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Zwischen der gehobenen Gellschaft und den Kritikern Napoleons. Der Einfluss des Salons von Juliette Récamier auf die damalige französische Gesellschaft

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Der literarische Salon

3 Das Leben von Madame Rècamier

4 Die Erscheinung von Madame Rècamier

5 Die Grazien des Direktoriums
5.1 Die pariserische „Tanzwut“

6 Der Salon von Madame Rècamier

7 Die Salonkultur Frankreichs zwischen Revolution und Restauration

8 Gesellschaftliche Ordnungen innerhalb der Salons

9 Die Kritik an den Salons

10 Das Ende der Salonkultur im 20. Jahrhundert

11 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Vorwort

In der Zeit der Romantik war Juliette Récamier eine der berühmtesten Persönlichkeiten Paris. Sie war schön, intelligent und von vielen Künstlern, Literaten, Dichtern und Staatsmännern geschätzt. Der Salon, den sie betrieb wurde von bedeutenden Damen und Herren dieser Zeit besucht und erfreute einer großen Beliebtheit. In ihrem Salon eingeladen zu werden war eine Ehre und es bedeutete, dass man mit angesehenen Menschen mit guten Manieren verkehrte.

Dieser Text behandelt das Leben von Madame Récamier, das von verschiedensten Menschen dieser Zeit geprägt wurde. Ihr Salon spielt dabei eine bedeutende Rolle, denn dort inszenierte sie Tanzabende, Lesungen, Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen, in denen sie stets der Mittelpunkt war. Um den Einfluss des Salons von Madame Récamier nachvollziehen zu können, muss vorerst geklärt werden, was überhaupt unter dem Begriff „literarischer Salon“ zu verstehen ist. Viele sahen den Salon als eine Art Gesamtkunstwerk an - einen Ort, an dem sich Menschen verschiedener Schichten trafen, um über Themen, die von der Salonnière vorgegeben wurden zu diskutieren.

Auch Madame Récamiers Charakter und ihre Erscheinung werden in diesem Text beleuchtet, da sie wichtige Faktoren für die Entstehung und die Erhaltung ihres Salons waren. Zwar gibt es einige Literaten, die einzig und allein von ihrer schönen Gestalt sprachen, aber auch durch ihr angenehmes Gemüt zog sie die Menschen in ihren Bann. Ebenso beeinflusste Juliette Récamier die Mode dieser Zeit enorm, da sie für ihren guten Geschmack bekannt war. Die Gesellschaft des Rokoko war vergangen und nach den stürmischen Jahren der Revolution suchte man nach neuen Traditionen, die man in der Antike fand. Die Kleidung wurde schulternfrei, eine Chlamys diente zur Bedeckung des Oberkörpers und die Gewänder waren aus dünnen, fast durchsichtigen Musselin. Madame Récamier verstand es, sich entsprechend der Mode zurückhaltend, aber dennoch elegant zu kleiden.1

Ebenso beschreibt der Text, inwiefern die Salons die Stellung der Frauen beeinflusste. In dem feudalen Frankreich dieser Zeit, in dem der weiblichen Bevölkerung die höhere Bildung verwehrt blieb boten Salons den Damen eine Chance, sich weiter zu bilden.

Die Kritiker befürchteten, dass die literarischen Salons Frauen zu einer erhöhten Stellung in der Gesellschaft verhelfen könnten. Zudem sah der Adel seine Machtstellung gefährdet, da viele Salonnièren die gesamtgesellschaftliche Gleichstellung förderten.

Durch die veränderte gesellschaftliche Stellung der Frauen starben die Salons letztendlich im 20. Jahrhundert aus, jedoch waren sie ein wichtiger Faktor für die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung in ganz Europa.

2 Der literarische Salon

Der Begriff Salon stand einst für den französischen Empfangssaal eines Schlosses und verlor seinen räumlichen Begriff erst im Laufe der Zeit, als ihm zusätzlich ein kultureller Zweck zugesprochen wurde. Die derzeitigen Besucher eines Salons nannten ihn jedoch „Bureau d“esprit“ und erst aus der Retroperspektive entwickelte sich der Terminus „Salon“.2

Da eine allgemeine und eindeutige Definition des Begriffs durch seine Vielschichtigkeit schwer fällt, gibt es einige Merkmale, um ihn zu bestimmen. Zum einen ist der Salon ein privater und zwangloser Treffpunkt, dessen Mittelpunkt die Gastgeberin, eine Salonnière ist. Diese war für gewöhnlich gebildet, kultiviert wohlhabend und zumeist adelig. Zum anderen trafen sich die Gäste ohne Einladung regelmäßig zu bestimmten Zeiten in dem Salon. Die Gäste, die sogenannten Habitués pflegten ein freundschaftliches Verhältnis untereinander und gehörten den verschiedensten Schichten an.3 So kam es durch den literarischen Salon zu „Beziehungen zwischen Mitgliedern des Adels, Angehörigen des Bürgertums“4 sowie den „Vertretern des intellektuellen und künstlerischen Milieus“5.

Die Themen, die in den Salons aufgegriffen wurden waren politischer, künstlerischer und literarischer Natur. Die Grundlage der Salonkultur war die Konversation selbst, „die unter Umständen in eine sterile Stilistik des Geistreichen ausarten“6 konnte. Das Ziel dieser Treffen war nicht ausschließlich die Geselligkeit, sondern die Kultivierung dieser Zusammenkünfte, um daraus ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen. Im Allgemeinen besaß ein Salon eine gewisse Dynamik, die durch die Habitués gefördert wurde, indem neue Erkenntnisse, Entdeckungen und Neuerungen immer wieder zum Austausch untereinander führten.7

Der Kreis der Habitués war hingegen oft identisch und so wanderten sie von Salon zu Salon, was dazu führte, dass sie ihre Themen gemeinsam ohne Unterbrechung erforschen und vertiefen konnten. Die Salonnière hatte die Rolle der Moderatorin, denn durch sie erhielt der Salon seine kultivierte, aber auch leicht erotische Atmosphäre und mit ihren Geist und Witz provozierte sie anregende Gespräche. Im Gegensatz zu der Gesellschaftsordnung des Hofes galt in den Salons Vorurteilslosigkeit und Toleranz. Die Tradition der Salons hielt sich von dem 17. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert und war fast europaweit verbreitet.8

3 Das Leben von Madame Récamier

„Man hat so viele Beschreibungen Mme. Récamiers gegeben, von denen meines Erachtens keine richtig ist. Sie stellt den wahrsten Typ der Frau dar, so wie sie aus den Händen des Schöpfers kommt, um den Mann zu beglücken, begabt mit allen Tugenden, allen Reizen, aber auch den Inkonsequenzen und den Schwächen des Geschlechts…”9

- Madame de Boigne, Freundin von Juliette Récamier

Juliette (geb. Bernard) Récamier wurde im Jahre 1777 in Lyon geboren und starb 1849 in Paris. Im Jahre 1784 ließ sich ihr Vater in Paris nieder und durch positiv verlaufene Finanztransaktionen gewann er ein beträchtliches Vermögen. Im Alter von 15 Jahren heiratete sie den Bankhalter Jacques-Rose Récamier, zu dem sie ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Erst nach zwei Jahren zog sie aus ihrem Elternhaus aus und in das Haus ihres wohlhabenden Mannes, das von bedeutenden Zeitgenossen besucht wurde, ein. Madame Récamier unterhielt ihren Salon in dem Hause ihres Mannes in Paris, der zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt aufstieg. Die Récamiers waren zwar sehr wohlhabend, gehörten aber nicht zu den Reichsten des Landes. Der Gatte Juliettes war bedeutend älter als sie, weswegen manche Forscher behaupten, dass er ihr unehelicher Vater und die Ehe nur inszeniert gewesen sei, um das Vermögen von Jacques-Rose Récamier zu sichern.10

Durch die Freundschaft zu Anne Louise Germaine de Staël, war es Juliette Récamier ermöglicht, Adel und Napoleongegner in ihren Salon einzuladen. So lehnte sie ebenfalls die Avancen Napoleons und sein Angebot, die Palastdame seiner Gemahlin Joséphine de Beauharnais zu werden ab. Der Zorn Napoleons wuchs und im Jahre 1811 verbannte er Juliette Récamier aus Paris, da sie gegen sein Verbot verstieß und ihre Freundin Madame de Staël, die nach Coppet geflohen war, besuchte.11

Die berühmt-berüchtigte Madam de Staël „verkörperte wie keine andere französische Salonnière ihrer Zeit die aufgeklärte, universal gebildete und zugleich kühn-romatische Frau“12. Sie war bekannt dafür, eine Anhängerin des französischen Königshauses zu sein, was sie im Endeffekt dazu zwang, ins Exil zu gehen. Sie zog in das väterliche Schloss in Coppet, das alsbald zu einem europäischen Zentrum der Verschwörung gegen Napoleons Macht wurde.13

Von da an verbrachte Juliette ihre Zeit meistens auf Reisen oder sie lebte bei Madame de Staël in Coppet, bis sie nach dem Sturz Napoleons abermals nach Paris zog und dort ihren Salon erneut eröffnen konnte. Im Jahre 1819 kam es jedoch zum Bankrott des Geschäfts ihres Mannes und sie zog mit ihrer Adoptivtochter, die eine Nichte ihres Mannes war und ihrer Kammerfrau in eine bescheidene Wohnung in Abbayeaux-Bois, „wo sich in ihrem Salon bald wieder ein auserlesener Kreis, dessen Mittelpunkt Chateaubriand war, versammelte.“14

Zu dem Dichter und Staatsmann François René Chateaubriand führte Juliette eine besondere Beziehung.

[...]


1 Vgl. Prof. Josef Walch, http://www.friedrich- verlag.de/go/doc/doc_download.cfm?31596DC9E0D14080AFE872CDCC11DD5F.

2 Vgl. Verena von der Heyden-Rynsch, Europäische Salons - Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur, Reinbekbei Hamburg, 1995, S.14f.

3 Vgl. ebd., S.16.

4 Ebd., S14.

5 Ebd.

6 Vgl. ebd., S.17.

7 Vgl. ebd., S.17f.

8 Vgl. ebd., S.16 ff.

9 Prof. Dr. Luise F. Pusch, http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/jeanne-francoise-julie- adelaide-recamier/.

10 Vgl. Verena von der Heyden-Rynsch, Europäische Salons - Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur, Reinbekbei Hamburg, 1995, S.127f.

11 Vgl. Prof. Dr. Luise F. Pusch, http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/jeanne-francoise- julie-adelaide-recamier/.

12 Verena von der Heyden-Rynsch, Europäische Salons - Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur, Reinbekbei Hamburg, 1995, S.119.

13 Vgl. ebd. S.121.

14 Vgl. Prof. Dr. Luise F. Pusch, http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/jeanne-francoise- julie-adelaide-recamier/.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668392656
ISBN (Buch)
9783668392663
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351659
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Geschichte/Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Napoleon Juliette Récamier Literarischer Salon Rolle der Frau

Autor

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