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Spuren des Eurozentrismus in der Gegenwart. Manifestationen in Sprache und Wissenschaft

©2016 Hausarbeit (Hauptseminar) 23 Seiten

Zusammenfassung

Unter dem Begriff Eurozentrismus - erstmals als Kritik an den europäischen Wissenschaften geäußert - versteht man eine von europäischen Normen und Werten geprägte Weltsicht. Eurozentrisches Denken, welches sich beispielsweise durch den Kolonialismus weltweit verbreitete, zieht ausschließlich die westliche Kultur als Bewertungsmaßstab heran (vgl. ebd.: 9). Das Phänomen Eurozentrismus bezieht sich dabei nicht auf einen Diskurs, der nur in Europa geführt wird, sondern in allen als „westlich“ bezeichneten Staaten. Ebenso umschließt der Begriff die Sichtweisen nichtwestlicher Menschen gegenüber dem Westen.

Der Begriff Eurozentrismus ist nicht mit dem Begriff Ethnozentrismus, welcher Fremdartigkeit und fremdes Verhalten aus den Traditionen und Werten der eigenen Kultur heraus interpretiert, zu verwechseln. Es ist möglich, ein eurozentrisches Weltbild zu haben, ohne rassistisch zu sein, da Eurozentrismus keine Form des Rassismus darstellt. Der Diskurs des Eurozentrismus ist nicht ohne die globalen Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, da eurozentrisches Denken und Handeln mit einer Überlegenheitsvermutung verbunden ist, welche andere Denkweisen und Philosophien negiert oder herabsetzt. So ist zu erklären, dass in der Geschichtsschreibung Europa als Gegenentwurf zum Rest der Welt konstruiert wird.

Auch heute sind noch Spuren eurozentrischen Denkens vorzufinden, welche sich insbesondere in den europäischen Sozialwissenschaften manifestieren. Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, in welchem Ausmaß und in welchen Lebensbereichen diese eurozentrischen Ausprägungen anzutreffen sind. Darum wird der Autor in der von ihm verwendeten Literatur besonders die Beispiele herausgreifen, auf die sich die Wissenschaftler am stärksten fokussieren und diese erörtern und kritisch diskutieren.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Zeugnisse des Eurozentrismus

3. Definitionen und Annahmen des Eurozentrismus

4. Die eurozentrische Geschichtsschreibung

5. Kritik am Eurozentrismus

6. Manifestation des Eurozentrismus in der Gegenwart

7. Fazit

6. Literatur

Einleitung

Unter dem Begriff Eurozentrismus - erstmals als Kritik an den europäischen Wissenschaften geäußert - versteht man eine von europäischen Normen und Werten geprägte Weltsicht (vgl. Basu 1999: 71). Eurozentrisches Denken, welches sich beispielsweise durch den Kolonialismus weltweit verbreitete, zieht ausschließlich die westliche Kultur als Bewertungsmaßstab heran (vgl. ebd.: 9). Das Phänomen Eurozentrismus bezieht sich dabei nicht auf einen Diskurs, der nur in Europa geführt wird, sondern in allen als „westlich“ bezeichneten Staaten. Ebenso umschließt der Begriff die Sichtweisen nichtwestlicher Menschen gegenüber dem Westen (vgl. Shohat/Stam 1994: 1).

Der Begriff Eurozentrismus ist nicht mit dem Begriff Ethnozentrismus, welcher Fremdartigkeit und fremdes Verhalten aus den Traditionen und Werten der eigenen Kultur heraus interpretiert, zu verwechseln (vgl. Haller 2010: 17). Es ist möglich, ein eurozentrisches Weltbild zu haben, ohne rassistisch zu sein, da Eurozentrismus keine Form des Rassismus darstellt (vgl. Shohat/Stam 1994: 4).

Der Diskurs des Eurozentrismus ist nicht ohne die globalen Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, da eurozentrisches Denken und Handeln mit einer Überlegenheitsvermutung verbunden ist, welche andere Denkweisen und Philosophien negiert oder herabsetzt. So ist zu erklären, dass in der Geschichtsschreibung Europa als Gegenentwurf zum Rest der Welt konstruiert wird (vgl. Basu 1999: 87).

Auch heute sind noch Spuren eurozentrischen Denkens vorzufinden, welche sich insbesondere in den europäischen Sozialwissenschaften manifestieren. Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, in welchem Ausmaß und in welchen Lebensbereichen diese eurozentrischen Ausprägungen anzutreffen sind. Darum wird der Autor in der von ihm verwendeten Literatur besonders die Beispiele herausgreifen, auf die sich die Wissenschaftler am stärksten fokussieren und diese erörtern und kritisch diskutieren.

Um diese Untersuchung wissenschaftlich ansprechend durchführen zu können, liegt der Arbeit eine umfangreiche theoretische Basis zu Grunde. Diese gliedert sich neben der Einleitung, dem Fazit und dem Hauptteil in vier Kapitel. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Spurensuche nach historischen Zeugnissen für eurozentrisches Denken. Dabei wird deutlich, dass sich erste Ausprägungen dieser Denkweise bereits in der Renaissance finden lassen. Als wichtige Quellen dienen in diesem Abschnitt auch zwei Lexikoneinträge aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Zeugnis ablegen von der eurozentrischen Weltanschauung ihrer Verfasser.

Im zweiten Kapitel geht es um die wichtigsten Definitionen zum Begriff Eurozentrismus. Als renommierteste Wissenschaftler sind hier der Ägypter Samir Amin, der US-Amerikaner Edward Said und der Israeli Ella Shohat zu nennen. Weiter werden die wichtigsten konstitutiven Annahmen der Ideologie herausgestellt, die Europa etwa als Verbreiter der Demokratie oder als den Wegbereiter für Kapitalismus und Moderne sehen. Für diese Darstellung wird Bezug auf die Autoren Sebastian Conrad und Shalini Randeria genommen, die sich zu diesem Thema umfassend äußern.

Im dritten Kapitel wird die eurozentrische Geschichtsschreibung näher beleuchtet, die zunächst linear vom antiken Griechenland über das römische Imperium und schließlich zu den Metropolen Europas und Nordamerikas führt und Europa glorifiziert. Zu diesem sehr diskursiven Themenfeld werden die Meinungen verschiedener Autoren in Zusammenhang gebracht, Parallelen zwischen ihnen gezogen oder Unterschiede hervorgehoben.

Das vierte Kapitel ist das letzte vor der abschließenden Erörterung der Ausgangsfrage, inwieweit sich der Eurozentrismus in der Gegenwart manifestiert. Von Bedeutung für dieses Kapitel sind die verschiedenen Kritikpunkte am Konzept des Eurozentrismus. Als wichtige Kritiker des Eurozentrismus, die jeweils zu Wort kommen werden, sind Samir Amin, Ella Shohat und James M. Blaut, zu nennen.

Das fünfte Kapitel bildet den Hauptteil und geht auf die Ausgangsfrage ein, inwieweit eurozentrische Ausprägungen noch heute im Alltag anzutreffen sind. Da hier aus forschungsökonomischen Gründen nicht auf alle Ausprägungen eingegangen werden kann, fokussiert sich der Autor auf sieben besonders prägnante Beispiele, die in der Fachliteratur vorzufinden sind, und die er nacheinander bearbeiten wird. Hierbei geht es um so unterschiedliche Themenfelder wie Sprache, Wissenschaft oder geografische Darstellungen.

1 Historische Zeugnisse des Eurozentrismus

Die frühesten eurozentrischen Ausprägungen sind bereits in der Renaissance vorzufinden. Samir Amin beschreibt in seinem 1989 erschienenen Werk Eurocentrism die radikale Veränderung der Welt in dieser Epoche, welche einerseits durch die Entstehung einer kapitalistischen Gesellschaft auf dem europäischen Kontinent und andererseits durch Europas Eroberung der Welt gekennzeichnet wird. Durch die europäische Eroberung der restlichen Welt wurde laut Amin der Grundstein für den Kapitalismus gelegt, dessen Regeln die Welt zunehmend einte. Unter den Europäern entstand ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber dem Rest der Welt, und waren sich der Tatsache bewusst, die Welt mit ihrer ausgeprägten Zivilisation erobern zu können. Obwohl dieses Machtgefühl Amins Ansicht nach der frühkapitalistischen Ordnung Europas zuzurechnen ist, verstand die renaissancistische Gesellschaft ihre Überlegenheit als Ausdruck des Christentums und der Wiederentdeckung der griechischen Antike. Die Europäer waren es auch, welche die ersten korrekten Weltkarten zeichneten, fast alle Völker der Erde kannten, und davon ausgingen, jeden besiegen und alles erobern zu können. In diesem Moment zeigt sich für Amin erstmals der Eurozentrismus (vgl. Amin 1989: 71-73).

Sanchita Basu ist davon überzeugt, dass der Eurozentrismus während des Zeitalters der Aufklärung im Zuge ihrer wissenschaftlichen und philosophischen Entwicklung entstand. Demnach wurde das Verhältnis von Mensch und Natur durch den Industrialisierungs- und Modernisierungsprozess verändert, indem die Auffassung vom vernunftgeleiteten Denken durch das Prinzip der Rationalität alle Lebensbereiche durchdrang. Im Verlauf dieser Entwicklung wurden die Menschen Basu zufolge ihrer Natürlichkeit beraubt, um den Anforderungen der industriellen Produktion gerecht werden zu können, die wiederum durch die Ausbeutung der europäischen Kolonien ermöglicht wurde. Zeitgleich manifestierte sich somit das Menschenbild der Europäer und ihr Überlegenheitsgedanke anderen Völkern gegenüber (Basu 1999: 9f.).

In alten Lexika sind historische Belege für die Ausbildung eines eurozentrischen Weltbildes zu finden. Der deutsche Verleger Johann Heinrich Zedler schrieb etwa 1734 im Grossen Vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste zum Stichwort Europa:

„Obwohl Europa das kleinste unter allen 4 Theilen der Welt ist, so ist es doch um verschiedener Ursachen willen allen übrigen vorzuziehen. Die Luft ist darinnen gemäßigt, und die Landschaften sind sehr fruchtbar, ausgenommen diejenige, welche sehr weit gegen Norden zu liegen. Es hat an allen nothwendigen Lebensmitteln einen Ueberfluß. Die Einwohner sind von sehr guten Sitten, höflich und sinnreich in Wissenschafften und Handwercken.“ (Zedler 1734: Spalte 2195)

Der Brockhaus Enzyklopädie von 1854 zufolge ist Europa seiner

„[…] terrestrischen Gliederung wie seiner kulturhistorischen und politischen Bedeutung nach unbedingt der wichtigste unter den fünf Erdtheilen, über die er in materieller, noch mehr aber in geistiger Beziehung eine höchst einflussreiche Oberherrschaft erlangt hat.“

Beide Definitionen eint ein stark eurozentrisch geprägtes Weltbild. Sie sind Beispiele dafür, wie schon vor rund 300 beziehungsweise 150 Jahren vor allem die kulturelle Überlegenheit der Europäer gegenüber nichteuropäischen Völkern ausgedrückt, aber etwa auch die geografischen Standortvorteile zur landwirtschaftlichen Ressourcengewinnung gegenüber südlicheren Erdteilen beschrieben wurde.

2 Definitionen und Annahmen des Eurozentrismus

Ella Shohat und Robert Stam beschreiben den eurozentrischen Diskurs in ihrem Werk Unthinking Eurocentrism. Multiculturalism and the media zurecht als „komplex, widersprüchlich und historisch unbeständig“ (Shohat/Stam 1994: 2). Die Quellen zur Entstehung eines eurozentrischen Leitbildes weichen teilweise stark voneinander ab und machen es somit schwer, Eurozentrismus einheitlich zu definieren. Als Maßstab kann allerdings die Definition des deutschen Ethnologen Dieter Haller in seinem dtv-Atlas Ethnologie dienen: „Von Eurozentrismus spricht man, wenn die europäische Kultur den Bewertungsmaßstab darstellt.“ (Haller 2005: 17) Der US-amerikanische Soziologe Immanuel Wallerstein hingegen versteht den Eurozentrismus als „konstitutive Geokultur“ der modernen Welt, welche die Kultur- und Sozialwissenschaften nachhaltig durchziehe. Das Erscheinungsbild nichtwestlicher Gesellschaften basiert auf einer „Sprache des Mangels“ und wird als defizitär erachtet (Conrad 2002: 12). Eine weitere gebräuchliche Definition stellt der deutsche Kulturwissenschaftler Ernest Jouhy auf. Eurozentrismus ist für ihn

„[...] eine Denk- und Handlungsstruktur, aufgrund derer der Anspruch erhoben wird, das in Europa entstandene rational wissenschaftliche Denken und Handeln sei universal und der einzig gültige Maßstab für die Bewertung anderer Kulturen.“ (Basu 1999: 8).

Shohat und Stam beschreiben weiter, dass die Welt im Eurozentrismus in den „Westen und den Rest“ aufgeteilt würde. Hier wird der westlichen Welt eine ganz besondere historische Bestimmung zugesprochen. Die Autoren verweisen darauf, dass Europa nicht nur historisch, sondern kartographisch zentralisiert und als universeller Maßstab genutzt wird. Der Osten hingegen werde aus europäischer Perspektive in „nah“, „mittel“ und „fern“ eingeteilt. Im Eurozentrismus werde die Umgangssprache in einer für den Westen schmeichelhaften, binären Hierarchie organisiert:

„[...] our ‘nations’, their ‘tribes’; our ‘religions’, their ‘superstititions’; our ‘culture’, their ‘folklore’, our ‘art’, their ‘artifacts’; our ‘demonstrations’, their ‘riots’; our ‘defense’, their ‘terrorism’.” (Shohat/Stam 1994: 2)

Die eurozentrische Ideologie sei so sehr als gesunder Menschenverstand naturalisiert, dass er im Alltagsleben unentdeckt bleibe. Philosophie und Literatur etwa würden automatisch als europäisch verstanden. Der gelebte Eurozentrismus sei mehr als eine indirekte Positionierung und eine bewusste politische Haltung. Shohat und Stam sind der Meinung, dass der eurozentrische und der kolonialistische Diskurs eng miteinander verwandt sind, auch wenn der kolonialistische Diskurs die kolonialen Praktiken und die dadurch entstandenen Hierarchien rechtfertigte, während der eurozentrische Diskurs diese Machtstrukturen als gegeben hinnimmt und sie normalisiert, ohne diese Zustände auch nur zum Thema zu machen (vgl. Shohat/Stam 1994: 1-4).

Georg Hansen sieht den Westen und damit auch Europa in seinem Werk Ethnozentrismus, Eurozentrismus, Teutozentrismus als zivilisiert an, während er die anderen Teile der Erde als „barbarisch“ beschreibt. Die zentralen Merkmale der Zivilisation sind für ihn vor allem das Entstehen von Stadtzentren und Wissenschaftszentren wie Schulen oder Universitäten sowie Staatenbildungen. Von Eurozentrismus sei die Rede, wenn sich Europäer anderen Menschen überlegen fühlen, wenn diese schon oben genannten Merkmale in deren Herkunftsländern nicht anzutreffen sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Annahmen der Realität entsprechen oder grundlegend falsch sind (vgl. Hansen 1993: 14). Dem deutschen Ethnologen Karl-Heinz Kohl zufolge muss Eurozentrismus jedoch nicht zwingend zur Begünstigung und Idealisierung der eigenen Kultur führen, sondern kann auch das Gegenteil, nämlich das kritische Infragestellen derselben und sogar die Idealisierung des Anderen bewirken (vgl. Kohl 2000: 32).

Auch der Ägypter Samir Amin sieht im Eurozentrismus nicht die Summe der Vorurteile und Fehler der Europäer in Bezug auf andere Völker, da diese nicht stärker als diejenigen Vorurteile seien, die andere Völker gegenüber den Europäern hätten:

„Eurocentrism is not the sum of Westerners’ preconceptions, mistakes, and blunders with respect to other peoples. After all, these errors are no more serious than the corresponding presumptions that non-European peoples hold with respect to Westerners. Eurocentrism is thus not a banal ethnocentrism testifiying simply to the limited horizons beyond which no people on this planet has yet truly been able to go.” (Amin 1989: VII)

Weiter beschreibt Amin Eurozentrismus als ein kulturelles Phänomen, das von der Existenz unumstößlicher kultureller Konstanten ausgeht, welche die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Völker beeinflusst. Deshalb sei der Eurozentrismus anti-universalistisch, da er nicht nach universellen Gesetzen der menschlichen Evolution suche. Allerdings gebe er sich durch seine Behauptung, die einzige Lösung der heutigen Probleme sei es, dass alle Völker dem westlichen Modell nacheifern müssten, als universalistisch aus (vgl. Amin 1989: VII). Eurozentrismus ist nach Amin keine Gesellschaftstheorie, sondern eine Verzerrung der Weltanschauung, die den meisten Gesellschaftstheorien und Ideologien zugrunde liegt.

„Eurocentrism is also not a social theory capable of providing the key to the interpretation of the questions that social theory proposes to elucidate. Eurocentrism is only a distortion – albeit a systematic and important one – from which the majority of dominant social theories and ideologies suffer.” (Amin 1989: VIIf.)

Beim Eurozentrismus handele es sich außerdem um ein sehr einflussreiches Leitbild für den Westen, welches aus sich selbst heraus funktioniere und sich in Grauzonen von scheinbaren Fakten und Allgemeinwissen bewege (vgl. ebd.: VIIff.).

Kolja Lindner differenziert in seinem Aufsatz Eurozentrismus bei Marx vier Dimensionen des Eurozentrismus. Dabei nennt er den Ethnozentrismus, der die Überlegenheit westlicher Gesellschaften voraussetzt, einen an Edward Said anknüpfenden „orientalischen“ Blick auf die „nicht-westliche“ Welt, ein Entwicklungsdenken, welches die europäische Geschichte als Vorbild für weltweite Entwicklungen verallgemeinert und eine Unterschlagung „nicht-westlicher“, d.h. vorkolonialisierter Geschichte und ihren Einfluss auf die Entwicklung Europas (vgl. Lindner 2011: 2f.).

Gottfried Mergner versteht den Eurozentrismus als eine Folge des widersprüchlichen Seins des Menschen in linearen Gesellschaften. Auf der einen Seite stehe das Individuum dem Markt zur Verfügung und erwerbe durch ihn aufgrund seiner Arbeitskraft seinen Eigenwert. Auf der anderen Seite wolle der Mensch über sich selbst verfügen und um seiner selbst geliebt werden. Der Gegensatz zwischen dem individuellen, im Kindheitsalter entwickelten Lebensplan und den Anforderungen der linearen Gesellschaftsdiskurse erzwinge ein eurozentrisches Verhalten. Mergner ist der Meinung, dass die Menschen ihren eigenen Wert durch die Konstruktion abstrakter und negativer „Wir und Ihr-Beziehungen“ bestärken. Diese Trennung gelänge durch die Distanzierung, Abwertung und Aussonderung, durch die leicht austausch- und kommunizierbare Stereotypen entstünden. Die dominanten und sehr stabilen Kommunikationsstrukturen seien von der Erinnerung an die gewaltsame europäische Expansionsgeschichte beeinflusst, was die Abgrenzung von Europa zum Rest der Welt vereinfache (Basu 1999: 55-66).

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Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668392533
ISBN (Paperback)
9783668392540
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Erscheinungsdatum
2017 (Februar)
Note
1,7
Schlagworte
spuren eurozentrismus gegenwart manifestationen sprache wissenschaft
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Titel: Spuren des Eurozentrismus in der Gegenwart. Manifestationen in Sprache und Wissenschaft