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Medien in der Demokratie. Die Bedeutung des Vertrauens in die Massenmedien für das politische System

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle der Massenmedien
2.1 Funktionen für die Gesellschaft
2.2 Einordnung in das politische System nach Easton

3. Auswertung der Zapp-Studie
3.1 Vergleich nach Institutionen
3.2 Vergleich nach Themen
3.3 Gründe für Vertrauensverlust

4. Folgen und Lösungsansätze
4.1 Folgen der Vertrauenslage
4.2 Lösungsansätze

5. Fazit

6. Quellenangaben

1. Einleitung

Institutionenvertrauen, verstanden als ein gewisses Maß an Vertrauen seitens der Bür- ger entgegen bestimmter staatlicher Institutionen, ist ein grundlegendes Prinzip demo- kratisch organisierter Staaten. So wird angenommen, dass ein politisches System nur auf Dauer stabil sein kann, wenn die regierte Bevölkerung in ihrer Gesamtheit ein Min- destmaß an Zuversicht in die Legitimität der sie beherrschenden Strukturen, Prozesse und Akteure besitzt. Dementsprechend finden im öffentlichen Diskurs immer wieder Dis- kussionen über einen eventuellen Vertrauensverlust der Bevölkerung in entsprechende Institutionen statt. Es wird hinterfragt, ob und wie bürgernah bzw. responsiv z.B. der Bundestag arbeitet, und wie viel Vertrauen ihm seitens der Menschen entgegengebracht wird. In derartigen Massengesellschaften wie wir sie heute vorfinden ist es jedoch nicht möglich, den gesamten Austausch zwischen Institution und Bürger auf direktem Wege stattfinden zu lassen. Ferner gestaltet sich mit wachsender Zahl der Mitglieder einer Ge- sellschaft auch die Kommunikation untereinander als Herausforderung. Diese fehlende Verbindung zwischen Institution und Bürger bzw. der Bürger untereinander schließen Massenmedien. In einer in ihren Strukturen immer komplexer und unübersichtlicher wer- denden Gesellschaft bedarf es dieses organisierten Informationsaustauschs, welcher überhaupt erst eine überregionale Kommunikation ermöglicht. Aus diesen Gründen ist es ersichtlich, dass auch Massenmedien durch ihre Art und Weise der Gestaltung der Informationsvermittlung einen bedeutenden Einfluss auf das Institutionenvertrauen und ferner auf die Systemgestaltung besitzen. So überrascht es nicht, dass schon der fran- zösische Philosoph Jean Jaques Rousseau in Anlehnung an die auf Charles de Mon- tesquieu zurückgehende Gewaltenteilung von der Presse als einer „vierten Säule“ im Staat gesprochen hat1. Auch heute noch ist dieser Ausdruck der Medien als „vierte Ge- walt“ gängig wenn es darum geht, den besonderen Einfluss eben jener auf Politik und Gesellschaft zu betonen.

Umso so relevanter erscheint es auch das Vertrauen in die Massenmedien als „Institu- tion neben den Institutionen“ zu beleuchten. Dazu werde ich im ersten Teil der Arbeit zunächst detaillierter auf die Rolle der Massenmedien in demokratischen System einge- hen. Dabei ist zu klären, welche Funktionen Massenmedien einnehmen, welche Aufga- ben ihnen zugeschrieben werden, und welche Anforderungen an diese gestellt werden.

Im darauffolgenden Teil wird eine Studie des Medienmagazins „Zapp“ empirisch in Hin- blick auf die Vertrauenslage der Bevölkerung in Massenmedien untersucht. Es ist her- auszufinden, wie viel Vertrauen Bürgerinnen und Bürger in die Berichterstattung der Me- dien haben, und wie diese im Vergleich zu anderen Institutionen abschneiden. Daran schließt sich eine Analyse für mögliche Faktoren an, die das entsprechende Ergebnis bedingen. Ziel soll es hier sein eine Antwort auf die Frage geben zu können, warum Menschen evtl. ihr Vertrauen in Massenmedien, bzw. deren Berichterstattung, setzen oder entziehen, und welche Erklärungsansätze dafür gefunden werden können. Ab- schließend ist zu beleuchten, welche Folgen die untersuchte Vertrauenslage für das po- litische System und den demokratischen Prozess hat, und wie sich evtl. Vertrauensver- luste verbessern lassen.

2. Die Rolle der Massenmedien

Der Kommunikationswissenschaftler Roland Burkart definiert Massenmedien als „Kom- munikationsmittel, die durch technische Vervielfältigung und Verbreitung mittels Schrift, Bild oder Ton Inhalte an eine unbestimmte Zahl von Menschen vermitteln und somit öf- fentlich an ein anonymes, räumlich verstreutes Publikum weitergeben.“2 Aus dieser De- finition wird zunächst die oberste und primärste Eigenschaft von Massenmedien deut- lich, nämlich die Herstellung einer Öffentlichkeit.3 Nur dadurch ist es den Mitgliedern ei- ner Gesellschaft überhaupt möglich, eigene oder andere (politische) Programme, Ab- sichten, Forderungen und Ziele über einen größeren Raum sowohl zu äußern, als auch wahrzunehmen.

2.1 Funktionen für die Gesellschaft

Neben der grundsätzlichen Herstellung von Öffentlichkeit werden den Massenmedien noch weitere Funktionen zugeschrieben. Die Funktionen der Medien seien dabei ver- standen als Aufgaben und Leistungen, die die Medien für die Gesellschaft und ihre Mit- glieder erbringen. Als zentrale Funktion fungiert dabei die Informationsfunktion, welche ausdrückt, dass durch das Vermitteln von Wissen und Erfahrungen das subjektive Wis- sen des Empfängers erweitert wird4. In einer organisierten Massengesellschaft, wie sie in den meisten Staaten der Fall ist und hier als Grundlage gelten soll, ist dies auch nötig, da es dem Individuum nicht möglich ist an alle gesamtgesellschaftlich relevanten Erfah- rungen teilzuhaben, und somit auf medial vermittelte Sekundärerfahrungen5 angewiesen ist. Auf das politische Themenfeld bezogen bedeutet dies, dass der einzelne Bürger so über politische Zusammenhänge kommunikativ unterrichtet wird, dass es ihm möglich ist, durch aktive Teilhabe den Prozess mitgestalten zu können. An dieser Stelle wird ein funktioneller Dreischritt vollzogen. Indem dem Individuum durch die Kommunikation der Massenmedien Zusammenhänge begreifbar gemacht werden, ist es diesem Möglich seine eigene Interessenlage reflektiert zu erkennen, und im dritten Schritt partizipato- risch aktiv an der Mitgestaltung seiner Umstände Anteil zu nehmen. Dieser Vorgang ist elementar für den gesellschaftlichen Integrationsprozess eines jeden Menschen. Die In- formationsfunktion gliedert sich ferner in drei Unterkategorien: die soziale, ökonomische und politische Funktion. An dieser Stelle soll auf die nähere Erläuterung der ersteren beiden Funktionen (u. a. Sozialisation der Individuen durch Normvermittlung und Erfül- lung wirtschaftlich-kapitalistischer Aufgaben) auf Grund der themenbezogenen Fokus- sierung verzichtet werden.

Nähere Betrachtung soll stattdessen die politische Funktion erhalten. Wie eingangs er- wähnt, ist es elementarer Bestandteil demokratisch organisierter und legitimierter Staa- ten, eine allen Mitgliedern zugängliche Öffentlichkeit zu besitzen. Eben diese Öffentlich- keit wird durch die Massenmedien auf dreierlei Weise geschaffen. Einerseits werden die Interesse und Erwartungen der Bürger an das System artikuliert. Dies geschieht nicht ausschließlich durch das Artikulieren von Einzelmeinungen, sondern vor allem auch durch das kollektivieren von Meinungen und Meinungsspektren, so dass ein gesamtge- sellschaftlicher Diskurs überhaupt erst möglich ist. Ulrich Saxer6 beschreibt dies in dieser Hinsicht als Korrelationsleistung, welche die Massenmedien erbringen, indem sie unter- schiedliche Standpunkte aufeinander abstimmen und somit nicht nur Ausdruck der Mei- nungspluralität sind, sondern diese ebenso verringern. Dadurch ist es den regierten Bür- gern auch möglich Kritik und Kontrolle gegenüber den Machthabern zu äußern, indem sie der Opposition gehör geben und aktiv bestimmte Stimmungen erzeugen. Da die ent- sprechenden Amtsträger in Regierung und Co. in gewisser Weise direkt oder mittelbar abhängig von Wahlerfolgen sind, welche wiederum nur durch die Stimmen der medial geprägten Wählerinnen und Wähler erreichbar sind, kann schon die „Angst vor Veröf- fentlichungen“7 bestimmter Inhalte eine Verhaltensänderung in der politischen Arbeit be- wirken. Den Massenmedien wird deshalb auch metaphorisch die Kraft einer „vierten Ge- walt“ zugeschrieben. Andererseits ist es die Aufgabe der Massenmedien, die Entschei- dungen des politischen Systems, bzw. seiner Akteure (Parteien, Institutionen, Regierung und Opposition), überhaupt den Individuen und Gruppen zugänglich zu machen. Vor- gänge innerhalb des politischen Systems, sprich Entscheidungsfindungen und -setzun- gen, werden erst durch die Massenmedien in organisierter Form überhaupt bekannt ge- macht. So wird die dritte Weise der Schaffung von Öffentlichkeit deutlich. Indem sowohl eine Artikulation von den Bürgern zu den Entscheidungsträgern, als auch umgekehrt möglich ist, ist überhaupt erst ein demokratisch-legitimierter politischer Alltag vorstellbar.

2.2 Einordnung in das politische System nach Easton

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Easton, David (1965). A Systems Analysis of Political Life, New York, S.32.

Die Position der Massenmedien im Willensbildungsprozess ist auch in David Eastons Modell des politischen Systems verortbar. In seinem Schaubild nachträglich rot gekenn- zeichnet, wirken diese an verschiedenen Stellen. Die „*1“ bezeichnet dabei die Funktion der Kommunikation der Stimmungen in der Bevölkerung in Form von Demands und Support (Inputs) in die Blackbox des politischen Systems. Dort werden eben diese trans- formiert und resultieren in bestimmten Decisions and actions, welche wiederum an Po- sition „*2“ als Outputs kommuniziert werden müssen. In der Umwelt des politischen Sys- tems („*3“) werden dann anschließend über die Massenmedien eben diese Outputs wie- der aufgeschlüsselt und in der Bevölkerung in einen neuen Willensbildungsprozess ein- geflochten. Im Schaubild wird deutlich, dass die Medien an verschiedenen Punkten Mitt- lerrollen und Transportfunktionen übernehmen, ohne die der Kreislauf „stillstehen“ würde.

Aus den beschriebenen Funktionen leiten sich entsprechende Anforderungen an Mas- senmeiden ab, welche diese erfüllen müssen, um ihre Aufgaben auch tatsächlich effektiv und legitim wahrnehmen zu können. So wird zum einen erwartet, dass Massenmedien eine gewisse Vollständigkeit besitzen. Das bedeutet, dass sie den generellen Anspruch haben, möglichst alle vielfältigen und differenzierten Meinungsspektren und Interessen- gruppen abzudecken.

[...]


1 Vgl. Martin Löffler: Der Verfassungsauftrag der Publizistik. In: Publizistik 5/1960, Festschrift für Emil Dovifat, S. 197-201.

2 Vgl. Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft. Böhlau Verlag, Wien/ Köln/ Weimar 2002, S. 169-172.

3 Vgl. Ronneberger, Franz: Die politischen Funktionen der Massenkommunikation. In: Langen- bucher, Wolfgang (Hrsg.): Zur Theorie der politischen Kommunikation. München, 1974. S. 193- 205. S. 199.

4 Vgl. Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft, S. 402

5 Vgl. ebd., S. 404

6 Vgl. Saxer, Ulrich: Funktionen der Massenmedien in der modernen Gesellschaft. In: Kurzrock, Rupert (Hrsg.): Medienforschung. Berlin, 1974. S. 22-33.

7 Vgl. Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft, S. 394-396

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668365421
ISBN (Buch)
9783668365438
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v349734
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2
Schlagworte
Vertrauen Medien Massenmedien politisches Vertrauen Bundestag Presse Easton Gewalten

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