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Funeralheraldik. Wappen in der Begräbniskultur des Spätmittelalters

Das Beispiel der Echter von Mespelbrunn

Hausarbeit 2015 22 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundregeln der Heraldik und die Darstellung von Wappen auf Grabmälern
2.1 Die Grundregeln der Heraldik
2.2 Die Aufschwörtafeln und die Darstellung von Wappen auf Grabmälern

3. Die Grabmäler der Echter von Mespelbrunn
3.1 Das Adelsgeschlecht der Echter von Mespelbrunn
3.2 Das Grabmal des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn im Würzburger Dom
3.3 Das Epitaph des Valentin Echter von Mespelbrunn
3.4 Der Grabstein des letzten Echter von Espelbrunn im Würzburger Dom

4. Abschließende Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bildkultur des Spätmittelalters kannte im Wesentlichen zwei Ausformungen: die, der christlichen und die der höfischen, weltlichen Bildkultur. Die kirchliche und klösterliche Welt war für die Menschen des Mittelalters allgegenwärtig und dominant. Hier entwickelte sich die größte Vielfalt an Bildern. Die christliche Bildkultur versuchte mit ihren Bildern die Erinnerung an die Heilsgeschichte zu wahren und ihre Glaubensinhalte durch sie zu vermitteln.

Die Heraldik war ein wichtiger Bestandteil spätmittelalterlicher Bildkultur. Im Allgemeinen finden sich Wappen im Hoch- und Spätmittelalter wo man hinschaut: auf Kirchenfenstern, Siegeln, Kleidern und Pferdedecken, Wandteppichen, Möbeln und den Wappenrollen und -briefen. Sie repräsentieren, identifizieren, dekorieren und memorieren - letzteres wird anhand wappengeschmückter Grabmäler, Epitaphe, Grabkapellen, Grüfte und auch Begräbnisse des Mittelalters besonders deutlich.

Mit dieser sogenannten Funeralheraldik und ihrer Bedeutung für die Begräbniskultur des Spätmittelalters beschäftigt sich diese Arbeit im Besonderen. Anhand aussagekräftiger Beispiele wird die Systematik der Funeralheraldik erklärt und ihre Darstellungsvielfalt verdeutlicht.

Bildkultur

Um die Bedeutung der Funeralheraldik zu erfassen ist es erforderlich die Bildkultur und den damit verbundenen Kult des späten Mittelalters zu verstehen. Es ist davon auszugehen, dass vor allem der religiös-praktische und der repräsentative Nutzen der Bilder im späten Mittelalter noch im Vordergrund stand. Bildkultur konnte dazu dienen, den Betrachter, der oft weder lesen noch schreiben konnte, zu belehren. Bilder wurden verehrt, vor allem Darstellungen von Personen wurden oftmals behandelt wie die Person selbst. Dieser Kult um die Bilder des gesamten Mittelalters, lässt die enorme Wirkkraft bildlicher Darstellung erahnen. Der künstlerische Wert und der künstlerische Selbstzweck von Bildern jeglicher Art im Sinne eines Kunstbegriffs, wie wir ihn heute haben, gewinnt erst an der Grenze zur Neuzeit langsam an Bedeutung.

Entwicklung der Heraldik

Zum weiteren Verständnis der Funeralheraldik muss die Entwicklung und der Nutzen heraldischer Zeichen und Figuren näher betrachtet werden.

Die Anfänge der Heraldik vermuten die meisten Autoren in den Kreuzzügen. Es gibt leider nur wenige klare Quellen, die ihren Ursprung eindeutig belegen könnten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Heraldik einen langsam zunehmenden Entwicklungsprozess durchmachte, der durch verschiedene Einflüsse geprägt wurde.

Auf der einen Seite entstanden Wappen wohl, um die Ritter während der Schlacht wiedererkennen zu können, was aufgrund der Beschaffenheit der Rüstung und des das Gesicht bedeckenden Helms eine Schwierigkeit darstellte. Eventuelle Parallelen kann man in der byzantinischen Heeresorganisation nachweisen, die eigene Kampf- und Feldabzeichen hatte. Ein Bezug zu den antiken Römern liegt bei der Entstehung der Wappen ebenfalls nahe.

Auch die heraldischen Zeichen selbst geben Anhaltspunkte über die heraldische Ursprungsgeschichte. Die Figuren in der Heraldik lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: zum einen die Heroldsbilder, zum anderen die sogenannten gemeinen Figuren. Heroldsbilder sind geometrische Teilungen, Kreuze, usw., die die Fläche des zugrundeliegenden Schildes verstärken sollten. Es ist anzunehmen, dass ihre Entwicklung auf diesen praktischen Nutzen zurückzuführen ist.

Die gemeinen Figuren hingegen wurden von anderen Trägern auf die Schilder übertragen, das heißt, sie entwickelten sich nicht aufgrund einer realen Begebenoder Beschaffenheit des Schildes. Vermutlich nahm man hierfür Kampf- oder Hofkleidung zum Vorbild, die mit romanischer Ornamentik geschmückt war. Ein orientalischer Einfluss ist ebenfalls anzunehmen, da viele Stoffe aus dem Orient importiert wurden.1

Man unterscheidet verschiedene Entwicklungsetappen in der Heraldik. Die Frühzeit kann vom zweiten Kreuzzug (1147) bis zum Regierungsantritt der Valois in Frankreich (1328) angesetzt werden. Darauf folgt die klassische oder auch Blütezeit vom Anfang des Hundertjährigen Krieges bis zum Ende der Rosenkriege (1485) und die Spätzeit von der Schlacht bei Bosworth bis zum Aussterben der Valois (1589). Vom Untergang der Heraldik spricht man ab dem Tod Heinrichs III. (1589) bis zur Schlacht bei Fontenoy (1745). Die letzte Etappe stellt die Zeit der Kanzleiheraldik der Aufklärung bis zur Schlacht bei Magenta (1859) dar.2

Im Laufe seiner Entwicklung nahm das Wappen einen festen Platz in der mittelalterlichen Bilderwelt ein- sowohl in der höfischen, als auch in der kirchlichen.

Begräbniskultur

Im Bereich der Begräbniskultur des Spätmittelalters spielten Wappen in verschiedener Hinsicht eine bedeutende Rolle. Auf Grabmälern und Epitaphen erfüllten sie vor allem einen repräsentativen Zweck. Auch Funeralschilde (Totenschilde) waren üblich: eine hölzerne Tafel mit dem Wappen des Verstorbenen wurde zu seinem Andenken in der Kirche aufgehängt.3 Durch die Vielzahl an Wappen auf Grabmälern konnte jedoch nicht nur der Herrschaftsbereich des Verstorbenen dargestellt, sondern vielmals auch seine Abstammung nachgezeichnet werden. Das Wappen diente (und dient) als historische Quelle. Das Bild als Wappen wird hier zum Schriftersatz, anhand von Schilden auf Grabmälern kann zum Teil eine ganze Familiengeschichte abgebildet werden. Selbst wenn die Schrift auf den oftmals aus Sandstein gemeißelten Grabsteinen bereits verschwunden ist, können die erhaltenen, eingeritzten Wappen oft noch Aufschluss über die Genealogie geben. Wichtige Parameter zum Verständnis von Funeralheraldik und zur Interpretation der Wappen auf den Grabmälern sind die sogenannten Aufschwörtafeln, sowie die heraldische Anordnung auf den Grabmälern.

Der Familie der Echter von Mespelbrunn sind beispielhafte Grabmäler gewidmet, wie das Bischofsgrab Julius Echter von Mespelbrunns, das äußerst romantisch gestaltete Epitaph des Valentin Echter von Mespelbrunn , bis hin zum Grabmal des Letzten Echter von Mespelbrunn und seinen Besonderheiten. Anhand der auf den Grabmälern oder Epitaphen abgebildeten Wappen lassen sich teilweise bis zu vier Generationen nachvollziehen und Herrschaftsbereiche sowie spezielle heraldische Vorgehensweisen und Merkmale ablesen.

Besondere Bedeutung hatten Wappen auch für die Begräbnisse und Begängnisse, die Trauerzüge und Trauerprozessionen im späten Mittelalter. Der kultische Charakter bildlicher Darstellung kommt hier beispielhaft zur Geltung. Teilweise prunkvolle Trauerzüge waren detailliert mit dem Wappen des Verstorbenen ausgeschmückt. Nicht selten wurden die Begräbnisse und Begängnisse bereits vor dem Ableben der jeweiligen Person exakt von ihr geplant.4 Auch hier steht der repräsentative Zweck im Vordergrund und doch diente die ausgefeilte und sorgfältige Gestaltung auch der kultischen Verehrung des Toten. Wappen waren ein maßgeblicher Teil spätmittelalterlicher Sepulkralkultur und geben ein Beispiel für die Bildkultur, aber auch den Bildkult jener Zeit und seine Verwendung.

2. Grundregeln der Heraldik und das Beizeichensystem in der Funeralheraldik

2.1 Grundregeln der Heraldik

Klarheit und Übersichtlichkeit

Um die Funeralheraldik zu erfassen ist es notwendig die heraldischen Grundregeln zu kennen. Die Beschreibung eines Wappens wird auch der „Blason“ genannt. Es wird genau unterschieden, was unbedingt „gemeldet“ werden muss und welche Merkmale eines Wappens nur künstlerische Eigenheiten sind. Wenn es exakt blasoniert ist, kann es auch exakt nach diesen Vorgaben gezeichnet werden. Die wichtigste Regel, die allen anderen heraldischen Vorgaben übergeordnet ist, ist die der Klarheit und der Übersichtlichkeit. Befolgt ein Wappen diese Kriterien nicht, wird es nicht als heraldisches Zeichen anerkannt.

Stilisierung

Des Weiteren ist es wichtig, dass alles Dargestellte den Bedürfnissen der Heraldik angepasst wird und nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass von Beginn der heraldischen Entwicklung alle Darstellungen stilisiert werden mussten, um sie dem Schild anzupassen- die Fläche des Schildes gab den Rahmen vor und war zumindest in den Anfängen die Grenze des zu Gestaltenden.

Gegenstände werden nicht naturgetreu dargestellt, sondern wurden durch ihre Stilisierung zu einer Art Bilderschrift. Hier wird das Prinzip der Klarheit immer deutlicher: es darf keine Perspektive in der Darstellung verwendet werden, die Darstellung „bestimmter“ Objekte wie z.B. Schmuck und die Benutzung von Buchstaben soll möglichst vermieden werden.

Tinkturen

Die Heraldik betont das stilisierte Zeichen auf dem Schild durch die Metall-FarbeRegel. Sie verwendet als Grundfarben die Metalle Silber, Gold und die Farben Schwarz, Blau, Rot, Grün und selten die Hilfsfarben Purpur und Fleischfarbe. Die Farben müssen immer einen kräftigen Grundton aufweisen. Die Metall-FarbeRegel definiert, dass auf Farbe Metall folgen muss und umgekehrt.

Schraffierung

Die Schraffierung wird verwendet um Farben in nicht farbigen Wappendarstellungen grafisch darzustellen. Lediglich die heraldischen Grundfarben werden schraffiert, die Hilfsfarben bleiben ohne Schraffur. So stehen beispielsweise waagerechte Streifen für Blau und senkrechte Streifen für Rot, kleine Punkte für Gold.

Größenverhältnisse

Eine weitere heraldische Regel besagt, dass das Feld des Schilds regelmäßig geteilt sein muss. So müssen beispielsweise Balken, Pfahl, Flanke oder Schildhaupt ein Drittel des Schildes ausmachen. Eine natürliche Figur soll möglichst die größte Fläche des Schilds ausfüllen, ungeachtet der natürlichen Größenverhältnisse.

Die heraldische Kunstsprache „Der Blason“

Die Heraldik verfügt über eine eigene Kunstsprache, den sogenannten Blason. Ihr Hauptgrundsatz besteht darin, ein Wappen in kürzester Form möglichst erschöpfend so zu beschreiben, dass ein heraldischer Zeichner das Wappen exakt aufreißen kann. Selbstverständliches und häufig vorkommendes wird weggelassen. Form von Schild oder Helm werden so beispielsweise nicht angegeben. Wichtig ist auch, dass Wappen immer aus der Sicht des Schildhalters beschrieben werden- d.h. heraldisch links und heraldisch rechts sind genau das Gegenteil von dem, was gewöhnlich als links und rechts beschrieben wird.

[...]


1 Filip, Vaclav Vok, Einführung in die Heraldik…. S.14ff.

2 Filip, Vaclav Vok: Einführung in die Heraldik, S.20

3 Oswald: Lexikon der Heraldik, S.397

4 Babendererde, Cornell: Sterben, Tod, Begräbnis, S.129ff.

Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668384507
ISBN (Buch)
9783668384514
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352022
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
funeralheraldik wappen begräbniskultur spätmittelalters beispiel echter mespelbrunn

Autor

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Titel: Funeralheraldik. Wappen in der Begräbniskultur des Spätmittelalters