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Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus

Vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus
2.1 Die klassische politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates
2.2 Was ist ein Wohlfahrtsstaat?
2.3 Typologie der Wohlfahrtsstaaten
2.3.1 Liberaler Wohlfahrtsstaat
2.3.2 Konservativer Wohlfahrtsstaat
2.3.3 Sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaat
2.4 Neuere politische Ökonomie
2.4.1 Systemisch-strukturalistisch
2.4.2 Institutionalistisch-akteurszentriert
2.4.3 Klassen als politische Akteure

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1990 veröffentliche der dänische Politikwissenschaftler Gøsta Esping-Andersen sein Hauptwerk Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Die in diesem Werk erarbei-tete Typologie von Wohlfahrtsstaaten ist grundlegend für die vergleichende Wohl-fahrtsstaatsforschung. Einerseits war Esping-Andersen der erste, der sich in diesem Umfang mit den modernen Wohlfahrtsstaaten beschäftigt und andererseits haben die von ihm eingeführten Typen, nach denen er zusätzlich die modernen Wohlfahrtsstaa-ten einteilte, auch heute noch weitestgehend Gültigkeit. Daher werde ich mich inner-halb dieser Arbeit zur vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung vor allem mit die-sem Werk von Esping-Andersen beschäftigen. Zusätzlich werde ich untersuchen, welche Schwächen sein Werk dennoch aufweist.

Die Unterteilung in liberale, konservative und sozialdemokratische wohlfahrtsstaatliche Regime werde ich ausgehend von der klassischen politischen Ökonomie, auf die Esping-Andersen ebenso Bezug nimmt, und verschiedenen Modellen, die sich aus seinen zentralen Kriterien für Wohlfahrtsstaatlichkeit ergeben, erarbeiten. Danach werde ich auf die neuere politische Ökonomie und ihre Erklärungsansätze zur Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten eingehen.

Im abschließenden Fazit werde ich der Frage nachgehen, inwieweit seine Typologie auch heute noch ausreichend ist, um die unterschiedlichen Wohlfahrtsstaaten zu be-schreiben.

2 Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus

2.1 Die klassische politische Ökonomie des Wohlfahrtsstaates:

Zu Beginn zeigt Esping-Andersen die Ursprünge seiner Theorie auf: Die Beschäftigung der klassischen Ökonomie mit dem Verhältnis von Markt und Staat. Zentrale Fragen - wie die nach dem Ausmaß, in dem der Wohlfahrtsstaat die Bedeutung sozialer Klassen reduzieren kann, oder die Frage, wodurch sich Wohlfahrtsstaaten entwickeln - sind für ihn „keineswegs neu“1. Seine später dargestellte Typologie knüpft in ihren Grundzügen an die Unterteilung der klassischen politischen Ökonomie in liberale, konservative und marxistische Positionen an. In der liberalen Sichtweise, die im Wesentlichen auf Adam Smith zurückgeht, ist die Freiheit des Marktes zentral für die Verbesserung von Wirtschaft und Gesellschaft. Marktfreiheit bzw. Wettbewerb schaffen Effizienz und soziale Gleichheit. Der Markt wird sogar als „das beste Mittel zur Abschaffung von Ungleichheiten, Klassen und Privilegien“2 gesehen, wohingegen staatliches Eingreifen hierfür hinderlich sei. Von Vertretern der liberalen Schule wird deshalb ein zurückhaltender und (wohlwollend) neutraler Staat gefordert. Auch der Demokratie stehen ihre Vertreter kritisch gegenüber und sehen ihr Prinzip als Widerspruch zum freien Markt. Bei der Bewertung dieses Ansatzes darf nicht vergessen werden, dass der Staat zur Zeit der Entstehung der Theorien von Korruption, absolutistischen Privilegien und Marktprotektionismus geprägt war.

Die konservative politische Ökonomie spricht von einem monarchischem Wohlfahrtsstaat. Sie fordert ein hohes Maß an staatlicher Intervention und letztlich einen staatlich regulierten Markt. Dabei soll Effizienz durch Disziplin erreicht werden. Die Demokratie wird hier ebenfalls kritisch betrachtet, da sie die Einhaltung einer natürlichen sozialen Hierarchie gefährde. Die Existenz von Klassen wird demnach befürwortet, indem diese zu einer gesellschaftlichen Harmonie beitragen. Diese konservative Richtung lässt sich als nationalistisch charakterisieren und wendet sich gegen Strömungen der französischen Revolution.

Die marxistische Richtung der klassischen politischen Ökonomie kritisiert die Rolle des Staates dahingehend, dass er einzig für Sicherung der Dominanz der herrschenden Klasse existiert. Freie Märkte führen zu kapitalistischer Akkumulation und damit zu Klassenkonflikten. Hier wird die Frage gestellt, die auch für die moderne Wohlfahrtsforschung von zentraler Bedeutung ist, ob und wie die kapitalistisch produzierten sozialen Klassenspaltungen und Ungleichheiten mit den Mechanismen der parlamentarischen Demokratie behoben werden können.

2.2 Was ist ein Wohlfahrtsstaat?

Ein Wohlfahrtsstaat ist definierbar als „Staat, der umfassende Maßnahmen zur Steigerung des sozialen, materiellen und kulturellen Wohlergehens seiner Bürger ergreift.“3 Die Bezeichnung unterscheidet sich vom Sozialstaat insofern, als das sie umfassender ist, da sie z.B. auch Kulturpolitik berücksichtigt und nicht nur unmittelbare soziale Maßnahmen beinhaltet. Aufgrund der Abstraktheit des Begriffes, ist es schwierig, das Ausmaß an Wohlfahrtsstaatlichkeit in einem Staat anhand von bestimmten Kriterien zu bestimmen. So genügt z.B. das Niveau der Sozialausgaben nicht als alleiniger Indikator, da nicht alle Maßnahmen finanzieller Art sind. Esping-Andersen sagt sogar, die „Sozialausgaben sind nur Begleiterscheinungen dessen, was die theoretische Substanz des Wohlfahrtsstaates ausmacht“4 Ein mögliches Kriterium wäre eine tägliche Staatstätigkeit, die auf Wohlfahrtsstaatlichkeit basiert. Aber problematisch ist hierbei, dass auf diese Weise nur etwas über die quantitative Wohlfahrtsstaatlichkeit ausgesagt wird, nicht aber über die Qualität.

Esping-Andersen führt zwei zentrale Elemente eines Wohlfahrtsstaates an: Das ist zum einem die Festsetzung von sozialen Rechten, die die De-Kommodifizierung stärken sollen. De-Kommodifizierung bezeichnet „das Maß, in dem Verteilungsfragen vom Marktmechanismus entkoppelt sind“5. Zum anderen ist der Wohlfahrtsstaat ein System der sozialen Stratifizierung, d.h. er ordnet aktiv und direkt soziale Bindungsmuster. Anhand der Ausprägung dieser Kriterien unterscheidet er jeweils drei verschiedene Modelle von Wohlfahrtsstaatlichkeit, die Gemeinsamkeiten mit den Ansätzen der liberalen, konservativen und marxistischen Positionen aufweisen.

Eine gering ausgeprägte De-Kommodifizierung folgt aus dem Modell der Sozialfürsorge. Sie zielt auf eine Stärkung des Marktes und der privaten Vorsorge ab, sodass die Wohlfahrtsstaatlichkeit an den Marktmechanismus gekoppelt wird. Im Modell der Zwangsversicherung ist eine hohe De-Kommodifizierung nur bedingt gegeben, da ihre sozialen Leistungen beitragsabhängig sind. Das heißt, dass man erst Beiträge zahlen muss, um Leistungen zu empfangen und dass deren Höhe von der Höhe der Beitragszahlungen abhängig ist. Im Beveridge-Modell hingegen sind die Leistungen steuerfinanziert und nicht beitragsabhängig. Dafür haben sie einen geringeren Umfang, sodass auch hier die De-Kommodifizierung nur bedingt ausgeprägt ist.

Bezogen auf die Stratifizierung weist das Modell der Armenhilfe eine stark stigmatisierende Wirkung auf. Es verschärft soziale Gegensätze und Klassenkonflikte. Im Sozialversicherungsmodell werden letztere zwar aufrecht erhalten, aber nicht unbedingt verschärft. Die Politik zielt durch Programme für unterschiedliche Klassen auf eine soziale Spaltung ab. Charakteristisch für dieses Modell ist auch die Bestrebung individuelle Loyalität an Staatsautoriät zu binden, sodass man auch vom „staatskorporatistischen“ Modell spricht. Das universalistische System versucht ein einheitliches Leistungsniveau zu erzielen und damit letztlich die Klassen abzuschaffen. Problematisch ist hierbei jedoch der Hang zum Dualismus durch private Vorsorge. Damit ist gemeint, dass bei einem niedrigem Leistungsniveau der Anreiz für Reiche steigt, sich privat abzusichern, was damit zu einer zwei-Klassen-Gesellschaft führen könnte.

2.3 Typologie der Wohlfahrtsstaaten:

Ausgehend von den drei jeweiligen Modellen bezüglich der beiden wesentlichen Kriterien, De-Kommodifizierung und Stratifizierung, und weiteren Kriterien, wie der Arbeitsmarktpolitik oder dem Verhältnis von Staat, Markt und Familie bei der Wohlfahrtsproduktion, entwickelt Esping-Andersen eine Typologie von Wohlfahrtsstaaten, in der er drei unterschiedliche Regime herausarbeitet. Diese werden von ihm den vorhandenen Wohlfahrtsstaaten zugeordnet.

[...]


1 Esping-Andersen, Gøsta(1998): Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Zur politischen Ökonomie des des Wohlfahrtsstaates. In: Lessenich/Ostner (Hrsg.): Welten des Wohlfahrtskapitalismus. Der Sozialstaat in vergleichender Perspektive. Frankfurt und New York: Campus Verlag, 3. Aufl., S. 18. (Künftig zitiert: Esping-Andersen: Wohlfahrtskapitalismus)

2 Ebd., S. 19

3 Dipl. oec. Seidel, Geert: VWL für Wirtschaftsinformatiker(Vorlesung). Online unter: http://www.spup.de/wwi09b3/Wohlfahrtsstaat.pdf, abgerufen am: 25.09.2011

4 Esping-Andersen: Wohlfahrtskapitalismus, S. 25

5 Ebd., S.27

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668371095
ISBN (Buch)
9783668371101
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350530
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Politikwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
welten wohlfahrtskapitalismus vergleichende wohlfahrtsstaatsforschung

Autor

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Titel: Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus