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Das Konzept des Körpers in der Medizinethnologie

Ein kritisch-interpretativer Ansatz nach Scheper-Hughes und Lock

Hausarbeit 2016 11 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 2

2. Was ist Medizinethnologie? ... 3
2.1. Ökologischer Ansatz ... 3
2.2. Interpretativer Ansatz ... 3
2.3. Kritische Medizinethnologie ... 4
2.4. Ethnomedizin ... 4
2.5. Cartesianischer Dualismus ... 5

3. Das Konzept des Körpers ... 5
3.1. Die drei Körper ... 6
3.1.1 Individueller Körper ... 6
3.1.2. sozialer Körper ... 6
3.1.3. Körperpolitik ... 7
3.2. Gefühle als Mittler des mindful body ... 8

4. Fazit ... 8

5. Literaturverzeichnis ... 10

1. Einleitung

Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart wurde und wird die Medizinethnologie auf verschiedenste Art und Weise in den unterschiedlichen Kontexten definiert und abgegrenzt. Die Medizinethnologie gilt folglich als kulturwissenschaftliche Erforschung von Medizin, Krankheitsbildern und deren Gesundheitsstörungen in Verknüpfung mit ihrer kulturellen Umgebung (Pfeilderer 1993: 344f.).

Erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts institutionalisierte sich die Medizinethnologie in verschiedenen Nationen und in unterschiedlichen Fachbereichen als wissenschaftliche Disziplin. In Deutschland entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert aus der Allgemeinen Anthropologie die Medizinethnologie als Teilbereich der Medizin und gelangte dann unter Beeinflussung der Freud’schen Psychoanalyse zu einer neuen Ausrichtung der Medizin, die auch die kulturelle Biografie einer erkrankten Person berücksichtigte (Pfleiderer 1993: 345ff.). Es galt in den 1970er Jahren die Medizin als kulturelles System zu verstehen und die Dominanz und kulturelle Blindheit der westlichen Biomedizin gesellschaftskritisch zu betrachten (Dilger/Hadolt 2012: 311). Am Ende des Jahrhunderts wurde durch die kritische Medizinethnologie grundlegende Kritik an gesellschaftlichen Machtverhältnissen ausgeübt und für eine gerechtere Verteilung medizinischer Ressourcen plädiert (ebd.:312). Erst nach Ende der 1980er Jahre nachdem Natur als eine Form des Kulturellen festgestellt worden war, wurde auch die scheinbar objektive Realität von Krankheit und Körper zu einem zentralen Forschungsthema der Medizinethnologie (ebd.). Infolgedessen wurde der alleinige Definitionsanspruch der Biomedizin auf das, was als Krankheit und Körper gelten kann, infrage gestellt und begonnen neue Modelle und Theorien des Körperlichen, des Leidens und des Heilens in der Medizinethnologie zu entwickeln. „Krankheit wurde in diesen Zusammenhängen als Ausgangspunkt solcher Überlegungen abgelöst durch den Begriff des Leidens, Körper durch Begriffe wie embodiment und Leib“ (ebd.).

Diese Arbeit wird nach einer kurzen Erläuterung der vier verschiedenen Ansätze der Medizinethnologie und des cartesianischen Dualismus das Konzept des Körpers zunächst diesen Kategorien zuordnen. Daraufhin gehe ich auf die zentrale Frage ein: Wie unterscheidet sich das Verständnis des Körpers in der Medizinethnologie von dem der Biomedizin? Dazu orientiere ich mich an dem Modell der drei Körper nach Scheper-Hughes und Lock (1987). Anschließend werden die gewonnen Erkenntnisse und die Antwort auf die zentrale Frage in einem Schlussfazit nochmals kurz zusammengefasst.

2. Was ist Medizinethnologie?

Baer/Singer/Susser (1997:3) definieren Medizinethnologie und in dessen Zusammenhang den Körper wie folgt:

„Medical anthropology concerns itself with the many factors that contribute to disease or illness and with the ways that various human populations respond to disease or illness. [...] the human body is a complex product [...] [and] its processes are not only shaped by physiological variables but also mediated by culture and by emotional states.“

Es existieren vier grundlegende Ansätze und Denktraditionen der Medizinethnologie: der interpretative Ansatz (interpretive medical anthropology), der ökologische Ansatz (medical ecology), die kritische Medizinethnologie (critical medical anthropolgy) und die Ethnomedizin (ethnomedicine) (Dilger/Hadolt 2012: 317).

2.1. Ökologischer Ansatz

Die Medizinökologie erklärt menschlicher Erkrankungen unter dem Einfluss von der biologischen Anthropologie. Bei diesem Ansatz werden die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern (Pathogenen), Umwelt, Kultur und Mensch (host) und deren Auswirkung auf den Gesundheitsstatus einzelner sozialer Gruppen erforscht (ebd.: 318). Demnach befindet sich das Ökosystem in einem prinzipiellen Gleichgewicht, das durch menschliches Handeln gestört wird, was zur Veränderung bzw. Ausbreitung von Krankheitserregern führt (ebd.). Umgekehrt reagieren Körper und menschliches Verhalten mit Adaption auf ökologische Veränderungen und Krankheiten, was zur weiteren Entwicklung von neuen Behandlungs- und Heilungstechniken führt (Baer/Singer/Susser 1997: 21).

2.2. Interpretativer Ansatz

Die interpretive medical anthropology betrachtet das soziale Umfeld und die soziale Einbettung von Krankheitserfahrungen. Es vertritt ein grundsätzlich semiotisches Kulturverständnis und setzt sich damit auseinander, wie kulturspezifische Bedeutungen und Ideen mit Krankheit und Heilen verknüpft sind und wie diese das Gesundheitsverhalten im Vorfeld strukturieren (Dilger/Hadolt 2012:317). Als einflussreicher Vertreter dieser Tradition gilt Arthur Kleinman (1980), der Ende der 1970er Jahre einige der damals gängigen Konzepte und Theorien in seinem Modell des health care systems zusammenfasste (Kleinman 1980: 24).


Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668372177
ISBN (Buch)
9783668372184
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v349932
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Ethnologie
Note
1,3
Schlagworte
Medizinethnologie ethnologie scheper-rughes drei Körper körperleere Säfte 1987 Grundwissen theorie csordas analytischer Ansatz interpretativer Ansatz ethnomedizin ökologischer Ansatz kritische medizinethnologie cartesianischer Dualismus individueller Körper sozialer Körper körperpsychologie mindful body gefühle

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