzeichnet wurden. In den restlichen 613 beobachteten Fällen wurde der Vertrag im alten Verein verlängert. Darüber hinaus sind Informationen über 937 Jahresgehälter vorhanden und in 975 Fällen ist die Vertragslänge bekannt. Im Falle eines Transfers gibt es in 239 Fällen Auskünfte über die verbleibende Vertragslänge und in 684 Fällen (in 142 Fälle davon ist die Ablösezahlung null) ist die gezahlte Transfersumme bekannt[33]. Außerdem sind Daten über die Spielerleistung von 1318 Spielerjahren vorhanden, die durch den „Kick-Index“[34] determiniert sind, in dem ein Spieler erfasst wird, wenn er mindestens 30 von 90 Minuten in einem Spiel gespielt hat. Die in dieser empirischen Analyse benutzten Schätzungen betrachten simultan verschiedene abhängige Variablen, was die Anzahl der beobachteten Fälle reduziert. Es gibt z. B. nur 604 Fälle, in denen die Spielergehälter und die Vertragslängen gleichzeitig beobachtet werden konnten.

Tabelle 3[35] gibt mehr Auskunft über die vier abhängigen Variablen. Tabelle 4[36] beleuchtet die unabhängigen Kontrollvariablen, die sowohl individuelle Charakteristika, wie Alter oder Nationalität, als auch teamspezifische Charakteristika, wie Zuschauerschnitt oder Abschlussplatzierung berücksichtigen. Die verwendeten Kontrollvariablen sind in einer Anzahl von Studien, als potentielle Determinanten der Spielergehälter und Transferzahlungen im europäischen Fußball identifiziert worden[37].

Da die Einnahmen der Vereine im betrachteten Zeitraum stark angestiegen sind[38], werden in den Schätzungen nicht nominale, sondern standardisierte Werte der Variablen genutzt:

[39].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.2. Test der Theoretischen Ergebnisse

Im Folgenden werden die theoretischen Ergebnisse, anhand dieses Datensatzes, empirisch geprüft. In Behauptung 1 wird der Zusammenhang zwischen der verbleibenden Vertragsdauer und den Auszahlungen aus den Transferverhandlungen in den verschiedenen Systemen beleuchtet. Teil ii) und iii) der Behauptung werden vernachlässigt, da hierfür keine Daten zur Verfügung stehen[40].

Hypothese 1: a) In den Systemen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] führt eine höhere verbleibende Vertragsdauer zu einer höheren Transferzahlung durch den neuen Verein und zu einer Verringerung des Spielerlohns im neuen Verein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da Hypothese 1 nur die Fälle betrifft, in denen ein Transfer abgewickelt wurde, beträgt die Größe der Stichprobe nur [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die Schätzung wurde mit einem OLS-Modell mit heteroskedastizitäts-konsistenten t-Werten[41] durchgeführt.

Tabelle 5[42] (Spalte 1) listet die Ergebnisse in bezug auf den Zusammenhang zwischen ver-bleibender Vertragsdauer und Transferzahlungen auf. Die theoretischen Ergebnisse aus dem Modell können, hoch signifikant, bestätigt werden. Ein weiteres Jahr verbleibende Vertragsdauer erhöht die Transfersumme um 3,2%, wobei dieser Effekt im Bosman-System um noch einmal 0,9% höher ist (der Effekt ist also in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ca. 28% höher als in [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]).

Da nur 53% der Transfers im betrachteten Zeitraum untersucht wurden, ist es theoretisch möglich, dass das Ergebnis der Schätzung verzerrt ist. Aus diesem Grunde wird diese Beziehung zusätzlich mit einem Heckman-Two-Step-Modell[43] getestet, welches zu annähernd denselben Ergebnissen kommt (Spalte 2).

[...]


[1] In der Saison 2001/2002 lag der Umsatz der europäischen Erstligavereine bei 7,1 Mrd. Euro. Vgl. : Deloitte/ Touche (2003), S.11.

[2] Dieser Datensatz stammt aus der deutschen Fußball-Bundesliga aus einem Zeitraum (1994-2001), in dem verschiedene Systeme gültig waren. Vgl. Feess/ Mühlheusser/ Frick (2004), S. 1.

[3] Die europäischen Top-Ligen sind in Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich beheimatet. Vgl. Deloitte/ Touche (2003), S.9.

[4] Court of Justice of the European Communities, Case C-415/93.

[5] Der Verein konnte einen Wechsel vermeiden, indem er z. B. die geforderte Ablöse in astronomische Höhen rangierte, oder die von potentiellen neuen Vereinen gebotene Ablöse stets als zu niedrig erklärte. Vgl. Feess/ Mühlheusser (2003a), S.1; Feess/ Mühlheusser (2002), S.222.

[6] Vgl. Feess/ Mühlheusser (2003a), S.1.

[7] Zudem wurde die bis dahin gültige Beschränkung für die Beschäftigung von Spielern aus dem EU-Ausland aufgehoben. Dies wird in dem folgenden Modell nicht berücksichtigt.

[8] Die Spielergehälter in den europäischen Top-Ligen haben sich im Zeitraum von 1995-2002 vervierfacht, die Transferausgaben haben sich zwischen 1997 und 2002 verdoppelt. Vgl. Deloitte/ Touche (2003), S. 14 ; 18.

[9] Vgl. Feess/ Mühlheusser (2002), S.224-225.

[10] Vgl. FIFA-Reglement bezüglich Status & Transfer von Spielern.

[11] Diese richtet sich unter anderem nach Alter und Gehalt des Spielers, sowie der verbleibenden Vertragslaufzeit.

[12] Für Verträge, die vor dem 01. September 2001 geschlossen wurden, gilt weiterhin das alte Transferrecht.

[13] In diesem Modell wird auch auf die Frage eingegangen, warum es überhaupt zu Transferentschädigungen im Profi-Sport kommt. Der Grund dafür wird darin gesehen, dass es sich bei Profi-Sportlern um „visible worker“ handelt, d. h. um Arbeitnehmer, deren Leistung öffentlich bekannt ist. Vgl. Burguet/ Caminal/ Matutes (2000), S. 1154-1158; 1162-1165.

[14] Auf das Moral-Hazard-Problem wird in Abschnitt 2.2.4. genauer eingegangen.

[15] Die aktuelle Leistung ist also für alle kleiner als das Potential

[16] Nach der Logik des Coase-Theorems stimmen alle Parteien (Club Clubund der Spieler) einem Wechsel zu, wenn dieser zu einer Pareto-Verbesserung führt. Vgl. Feess/ Mühlheusser (2002), S. 226.

[17] Der Fall asymmetrischer Spielerleistung kann in der Analyse vernachlässigt werden, da die Spielerleistung in der Regel recht gut zu beobachten ist. Vgl. Feess/ Mühlheusser (2002), S.228.

[18] Siehe Anhang B.

[19] Die Indices und stehen hier für einen noch laufenden bzw. ausgelaufenen Vertrag.

[20] Siehe Anhang C.

[21] Vgl. Burguet/ Caminal/ Matutes (2000), S. 1161-1162.

[22] Die Beziehung ist nur schwach, da es keinen Unterschied macht, ob Club für einen mittelmäßigen Spieler 200 Mio. Euro oder 300 Mio. Euro verlangt. Ein Transfer würde in beiden Fällen nicht zustande kommen.

[23] Siehe Anhang B.

[24] wird aufgrund der sich anschließenden empirischen Analyse eingeführt. Vgl. Abschnitt 3.2..

[25] Die Begründung verläuft analog für den Spieler und Club

[26] Die Bedingung zweiter Ordnung lautet: . Die Lösung ist ein Maximum.

[27] Vgl. Tabelle 1 in Anhang C.

[28] Auf das Moral-Hazard-Problem wird in Abschnitt 2.2.4. genauer eingegangen.

[29] Vgl. Abschnitt 2.2.3.1..

[30] Der höhere Lohn kompensiert die finanziellen Einbußen des Spielers, die sich für ihn durch längere Vertragslaufzeiten in den Transferverhandlungen ergeben.

[31] Das gilt nur, wenn die optimale Vertragslänge gewählt wurde. Für jede andere Vertragslänge kann der Moral-Hazard-Effekt den Transferverhandlungseffekt dominieren und somit (und damit auch ) mindern.

[32] Daten aus der deutschen Fußball-Bundesliga. Vgl. Ziebs (2002), S. 156-167.

[33] Die Schätzung beinhaltet 53% der nicht ablösefreien Transferzahlungen im betrachteten Zeitraum. Die Zahlen sind aus den Medien übernommen. Vgl. Feess/ Mühlheusser/ Frick (2004), S. 18.

[34] Zur Zusammensetzung des „Kick-Index“ siehe Tabelle 2 im Anhang C.

[35] Siehe Anhang C.

[36] Siehe Anhang C.

[37] Vgl. Feess/ Mühlheusser/ Frick (2004), S.20.

[38] Die TV-Einnahmen stiegen beispielsweise im beobachteten Zeitraum um rund 100%. Vgl. Ebenda, S.19.

[39] Schätzungen der Dichtefunktionen für diese standardisierten Variablen, sowie die Spielerleistung und eine Verteilung der Vertragslängen sind im Anhang B zu finden.

[40] Vgl. Feess/ Mühlheusser/ Frick (2004), S. 20.

[41] Vgl. White (1980).

[42] Siehe Anhang C.

[43] Hier wird zunächst die Wahrscheinlichkeit eines Transfers und dann die Transfersumme, gegeben der Transfer fand statt, geprüft. Vgl. Feess/ Mühlheusser/ Frick (2004), S. 21.

Details

Seiten
75
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638349673
ISBN (Buch)
9783638715386
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v34868
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,6
Schlagworte
Analyse Profifußballs

Autor

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Titel: Ökonomische Analyse des europäischen Profifußballs