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Möglichkeiten für erfolgreiche Förderung von Kindern mit Risiko zur Ausbildung einer Lese-Rechtschreibschwäche

von I. Seel (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 16 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lese-Rechtschreibschwäche

3. Voraussetzungen für den Sprach- und Schriftentwicklung

4. Erfassung der Sprachkompetenz
4.1 Sprachdiagnostische Hilfsmittel
4.2 Das Bielefelder Screening (BISC)
4.3 Münsteraner Screening (MUSC)
4.4 Rundgang durch Hörhausen

5. Sprachförderung als Vorbereitung auf den Schriftspracherwerb
5.1. Begriffsdefinitionen der Sprachförderung
5.2 Förderprogrammen für Kinder mit Risiko zur Ausbildung einer Lese-Rechtschreibschwäche
5.3 Sprachliche Förderung durch Angebote aus verschiedenen Bildungsbereichen
5.4 Möglichkeiten und Grenzen der Sprachförderung in KiTas

6. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Sprache und Schrift sind das wichtigste menschliche Kommunikationsmittel.

Seit dem PISA-Schock ist es wieder ins pädagogische Blickfeld gerückt, dass Sprache eine der wesentlichsten Schlüsselkompetenzen für Bildung ist. Es ist längst bekannt, dass ein Anteil an Schulkindern Schwierigkeiten beim Erlernen der Lese- und Schreibfähigkeiten haben. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen Spracherwerb und Schrift-spracherwerb. Die Kinder, die vor dem Schuleintritt noch Sprachprobleme haben, sind gefährdet Lese- Rechtschreib- Störungen zu entwickeln. Bei diesen Kindern sind die Voraussetzungen für den Spracherwerb insgesamt eingeschränkt, sie können daher die Lautsprache und die grammatischen Regeln nicht ausreichend erlernen. Häufig entwickeln sich hier raus sekundäre Probleme wie z. B. Ängste und psychosoziale Erkrankungen. Eine erfolgreiche Schullaufbahn wird dadurch in vielen Fällen erschwert. Neuere Untersuchungen sprechen davon, dass 40 bis 70 % der Vorschulkinder, die ihre Sprachprobleme nicht bis zum Schuleintritt überwunden haben, Lese- und Schreibprobleme entwickeln (Iven, 2010, S. 146). Ebenso sind bei fast allen Lese- Recht-schreibschwachen Kindern frühe Anzeichen dieser Probleme in Form von Sprachentwicklungsstörungen zu finden. Durch eine gelungene Unterstützung der vorschulischen Sprachentwicklung, können diese Kinder eine gute Basis für den Schriftspracherwerb erhalten.

In meiner Arbeit möchte ich die Möglichkeiten für erfolgreiche Förderung von Kindern mit Risiko zur Ausbildung einer Lese-Rechtschreibschwäche herausfinden. Zuerst setze ich mich mit dem Begriff und den Uhrsachen der Lese- Rechtschreibschwäche auseinander, so werden phonologische Bewusstheit und Wortschatzentwicklung als wichtigste Voraussetzungen für den Sprach- und Schriftentwicklung erkannt. Aus großen Tools sprach-diagnostische Hilfsmittel, möchte ich zwei Screenings und ein Programm zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten dienen, kurz vorstehlen. In Hauptteil meiner Arbeit werde ich Sprachförderung und Sprachförder-programme in Augenschein nehmen. Zuerst es ist wichtig, sich mit dem Begriff und den Formen der Sprachförderung auseinander zu setzen. Danach möchte ich einer exemplarischen Auswahl von Förderprogrammen, bei denen die Förderung der phonologischen Bewusstheit und Schriftsprachvoraussetzungen im Mittelpunkt stehen und die sich für eine Prävention bei Schriftsprach-erwerbsprozessen anbieten, vorstellen. Da nicht nur die systematische, sondern auch die alltagsintegrierte Sprachförderung eine positive Rolle spielt, werde ich auch auf Beispiele für die sprachliche Förderung durch Angebote aus verschiedenen Bildungsbereichen zurückgreifen. Zuletzt möchte ich mich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Sprachförderung in Kindertages-einrichtungen auseinandersetzen.

2. Lese-Rechtschreibschwäche

LRS ist die Abkürzung für „Lese-Rechtschreibschwäche“, häufig wird aber auch die rein beschreibende Bezeichnung „Lese-Rechtschreibschwierigkeiten“ verwendet. Eine Lese- Rechtschreib- Schwäche (LRS) ist eine sprachbezogene Lernschwäche. Sie ist charakterisiert durch Probleme beim Lesen – in Ausdruck und Akzentuierung der Sprache –sowie in Rechtschreibung. Es können auch Schwierigkeiten im Verstehen des Gehörten und im mündlichen Ausdruck auftreten (vgl. Drumbl, 2002, S. 5).

Die Ursachen der Lese-Rechtschreibschwäche sind vielfältig und individuell, es gibt nie nur einen einzigen Grund, warum manche Kinder Schwierigkeiten haben beim Lesen- und Schreiben. Meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle, es können beispielweise eine familiäre Veranlagung oder Konzentration-sprobleme verantwortlich sein. Die häufigste Ursache dafür ist, dass die phonologische Bewusstheit, die eine wichtige Vorläufigkeit für das Erlernen von Lesen und Schreiben ist, nicht altersgemäß entwickelt sein (Ebel & Hessmann, 2006, S. 16). Kinder mit funktionellen Sprachentwicklungsstörungen laufen Gefahr, dass die Sprachrückstände zu Lernschwierigkeiten, Schul-leistungsproblemen, Lese- Rechtschreib- Störungen und kommunikations- und Verhaltensstörungen führen können. Zu den Risikofaktoren gehören Sprachentwicklungsverzögerung, Spracherwerbsschwierigkeiten in der Laut-sprache, Probleme bei der Sprachverarbeitung, Probleme im Bereich der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses, sowie plötzliche Rückschritte oder Verlust bereits erworbener Fähigkeiten (Iven, 2010, S. 167).

Probleme im lese- rechtschreib Bereich sind oft auf eine verzögerte Wortschatzentwicklung zurückzuführen. Wortschatz bezieht sich auf die Zusammenstellung und den Umfang der sprachlichen Einheiten, die im mentalen Lexikon gespeichert sind. Unterschieden wird zwischen dem passiven , also den Wörtern, die ein Kind verstehen kann, oder aktiven Wortschatz, also den Wörtern, die ein Kind produzieren kann (Fried, Briedigkeit & Schunder, 2008, S. 1).

Auch organische und soziale Gründe können für Entstehen von Lese- Rechtschreibschwäche verantwortlich sein. Probleme vor, während oder nach der Geburt können Einfluss auf die Nervenzellen im Gehirn haben. Unerkannte Paukengüsse in den ersten Lebensjahren beeinträchtigen das Hören und können Spracherwerb verzögern. Das sprachliche Lernen kann ein überbesorgter Erziehungsstil genauso wie verwahrloste Situationen, Gewalt oder anregungsarmes Elternhaus erschweren (Dehn, Oomen - Welke & Osburg, 2012, S. 86).

3. Voraussetzungen für den Sprach- und Schriftentwicklung

Die Erfahrungen eines Kindes mit Sprache liegen in den ersten Lebensjahren einen Grundstein für die Entwicklung seiner sprachlichen Fähigkeiten. Das Kind kann nur bei einer intakten Sprachwahrnehmung notwendige Grundfertigkeiten erlernen (vgl. Engel, 2005, S. 16).

„Reimwörter erkennen, Silben in Wörtern bestimmen und Anlaute von Wörtern benennen können, wenn das Lernen im sprachlichen Bereich erfolgreich sein soll. Das Kind muss das so genannte phonologische Bewusstsein entwickelt haben. Grundlegende grammatische Fähigkeiten im Gebrauch der deutschen Sprache sollten vorhanden sein. Das Hörvermögen muss normal entwickelt sein und grundlegende Strukturen der Sprache wie Ober- und Unterbegriff müssen vorhanden sein. Dazu muss das Gedächtnis in der Lage sein, Wörter und Sätze zu speichern (ebd., S. 17).“

Die Sprachentwicklung ist eng verbunden mit der kognitiven, motorischen, emotionalen, sensorischen und sozialen Entwicklung der Kinder. Der Sprache wird nicht regelgeleitet über Grammatik und Wortschatz erlernt, sondern mit allen Sinnen und in erster Linie als Kommunikationsmittel mit der unmittelbaren Umwelt. Für die Erklärung von Mechanismen kindlichen Spracherwerbs gibt es je nach wissenschaftlicher Position verschiedene Spracherwerbstheorien. Sie bieten teils sich widersprechende, teils sich ergänzende Erklärungsmodelle. In ihnen wird der Spracherwerbsprozess beschrieben als Nachahmung und Konditionierung (Behaviorismus), Angeborener Mechanismus (Nativismus), kognitive Gesamtentwicklung (Kognitivismus) und Umgebungseinfluss und Interaktion zwischen Bezugspersonen und Kindern (Interaktionismus) (Lisker, 2011, S. 9f.). Zum Spracherwerb nutzen die Kinder unterschiedliche Sprach-erwerbsstile. Nominaler Stil zeichnet sich über flexiblen Wortschatzgebrauch mit überwiegendem Nomengebrauch aus. Expressiver Stil ist wenig verständlich, da die Wortschatzerweiterung langsamer verläuft und überwiegend Allzweck- und Funktionswörter benutzt werden. Beide Stile führen zum Spracherwerb. Als Voraussetzung für den Schriftspracherwerb müssen Kinder im Vorschulalter grundlegende Fähigkeiten aus folgenden Bereichen erwerben: Auditive Wahrnehmung, Visuelle Analyse, Symbolverständnis und Grob- und feinmotorische Fähigkeiten (Iven, 2010, S. 147). Die Wahr-nehmungsleistungen sind in der Regel von der motorischen Koordination abhängig. Bei einer gestörten Wahrnehmungsleistung kommen Anpassungs-leistungen zwischen Reiz und Reaktion nicht in der erwarteten Weise zustande (vgl. Engel, 2005, S. 19).

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden bei der Forschung der Sprachentwicklung und des Schriftspracherwerbs Faktoren isoliert, die für eine normale Entwicklung von hoher Priorität sind. Für den Schriftspracherwerb, neben einem guten Gedächtnis, wurde das phonologische Bewusstheit als eine der wichtigen Vorläuferfertigkeiten erkannt. Die unauffällige Entwicklung der phonologischen Bewusstheit im Vorschulalter ermöglicht es eine positive Prognose hinsichtlich des Erfolgs im Lesen und Schreiben in der Schule zu ziehen (Roos & Schöler, 2002, S. 6). Bei phonologischer Bewusstheit „ging es um die alphabetische Stufe des Lesen- und Schreibenlernens, bei der das Kind bereits festgestellt hat, dass jeder Laut einen zugehörigen Buchstaben hat und umgekehrt. Auf dieser Stufe schreibt das Kind, indem es das Gehörte in die einzelnen Laute zerlegt und dann jedem Laut den passenden Buchstaben zuordnet und diesen zu Papier bringt“ (Küspert, 2003, S.82).

4. Erfassung der Sprachkompetenz

4.1 Sprachdiagnostische Hilfsmittel

Im Zuge bildungswissenschaftlicher Reformtendenzen in Nachfolge von PISA 2001 ist man sich bewusst geworden, dass die Sprachdiagnose mit zu den zentralen Aufgaben von ErzieherInnen gehört. Derzeit wird in deutschen Bundesländern durch Sprachstandserhebungen die Sprachentwicklung der 4 bis 6 jährige Kinder untersucht. Mit den vorhandenen sprachdiagnostischen Hilfsmitteln, dazu gehören Screenings bzw. Testverfahren, Beobachtungs-, Dokumentations- bzw. Portfolioverfahren, ist es möglich, Kinder mit dem Risiko zur Sprach- und/oder Schriftsprachentwicklungsstörung zu identifizieren und noch rechtzeitig zusätzlich zu fördern (Fried, 2013, S. 178). ErzieherInnen können anhand von sprachdiagnostischen Hilfsmitteln eine erste Einschätzung treffen, ob die Kinder sprachauffällig sind oder nicht. Die weitergeleitete Abklärung gehört in die Hände von entsprechenden medizinischen und therapeutischen Fachleuten (Mannhard & Braun, 2008, S. 21).

In den letzten Jahren sind etliche Diagnoseprogramme entwickelt worden, die es ermöglichen, die individuellen Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb frühzeitig zu erkennen und Risikokinder frühzeitig zu unterstützen. Drei mittlerweile recht bekannte Programme, die eine frühzeitige Problemerkennung ermöglichen sollen, werden im Folgenden kurz vorgestellt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668388024
ISBN (Buch)
9783668388031
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352255
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Soest
Note
1,2
Schlagworte
möglichkeiten förderung kindern risiko ausbildung lese-rechtschreibschwäche

Autor

  • I. Seel (Autor)

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Titel: Möglichkeiten für erfolgreiche Förderung  von Kindern mit Risiko zur Ausbildung einer Lese-Rechtschreibschwäche