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Auswirkungen der Kulturpolitik in der DDR

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa ab kaltem Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Kulturpolitische Voraussetzungen und Zielvorstellungen

II. Der „Bitterfelder Weg“

III. Vom Mauerbau zum „Kahlschlagplenum“

IV. Die Honecker-Ära

V. Schlussbetrachtung

VI. Literaturhinweise

Einleitung

Der gesellschaftlichen Bedeutung die von der Kultur ausgeht wird besonders in autoritären Staaten wie der DDR beträchtliche Aufmerksamkeit zuteil, um sie gezielt als erzieherisches Instrument zu nutzen. Die Kulturpolitik war stets ein wesentlicher Bestandteil des Herrschaftssystems der SED, insofern die Partei die Rahmenbedingungen für Kunst und Literatur schuf. Das öffentliche Kulturleben wurde von staatlichen Einrichtungen wie dem Kulturbund, der Akademie der Künste oder dem Schriftstellerverband organisiert, was der DDR eine vielfältige Auftragspolitik ermöglichte. Die Förderung der Kulturpolitik war dem Prinzip des Sozialismus verpflichtet, die eine freie Kunstentfaltung jedoch unterminierte. Gegenstand dieser Arbeit ist die chronologische Herausarbeitung der verschiedenen Etappen der Kulturpolitik in der DDR, von ihren Anfängen bis zur Wende, wobei anhand bedeutender historischer Ereignisse und Zäsuren, die kulturpolitische Programmatik und deren Auswirkungen nachgezeichnet werden sollen. Beginnend mit der sozialistischen Doktrin und den ideologischen Zielsetzungen, die bereits vor der Staatsgründung unternommen wurden, soll in einer ersten Phase der „Bitterfelder Weg“ erläutert werden, der erhebliche Auswirkungen auf den Kulturbetrieb für mehrere Jahrzehnte hatte. An dieses Ereignis anknüpfend, folgt eine zweite Phase, die nach dem Mauerbau ansetzt und anfangs Hoffnungen auf eine Liberalisierungspolitik zuließ, doch später zum sogenannten „Kahlschlagplenum“ führte. In einer letzten Phase soll die Kulturpolitik nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker beleuchtet werden. Diese Phase ist von mehreren Schwankungen gekennzeichnet, die kaum einer eindeutigen kulturpolitischen Richtung folgen und daher einer näheren Betrachtung bedürfen.

I. Kulturpolitische Voraussetzungen und Zielvorstellungen

Primäres Ziel der Kulturpolitik der DDR war die Herausbildung eines sozialistischen Bewusstseins, wobei sowohl die Wirtschaft als auch die Kultur als tragende Elemente fungierten. Die DDR suchte ihre Legitimation maßgebend in einer antifaschistisch-demokratischen Doktrin, die ihre Vollendung im Sozialismus fand. In einer ersten Phase betonte die Politik insbesondere marxistisch-leninistische Verlautbarungen, denen zufolge der Faschismus ein konstitutives Merkmal des kapitalistischen Systems darstellt, dessen Bedingungen es zu unterminieren gilt. Dieser moralische

Rechtsanspruch fand seinen Ausdruck in besonderem Maße in der Kulturpolitik, sofern sich bereits 1944 in Moskau eine Kulturkommission der KPD, unter der Leitung des Schriftstellers Johannes R. Becher, formierte. An dieser Sitzung nahmen zahlreiche Künstler und Schriftsteller, sowie Vertreter der Parteiführung Teil.1 Becher betonte in seiner Ansprache die Notwendigkeit eines Umerziehungsprozesses des deutschen Volkes, den er als „nationales Befreiungs- und Aufbauwerk größten Stils auf ideologisch-moralischem Gebiet“2 definierte. Das Augenmerk lag nicht auf der Förderung einer neuen Klasse von Intellektuellen, sondern auf der Schaffung einer einheitlichen und leistungsfähigen Masse an Kulturschaffenden. Die kulturpolitische Linie der KPD war auch stärker an den Humanismus angelehnt als es noch in den vorherigen Jahren der Fall war, was sich an den Ausführungen Wilhelm Piecks auf der ersten Kulturkonferenz der KPD vom 3. bis 5. Februar 1946 deutlich festmachen lässt:

Wir müssen Voraussetzungen und Bürgerschaften dafür schaffen, daß nun wirklich einmal die erhabenen Ideen der Besten unseres Volkes, die Ideen, die wir bei den Größten aller Zeiten und Völker wiederfinden, die Ideen echter, tiefgefühlter, kämpferischer Humanität und wahrer Freiheit und Demokratie, die Ideen der Völkerverständigung und des gesellschaftlichen Fortschritts zu den beherrschenden Mächten in unserem kulturellen Leben werden und ebenso zu lebendigen Kräften, die unser gesamtes politisches und gesellschaftliches Leben richtunggebend gestalten.3

Ausgehend von einem kulturellen Erbe bedeutete dies konkret, dass die Werke bedeutender Dichter und Denker der deutschen Klassik wie Goethe und Schiller zum Schönheitsideal heraufbeschworen und als literarischer Fundus einer neuen demokratischen Kultur profiliert wurden.

Die kulturpolitischen Aufgaben der KPD fundierten somit auf drei Säulen: „konsequente antifaschistisch-demokratische 'Umerziehung' des deutschen Volkes, Schaffung einer neuen 'Intelligenz' aus Arbeitern und Bauern sowie Pflege des humanistischen Erbes und Durchsetzung einer neuen antifaschistisch-demokratischen Kultur“4.

Der am 4. Juli 1945 gegründete „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ wurde zu einem konkreten Instrument um die Erneuerung des deutschen Kulturlebens zu gewährleisten und voranzutreiben. Er verstand sich anfangs als unabhängige und überparteiliche Massenorganisation, bevor er Ende der 1940er Jahre in den Einflussbereich der SED geriet und als Lenkungssystem für die Kulturpolitik instrumentalisiert wurde. Zur Vorgeschichte des Kulturbundes gehörten die Bestrebungen des späteren Präsidenten Johannes R. Bechers, der bei zahlreichen Intellektuellen und Kulturschaffenden um eine Mitgliedschaft warb und im Juni 1945 ein Komitee zur Gründung des Kulturbundes einberief. Auf seiner Gründungskundgebung verabschiedete das Komitee ein Manifest in dem es heißt „der Kulturbund wolle die deutsche Kultur wieder erwecken und ein neues deutsches Geistesleben begründen“5. Die programmatischen Erklärungen des Kulturbundes gliederten sich in die angestrebte Volksfrontpolitik ein, sofern das Gründungsmanifest die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und die Schaffung einer kulturellen Einheitsgesellschaft, die in ihren Denk- und Verhaltensmustern vom faschistischen Gedankengut befreit ist, als primäre Ziele dezidierte. Die antifaschistischen Akzente schlugen sich weiterhin insbesondere in dem im September 1945 gegründeten Aufbau-Verlag und deren kulturpolitischen Zeitschrift Aufbau nieder, deren erste Ausgabe Beiträge namhafter Schriftsteller wie Thomas Mann oder Ernst Wiechert enthielt. Es folgten weitere Hefte, die eine breitere Masse an Lesern ansprechen sollten, wie die Wochenzeitschrift Sonntag, die Themen wie Kunst, Unterhaltung und Kulturpolitik behandelte. Des Weiteren wurde dem Kulturbund im Oktober 1945 eine Sendung im Berliner Rundfunk bewilligt, die sich mit kulturpolitischen Themen wie der „Erneuerung des Geschichtsbildes“, „der Entwicklung des Humanitätsgedankens“ oder der „Erziehung der Jugend“6 auseinandersetzte. Nun wurde der Kulturbund zu einem zentralen kulturpolitischen Akteur und bot ein immer weitreichenderes Angebot an kulturellen Aktivitäten, wobei sich jedoch ein schleichender Prozess hin zu einer Kulturpolitik nach sowjetischem Vorbild etablierte. Während sich zu jener Zeit liberale Anschauungen noch entfalten konnten, wurden seit 1948 von der SED im Kontext des Zweijahresplanes strukturelle Veränderungen proklamiert, die für die Kulturpolitik eine engere Bindung zwischen Kultur und Arbeiterklasse propagierte. Unter der Parteiführung von Walter Ulbricht ließ Anton Ackermann am 1. Kulturtag der SED verlautbaren, dass die neue Arbeiterklasse zur „Trägerin der neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung“7 werden sollte. Ein Mittel zur Umsetzung des kulturpolitischen Kurses sollte durch eine Auftragspolitik gewährleistet werden. Insbesondere der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) wurde zu einem integrativen Element des Machtgefüges der SED und deren Auftragspolitik. So entstanden erste Kulturhäuser in denen Konzerte und Lesungen stattfanden, sowie ein „Kulturfonds“ um die Massenkultur zu fördern.

[...]


1 Vgl. Volker Gransow: Kulturpolitik in der DDR. Berlin 1975. S. 50

2 Johannes R. Becher: Bemerkungen zu unseren Kulturaufgaben. In: Johannes R. Becher-Archiv (Hg.): Johannes R. Becher. Gesammelte Werke. Berlin und Weimar 1966-1981. Bd. 16. S. 362

3 Wilhelm Pieck: Um die Erneuerung der deutschen Kultur. Berlin 1946. S. 19

4 Gransow (1975): S. 52

5 Ebd. S. 53

6 Ebd. S. 55

7 Anton Ackermann: Marxistische Kulturpolitik. Berlin 1948. S. 26

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668372092
ISBN (Buch)
9783668372108
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v350586
Note
17/20
Schlagworte
DDR Kulturpolitik

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