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Verarbeitung von Bildmaterial

Der Prozess der Bildverarbeitung und Zusammenhang zwischen Bild und Text

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das Bild als Information
1.1 Die Definition des Bildes
1.2 Eigenschaften von Bildern

2 Theorien zur Verarbeitung von Bildern
2.1 Paivios Theorie der dualen Codierung
2.2 Pylyshyns Theorie der Propositionen
2.3 Ein vermittelnder Ansatz

3 Praktische Überprüfungen zur Verarbeitung von Bildmaterial
3.1 Wirkungsqualitäten von visuellen Darstellungen und Texten
3.2 Text-Bild-Korrespondenz
3.3 Weitere Untersuchungen

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Einleitung

Mit der Mediatisierung der Gesellschaft hat die Produktion und Verbreitung von Bildern rapide zugenommen. Auf Plakaten, Videowänden, in Zeitschriften und ganz besonders im Fernsehen werden Bilder genutzt um zu informieren und zu unterhalten. Ob nun stehend oder bewegt, Bilder sind um uns herum und begleiten uns jeden Tag. Selbst Gedanken sind oftmals in Bildern präsent. Allerdings können diese bildhaften Gedanken nur entstehen, wenn Bilder aufgenommen und verarbeitet werden. Wie der Prozess der Bildverarbeitung vonstatten geht und welchen Zusammenhang es zwischen Bild und Text gibt, soll in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet werden.

Die Komplexität und Vielfalt von Bildern macht es schwierig, eine eindeutige Definition für ein Bild zu finden. Im ersten Kapitel wird das Bild als Information betrachtet und mögliche Definitionen geboten, was ein Bild sein kann, um im Anschluss auf die Eigenschaften von Bildern näher einzugehen. Theoretische Erklärungsversuche zur Verarbeitung von Bildmaterial sind Gegenstand von Kapitel zwei. Darin werden zwei gegenläufige Positionen betrachtet und ein vermittelnder Ansatz kurz erläutert. Im Hinblick auf die praktische Nutzung von Bildern beschäftigt sich das dritte Kapitel mit verschiedenen Untersuchungen zur Verarbeitung von Bild und Text, dabei werden auch Darstellungseffekte mit einbezogen. Zum Abschluss der Arbeit findet sich ein zusammenfassendes Fazit, das nochmals die wichtigsten Erkenntnisse kurz anspricht und in Relation setzt.

Im Hinblick auf das gestellte Thema der Arbeit wäre es wohl sinnvoller gewesen, nachfolgende Ausführungen in Form eines Bildes vorzulegen.

1 Das Bild als Information

Bilder und Texte werden visuell wahrgenommen. Allerdings unterscheiden sie sich in ihren Präsentationsformen. Ein Text besteht im allgemeinen aus Buchstaben, die zu Worten aneinandergefügt werden, aus denen der Text entsteht. Dieses Textgefüge folgt einer gewissen Syntax und Semantik. Nur aufgrund der syntaktischen Anordnung der Worte kann ein Text Informationen vermitteln, die auch verstanden werden können. Bilder hingegen folgen einer ganz einfachen Struktur. Sie bilden ab. Und diese Abbildungen vermitteln in ihrer Komplexität ebenfalls Informationen. Das Bild als Information soll im folgenden näher betrachtet werden.

1.1 Die Definition des Bildes

Bevor man sich Gedanken darüber machen kann wie die Verarbeitung von Bildmaterial vonstatten geht, muss erst einmal die Begrifflichkeit geklärt werden. Da wir uns im Bereich der Kommunikationswissenschaften bewegen, sollen Bilddefinitionen aus rein künstlerischer Sicht ausgeklammert werden.

Grundsätzlich ist das Bild in philosophischer Wahrnehmung eine Darstellung von Realität. „Wir machen uns Bilder der Tatsachen... Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit“ (Ludwig Wittgenstein, zitiert nach Meckel, 2001: 30). Hiermit ist eine Wirklichkeit gemeint, die durch Erfahrungen, Erinnerungen und Vorstellungen als Bild oder in Bildern dauerhaft gespeichert wird und dadurch die Sozialisation des Individuums bestimmt (vgl. Meckel, 2001: 30). Bilder werden also im Gehirn durch visuelle Sinneseindrücke erzeugt und bilden wiederum die wahrgenommene Realität des einzelnen. Das Bild als Abbild der Welt um einen herum. Auf diese Sichtweise bauen andere Definitionen auf.

Der Sprachwissenschaftler Mitchell beispielsweise teilt das Bild in fünf unterschiedliche Kategorien auf. Grafische Bilder sind für ihn alle künstlerisch geschaffenen Abbildungen, wie etwa Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. In der Kategorie optische Bilder fasst er Spiegel und Projektionen zusammen. Sinnesdaten und Erscheinungen sind für Mitchell perzeptuelle Bilder, dem gegenüber stellt er geistige Bilder, die Träume und Ideen umfassen. Als fünftes unterscheidet Mitchell noch die sprachlichen Bilder, worunter etwa Metaphern zu verstehen sind (vgl. Mitchell, 1990: 19ff). Dies vermittelt einen Eindruck über die unterschiedlichen Charakteristiken durch die Bildmaterial kategorisiert werden kann. Dabei fällt auf, dass es sich bei Bildern um materielle, nämlich grafische sowie optische oder immaterielle Bilder wie Träume, Erscheinungen, Ideen oder Metaphern handeln kann.

Mit Bezug auf die Differenzierung von Zeichentypen innerhalb eines Zeichensystems wie abbildende und willkürliche Schriftzeichen unterscheidet Mitchell außerdem das Bild in zwei konträre Gruppen. Zum einen existiert für ihn das natürliche, mimetische Bild, das „so aussieht wie das, was es repräsentiert“ (Mitchell, 1990: 56) und andererseits das künstliche, expressive Bild, welches nur in Worten auszudrücken ist, da es das Abgebildete nicht mehr unmittelbar erkennen lässt (vgl. Mitchell, 1990: 56).

Der Medienpädagoge Doelker hingegen definiert als Bild „eine zum Zweck der Betrachtung oder Verständigung hergestellte Konfiguration. In diese Definition sind die Kriterien der Begrenztheit, der Transferierbarkeit und der Reproduzierbarkeit eingeschlossen. Eine optisch anregende Konstellation aus großer Höhe betrachtet ist noch kein Bild; erst die fotografische Aufnahme, die die Bedingung ´Herstellung´ erfüllt [...], und die Darbietung vor Betrachtern macht die Konfiguration zum Bild“ (Doelker, 1997: 187).

Diese Bilddefinition spiegelt im Prinzip die Verwendung von Bildern in den Massenmedien. Besonders die Audio-Visuellen Medien wie das Fernsehen erzeugen Bilder, die zur Betrachtung oder Verständigung hergestellt und vor Betrachtern, nämlich den Zuschauern, dargeboten werden. Nach der Definition von Doelker ist ein Bild gut zur visuellen Kommunikation geeignet. Allerdings werden dabei immaterielle Bilder vollkommen vernachlässigt (vgl. Müller, 2001: 19).

Auf diese Definitionen aufbauend und unter Einbeziehung ikonologischer Bilddefinitionen unterscheidet die visuelle Kommunikationsforschung zwei Arten von Bildern. Zum einen materielle Bilder, die Abbilder und zum anderen immaterielle Bilder, die Denkbilder, die beide in Zusammenhang stehen. Dieser zweiseitige Bildbegriff bestimmt sich durch die Untrennbarkeit der beiden Bildaspekte materiell und immateriell. Allerdings ist dabei einzig und allein relevant,„dass sich Bilder in einer materialisierten Form ausdrücken“ (Müller, 2001: 21), unabhängig von ihrer Produktion. In der visuellen Kommunikationsforschung ist also nur die materielle Gestalt des Bildes von Bedeutung, die aufgrund der Denkbilder zustande kommt. Die Abbilder werden in unterschiedliche Gestalttypen unterteilt (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Bildbegriff in der visuellen Kommunikationsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Müller, 2001: 21, Abbildung 3

Sie können durch eine von vier Produktionsarten erzeugt werden, entweder künstlerisch, kommerziell, journalistisch oder wissenschaftlich. Jeder Gestalttypus kann auf jede Art produziert werden (vgl. Müller, 2001: 21). Ein Film beispielsweise kann sowohl künstlerisch als auch kommerziell, journalistisch oder wissenschaftlich hergestellt werden. Allerdings ist es dabei fraglich, wie sich dabei die Produktionsarten in der realen Umsetzung überschneiden. Ein Film ist sicher immer auch mit kommerzieller Produktion verbunden, auch wenn er eigentlich auf künstlerische oder journalistische Weise produziert wurde. Auf der Rezeptionsebene ergeben sich komplexere Zusammenhänge, denn die Rezeption geschieht nicht nur unimodal, sondern in allen vier Rezeptionsmodi. Zudem können diese auch parallel zueinander auftreten (vgl. Müller, 2001: 21). Ein Film kann eben sowohl kommerziell als auch künstlerisch oder journalistisch sowie wissenschaftlich rezipiert werden.

Auch wenn der Bildbegriff näher definiert wurde, so wurde noch nichts über die Eigenschaften und Wirkungen von Bildern erläutert. Dies soll nachfolgend geschehen.

1.2 Eigenschaften von Bildern

„Ein Bild repräsentiert einen Gegenstand oder einen Sachverhalt“ (Straßner, 2002: 13). Die Art wie das Bild dies repräsentiert ist abhängig von bestimmten Eigenschaften. Grundlegend sind Bilder, wenn sie nicht abstrakt oder symbolisch sind, wirklichkeitsnah. Und diese Wirklichkeitsnähe lässt sie auch authentisch wirken, denn sie bilden reale Momente ab (vgl. Doelker, 1997: 53; Frey, 1999: 45; Meckel, 2001: 28; Straßner, 2002: 13). Es sind also Abbilder der materiellen Welt (vgl. 1.1). Dadurch sind Bilder auch glaubhafter als reiner Text. Dies wird besonders deutlich im Bereich der Fernsehnachrichten oder auch bei Pressemeldungen, die bebildert sind.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638351188
ISBN (Buch)
9783638652711
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35085
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Sozialwissenschaftliches Institut - Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät - LS für Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Verarbeitung Bildmaterial Publikumsverhalten Menschen Medien Rezeption

Autor

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Titel: Verarbeitung von Bildmaterial