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Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit Schulkindern

von I. Seel (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 16 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Familie im sozialen Wandel
2.1 Die deutsche Familie in historischer Sicht
2.2 Die zunehmende Veränderung der Familienstrukturen
2.2.1 Familien als soziale Netzwerke
2.2.2 Verändertes Erwerbsverhalten der Mütter
2.3 Die heutigen Lebensbedingungen von Kindern

3. Die Ganztagsschule
3.1 Entwicklungen der Ganztagschule in Überblick
3. 1.1 Historischer Rückblick
3.1.2 Das Programm „IZBB“
3.2 Definitionen und verschiedene Formen
3.3 Varianten und Übergangsformen der Ganztagsschule
3.4 Ganztagsschulen als Vereinbarung von Familie und Beruf

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Einschulung der Kinder stehen Eltern vor der Herausforderung, dass die vorhandene ganztägige Betreuungsinfrastruktur für unter 6-Jährige durch neue Arrangements ersetzt werden muss, damit der Alltag mit Beruf und Familie auch weiterhin gelingt. Hinzu kommt, dass sich in der Zeit des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule auch die Bildungsanforderungen und Freizeitbedürfnisse der Kinder ändern. Der altersgemäße Betreuungsbedarf von Kindern ab 6 Jahren drückt sich z. B. im steigenden Anspruchsniveau bei Freizeitgestaltung und Hausaufgabenhilfe aus. Damit vergrößern sich die Herausforderungen insbesondere für Eltern, die ihre eigenen Erwerbswünsche und auch berufliches Fortkommen unter den Bedingungen komplexer Anforderungen in der Arbeitswelt realisieren möchten. Verlässliche Nachmittagsbetreuung kann dabei zu einer wichtigen Stütze im familiären Betreuungsarrangement werden.

Mit der Offenen Ganztagsschule schlägt die Landesregierung einen neuen Weg ein. Dieser wird in der vorliegenden Hausarbeit beschrieben, das System der Ganztagsschule in Deutschland vorgestellt, wobei historische Aspekte, die aktuelle Entwicklung, diverse Begründungszusammenhänge und verschiedene Modelle behandelt werden. Die aktuellen Gründe für die Einrichtung von offenen Ganztagsgrundschulen ergeben sich einerseits aus den veränderten Lebensbedingungen von Kindern in den Bereichen Familie, Freizeit und Gesellschaft und andererseits aus den Auswertungen der Ergebnisse der PISA-Studie.

Ich finde auch den zweiten Grund sehr spannend und interessant, werde aber darauf nicht eingehen, weil es die Rahmen meine Hausarbeit überspringen würde. Der begrenzte Umfang diese Arbeit lässt nur eine vereinfachte Fragestellung zu und so möchte ich nach Antworten suchen, ob die Ganztagbetreuung von Schulkindern ein Beitrag zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf bietet?

2. Die Familie im sozialen Wandel

2.1 Die deutsche Familie in historischer Sicht

Der Familienbegriff der großen Mehrheit der Bevölkerung ist von der Vorstellung bestimmt, dass erst Kinder – idealerweise zwei – eine Familie begründen, Lebens- gemeinschaften von Erwachsenen ohne Kinder dagegen gelten nicht als Familie. In diesen Leitbildern von Familie spiegeln sich die gesellschaftlich vermittelten Ideal- und Wunsch- vorstellungen wider, die normativ aufgeladen und verinnerlicht sind, jedoch mit der eigenen Lebensrealität nicht immer übereinstimmen (vgl. Lenz & Böhnisch, 1997, S. 26).

Das historische Bild von Familie ist bestimmt von der Vorstellung der Großfamilie, eines harmonischen Zusammenlebens mehrerer Generationen unter einem Dach, die sich gegenseitig unterstützten und füreinander sorgten (vgl. Nave-Herz, 2002, S. 7).

Mit Beginn der Industrialisierung und der Trennung von Produktion und Leben löste sich die Sozialform des ganzen Hauses langsam auf. An ihrer Stelle trat der Typus der bürgerlichen Familie, eine auf Ehe gegründete Haushaltsgemeinschaft der Eltern mit ihren Kindern (vgl. Peuckert, 2002, S. 25). Kinder wurden nun als eigenständige Individuen gesehen, und ihre Erziehung wurde zu einer Hauptaufgabe der von der Erwerbsarbeit freigestellten Mutter. Die Rollen der Eheleute waren dabei klar verteilt: Die Frau war verantwortlich für die Erziehung der Kinder und die Führung des Haushaltes. Der Mann dagegen war der Vertreter des Außenbereiches, Familienoberhaupt und Ernährer der Familie. Dieser Familientypus war bis in die 70er Jahre die vorherrschende Familienform in den alten Bundesländern (vgl. Peukert, 2002, S. 20).

In den letzten 150 Jahren hat sich auch der Familienzyklus geändert. Viele Paare leben unverheiratet zusammen und heiraten erst, wenn sie ein Kind zeugen wollen oder gezeugt haben. Andere schieben nach der Heirat die Zeugung eines Kindes zunächst auf, was früher aufgrund fehlender Empfängnisverhütungsmittel nicht möglich war. Die durch Schwanger- schaften, Geburten und das Vorhandensein von Kleinkindern gekennzeichnete Phase des Familienzyklus ist sehr viel kürzer geworden. Die Phasen mit Schulkindern oder Jugendlichen sind aufgrund der langen Schul- und Ausbildungszeiten im Vergleich zum 19. Jahrhundert länger geworden (vgl. Textor, o.J., o.S.).

2.2 Die zunehmende Veränderung der Familienstrukturen

Erst mit der Studenten- und Emanzipationsbewegung der Frauen wurden das bürgerliche Familienideal kritisch hinterfragt und alternative Modelle der Lebensführung gesucht. Auch wenn infolge gesellschaftlicher Pluralisierungs- und Individualisierungstendenzen alternative Lebens- formen entstanden sind, ist das Grundmodell der bürgerlichen Familie bis heute im Denken der Menschen verankert (vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 2004, S. 4).

Insgesamt zeichnet sich der Trend ab, dass in Deutschland immer weniger Kinder, und wenn, dann später geboren werden. Ein Grund hierfür liegt in der Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dass die Familienphase erst nach Ausbildung und mehreren Berufsjahren vorsieht. Daraus folgt ein relativ später Beginn der Familienphase, und zwar umso später, je besser die Ausbildung der Frauen ist (Institut für Demoskopie Allensbach, 2004, S. 18).

Großen Einfluss auf den Lebensalltag der Kinder hat auch die zunehmende Veränderung der Familienstrukturen. So gibt es heute eine steigende Anzahl von Einzelkindern und immer mehr sogenannte Zweit- und Einelternfamilien (vgl. Kreppner & Klöckner, 2002, S.214). Neben einer steigenden Änderung in der Zusammensetzung der Familien durch die Zunahme von Scheidungen und den Wechsel von Lebenspartnern, gibt es kaum noch Mehrgenerationenfamilien (vgl. Appel & Rutz, 2003, S.25). Mehrgenerationenfamilien existieren nach wie vor trotz fehlender Hausgemeinschaft. Familiäre Solidarität, der nicht mehr haushalts- gebunden, sondern generationsbezogen funktioniert und Hilfeleistungen, Unterstützung und Fürsorge bittet (vgl. Bertram, 2000, S. 118).

2.2.1 Familien als soziale Netzwerke

Die Betreuung von Kindern findet heutzutage an verschiedenen Orten statt. Es können sich drei grundlegende Betreuungsarten unterschieden: die elterliche Betreuung, die Betreuung durch soziale Netzwerke (Großeltern, Geschwister, Nachbarn und Freunde) und die institutionelle Betreuung durch Kindertageseinrichtungen (Kindergarten und Schule).

Angesichts der Zunahme atypischer Arbeitsverhältnisse von Eltern und des begrenzten Möglichkeiten an Betreuungsgeboten der Kinder- tageseinrichtungen, sind Eltern heutzutage bei der Betreuung ihrer Kinder auf die Unterstützung soziale Netzwerke angewiesen. Die Annahme von unterschiedlichen Betreuungsformen ist abhängig vom sozialen Status, dem Einkommen der Familien und der familiären Lebenssituation. Je geringer der soziale Status und das Einkommen, desto mehr wird auf informelle Netzwerke zurückgegriffen (vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 2004, S. 58).

Familie als Netzwerk ist geprägt durch gegenseitige Anteilnahme, vielfältige Unterstützungsleistungen und Hilfebeziehungen und einen erheblichen Leistungsaustausch der Familienmitglieder. Soziale Unterstützung ist dabei ein wichtiges Potenzial, was familiale Netzwerke auszeichnet (Badura, 1981, S. 157). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (2004, S. 28) sind 56 % aller Alleinerziehenden- und 46 % aller Paarhaushalte mit minderjährigen Kindern im Alltag auf diese Basisleistungen angewiesen.

2.2.2 Verändertes Erwerbsverhalten der Mütter

Teilzeitarbeit ist die dominierende Form der Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern, während die Männer mit Kindern in der Regel (98 %) einer Vollzeittätigkeit nachgehen und für die Betreuung der Kinder nur begrenzt zur Verfügung stehen. Gerade für Frauen mit atypischen Teilzeit- beschäftigungsverhältnissen reichen die Halbtagsangebote des klassischen Kinderbetreuung nicht aus; der Bedarf im Hinblick auf die Aufenthaltszeiten des Kindes ist keine feste, täglich gleich bleibende Größe, sondern ist von Tag zu Tag verschieden (vgl. Stöbe-Blossey, 2004, S. 33-34). Mütter sind immer häufiger beruflich eingebunden und aufgefordert, Familie und Beruf zu vereinbaren, werden jedoch durch unregelmäßige Schulanfangs- und Unterrichtsschlusszeiten sowie häufig wechselnde Stundenpläne belastet (vgl. Fölling-Albers, 1997, S. 42).

Allein Erziehende sind durchschnittlich zwei bis drei Stunden täglich länger erwerbstätig als verheiratete Frauen, ihr Bedarf an längeren Unterbringungszeiten der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Schulen ist damit deutlich höher. Insbesondere die Brückenzeiten zwischen dem Beginn bzw. dem Ende der Arbeitszeit der Mutter und dem Beginn bzw. dem Ende der Betreuungszeit in der jeweiligen Einrichtung stellen eine große Belastung dar, da im privaten Netzwerk dieser Betreuungsbedarf meist nicht umfassend abgedeckt werden kann (vgl. Schneider, Krüger, Lasch, Limmer & Matthias-Bleck, 2001, S. 318).

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Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668386679
ISBN (Buch)
9783668386686
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352246
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Soest
Note
1,3
Schlagworte
vereinbarkeit familie beruf schulkindern

Autor

  • I. Seel (Autor)

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