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Nachhaltiger Lebensstil im Licht der Sozialpsychologie. Annäherung an Recycling mithilfe der Theorie kognitiver Dissonanz

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriff der Sozialpsychologie

3 Theorie der Kognitiven Dissonanz

4 Klassisches Experiment zur kognitiven Dissonanz

5 Einblick in die Nachhaltigkeits-Problematik

6 Kognitive Dissonanz und nachhaltiger Lebensstil

7 Übertragung der Theorie auf die Problematik des ökologischen Handelns

8 Hinführung zum Praxisbezug

9 Vorstellung SOEX Group - Praxisbezug

10 Lösungsansatz - Anreize schaffen

11 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit Hilfe der Sozialpsychologischen Theorie der kognitiven Dissonanz, nähert sich diese Arbeit dem Thema „nachhaltiger Lebensstil“. In der heutigen Zeit ist dieses Thema ein wichtiger Bestandteil der modernen Gesellschaft. Aufgrund der Komplexität dieses Themengebiets beschränkt sich diese Arbeit auf das Thema Recycling. Als Fallbeispiel dient die SOEX Group. Die Expertise dieses Unternehmens liegt in der Sammlung, Vermarktung, Weiterverwertung und dem Recycling von Alttextilien. Es zeigt, dass sich wirtschaftliches Handeln und Nachhaltigkeit gut miteinander vereinen lassen. Ferner wird aufgezeigt, das Sozialpsychologische Mechanismen und Ansätze genutzt werden können, um den Menschen zu einer nachhaltigen Lebensweise zu motivieren. Auch Unternehmen können sich dieses Wissen zu Nutze machen, indem sie bestehende Ansätze auf dieser Grundlage neu durchdenken und eine andere Perspektive einnehmen. So kann die Umwelt geschont, und trotzdem, oder gerade deshalb, können weiterhin ökonomische Gewinne erzielt werden.

2 Begriff der Sozialpsychologie

Die Sozialpsychologie beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Alltagsphänomenen, vor allem mit dem Denken (Kognition) und Fühlen (Emotion) von Personen, in bestimmten Situationen. Grundlegende aber auch angewandte Fragestellungen werden untersucht. Die Aspekte der sozialen Wechselwirkung, bzw. die Reaktion auf „soziale Reize“, sowie „[…] das Erleben und Verhalten von Menschen in Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt.“ (Fischer et al. 2014, S.1) werden hierbei analysiert. Diese können z.B. Personen, Situationen, aber auch Objekte sein, es ist nicht relevant, ob diese Umwelt tatsächlich oder nur imaginiert ist. (Vgl. auch: Fischer et al. 2014, S.1f; Greitemeyer 2012, S.13 - 15)

3 Theorie der Kognitiven Dissonanz

Eine Theorie der Sozialpsychologie ist die, der kognitiven Dissonanz. „Der Sozialpsychologe Leon Festinger (1919-1989) revolutionierte in den 1950er Jahren mit [..] [dieser] Theorie […] die Psychologie.“ (https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/11/15/festingers-theorie-der- kognitiven-dissonanz/, Ausdruck, S.1) Die kognitive Dissonanz beschreibt den Widerspruch zwischen verschiedenen kognitiven Elementen eines Individuums. Wenn mindestens zwei dieser Elemente, z.B. Einstellung und Verhaltensweise nicht oder nur sehr schwer miteinander vereinbar sind, d.h. die Kernüberzeugung nicht mit dem Verhalten übereinstimmt, rufen diese beim Individuum eine selbstbezogene Inkonsistenz hervor. Somit entsteht ein motivationaler Druck zur Reduktion dieses Zustandes. Die Intensität dieser Disharmonie wird größer, je wichtiger die widerstreitenden Kognitionen für die Person sind. Bei dieser Theorie ist die Kausalität von Erlebens- und Verhaltenseffekten interessant. Es gilt herauszufinden, warum Personen in bestimmten Situationen ein bestimmtes Verhalten zeigen. Häufig ist zu beobachten das, trotz bester Absichten, Personen nicht so handeln, dass es zu ihren Einstellungen passt. Die Sozialpsychologie nimmt an, dass die Wechselbeziehung zwischen Persönlichkeitseigenschaften und sozialer Situation darüber entscheidet, wie sich eine Person verhält.(Vgl. auch: Fischer et al. 2014, S.15-23; Elliott Aronson et al. 2014, S.181208, ; https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/11/15/festingers-theorie-der- kognitiven-dissonanz/) Bei der Entscheidungsfindung, bzw. vor oder nach einer Entscheidung wird häufig ein psychischer Missklang erlebt und deshalb systematisch nach entscheidungsunterstützenden Informationen gesucht, um die innere Spannung, die nach Auflösung verlangt, abzubauen. Bei den meisten Personen entsteht eine Dissonanz, weil die widerstreitenden Kognitionen die Werte, bzw. die moralischen Vorstellungen einer Person betreffen und somit die Entscheidung beeinflussen kann. Es gibt mehrere Möglichkeiten diese Dissonanz abzubauen. Die Person kann ihr Verhalten ändern, sodass es zur Einstellung passt. Oder sie verändert ihre dissonante Kognition, sodass sie zum Verhalten passt (z.B. „So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht") Eine dritte Möglichkeit ist es, neue, unterstützende Kognitionen hinzuzufügen. (Vgl. auch: ebd.) „Eine Person, die aufgrund von Belohnung o. Bestrafung ein zu ihren Einstellungen diskrepantes Vh. [Verhalten] ausgeführt hat, ändert ihre Einstellung in Richtung auf das gezeigte Vh. hin.“ (Städtler 2003, S.552) Die eigene Meinung wird dem einstellungsinkonsistenten Verhalten angeglichen, oder es wird versucht andere zu überzeugen und nach sozialer Unterstützung gesucht. „Festinger postuliert, dass die [daraus] resultierende Einstellungsänderung umso größer ist, je geringer die Rechtfertigung, z. B. Belohnung, für das [vorangegangene] Vh. sind.“(ebd.) Des Weiteren können widersprechende Informationen konsequent ignoriert oder abgewertet werden. Es sind demnach motivationale und kognitive Prozesse entscheidend um den unangenehmen Zustand der kognitiven Dissonanz abzubauen. Vereinfacht ausgedrückt, sollen negative Gefühle vermindert und positive verstärkt werden.

(vgl. auch: Elliott Aronson et al. 2014, S.181-208 ff; Fischer et al. 2014, S.15-25; https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/11/15/festingers-theorie-der- kognitiven-dissonanz/; Städtler 2003, S.550 ff.)

4 Klassisches Experiment zur kognitiven Dissonanz

In dem Experiment von Leon Festinger und J.Merrill Carlsmith (1959) mussten die Versuchspersonen monotone, langweilige Tätigkeiten ausüben, die ihnen zudem sinnlos erschienen, z.B. Schrauben in ein Brett und wieder herausdrehen. Die Versuchspersonen bewerteten im Anschluss ihre Tätigkeiten sehr negativ. Nach einer längeren „Arbeitszeit“ war das Experiment, zumindest aus Sicht der Versuchspersonen, abgeschlossen. Als „ehemalige“ Teilnehmer des Experiments wurden sie später um den Gefallen gebeten, „neue“ Teilnehmer zu gewinnen. Die Probanden sollten diese davon überzeugen, dass es ein sehr interessantes Experiment sei, bei dem sie teilnehmen können. Die Versuchspersonen wurden zuvor in drei Gruppen eingeteilt.

1. Einige bekamen 20 $ für diesen Gefallen
2. andere 1 $
3. die Kontrollgruppe wurde nicht darum gebeten das Experiment fälschlicherweise als interessant einzustufen.

Nach ihrer Überzeugungsarbeit, den „neuen Probanden“ gegenüber, die ihnen ja eine Lüge abverlangte, wurden die „Ehemaligen“ gebeten, ihre Schrauben-Dreh-Tätigkeit noch einmal rückwirkend neu zu bewerten. Es konnten folgende Verhaltensweisen beobachtet werden. Diejenigen, die nur 1 $ bekommen hatten, schätzten ihre Tätigkeit nun deutlich positiver ein als zuvor. Außerdem schätzen sie das Experiment auch im Vergleich zu denjenigen positiver ein, die 20 $ bekamen oder zur Kontrollgruppe gehörten. Festinger und Carlsmith stellten fest, dass bei den „Ehemaligen“ Probanden eine kognitive Dissonanz entstanden war, da sie im Gespräch den „Neuen“ gegenüber, eine Tätigkeit als interessant ausgegeben hatten, die sie selber als sehr langweilig empfunden hatten. Die „Ehemaligen“, die nur 1 $ erhielten, änderten ihre eigenen Ansichten über die zunächst von ihnen als langweilig angesehene Schrauben-DrehTätigkeit. Für sie reichte die finanzielle Entlohnung nicht aus, um das Lügen gegenüber den „Neuen“ zu Rechtfertigen. Ihre Kognitive Dissonanz blieb offensichtlich bestehen und führte dann zur Einstellungsänderung. Für die Teilnehmer die 20$ bekommen hatten um zu Lügen, stellte ihr Verhalten kein so großes Problem dar. Sie empfanden ihre Kognitive Dissonanz als ausgeglichen, da der Erhalt von 20$ die Handlung finanziell rechtfertigte.

(Vgl. auch: Elliott Aronson et al. 2014;

https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/11/15/festingers-theorie-der- kognitiven-dissonanz/; Felser 2007, S.273f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zusammenfassende Darstellung des Experiments

(http://www.hahnzog.de/; zitiert nach:

https://ethologiepsychologie.wordpress.com/2011/11/15/festingers-theorie-der- kognitiven-dissonanz/)

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Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668383951
ISBN (Buch)
9783668383968
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351878
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Sozialpsychologie Nachhaltigkeit Kognitive Dissonanz Recycling

Autor

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