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Das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Exegese von Lk 15, 3-7

Quellenexegese 2016 23 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textkritik
a. Historische Einordnung
b. Textrenner
c. Kontext
d. Übersetzungsvergleich
e. Redaktionskritik
f. Synoptischer Vergleich

3. Sprachliche Analyse und narrative Analyse
a. Aufbau, Gliederung, Szenenfolge
b. Sprachliche Mittel
c. Semantische Analyse
d. Narrative Mittel, Aktatenkonstellation
i. Rahmenhandlung
ii. Gleichnis

4. Gattungsanaylse

5. Traditionskritik
a. Untersuchung geschichtlichen Tradition
b. Realienabklärung
i. Sozial
ii. Rechtlich
c. Der „Sitzt im Leben“

6. Gesamtinterpretation

7. Methodik
a. Mögliche Schülerfragen zum Text
b. Bibeldidaktische Methode „Godly Play“
i. Die Theologie Godly Play
ii. Die Pädagogik von Godly Play iii. Gleichnisse
iv. Ablauf
c. Einsatzmöglichkeiten bezogen auf den be- arbeiten Text
i. Allgemein in der Schule ii. Am Gleichnis

8. Reflexion und Bewertung der Methode für den Unterricht

9. Schluss

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll das Gleichnis „vom verlorenen Schaf“ im Lukasevangelium untersucht werden und herausgestellt werden, was Lukas beziehungsweise Jesus mit diesem Gleichnis aussagen möchte.

Das Neue Testament ist eine Sammlung von 27 Büchern, welche in 3 Gruppen an- geordnet sind. An erster Stelle befinden sich die Evangelien Matthäus, Markus, Lu- kas, Johannes und die Apostelgeschichte als Fortsetzung des Lukasevangeliums. Die zweite Gruppe umfasst die Briefe Paulus an die Römer, Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, an Timotheus, an Titus, Philemon und an die Hebräer. In der letzten Gruppe steht als prophetisches Buch die Offenbarung. Der wohl bekannteste Text im Lukasevangelium ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf, welche zu Beginn einer sogenannten „Gleichnistrilogie“, welche die Gleichnis- se vom verlorenen Schaf (Lk 15, 3-7), vom verlorenen Groschen (Lk 15, 8-9) und vom verlorenen Sohn umfasst.1 Dieses Gleichnis ist eine bei Kindern sehr beliebte Bibelstelle. Diese Erfahrung habe ich selber bei der Gestaltung und dem Besuch von Kindergottesdiensten wie auch im Religionsunterricht gemacht. Deshalb stellt sich die Frage, warum ist diese Bibelstelle so beleibt und was verbirgt sich hinter ihr.

2. Textkritik

a. Historische Einordnung

Der Name des Verfassers des Lukasevangeliums ist nicht bekannt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Apostelgeschichte und das Lukasevangelium vom demselben Autor verfasst worden sind. Das Lukasevangelium und die Apostel- geschichte bilden eine literarische Einheit. Das Lukasevangelium ist ebenso wie Mat- thäus und auch Markus 70 n. Christus verfasst worden. Ein Hinweis darauf ist, dass in Lukas 21, 20 „Dann sollen die Bewohner Judäas in die Berge fliehen! Wer in der Stadt ist, soll sie schnell verlassen, und die Leute vom Land sollen nicht in die Stadt gehen!“2 auf die Belagerung Jerusalems am Ende des jüdischen Krieges und auf die Zerstörung Jerusalems angespielt wird.3

b. Texttrenner

Zu Beginn des 15. Kapitels findet ein Personenwechsel zu dem Text im 14. Kapitel statt. Im 14. Kapitel ist von Jesus und „vielen Volksmengen“ die Rede wohingegen im nachfolgenden Kapitel hingegen die Rede von „allen Zöllner und Sünder“ ist. Auch befindet sich Jesus im 14. Kapitel im Haus eines einzelnen Pharisäers zu Gast, wo- hingegen nun die Pharisäer und Schriftgelehrten als Gruppe auftreten.4 Die Verse 1 und 2 bilden die Einleitung zu den folgenden drei Gleichnissen, „Das verlorene

Schaf“, „Das verlorene Goldstück“ und „ der verlorene Sohn“. Zwischen den Gleichnissen wird von keinem Orts-, Zeit- oder Personenwechsel gesprochen. Eine klare Abgrenzung der Handlung findet zu Kapitel 16 statt. Es findet zu einem ein Themenwechsel statt auch sind die Adressaten nicht mehr die Gleiche. Das 16. Kapitel handelt von klugen Handeln und Jesus spricht nun zu seinen „Schülern“. Es findet aber kein eindeutiger Schauplatzwechsel statt, auch erfährt man nicht über einen evtl. zeitlichen Abstand zwischen den Ereignissen.

c. Kontext

Das Gleichnis „Vom verlorenen Schaf“ befindet sich mitten im Lukasevangelium, es handelt sich um den ersten Teil von drei Reiseberichten von Jesus von Galiläa nach Jerusalem.

Im Kapitel 14 wird bereits die Bedeutung einer Tischgemeinschaft erfasst. In Lukas 14, 1-24 wird deutlich gemacht, wie wichtig es ist miteinander zu essen „… lade Ar- me, Verkrüppelte, Gelähmte und Blinde ein! Dann darfst du dich freuen, weil sie es dir nicht vergelten können!“5 und mit einander des Weges zu gehen „Wer sich mir anschließt muss bereit sein, [...] sogar sein Leben aufzugeben.“6 Die in Kapitel 15, 1- 2 angesprochene Tischgemeinschaft ist somit in ihrer Bedeutung schon vorab hervorgehoben worden. Betrachtet man das Kapitel 15 als abgeschlossene Einheit, so bilden die Verse 1-3 die Exposition, also den Anlass für die Diskussion gefolgt von der dreifachen Gleichnisrede.

Auch im davorliegen Kapitel 13 gibt es Parallelstrukturen. So folgen bei beiden Kapiteln zwei symmetrische Beispiele. Im Kapitel 13 ist dies das Gleichnis vom Senfkorn und Sauerteig (Lk 13, 18-21) und im Kapitel 15 das verlorene Schaf, das verlorene Geldstück und der verlorenen Sohn. Die Rede Jesus geht im Kapitel 16 und 17 weiter, wobei hier nun die Jünger das Publikum bilden.

d. Übersetzungsvergleich

Im folgenden Abschnitt werde ich die Luther-, die Elberfelder und die gute Nachricht miteinander verglichen und die Unterschiede herausarbeiten.

Vers 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Luther- und der Elberfelder Übersetzung „nahten“ sich die Zöllner und Sünder Jesus. In der Einheitsübersetzung fehlt diese genaue Beschreibung beziehungsweise Angabe hier „kamen [sie] zu ihm“.

Auch bei der Mengenangabe sind Unterschiede festzustellen. So wird in der Elberfelder- und Einheitsübersetzung von „allen“ Zöllnern und Sünder gesprochen, während die Lutherübersetzung von „allerlei“ Zöllner und Sündern spricht.

Vers 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im zweiten Vers sind die Unterschiede vor allen zwischen der Einheitsübersetzung und den anderen Übersetzungen zu finden. Während in der Luther- und der Elberfel- der Übersetzung von „murren“ gesprochen wird, beschreibt die Einheitsübersetzung die Missbilligungen von den Pharisäern und Schriftgelehrten mit „empörten sich dar- über“. Eine weitere Unterscheidung lässt sich darin finden, dass der Aspekt des Auf- nehmens in der Einheitsübersetzung nicht vorkommt. Im Gegensatz dazu steht in der Elberfelder- und Lutherübersetzung „nimmt Sünder auf“ beziehungsweise „nimmt die Sünder an“. Die Einheitsübersetzung verweist darauf, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten die Äußerung tätigen „er gibt sich mit den Sündern ab“ und diese Empörung dadurch untermauern, dass er „sogar mit ihnen“ isst.

Vers 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Vers 3 lassen sich nur kleine Abweichungen finden und zwar in der Verform, die beschreibt wie Jesus sich seinen Zuhören hinwendet und vom dem Gleichnis erzählt. So verwendet die Elberfelder Übersetzung das Wort „sprach“, die Lutherübersetzung „sagte“ und die Einheitsübersetzung „erzählte“.

Vers 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Vers 4 beginnt bei der Elberfelder-, und Lutherübersetzung mit den Worten „Welcher Mensch unter euch […]“ während die Einheitsübersetzung hingegen mit den Worten „Wenn einer von euch […]“ beginnt. Die Elberfelder Übersetzungen ver- wendet beim Verb „verlieren“ die Vergangenheitsform „verloren“ wohingegen die Lu- ther-, und die Einheitsübersetzungen die Gegenwartsform „verliert“ verwenden.

Auch in Ortsbeschreibung lassen sich Unterschiede feststellen. Findet das Gleichnis bei der Elberfelder-, und Lutherübersetzung „in der Wüste“ statt wird in der Einheitsbibel die „Steppe“ als Ort des Geschehens beschrieben.

Vers 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Elberfelder-, und Lutherübersetzung „legt“ sich der Hirte das Schaf auf die Schultern, bei der Einheitsübersetzung „nimmt er es […] auf die Schultern“. In der Einheitsübersetzung wird die Freude über das gefunden Schaft mit dem Wort „voll“ unterstrichen. Ein weiterer Unterschied welcher festzustellen ist, dass der Hirte in der Elberfelder- und Einheitsübersetzung das Schaf „auf seine Schultern“ beziehungs- weise „auf die Schulter“ legt in der Lutherübersetzung aber „auf seine Achseln“ legt.

Vers 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im folgenden Vers sprechen die Elberfelder- und Einheitsübersetzung vom „nach Hause kommen“, die Lutherübersetzung vom „heimkommt“.

Vers 7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Luther- und Einheitsübersetzung wird der Vergleich zwischen den Gleichnis und dem Bezug zu Gott durch den Zusatz „auch“ verdeutlich. Anschließend unterscheidet

sich die Einheitsübersetzung von den anderen davon, dass sie von einem „einzigen Sünder“ spricht und auch in der Wortwahl. So werden die Elberfelder- und Luther- übersetzung „der Buße tut“ anstatt „umkehrt“. Diese Unterscheidung findet sich ebenso bei „der Buße nicht bedürfen“ anstatt „die es nicht nötig haben umzukehren“.

e. Redaktionskritik

Im Lukasevangelium werden die Texte aus seinem Sondergut und der Logienquelle Q vorwiegend blockweise eingeschoben. Wir finden eine Dreiteilung erstens Jesus in Galiläa gefolgt von seinem Reisebericht und abschließend erfahren wir Jesus Lei- den, Passion, Ostern und Himmelfahrt. In unsere Perikope wird der Vorgang der Umkehrung nicht ganz deutlichen. Die Sünder kommen zu Jesus und hören ihm zu, daraufhin sollen sie umkehren. Im Widerspruch dazu steht das Gleichnis, hier ist der Sünder symbolisiert durch das Schaf vollkommen passiv. Der Hirte sucht es und trägt es sogar auf den Schultern nach Hause. Es wird nicht ganz deutlich, ob der Sünder einen eigenen Anteil leisten muss oder ihm die Umkehr geschenkt wird. Deutlich ist nur, dass die Umkehr in Verbindung mit der Vergebung der Sünde steht. Lukas zeigt, dass Jesus Heilswillen universal ist. Niemand wird der Zutritt zum Reich Gottes ver- wehrt, Jesus hat alle vorherbestehende Schranken gebrochen. Um diesen Sachver- halt zu unterstreichen, wird er gleich dreimal erwähnt.7

Das zentrale Thema, um welches sich das Lukasevangelium aufbaut ist die Auffassung des göttlichen Heilplans. Dabei ist es wichtig, dass der Ablauf der Weltgeschichte unter Gottes Regie aufgezeichnet wird. Die Zeit Israels gefolgt von der Zeit Jesus als Zentrum und zu Letzt die nachfolgende Zeit der Kirche. Durch Johannes den Täufer wird die Zeit Israels abgeschlossen.

f. Synoptischer Vergleich

Das Gleichnis vom verlorenen Schaft findet man nicht nur bei Lukas, sondern auch in einem weiteren Evangelien und zwar bei Matthäus 18, 10-14. Im Folgenden wird den zwei Texten, in diesem Kapitel einen synoptischer Vergleich unterzogen.

Die Texte im Lukas und Matthäus weisen viele Ähnlichkeiten auf, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sie beide ihren Ursprung in der Logienquelle Q ha- ben.8 Die Logienquelle Q, vom griechischen „Ausspruch“ oder auch kurz Q für „Quel- le“, ist ein handschriftlicher, griechischer Text. Dieser Text hat den Autoren des Mat- thäus- und Lukasevangeliums, neben den Text des Markusevangeliums als zweite Quelle gedient haben soll.9 Dafür spricht die große Ähnlichkeit der Perikopen. Bei Matthäus verwendet das Gleichnis mit Zusammenhang mit der Gemeindeordnung. Es hat im Gegensatz zu Lukas eine ganz andere Hörerschaft. Es wendet sich nicht, wie bei Lukas an die Gegner Jesu, sondern an seine Jünger.

[...]


1 Vgl. ROOSE, Hanna. Module der Theologie. Neues Testament. Berlin 2009. Seite 104.

2 DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT. Gute Nachricht. Stuttgart 2000. Seite 111.

3 Vgl. KLEIN, AŶja. Das GleichŶis „Voŵ ǀerloreŶeŶ Schaf“. Lukas 15, 1-7. 2005. Seite 1

4 Vgl. BENDEMANN, ReiŶhard. ZǁischeŶ ΔOΞA uŶd ΣTAYPOΣ . Eine exegetische Untersuchung der Texte des sogenannten Reiseberichts im Lukasevangelium. Band 101. Berlin 2001 . Seite 328

5 DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT. Seite 100. Lukas 14, 13-14

6 DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT. Seite 100. Lukas 14, 26

7 Vgl. HOFSTETTER, Simon. Das Gleichnis vom Verlorenen Schaf. Signau 2002. Seite 11.

8 Vgl. MÜLLER, Peter.: Die Gleichnisse Jesu, Ein Studien- und Arbeitsbuch für den Unterricht, Stuttgart 2002, Seite 101.

9 WIKIPEDIA. Logienquelle Q. https://de.wikipedia.org/wiki/Logienquelle_Q (aufgerufen am 22.03.2016

Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668386778
ISBN (Buch)
9783668386785
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352157
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Schlagworte
gleichnis schaf exegese

Autor

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