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Abläufe und Eigenschaften eines Schweinemastbetriebes in Niederbayern

Eine Untersuchung anhand eines Beispiels

Seminararbeit 2016 40 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Rückblick auf die Anfänge und Entwicklung des Betriebs

2. Beispiel für einen Schweinemastbetrieb in Niederbayern
2.1 Außerbetriebliche Einflüsse auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast
2.1.1 Auswirkungen weltweiter Schweinemast auf den Betrieb meines Vaters
2.1.2 Strukturwandel der Schweinemast und Vorteile des Standorts Niederbayern
2.1.3 Schweinepreis und Schweinezyklus und deren Folgen für den Beispielbetrieb
2.1.4 Einfluss politischer Vorgaben auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast
2.2 Aufbau des Maststalls bezüglich der angewandten Technik
2.2.1 Unterteilung und Aufbau des Maststalls
2.2.2 Angewandte Raumlufttechnik im Maststall
2.2.3 Funktionsweise und Bedeutung von Güllelagerung und Entmistungssystem
2.2.4 Sonstige technische Bestandteile und Eigenschaften des Maststalls
2.3 Bestandteile und Arbeitsschritte eines Mastablaufs
2.3.1 Das Einstallen der Ferkel
2.3.2 Überwachung der Tiere im täglichen Kontrollgang
2.3.3 Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Schweine
2.3.4 Das Ausstallen der Schweine
2.3.5 Stallreinigung und Vorbereitung auf den nächsten Mastablauf
2.4 Die Fütterung der Mastschweine
2.4.1 Futtermittelbeschaffung und Herstellungsverfahren des Futters
2.4.2 Die angewandte Fütterungstechnik
2.4.3 Die Phasenfütterung des Beispielbetriebs
2.4.3.1 Futterzusammensetzung der jeweiligen Phasen
2.4.3.2 Bisherige und zukünftige Entwicklung der Futterzusammensetzung
2.5 Betriebseigenes Management
2.5.1 Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ferkelzukauf
2.5.1.1 Einflüsse des Ferkelerzeugers auf die Ferkel und den späteren Masterfolg
2.5.1.2 Vorteile des einheitlichen und direkten Ferkelbezugs
2.5.2 Produktionskosten des Beispielbetriebs
2.5.3 LKV-Beratung zur Erfolgskontrolle
2.5.4 Strategie und Management der Vermarktung

3. Betriebsspezifische Prognose zu wirtschaftlicher und personeller Entwicklung

4. Abbildungsverzeichnis

5. Literaturverzeichnis
5.1 Bücher und Sammelwerke
5.2 Zeitschriftenartikel
5.3 Beiträge aus dem Internet
5.4 Betriebsspezifische Quellen (nicht in der Arbeit enthalten)

1. Rückblick auf die Anfänge und Entwicklung des Betriebs

Da das Thema der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit fordert, ein Beispiel eines Schweinemastbetriebs in Niederbayern darzulegen und diesbezüglich Abläufe und Eigenschaften aufzuführen, wird sich im Folgenden auf den Betrieb meines Vaters Gerhard Steinberger in Unterholzhausen bezogen.

Mein Vater entschied sich im Jahre 1998 für den Umbau der damals veralteten Milchviehhaltung in eine Schweinemast. Angetrieben durch schlechte Milchpreise und den Willen zur Veränderung der baufälligen und arbeitsintensiven Milchviehhaltung, konnte ihn auch die skeptische Haltung seines Vaters Wolfgang Steinberger nicht davon abhalten.[1] Doch der Bruttoerlös war im Wirtschaftsjahr 1998/99 mit 0,89€ pro Kilogramm Schlachtgewicht auf dem Tief der mittlerweile letzten 50 Jahre.[2] Dennoch begann er im August 1998 mit der Umgestaltung zum Schweinestall, welcher im Juni 1999 fertiggestellt wurde und eine Kapazität von 500 Schweinen besaß. Der Schweinepreis verbesserte sich bereits im ersten Jahr als Mäster stark, wodurch mein Vater ein wirtschaftlich hervorragendes erstes Jahr verzeichnen konnte. Als Grund dafür nennt er den sehr niedrigen Ferkelpreis in Kombination mit den ansteigenden Erlösen der folgenden Wirtschaftsjahre[3] und den damit außerordentlich hohen Direktkostenfreien Leistungen (DkfL).[4] Hierbei handelt es sich um den Erlös durch den Schweineverkauf, abzüglich der Ferkel- und Futterkosten und sonstiger Aufwandskosten pro Schwein, worin jedoch fixe Kosten für zum Beispiel Gebäude oder Maschinen nicht impliziert sind.[5] Aufgrund der Tatsache, dass in der Schweinemast der Umbau von Altgebäuden durchaus lukrativ ist, vorausgesetzt dass relativ große Tierzahlen gehalten werden können und eine Automatisierung von Fütterung und Entmistungssystem umsetzbar ist,[6] waren die Baukosten für den Maststall meines Vaters verhältnismäßig gering. Deshalb beschloss Gerhard Steinberger im Jahre 2002 den Schweinebestand um 400 Mastplätze zu erweitern. Im Januar des Folgejahres konnte schließlich mit der Mast von 900 Tieren begonnen werden. Erwähnenswert ist, dass die Zahlungsfähigkeit angesichts der ertragreichen ersten Jahre sehr gut war,[7] was folgende grafische Darstellung bestätigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Liquiditätsüberschuss je Mastplatz und Jahr, abhängig von den Direktkostenfreien Leistungen[8]

Das Diagramm zeigt den Liquiditätsüberschuss, und somit die verbleibenden Zahlungsmittel nach Abzug der Ausgaben von 33€ je Mastplatz und Jahr bei circa 800-1500 Mastplätzen.[9] Diese durchaus geringen Kosten entstehen „aufgrund älterer Bausubstanz mit nur geringer Fremdkapitalbelastung (30%) im ‚reinen Familienbetrieb‘ (100%)“.[10] Wegen ebenfalls geringem Fremdkapitaleinsatz, reinen Familienarbeitskräften und 900 Mastplätzen im Jahre 2003, kann das Diagramm als Vergleich für den Liquiditätsüberschuss meines Vaters der dargelegten Jahre genommen werden. Demzufolge war die Zahlungsfähigkeit vor Allem in den Jahren vor der Erweiterung 2002/2003, bereits bei durchschnittlichen DkfL, sehr hoch, was Gerhard Steinberger dazu bewegte, die Investition zu tätigen. Dass die DkfL, die damals noch als Deckungsbetrag pro Tier bezeichnet wurden, in diesem Zeitraum mindestens durch-schnittlich waren, zeigt der Vergleich der Mast meines Vaters mit anderen bayerischen Betrieben.[11] Wegen anhaltend guten Schweinepreisen und Direktkostenfreien Leistungen konnte der Neubau relativ zügig abbezahlt werden, wobei sich der Fremdkapitalanteil aufgrund von Privateinlagen generell in Maßen hielt.[12]

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der zweiten Erweiterung im Jahre 2007/2008, wo man den Liquiditätsüberschuss der Vorjahre als sehr hoch ansehen kann.[13] Dies sprach für einen weiteren Neubau und somit wurde in diesem Jahr der Schweinebestand auf 1300 Mastplätze vergrößert. Seitdem wurden keine neuen Stallabteile mehr errichtet oder bezogen.

2. Beispiel für einen Schweinemastbetrieb in Niederbayern

Durch das Aufwachsen auf dem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb war für mich schon seit jeher der Bezug zu der Thematik gegeben. Infolge des direkten Bezugs zur Schweine-mast ist mein Ziel somit eine möglichst betriebsnahe Seminararbeit anzufertigen. Der Betrieb meines Vaters umfasst 70 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und wird seit 1993 im Nebenerwerb bewirtschaftet. Neben der Schweinemast arbeitet er in einem Amt zur Kontrolle von Stallbau- und Flächenförderungen, was der Tätigkeit als Landwirt nahesteht.[14]

2.1 Außerbetriebliche Einflüsse auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast

Als oberstes Ziel in der Schweinemast zählt es nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip zu handeln. Das bedeutet, dass „mit einem bestimmten Mitteleinsatz der größtmögliche Erfolg (Maximalprinzip) erzielt werden soll.“[15] Dass dies jedoch nicht mehr nur durch betriebliche Leistungen und das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage beeinflussbar ist, wird in diesem Kapitel erläutert. Immer mehr prägt die weltweite Marktentwicklung, der regionale und internationale Strukturwandel, der Schweinepreis und aktuell und zukünftig auch politische Entscheidungen den Erfolg der Schweinemast.[16]

2.1.1 Auswirkungen weltweiter Schweinemast auf den Betrieb meines Vaters

Schweinemast ist ein weltweit verbreiteter Wirtschaftszweig des primären Sektors, weswegen ein intensiver Handel an Schweinefleisch vor Allem zwischen Europa, Asien, Nord- und Südamerika stattfindet.[17] Im Jahre 2015 wurde mit 5,56 Millionen Tonnen der höchste Wert der Schweinefleischerzeugung in Deutschland aus dem Jahre 2011 zwar nur um 40000 Tonnen verfehlt,[18] generell betrug dies jedoch lediglich circa 5% der weltweiten Produktion in diesem Jahr.[19] Dies zeigt welche enorme Bedeutung die Entwicklung und Verlagerung der Schweinemast in andere Regionen der Welt hat. Der Selbstversorgungsgrad an Schweine-fleisch in Deutschland lag im Jahr 2014 bei 117%, was ein durchaus nennenswertes Export-aufkommen nach sich zieht. Fast dreiviertel des exportierten Schweinefleisches wurden im ersten Halbjahr an EU-Partnerländer verkauft. Hier wurde ein kleiner Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbucht, welcher den Exporten an Drittlandsmärkte zugute kam. Diesbezüglich war vor Allem China und Hongkong mit 16,2% der wichtigste Abnehmer überhaupt.[20] In China ist deutsches Schweinefleisch sehr gefragt, „[d]enn made in Germany steht auch bei Schweinefleisch und Verarbeitungserzeugnissen für Qualität und Sicherheit.“[21] Doch im Zuge des ansteigenden Exports Deutschlands nach China konkurriert man mit den USA, die auch immer mehr „die Wachstumsmärkte in China ins Visier“[22] nehmen. Als Grund kann hierbei angeführt werden, dass die amerikanischen Mäster im Herbst 2015 ein gehöriges Bestandswachstum von 9% verbuchten und aufgrund der russischen Einfuhrsperre für Schweinefleisch, neue Märkte erschließen mussten.[23] Seit dem Embargo im Jahre 2014 werden russische Mäster vom Staat massiv subventioniert, wodurch man den Import mittlerweile um 80% verringern konnte. Der restliche Bedarf an Schweinefleisch wird größtenteils für einen verhältnismäßig geringen Preis aus Brasilien importiert.[24] Das Beispiel Brasiliens zeigt, dass Länder mit Billiglohnniveau immer mehr anstreben ihre Schweinemast auszubauen, um die steigende inländische Nachfrage zu decken und den Weltmarkt mit billigem Schweinefleisch zu versorgen. Die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast lediglich an der wachsenden Nachfrage am Weltmarkt zu messen, genügt somit nicht.[25] „Global denken, lokal handeln!“[26], lautet daher die Devise meines Vaters, mit der er dem Gedanke Ausdruck verleihen will, stets über weltweite Geschehnisse Bescheid zu wissen, um die Betriebsplanung folglich danach ausrichten zu können, jedoch, zur Erfolgssicherung der Mast, nach niederbayerischen Standards und Marktanforderungen handelt.[27]

In europäischer Hinsicht hat sich vor Allem Spaniens Schweinemast in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Der Schweinebestand wurde zum Beispiel von 2013 auf das Jahr 2014 um circa eine Million Tiere erweitert und damit standen die Südeuropäer mit 26,5 Millionen Schweinen an zweiter Stelle in der EU und nur noch knapp hinter Deutschland. Gründe für ihren Aufschwung sind vor allem die niedrigen Löhne, wenigen Auflagen und billigen Ställe, was geringe Kosten, und somit einen Vorteil am europäischen Schweinemarkt verschafft.[28] Eine weitere Erklärung dafür liefert die Tatsache, dass bei ihnen, ebenso wie im Großteil der EU-Mitgliedstaaten, Vorgaben wie die Richtlinie 2008/120/EG des Rates der europäischen Union über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen[29] gelten, während hierzulande striktere Auflagen wie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung jene Anforderungen festlegt. In der Folge führen diesbezüglich strengere Vorgaben zu Mehrkosten und diese wiederum zu Wettbewerbungsverzerrungen zu Ungunsten deutscher Schweinemäster wie Gerhard Steinberger, auf die sie keinen Einfluss nehmen können.[30]

2.1.2 Strukturwandel der Schweinemast und Vorteile des Standorts Niederbayern

Folgendes Diagramm legt die Entwicklung der Anzahl der Mastschweine und schweinemästenden Betriebe in Deutschland und Bayern dar und zeigt somit den Strukturwandel der letzten 41 Jahre auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Mastschweine und Schweinemäster in Deutschland bzw. Bayern von 1975-2016[31]

Auffallend ist die Tatsache, dass sich die Menge an Mastschweinen, trotz stark sinkender Zahl an deutschen und bayerischen Mästern seit 1999, auf einem konstanten Level hält. Speziell in Bayern wird dies durch das Aussteigen zahlreicher kleinerer Betriebe mit 200 bis 500 Mastplätzen aus der Produktion begründet, welche sich aus Kostengründen gegen notwendige Investitionen bezüglich Tierschutzverordnungen entschieden. Währenddessen errichteten investitionsgeförderte Mäster 2012 im Durchschnitt Ställe mit 1000 Plätzen, was die Stallplätze der wegfallenden Betriebe wieder kompensierte.[32] Infolgedessen vergrößerte sich der Mastbestand pro Betrieb in Bayern seit mein Vater Schweine mästet, von durchschnittlich 64 auf 477 Schweine, um mehr als das Siebenfache.[33] Eine ähnliche strukturelle Veränderung ereignete sich EU-weit, wo von 2005 bis 2013 fast die Hälfte der schweinehaltenden Betriebe aus der Produktion ausgeschieden ist.[34]

Die Tatsache, dass Niederbayern, trotz des anhaltenden Strukturwandels, mit fast 800000 Mastschweinen im Jahr 2015[35] mehr als ein Drittel der bayerischen Mastschweine eingestallt hatte, spricht für den Regierungsbezirk als Standort. Als Konzentrationszone der Schweinemast entstehen somit einige Vorteile.

„In der Regel sorgt hier die gute Infrastruktur in der Futtermittel-, der Schlacht- und Verarbeitungsindustrie, aber auch in der Beratung und tierärztlichen Versorgung für komparative Vorteile gegenüber den extensiveren Veredlungsgebieten.“[36]

Die dadurch entstehenden geringeren Futterkosten und kürzeren Vermarktungswege sowie fachgerechte Beratung verbessern somit die Wirtschaftlichkeit meines väterlichen Betriebs.

2.1.3 Schweinepreis und Schweinezyklus und deren Folgen für den Beispielbetrieb

Der Schweinepreis bestimmt den Schweinezyklus, mit dem das zyklische Aufkommen der Tiere abhängig von Angebot und Nachfrage beschrieben wird, wird aber auch von ihm beeinflusst. Ein sinkender Schweinepreis oder enorm steigende Futterkosten vermindern die Ferkelnachfrage der Mäster, was viele Sauenhalter zur Betriebsaufgabe zwingt, die Ferkelkosten somit zeitversetzt steigen, woraufhin bei geringen Erlösaussichten eine Vielzahl von Mäster ihren Betrieb schließen müssen. Ein dadurch kleines Angebot an Schlachtschweinen wird wiederum zeitversetzt ein Ansteigen des Schweinepreises nach sich ziehen. Ein extrem niedriger Preis wie im Jahre 1999 sorgte für maximale Auswirkungen und verursachte damals somit eine enorm hohe Zahl an Betriebsaufgaben. Durch das Zusammentreffen mehrerer positiver Faktoren im Jahr 2000, konnte mein Vater im Zuge eines geringen Angebots an Schlachtschweinen und hoher Nachfrage,[37] wie bereits in Punkt 1 erwähnt, ein wirtschaftlich großartiges erstes Jahr verzeichnen. Gemäß dem Präsident der europäischen Schweineproduzenten könne man sich den Zwängen des Schweinezyklus entziehen, indem man den Markt analysiert und rechtzeitig die Produktion einbremst, wenn der Preis nachlässt und auch wieder ankurbelt, falls der Preis wieder ansteigt.[38] Dies ist jedoch für meinen Vater durch den einheitlichen und direkten Ferkelbezug, und somit Einkauf aller Ferkel stets vom gleichen Ferkelerzeuger, nicht möglich, da es ihn dazu verpflichtet, auch in wirtschaftlich härteren Zeiten eine konstante Anzahl an Mastschweine zu produzieren. Außerdem stuft er eine verringerte Produktion bei schlechten Erlösen als sehr riskant ein, zumal er speziell die geringen Ferkelkosten bei wieder zyklisch ansteigendem Schweinepreis nicht verpassen will, da diese als Ausgleich zu den schlechten Erlösen bei fallendem Preis und moderaten Ferkelkosten fungieren.[39] In Jahren mit einem schlechten Schweinepreis wird, zur Überbrückung dieser, somit besonderes Augenmerk auf niedrige Produktionskosten gelegt, da aufgrund des Schweinezyklus, mit wieder ansteigenden Erlösen gerechnet werden kann. Dies wird deutlich am Beispiel der letzten zwei bis drei Jahre: Das Wirtschaftsjahr 2014/2015 war noch aufgrund des hohen Selbstversorgungsgrads Deutschlands an Schweinefleisch mit folgender starker Exportabhängigkeit und sinkender Inlandsnachfrage geprägt,[40] was einen geringen Bruttoerlös von 1,24€ pro Kilogramm Schlachtgewicht[41] nach sich zog. Auch das Jahr 2016 begann mit schlechten Erlösen von 1,31€ im Januar,[42] was sich jedoch mittlerweile mit einem Schweinepreis von 1,71€ Ende September[43] enorm verbesserte.

2.1.4 Einfluss politischer Vorgaben auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast

Aktuelle und zukünftige politische Verordnungen beeinflussen die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast. Dazu gehört das voraussichtliche Verbot der betäubungslosen Kastration nach dem 31.12.2018[44]. Jenes Verfahren wird derzeit bei männlichen Ferkeln vom Erzeuger angewendet, um unter anderem dem Ebergeruch entgegenzuwirken. Hierbei handelt es sich um eine Geruchsabweichung des Fleisches von männlichen Tieren, die in 3-4% der Fälle auftritt und das Fleisch ungenießbar macht.[45] Das Verbot der betäubungslosen Kastration könnte eine getrenntgeschlechtliche Mast nach sich ziehen, da sonst Unruhe beim Kontakt mit weiblichen Tieren entstehen würde, und Eberferkel schneller wachsen, was wiederum zu unterschiedlichen Schlachtzeitpunkten führen würde. Auch das Anwenden einer Kastration unter Narkose ist in der Diskussion, wobei dies zu vier- bis zwölffachen Kosten für den Ferkelerzeuger und somit zu deutlich teureren Ferkeln führen würde.[46] Außerdem sind die Techniken hierbei noch nicht weit genug entwickelt, sodass der Kastrationsschmerz oder der Ebergeruch nicht komplett zu verhindern sind.[47] Insgesamt müssen somit hierbei noch einige Entscheidungen und Anpassungen getroffen werden, um das Verbot der betäubungslosen Kastration tatsächlich zum vorher genannten Datum einführen zu können, weshalb auch für meinen Vater noch nicht feststeht, wie er nach dem Verbot vorgehen wird.[48]

Die Forderung nach einer flächengebundenen Tierhaltung stellt eine weitere politische Maßnahme dar, welche die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast beeinflusst. Hierbei wird die Flächennutzung des Mästers in Verbindung mit den gehaltenen Tieren gesetzt, wobei nicht mehr Schweine gemästet werden dürfen, als über den Ertrag der betriebseigenen Fläche abgedeckt werden. Um dies sicher zu stellen, wird ein, an Schweinemäster angepasster, Vieheinheitenschlüssel verwendet, welcher genau vorschreibt, wie viele Schweine bei einer bestimmten Flächenausstattung gehalten werden dürfen. Wird diese Maßzahl nicht eingehalten, verliert der Betrieb den Status der Landwirtschaft und bekommt als Gewerbe steuerliche Nachteile. Weiterhin ist ausreichend Fläche notwendig, um die anfallende Gülle vorschriftsmäßig auszubringen. Ist dies nicht der Fall, müssen Flächen zur Gülleausbringung teuer gepachtet werden, oder die Gülle kostenpflichtig abgegeben werden. Den im Punkt 2.1.2 aufgeführten Vorteilen der Schweinemast in Niederbayern stehen somit einige Nachteile entgegen, da eine flächengebundene Tierhaltung vor Allem in viehintensiven Regionen aufgrund hoher Flächen- und Pachtpreise schwer realisierbar ist. Außerdem wird hierbei wegen hoher Stalldichte und folglich starken Gerüchen und hoher Ammoniakbelastung oft eine teure Abluftreinigungsanlage gefordert.[49] Doch Gerhard Steinbergers Betrieb wird mit 70 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bei 1300 Mastplätzen noch als Landwirtschaft eingestuft, und die Fläche reicht gerade noch aus, um die anfallende Gülle vorschriftsmäßig auszubringen. Darüber hinaus konnten die Stallerweiterungen meines Vaters ohne eine Abluftreinigungsanlage errichtet werden, da diese im Außenbereich aufgrund von ausreichendem Abstand zur Wohnbebauung nicht erforderlich wurde. Somit profitiert er von den Vorteilen der Konzentrationszone für Schweinemast in Niederbayern, während die Nachteile größtenteils umgangen werden können.[50]

2.2 Aufbau des Maststalls bezüglich der angewandten Technik

Aufgrund der mehrfachen Erweiterung des Schweinestalls meines Vaters und der steigenden Bedeutung der verwendeten Technik bezüglich der Mastleistung der Tiere, werden in diesem Kapitel die verschiedenen Abschnitte des Stalls detailliert beschrieben und die abteilspezifische Technik erläutert.

2.2.1 Unterteilung und Aufbau des Maststalls

Folgender Plan geht auf den Aufbau des Maststalls ein und legt wichtige Bestandteile dar. Als Eingang fungiert die Türe des Schwarzbereichs, welcher als Hygieneschleuse dient und somit Wasseranschluss für Hand- und Schuhwerksreinigung, Telefonanschluss, einen Schreibtisch und eine Möglichkeit zur Aufbewahrung der Straßenkleidung besitzt. Beim Beispielbetrieb befindet sich der Weißbereich im Raum nebenan, wo die Stallkleidung aufbewahrt wird.[51] Vom Weißbereich gelangt man auf den großen Treibgang der ersten beiden Abteile, wo es sich um die ehemalige Milchviehaufstallung handelt. Diese beiden Abteile besitzen je 15 Buchten und zwei Treibgänge, was darauf zurückzuführen ist, dass die Größe der Abteile durch den Umbau bereits vorbestimmt war. Während im ersten Abteil je mindestens 17 Tiere pro Bucht gehalten werden, befinden sich im zweiten, etwas kleineren Abteil, nur circa 13 Tiere pro Bucht. Eine Tür verbindet den großen Treibgang mit jenem der Erweiterung von 2003. Hierbei wurden analog zur Erweiterung von 2007 je zwei Abteile mit je einem Mittelgang errichtet, von jenem jeweils vier Buchten à 24 Mastplätze zur Linken und zur Rechten liegen. Am großen Treibgang außerhalb des vierten Abteils befindet sich die Verladerampe „für die direkte Verladung auf den Transporter“[52] beim Ausstallen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufbauplan des Maststalls des Beispielbetriebs[53]

2.2.2 Angewandte Raumlufttechnik im Maststall

Um den Masterfolg zu gewährleisten, und um die Gesundheit der Tiere zu sichern, muss ein optimales Stallklima erzeugt werden. Hierbei handelt es sich in erster Linie um den „Zustand[..] der Stallluft, [..] Temperatur, Luftfeuchte, Gehalt an Schadgasen sowie Luftströmung, Luftgeschwindigkeit und Strahlung (Licht).“[54] Dies gelingt durch den Einsatz von Lüftungssystemen und je nach Außentemperatur zum Teil auch von Kühlungs- und Heizungsvorrichtungen. Gerhard Steinberger verwendet hierbei eine Rieselkanallüftung, wobei die Zuluft durch Lochplatten langsam einströmt, die Luftgeschwindigkeit somit relativ gering ist, was wiederum speziell zugempfindlichen Jungtieren zugutekommt. Hierbei hielt mein Vater einen Abstand der Lochplatten von circa 3,20 Meter[55] zur Wand ein, um zu verhindern, dass die Zuluft entlang der Wand nach unten beschleunigt wird.[56]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Rieselkanallüftung (Abteil 6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Abluftkanal (Abteil 6)

Im Maststall meines Vaters werden Zuluft- und Abluftführung mithilfe des Unterdrucks gesteuert. Dies bedeutet, dass Ventilatoren in den Abluftkanälen, wie auf obigem Bild, die Abluft ansaugen und durch den folgenden Unterdruck im Abteil die Zuluft über die Rieselkanallüftung vom großen Treibgang außerhalb des Abteils hereinströmt. Des Weiteren verwendet Gerhard Steinberger eine zentrale Abluftführung. „Kennzeichen der zentralen Abluftführung ist ein Sammelkanal, der die Abluft bündelt und einem einzigen Emissionspunkt zuführt.“[57] Der Vorteil hierbei ist, dass man, am Emissionspunkt einen Luft-Luft-Wärmetauscher einsetzen kann, der als Wärmerückgewinnungsanlage fungiert.[58] Mit einem Wärmetauscher kann man die Luft „je nach Jahreszeit gekühlt oder angewärmt in den Tierbereich leiten“[59], indem die Abluftwärme je nach Bedarf auf die Zuluft übertragen wird. Man spart somit Energie und kann, wie im Falle meines Vaters, durch den Einsatz eines Wärmetauschers auf die Installation einer künstlichen Beheizung verzichten. Dazu trägt außerdem die Verwendung von teureren, wärmedämmenden Ziegel und Putz bei den beiden Neubauten bei. Somit muss lediglich vorm Einstallen der Ferkel mit Heizölkanonen vorgeheizt werden,[60] denn bis zu einem Gewicht von circa 45kg reicht die Eigenwärmeerzeugung nicht aus, dem noch verhältnismäßig hohen Wärmebedarf gerecht zu werden.[61]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Klimacomputer

Dieses Bild des Klimacomputers meines Vaters legt dar, dass auch ohne künstliche Heizung, allein durch die oben erwähnten Maßnahmen für jedes Abteil eine individuelle, den Anforderungen der Tiere entsprechende, Temperatur erzeugt wird. Dies wird über die Lüftungsleistung gesteuert, wobei eine höhere Leistung generell schneller warme Luft absaugt und somit bei schwereren Tieren mit geringerem Wärmebedarf eingesetzt wird. Außerdem ist eine Alarmanlage mit Telefonwählgerät integriert, woraufhin bei Abweichungen oder Lüftungsausfall ein akustisches Warnsignal ertönt und Nachbarn und befreundete Landwirte telefonisch alarmiert werden. Ebenso kann mein Vater im Sommer auf die Kühlung des Stalls verzichten, da der Großteil der einsehbaren Fenster auf der kühleren Nordseite platziert ist, und eine starke Aufheizung des Stalls an warmen Tagen durch Fenster der Südseite, mithilfe pflanzlicher Beschattung, unterbunden wird.[62]

[...]


[1] vgl. Interview mit Steinberger Gerhard vom 02.10.2016 (Das Interview ist in der Veröffentlichung nicht enthalten)

[2] vgl. www.lkv.bayern.de: Fleischleistungsprüfung in Bayern 2015, Seite 32f., Stand 02.10.2016

[3] vgl. ebd., Seite 33

[4] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 05.06.2016, Seite 1

[5] vgl. http://www.lkv.bayern.de/flp/schweinemast.html: Wirtschaftlich produzieren, Stand: 02.10.2016

[6] vgl. Spandau, P. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., S.115

[7] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 05.06.2016, Seite 1

[8] vgl. Spandau, P. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 124f.

[9] vgl. ebd., Seite 124ff.

[10] ebd., Seite 124

[11] vgl. LKV: Betriebsprotokoll 1 vom 01.03.2002 bis zum 28.02.2003

[12] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 05.06.2016, Seite 1

[13] in Anlehnung an Abbildung 1

[14] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 03.10.2016, Seite 1

[15] www.wirtschaftslexikon.gabler.de: Wirtschaftlichkeitsprinzip, Stand: 03.10.2016

[16] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 03.10.2016, Seite 1

[17] vgl. Hortmann-Scholten, A. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 7

[18] vgl. www.destatis.de: Fleischerzeugung im Jahr 2015 mit neuem Rekordwert, Stand: 03.10.2016

[19] vgl. https://de.statista.com/: Produktion von Schweinefleisch weltweit bis 2016, Stand: 03.10.2016

[20] vgl. Bauer, K. (2015): Ein langes Tal im Schweinezyklus, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 205. Jg., H.49, Seite 86

[21] Hortmann-Scholten, A.; LWK Niedersachen (2016): Fleisch-Export: Wie in China punkten?, in: SUS, H.2/2016, Seite 61

[22] o.V. (2015): Bestände auf Rekordniveau, in: SUS, H.6/2015, Seite 22

[23] vgl. ebd., Seite 22

[24] vgl. www.topagrar.com: Russland nicht mehr auf europäisches Schweinefleisch angewiesen, Stand: 04.10.2016

[25] vgl. Spandau, P. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 122f.

[26] Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 03.10.2016, Seite 1

[27] vgl. ebd.

[28] vgl. Schnippe, F.; SUS (2015): Spanier starten durch, in: SUS, H.6/2015, Seite 18f.

[29] vgl. http://eur-lex.europa.eu/homepage.html?locale=de: Richtlinie 2008/120/EG, Stand: 04.10.2016

[30] vgl. Hoy, S. in Schweinemast (2013), Seite 43

[31] vgl. https://www-genesis.destatis.de/genesis/online: 41311-0001, 41311-0002, 41311-0003, 41311-0004, Stand: 07.10.2016

[32] vgl. www.topagrar.com: Schweinemast: Bayern gewinnt, Ländle verliert, Stand: 08.10.2016

[33] in Anlehnung an Abbildung 3

[34] vgl. o.V. (2016): EU-Schweinehaltung im stetigen Wandel, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 206. Jg., H.2, Seite 31

[35] vgl. www.lkv.bayern.de: Fleischleistungsprüfung in Bayern 2015, Seite 16, Stand 08.10.2016

[36] Spandau, P. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 121

[37] vgl. Hortmann-Scholten, A. in Schweinemast (2013) von Hoy S., Seite 9f.

[38] vgl. Bauer, K. (2016): Dem Schweinezyklus entkommen, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 206. Jg., H.10, Seite 95

[39] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 09.10.2016, Seite 1f.

[40] vgl. www.lkv.bayern.de: Fleischleistungsprüfung in Bayern 2015, Seite 17, Stand: 09.10.2016

[41] vgl. ebd., Seite 33

[42] vgl. o.V. (2016): Vereinigungspreis für Schlachtschweine, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 206. Jg., H.3, Seite 86

[43] vgl. Gutschrift der Schlachtung vom 23.09.2016, Seite 1

[44] vgl. Bauer, K. (2016): Nichts passt mehr zusammen, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 206. Jg., H.10, Seite 94

[45] vgl. Hoy, S. in Schweinemast (2013), Seite 67

[46] vgl. Bauer, K. (2016): Nichts passt mehr zusammen, in: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 206. Jg., H.10, Seite 94

[47] vgl. Niggemeyer, H.; SUS (2016): Kastration: Alternativen mit Defiziten, in: SUS, H.2/2016, Seite 30ff.

[48] vgl. Interview mit Steinberger Gerhard vom 02.10.2016

[49] vgl. Spandau, P. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 116ff.

[50] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 09.10.2016, Seite 2

[51] vgl. Hoy, S. in Schweinemast (2013), Seite 45

[52] www.ktbl.de: Bauausführung und Haltungstechnik geschlossener Mastschweineställe, Seite 8, Stand: 16.10.2016

[53] vgl. Eingabepläne der Stallgrundrisse vom 07.03.1999, 17.02.2001 und 02.10.2006

[54] Wähner, M.; Hoy, S. in Taschenbuch Schwein (2009), Seite 210

[55] eigene Messung

[56] vgl. Büscher, W. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 78f.

[57] ebd., Seite 81

[58] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 17.10.2016, Seite 2

[59] Werning, M.; SUS (2016): Tierwohl sichert Topleistungen, in: SUS, H.2/2016, Seite 27

[60] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 17.10.2016, Seite 2

[61] vgl. Büscher, W. in Schweinemast (2013) von Hoy, S., Seite 75

[62] vgl. Mitschrift des Gesprächs mit Steinberger Gerhard vom 17.10.2016, Seite 2

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Titel: Abläufe und Eigenschaften eines Schweinemastbetriebes in Niederbayern