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Heldenmythos Nelson Mandela

Eignet sich sein Leben für ein klassisches Heldenbild und inwieweit tragen seine Taten oder äußere Faktoren zur Heldenrezeption bei?

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Geschichte - Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie aus Mandelas Lebensgeschichte eine Heldengeschichte wurde

3. Passt Mandela in ein Heldenschema?

4. Kritik am Helden Mandela

5. Wem nützt der Held Mandela?

6. Fazit

Literaturverzeichnis
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Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

"I learned that courage was not the absence of fear, but the triumph over it. The brave man is he who does not feel afraid, but he who conquers that fear."[1] ("Ich habe gelernt, dass Mut nicht das Fehlen der Angst ist, sondern der Sieg über sie. Ein mutiger Mensch ist nicht jener, welcher keine Angst fühlt, sondern derjenige, der diese Angst besiegt."[2] )

Zitate dieser Art von Mandela, der auch nach seinem Clannamen 'Madiba' genannt wird, lassen sich zuhauf finden. Aussprüche wie diese, die von Mut und Sieg sprechen, schreibt man üblicherweise einem Helden zu: Und in der Tat, in der landläufigen Meinung gilt Nelson Mandela als Held. Sein ihm zugeschriebener Mut, seine voll­brachten Taten und seine Werte machen ihn zu einer Ikone.

In dieser Hausarbeit wird die Fragestellung behandelt, wie ein Heldenmythos um Nelson Mandela entsteht. Verschiedene Aspekte werden hierzu betrachtet:

Zunächst soll dabei gezeigt werden, welche Ereignisse in Mandelas Leben zur Rezeption seiner Person als Helden beigetragen haben. Anschließend wird sein Leben mit einem all­gemein Heldenschema verglichen, um zu erschließen, inwieweit er mit anderen 'anerkannten', d. h. klassischen Helden vergleichbar ist. Denn um zu analysieren, wie es zu einem Helden kommen kann, muss auch klar sein, ob es ein Held ist. Danach wird auf seine Schwachstellen eingegangen, die nicht in das Bild eines 'perfekten Helden' passen und untersucht, welche Rolle sie spielen. Abschließend wird erörtert, wem ein solches Heldenbild eigentlich nützt und wer ein Interesse daran hat, es aufrecht zu erhalten.

Dieses Thema ist von besonderer Aktualität, da Nelson Mandela erst kürzlich, im Dezember 2013, gestorben ist und die Zeremonien rund um seinen Tod einen Hype um seine Person herum neu angefacht haben.

2. Wie aus Mandelas Lebensgeschichte eine Heldengeschichte wurde

Verschiedenen Ereignisse in Mandelas Leben führten dazu, dass er mit der Zeit immer populärer und mit seinen ideologischen Einstellungen gepaart damit gleichzeitig zu einer immer größeren Gefahr für das Unter­drückungssystem wurde: Seine verschiedenen Ämter in der Jugendorganisation des Afrikanischen National­kongress (ANC Youth League) z. B. als Generalsekretär brachten neue Verantwor­tungen und Aufgaben mit sich[3]. Bei der Defiance (Auflehnung) Campaign 1952 wurde Mandela zum Chef-Freiwilligen ernannt. Dies brachte mit sich, dass Nel­son Mandela auch der Sprecher der Aktion wurde und deshalb einen regen Kon­takt zu den Medien pflegen musste, was zu seiner steigenden Popularität beitrug, wie Solani erklärt. Mit der Zeit wollten die Leute demnach wissen, wer diese Per­son sei, die Leute dazu auffordert sich ins Gefängnis zu begeben und sogar ihr ei­genes Leben riskiert.

In der Folge der Defiance Campaign wurden Mandela und seine Mitstreiter ange­klagt, dann jedoch freigesprochen. Nach diesem Freispruch tauchte er in den Un­tergrund ab, um im Ausland Unterstützung für die ANC zu organisieren. Während dieser Zeit war er die am meisten gesuchte Person des Landes, so Solani. In die­sem Zusammenhang bekam er auch den 'Spitznamen' „Black Pimpernel“ (eine Pflanzenart). Kurz nach seiner Rückkehr nach Südafrika wurde er gefasst und zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, da er das Land ohne gültige Aus­weispapiere verlassen hatte. Diese Ereignisse waren seiner Popularität, nicht nur in den Medien, natürlich sehr zuträglich. Anlässlich dieser Verurteilung gab es die erste Befreiungsbewegung zugunsten Mandela[4].

Während des Rivonia-Prozesses[5] 1963, der weltweit durch die Medien verbreitet wurde, war Mandela der Hauptangeklagte. Dies verstärkte natürlich seine Popula­rität, wie Solani ausführt.

Weiter heißt es, dass die eigentliche Legendenbildung um ihn nach der Verurtei­lung begann. Die Voraussetzungen dafür wurden durch seine schon vorhandene Popularität durch sein öffentliches Wirken und diverse Ereig­nisse (wie oben beschrieben) geschaffen.

Seine vierstündige Abschlussrede im Rivonia-Prozess wurde gedruckt und mit seinen anderen Reden gesammelt verbreitet. Kurz darauf erschien die erste Bio­graphie über ihn von Mary Benson mit dem Titel „ Nelson Mandela and the African National Congress “ (Nelson Mandela und der Afrikanische Nationalkon­gress). Solani zufolge stellt Benson Mandelas Rolle im Befreiungskampf heraus, geht dabei aber nicht auf seine persönlichen Schwächen ein.

Dies passt zum Bild einer perfekten Heldenfigur, die keine Schwachpunkte auf­weist. Aber gleichzeitig verpasst Benson die Chance durch die natürliche Fehlbar­keit Mandelas als Menschen, Sympathien zu wecken.

In den 1980er Jahren erschien ein weiteres Buch, das Nelson Mandela als Ikone des Freiheitskampfes darstellt: „ Higher than Hope “ (Höher als Hoffnung) von Fatima Meer [6]. Demnach leitete Mandela selbst hinter Gitterstäben noch den Freiheitskampf.

Es erschien zu einer Zeit, in der eine neue Generation heranwuchs, die Mandela nicht mehr direkt erlebt hatten, da er sich zu ihrer Geburt schon im Gefängnis be­fand. Dadurch hatte Meers Biographie einen noch größeren Einfluss auf die öf­fentliche Meinung, da es die Hauptinformationsquelle über Mandela war, weil er ja selber nicht mehr seine Ziele darstellen konnte. Weiter waren Informationen über Mandela im damaligen Südafrika schwierig zu bekommen, wie Solani schreibt. Durch das Buch erlebten sie die Heldenfigur Mandela neu, was neben passiver Präsidentschaft oder Patronenschaft verschiedener Organisationen wie der National Union of Mineworkers (Nationale Union der Minenarbeiter) oder der United Democratic Front[7] (Vereinte Demokratische Front) erheblich zur Wahrneh­mung Mandelas als Held in der Gesellschaft beitrug.

Genau wie Benson stellt Meer Mandela als perfekten Helden ohne menschliche Fehler dar.

Eine weitere Rolle der Heldenbildung spielte die ANC. Um wieder zu erstarken, organisierte sie aus dem Exil heraus Geburtstagsfeiern für Mandela[8].

Mandelas Weggefährte Mac Maharaj stellt Mandela im folgenden Licht dar:

„The identification of the masses with Nelson Mandela is an identification that goes beyond the person of Nelson Mandela and sees him as the first commander in chief of uMkhonto [we Sizwe]... Nelson Mandela the individual can not be seperated from uMkhonto and the ANC he is above all a product of the ANC, this development has encompassed finding his way to working [...]as part of the organization, a team, a collective.“[9]

[...]


[1] Nelson Mandela Quotes auf BrainyQuote.com 02.03.2015.

[2] 10 inspirierende Zitate von Nelson auf flowfinder.de/mandela 02.03.2015.

[3] Solani (2000), S. 2.

[4] Solani (2000), S. 3.

[5] Der Rivonia-Prozess wurde nach dem Stadtteil benannt, in dem die Hauptangeklagten auf einer Farm festgenommen wurden.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] Solani (2000), S. 4.

[9] ebd. Anmerkung: uMkhonto we Sizwe: dt. Aus Xhosa oder Zulu: „Der Speer der Nation“, militärische Arm der ANC; dt. Übersetzung d. Verfasserin: Die Identifikation der Massen mit Nelson Mandela ist eine die über nur seine eigentliche Person hinausgeht und ihn eher als Hauptleiter von uMkhonto we Sizwe sieht. Nelson Mandela als Individuum kann nicht von der ANC und seinem militärischen Zweig getrennt werden. Darüber hinaus ist er ein Produkt der ANC. Diese Entwicklung umfasst seine Wegfindung in Bezug auf die Arbeit als Teil der Organisation, des Teams, der Gemeinschaft.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668380363
ISBN (Buch)
9783668380370
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351642
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,7
Schlagworte
Nelson Mandela Held Mythos Südafrika

Autor

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Titel: Heldenmythos Nelson Mandela