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"Not a Chinaman's Chance" - Expliziter und impliziter Kulturenkampf in David Hwangs "Family Devotions"

Hausarbeit 2002 35 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Family Devotions als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft
1.1 Asian Americans - Die Model Minority
1.1.1 Verdrängung der roots durch Materialismusstreben
1.1.2 Verdrängung der roots durch Gottesglauben
1.1.3 Rudimente des asiatischen Erbes
1.2 Heterogenität der Asian-American Community

2 Family Devotions – ein Stück zwischen Humor und Tragik
2.1 Parodie des American Way of Life
2.2 Überschreitung der realistischen Darstellungsweise
2.2.1 Glassymbolik
2.2.2 Feuersymbolik
2.2.3 Das Symbol des „racial shadow“

3 Asian-Americans: Asiaten in Amerika vs. Amerikaner aus Asien

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Aberglaub’, in dem wir aufgewachsen,

Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum

Doch seine Macht nicht über uns. – Es sind

Nicht alle frey, die ihrer Ketten spotten.

Lessing. Nathan der Weise. (IV.iv. 377-380)

Betrachtet man Geschichte und gegenwärtige Situation der verschiedenen ethnischen Minoritäten in den USA, sei es der afrikanischen, der lateinamerikanischen oder der asiatischen, erkennt man zwangsläufig eine fundamentale Problematik, die alle diese Gruppen gemeinsam haben und die von Myrl Guy Jones in seinem Aufsatz „Rereading American Culture“ als „doubleness of vision“ (253) bezeichnet wird. Gemeint ist damit die hybride Position der sogenannten hyphenated Americans, die sich aus der Determiniertheit durch Rasse und damit verbundenem Ursprungsland einerseits und dem Einfluß des gegenwärtigen kulturellen Milieus andererseits konstituiert.[1] Um dieser Problematik zu begegnen bzw. um sich trotz der unausweichlichen Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen im neuen Heimatland eine Identität aufzubauen, bleiben dem Immigranten in Amerika sowie seinen Nachkommen oberflächlich betrachtet scheinbar nur zwei Möglichkeiten. Entweder er versucht, allen Widerständen zum Trotz die Kultur, aus der er stammt, aufrecht zu erhalten und sich so seinen ethnischen Stolz zu bewahren, oder er gibt seine Wurzeln zugunsten einer möglichst vollständigen Assimilation an die Sitten und Gebräuche der neuen Kultur auf.

Obwohl nun aber die „doubleness of vision“ sowie die Frage ihrer Handhabung eine gemeinsame Basis aller ethnischen Minoritäten darstellt bzw. gerade im Hinblick auf diese Gemeinsamkeit, wird bei genauerer Betrachtung der Problematik deutlich, daß es eine Gruppierung gibt, die innerhalb dieser Thematik eine Sonderstellung einnimmt. Es handelt sich hierbei um die Gruppe der aus Japan, China und von den Philippinen stammenden Immigranten, kurz um die Asian-Americans. So unterscheiden sich diese nämlich nicht nur durch die Jahrtausende alte Kultur ihres Herkunftslandes von den meisten anderen ethnischen Minderheiten. Auch die Tatsache, daß sie den Angehörigen anderer immigrierter Gruppen zahlenmäßig überlegen sind, da in neuerer Zeit jeder zweite Einwanderer in die USA aus Asien kommt (vgl. Zinzius: 63), ist nicht als Hauptkriterium für die Sonderstellung der Asian-Americans zu sehen. Vielmehr stellen altüberlieferte Kultur und erhöhte Einwanderungszahlen hier vermutlich nur die Ursache bzw. das Ergebnis einer Entwicklung dar, die die asiatischen Einwanderer seit der ersten offiziellen chinesischen Immigration in die USA im Jahre 1820 (vgl. Gall: 41) in den Augen der breiten Öffentlichkeit durchgemacht haben: die Entwicklung zur Model Minority[2], einer Minderheit also, die sich scheinbar der amerikanischen Kultur in vorbildlichem Maße angepaßt hat und gleichsam im Gegenzug dazu mit Akzeptanz und einem angenehmen Leben belohnt wird.

Impliziert nun aber der Begriff der Model Minority, daß alle Asiaten das Problem der „doubleness of vision“ für sich durch größtmögliche Anpassung an die amerikanische Kultur gelöst haben, so überrascht es wohl dennoch keinesfalls, daß durchaus nicht alle Asian-Americans den Weg der bedingungs- und lückenlosen Assimilation gegangen sind, sondern sich für die zweite Möglichkeit, also die Bewahrung ihrer Ursprungskultur entschieden haben. Einen wichtigen und anschaulichen Beleg dafür liefert nicht zuletzt die Entwicklung einer eigenen Theatertradition. Zwar setzte diese Form der Rückbesinnung auf die Wurzeln bei den Asian-Americans nicht so früh ein, wie es etwa bei den African-Americans der Fall war, und sie nahm und nimmt wohl hier auch nicht dieselben radikalen Ausmaße an. Dennoch sind bereits in der Zeit um 1970 erste Anfänge eines Theaters der asiatischen Minorität in den USA zu erkennen, die bald zur Gründung verschiedener nationaler Theatergruppierungen führten. Hier sind beispielsweise der Asian-American Theatre Workshop in San Francisco, die Northwest Asian Theatre Company in Seattle sowie das New Yorker Pan American Repertory zu nennen (vgl. Bigsby: 327).

Zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Dramatikern dieses neuen Theaters zählt neben dem japanisch-amerikanischen Autor Philip Kan Gotanda und dem ursprünglich aus China stammenden Frank Chin schließlich auch der chinesisch-amerikanische Dramatiker David Hwang (vgl. Grabes: 175ff.), dessen Stück über die Konflikte innerhalb einer chinesisch stämmigen Familie in den USA hier behandelt werden soll. Dabei wird zunächst die Frage im Mittelpunkt stehen, in welcher Weise sich die im Stück behandelte Thematik in die amerikanische Gegenwartskultur einfügt bzw. inwieweit das Drama die Kultur Amerikas im allgemeinen sowie die Situation der Asian-Americans im besonderen widerspiegelt. Im Anschluß daran soll untersucht werden, auf welche Art Thema und Inhalt des Stücks dramatisch dargestellt werden bzw. wie Hwang die Handlung stilistisch umsetzt. Basierend darauf wird dann abschließend der Versuch unternommen, die Frage zu klären, welche Aussagen sich anhand des Inhalts und der Konzeption des Dramas über Hwangs persönliche Position bezüglich der konkreten Situation der asiatischen Einwanderer in den USA und damit auch der „doubleness of vision“ ganz allgemein machen lassen.

1 Family Devotions als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft

1.1 Asian-Americans - Die Model Minority

1.1.1 Verdrängung der roots durch Materialismusstreben

Das weit verbreitete Bild der Asian-Americans als Model Minority gründet sich im wesentlichen auf die Tatsache, daß sich nicht nur viele Mitglieder dieser Bevölkerungsgruppe um größtmögliche Anpassung an die „mainstream culture des angelsächsischen, weißen, protestantischen Amerikas“ (Doerries: 224) bemühen, sondern daß sie sich gerade durch diese Bemühungen nachweislich zur erfolgreichsten ethnischen Minderheit in den USA entwickelt haben. So glänzen Japaner und Chinesen nicht nur durch hervorragende Leistungen in Ausbildung und Erziehung sowie durch eine auffallend niedrige Kriminalitätsrate, sondern die Statistiken zeigen auch, daß nicht wenigen Asian-Americans der berufliche Aufstieg in hohe Positionen gelungen ist und die Einkommenszahlen in dieser Gruppe stetig ansteigen (vgl. Osajima: 166). Dies hat dazu geführt, daß man die asiatischen Immigranten heute als regelrechte „Verkörperung des American Dream“ (Zinzius: 207) ansieht.

Betrachtet man sich nun Hwangs Stück im Hinblick auf diese Entwicklung, erkennt man auch hier deutlich das stereotype Bild der Immigranten, die durch Distanzierung von ihrem kulturellen Erbe, ihren roots, und ausgeprägten Anpassungsbemühungen zu nicht unbeträchtlichem Reichtum gelangt sind. Dies zeigt sich schon zu Anfang ganz offensichtlich durch die Beschreibung des setting. Während nämlich Kalifornien im allgemeinen wegen niedriger Grundstückspreise und gesellschaftlicher Stabilität ein favorisiertes Ausreiseziel für chinesische Mittel- und Oberklassefamilien darstellt (vgl. Zinzius: 96), wird der Reichtum der Immigrantenfamilie im Stück noch dadurch besonders betont, daß sie in Bel Air, „the most elite, most pretentious, and most Caucasian of California communities“ (Street: 23), angesiedelt ist. Hier wohnt die Familie des wohlhabenden Computermanagers Wilbur, dessen Assimilations-bestrebungen durch Verdrängung seiner Wurzeln schon rein äußerlich durch sein dauergewelltes Haar symbolisiert wird (vgl. 93), da es in der Regel ein charakteristisches Merkmal der Asiaten ist, dunkle, glatte Haare zu haben.

Abgesehen von der Wohngegend wird die materialistische Einstellung der Familie dadurch betont, daß sie ein großes Haus mit Veranda und eigenem Tennisplatz inklusive Ballmaschine sowie einen Ferrari besitzt, daß Wilbur Mitglied eines exklusiven Clubs ist und man mit Mikrowelle,Cuisinart und Betamax über die neusten technischen Errungenschaften im Bereich Haushalts- und Unterhaltungselektronik verfügt. Besonders hevorzuheben ist, daß Wilbur von den Mitgliedern seines Clubs zum „Mr. Congeniality“ gewählt worden ist. Fühlt man sich hierdurch nämlich stark an den Protagonisten Mr. Antrobus aus Thornton Wilders epischem Drama The Skin of Our Teeth (1942) erinnert, der zum Präsidenten des „Ancient and Honourable Order of Mammals, Subdivision Humans“ (127) ernannt wird und nicht zuletzt dadurch als Allegorie auf den Menschen schlechthin zu verstehen ist, so steht Wilbur als „Mr. Congeniality“ hier exemplarisch für die gesamte asiatisch-amerikanische Bevölkerung. Versteht man die „Kongenialität“ nämlich im Sinne einer geistigen Ebenbürtigkeit mit den weißen Amerikanern, wird durch diesen Begriff die völlige Assimilation der Asian-Americans in besonderer Weise betont. Mit seiner Wahl stellt Wilbur also die perfekte Verkörperung eines Stereotyps dar, der trotz Zugehörigkeit zu einer Minorität durch kompromißlose Zurückdrängung seiner Wurzeln eine Gleichstellung mit den Mitgliedern der mainstream culture erreicht hat.

Auch bei Wilburs Tochter Jenny ist vom asiatischen Erbe nicht mehr viel zu erkennen. Vielmehr gibt sie einen prototypischen amerikanischen Teenager ab. Die wenigen chinesischen Sprachfetzen etwa, die sie noch beherrscht und die sie wohl kaum zu einer tiefergehenden Unterhaltung in der Sprache ihrer Vorfahren befähigen, wie beispielsweise „gao sai“, was im Englischen „dog shit“ bedeutet, hat sie sich nicht bereits im Elternhaus angeeignet, sondern erst in einer chinesischen Schule erlernen müssen (vgl. 99f.). Anstatt ihre Schulaufgaben zu erledigen ist sie darüber hinaus damit beschäftigt,Vogue zu lesen (vgl. 112), den aus China zu Besuch kommenden Onkel bezeichnet sie eher respektlos, aber in typisch amerikanischer Manier als „cute“ (112), und ihre Zukunft sieht sie im Gegensatz zu ihrer Großmutter nicht als „dental technician“[3] an der Seite eines „good man“, sondern träumt von einer Karriere als Tänzerin im amerikanischen Show Business (vgl. 100f.).

Während also bei Wilbur und Jenny als „ABCs“[4] aufgrund ihrer Lebens- und Verhaltensweise erkennbar ist, daß sie keinerlei bewußte Beziehung mehr zu ihren Wurzeln haben, gibt sich der in Shanghai geborene Robert aktiv alle Mühe, um sich von seinem kommunistischen Heimatland zu distanzieren. Dies wird beispielsweise deutlich, wenn er wiederholt die chinesisch-kommunistischen Fluglinien kritisiert (vgl. 104/115) oder wenn er zu erkennen gibt, daß er von seinen ehemaligen Landsleuten ebenso stereotype Vorstellungen hat, wie sie im allgemeinen von den Weißen geäußert werden:

WILBUR: (To ROBERT ) Still, you should’ ve been able to spot

an old Chinese man.

ROBERT: Everyone on that plane was an old Chinese man !

[…]

ROBERT: We went up to all these old Chinese men at the

airport, asked them, “Are you our Di-gou ?” They all said

yes. What could we do ? They all looked drunk, bums. (108).

Zwar ist Robert nicht ganz so wohlhabend wie Wilbur, aber als erfolgreicher Banker ebenfalls bestens mit den Mechanismen des westlichen Kapitalismus vertraut. So mißbraucht er sogar die aufstrebende Karriere seines Musik begabten Sohnes Chester, der übrigens ebenfalls soweit von seinem kulturellen Erbe distanziert ist, daß er kein Wort Chinesisch spricht, um in einer chinesischen Zeitung indirekt für seine Bank zu werben (vgl. 105). Darüber hinaus weist Robert selbst implizit auf den mit der Zeit erlangten Status der Asian-Americans als Model Minority hin, indem er betont, daß die Ursache für seinen im Vergleich zu Wilbur geringeren Reichtum nicht darin besteht, daß er Chinese ist:

ROBERT: That was years ago. When we couldn’t even buy a

house in a place like this.

HANNAH: We still can’t.

ROBERT: What ?

HANNAH: Let’s face it. We still can’t afford -

ROBERT: That’s not what I mean, stupid ! I mean, when we

wouldn’t be able to because we’re Chinese ! (119).

Anhand dieser drei Figuren spiegelt sich also insbesondere der extreme Wille zur Anpassung an die typisch amerikanische Lebensweise, der in erster Linie den Stereotyp des Mitglieds der Model Minority ausmacht, sowie das damit verbundene Streben nach Erfolg und materiellen Werten wider. Besonders deutlich wird dabei, und dies weist erneut auf den scheinbaren Unterschied der Asian-Americans zu anderen Minoritäten hin, daß die Assimilation hier nicht dazu dient, die eigentlich vorhandenen Abneigungen und Aggressionen gegen die weiße Bevölkerung und ihre Lebensweise zu unterdrücken, wie es etwa das Stück Dutchman (1964) des afroamerikanischen Dramatikers LeRoi Jones/Amiri Baraka deutlich macht. So läßt dieser nämlich seinen angepaßten schwarzen Protagonisten Clay der weißen Lula drohen

Don’t

make the mistake, through some irresponsible surge of

Christian charity, of talking too much about the advantages

of Western rationalism, or the great intellectual legacy of

the white man, or maybe they’ll begin to listen. And then,

maybe one day, you’ll find they actually do understand ex-

actly what you are talking about, all these fantasy people.

All these blues people. And on that day, as sure as shit, when

you really believe you can “accept” them into your fold, as

half-white trusties late of the subject peoples. With no more

blues, except the very old ones, and not a watermelon in

sight, the great missionary heart will have triumphed, and

all of those ex-coons will be stand-up Western men, with

eyes for clean hard useful lives, sober, pious and sane, and

they’ll murder you. (36).

Ganz anders also als bei Jones/Baraka scheinen Hwangs Figuren geradezu stolz darauf zu sein, sich auf Kosten ihres ethnischen Erbes dem ihnen von der weißen Übermacht aufgezwungenen Stereotyp exakt angeglichen zu haben.

Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Tatsache, daß die übertriebene Anpassung neben dem Effekt der Gleichstellung und des Erfolgs innerhalb der amerikanischen Gesellschaft gleichzeitig genau die Gefahr in sich birgt, der sie eigentlich entgegenwirken soll. Während unter anderem Chan nämlich davon ausgeht, daß eine Rasse, die sich dem ihr von der „white supremacy“ vorgeschriebenen stereotypen Verhalten unterwirft, für diese keine Bedrohung mehr darstellt und deshalb akzeptiert wird (vgl. 208), weist Osajima explizit darauf hin, daß der durch Assimilation erzielte Erfolg der Asian-Americans zu einer Basis für „discriminatory backlash“ (171) geworden ist, und auch Ancheta erwähnt in seinem Buch Race, Rights, and the Asian American Experience die negative Seite, die der Erfolg der asiatisch-amerikanischen Minderheit mit sich gebracht hat: „’foreign competitor’ is equated with Asian“ (65).

1.1.2 Verdrängung der roots durch Gottesglauben

Während die zweite und dritte Generation der von Hwang gezeichneten Familie sich also im großen und ganzen deutlich von ihren asiatischen Wurzeln distanziert, zeigt sich bei der ersten Generation mit Ama und Popo eine noch recht stark ausgeprägte innere Bindung zum früheren Heimatland. Darauf weist allein schon die Tatsache hin, daß sie im Gegensatz zu ihren Töchtern sowie deren Männern und Kindern als einzige chinesische Namen tragen und darüber hinaus auch die englische Sprache, die immerhin „the language of social power in American society“ (Kim: 130) ist, nur in Bruchstücken beherrschen. Dennoch ist auch in dieser Generation zu erkennen, daß das ursprüngliche kulturelle Erbe in gewisser Weise verdrängt wird und man sich von der alten Heimat, zumindest wie sie heute ist, zu distanzieren und an die neue anzupassen sucht.

Während jedoch bei den jüngeren Familienmitgliedern die Assimilation in erster Linie auf der Ebene des Erfolgs und der materiellen Werte stattfindet, vollzieht sich bei Ama und Popo die Eingliederung in das westliche System eher im religiösen Bereich. Zwar haben sie sich zweifellos ebenfalls recht gut in die amerikanische Lebensweise eingefunden, was sich etwa an dem „neon cross“ (125), das sie bei ihren Andachten verwenden, zeigt. Erinnert dieses doch eher an das Erscheinungsbild typisch amerikanischer Metropolen, wie zum Beispiel Las Vegas mit seinen unzähligen Lichtern und Leuchtreklamen, als an ein uraltes religiöses Symbol. Daß sie aber dennoch weitaus weniger von der materialistischen Denkweise geprägt sind als ihre Verwandten, beweist die Tatsache, daß sie bezüglich Jennys eventuell zukünftigem Ehemann wesentlich mehr Wert auf eine gute Erziehung als auf Reichtum legen (vgl. 100).

[...]


[1] Zwar behandelt Jones unter dem Stichwort „doubleness of vision“ in erster Linie die Position immigrierter Schriftsteller und anderer Künstler in den USA, wobei das Moment des aktiven Sehens, also „vision“, den Prozeß der bewußten Reflexion der Umwelt hervorhebt. Dennoch erscheint diese Formulierung auch ganz allgemein auf die Mitglieder der ethnischen Minderheiten anwendbar zu sein, da sie sich der Diskriminierung und anderer Schwierigkeiten, die ihnen aufgrund ihrer Herkunft zwangsläufig begegnen, wohl nicht völlig entziehen können, weshalb sie geradezu gezwungen sind, die Unterschiede beider Kulturen, denen sie angehören, zu „sehen“. Auch wenn sie dies nicht aktiv anstreben, sondern es vielleicht sogar vermeiden wollen.

[2] Zur Entstehung des Bildes von der asiatisch-amerikanischen Bevölkerungsgruppe als Model Minority in den sechziger Jahren und seiner trotz gesellschaftlicher Veränderungen auch weiterhin fortbestehen- den Popularität vgl. Osajima, Keith. „Asian Americans as the Model Minority. An Analysis of the Popular Press Image in the 1960s and 1980s“. In: Gary Y. Okihiro et.al. (Hg.). Reflections on Shattered Windows. Promises and Prospects for Asian American Studies. Washington: Washington State UP, 1988. 165-174.

[3] Neben dem Beruf des Lehrers stellten noch vor einiger Zeit vor allem medizinische Berufe wie etwa die Ausbildung zum Zahnarzt die populärsten Möglichkeiten für asiatische Immigranten dar, in den USA Fuß zu fassen (vgl. Kim: 135).

[4] Das Akronym „ABC“ wurde von Hwang in seinem Erstlingswerk FOB aus dem Jahre 1979 geprägt. Es bezeichnet den Typus des „American-Born Chinese“, der dem „FOB“, also dem „Fresh-Off-the-Boat“ kommenden chinesischen Immigranten gegenübergestellt wird. Vgl. Bus: 462.

Details

Seiten
35
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638351300
ISBN (Buch)
9783638652896
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35100
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Neuere englische und amerikanische Literaturwissenschaft
Note
1
Schlagworte
Chinaman Chance Expliziter Kulturenkampf David Hwangs Family Devotions American Culture Theatre Recent American Drama

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