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Wahrnehmung und Wahrnehmungsstörungen in der allgemeinen Psychologie

Einsendeaufgabe 2016 26 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Wahrnehmung
2.1 Stufen der Wahrnehmung
2.1.1 Umgebungsreiz
2.1.2 Transformation
2.1.3 Transduktion
2.1.4 Neuronale Verarbeitung
2.1.5 Wahrnehmung und Erkennen
2.1.6 Handeln
2.2 Prozess der Identifikation und des Wiedererkennens
2.2.1 Bottom-up und Top-down-Verarbeitungen
2.2.2 Der Einfluss von Kontext und Erwartung

3 Wahrnehmungstäuschung

4 Wahrnehmungsstörung

5 Schizophrenie
5.1. Wahrnehmungsstörungen bei Schizophrenie
5.2 Behandlungsmöglichkeiten bei Schizophrenie
5.2.1 Psychologische Behandlung
5.2.2 Pharmakotherapie
5.2.3 Soziotherapie
5.2.4 Psychochirurgie
5.2.5. Elektrokrampftherapie

6. Prognose

7 Kritische Diskussion

8 Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wahrnehmungstäuschungen der Schizophrenie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Wahrnehmungsprozess

Abbildung 2: Visuelle Identifikation

Abbildung 3: Die Müller-Lyer-Täuschung

Abbildung 4: Wahrnehmungstäuschungen bei Schizophrenie

1 Einleitung

In alltäglichen Situationen erhält der Mensch verschiedene Informationen durch den komplexen Prozess der Wahrnehmung, der durch die Sinnesorgane stattfindet und gleichzeitig die Informationen organisiert und interpretiert. Der Mensch hat selbst keinen Einfluss auf den Wahrnehmungsprozess, denn der Prozess geschieht unbewusst.[1]

1.1 Zielsetzung der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über die Wahrnehmung und die einzelnen Schritte des Wahrnehmungsprozesses zu geben sowie Wahrnehmungstäuschungen und Wahrnehmungsstörungen zu beschreiben und den Unterschied zwischen ihnen aufzuzeigen. Anschließend soll das Krankheitsbild der Schizophrenie dargestellt werden ebenso wie der Einfluss und die Bedeutung von Wahrnehmungsstörungen auf die Krankheit. Zudem werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der Schizophrenie erklärt.

1.2 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 wird die Wahrnehmung erklärt. Ihre einzelnen Schritte werden am visuellen Modell dargestellt sowie am Prozess der Identifikation und des Wiedererkennens zusätzlich beschrieben.

Es kommt vor, dass Menschen Wahrnehmungstäuschungen erleben. Kapitel 3 beschreibt diese und erklärt sie am Beispiel der visuellen Täuschung näher. Schließlich wird ein Einblick in die Wahrnehmungsstörung gegeben, die als Folge verschiedener Erkrankungen auftreten kann. Zudem wird eine klare Abgrenzung zur Wahrnehmungstäuschung vorgenommen. Kapitel 5 beschreibt die schizophrene Erkrankung und ihre möglichen Ursachen. Es erklärt weiterhin Wahrnehmungsstörungen, die bei dieser Erkrankung auftreten können. Danach werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der Schizophrenie erläutert, ihre Wirksamkeit sowie ihre möglichen Prognosen. Eine kritische Diskussion schließt die Arbeit ab.

2 Wahrnehmung

Die Wahrnehmung ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Unter dem Ausdruck „Wahrnehmung“ versteht man einen allgemeinen komplexen Prozess, der dazu dient, Objekte und Begegnungen aus der Umwelt mit unterschiedlichen Sinnen zu fühlen, zu erkennen, zu identifizieren und darauf passend zu reagieren.[2] Der Wahrnehmungsprozess wird für eine bessere Verständlichkeit am Beispiel der visuellen Wahrnehmung in sieben Schritte unterteilt.[3]

2.1 Stufen der Wahrnehmung

Nachfolgend wird vereinfacht der Prozess der Wahrnehmung dargestellt, obwohl sich die dargestellten Prozesse nicht zwingend in dieser Reihenfolge abspielen müssen. Die Wahrnehmung, das Erkennen und Handeln können auch gleichzeitig oder in umgekehrter Reihenfolge stattfinden, was durch die in entgegengesetzte Richtungen zeigenden Pfeile in der Abbildung dargestellt ist.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Wahrnehmungsprozess

(Quelle: Eigene Darstellung, nach Jansen, L.: 2015, S. 42)

2.1.1 Umgebungsreiz

Laut E. Bruce Goldstein verläuft der Prozess der Wahrnehmung in sieben Schritten.[5] Der erste Schritt ist ein Umgebungsreiz, zum Beispiel der Anblick eines Baumes. Das, was die Person wahrnimmt, ist nicht der Baum, sondern das Licht, das von dem Baum reflektiert wird und in das Auge fällt.[6] Die Qualität des Lichtes ist abhängig von vielen verschiedenen Elementen wie der Tageszeit, der Art der Lichtquelle, die künstlich sein kann oder natürlich, oder den Wetterbedingungen.

2.1.2 Transformation

Das Licht, das in das Auge gefallen ist, wird transformiert. Dank der Linse wird fokussiert, sodass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht, die sich auf der Rückseite des Augapfels befindet.[7] Das optische System des Auges wird u.a. durch die Hornhaut und die Linse gebildet. Wenn das optische System nicht optimal ist, kann ein unscharfes Bild entstehen. Durch die Transformation von dem Objekt Baum in das Bild des Baums wird verständlich, dass das was wahrgenommenen wird, auf einer Repräsentation des Stimulus basiert, die auf Rezeptorenäktivität und neuronale Verarbeitung gegründet ist.[8] Das physikalische Objekt in der Welt, wird aus diesem Hintergrund als distaler Reiz bezeichnet und das optische Abbild auf der Retina als proximaler Reiz. Die Hauptaufgabe der Wahrnehmung ist, den distalen Reiz, so realistisch wie möglich wahrzunehmen. Alle nachfolgende Schritte der Wahrnehmung können als ein Versuch, der Ableitung des distalen Reizes aus Informationen des proximalen Reizes betrachtet werden.[9]

2.1.3 Transduktion

Den nächsten Schritt stellt die Transduktion dar. Das Licht wird in elektrische Energie umwandelt - durch visuelle Rezeptoren, die lichtempfindliche Farbstoffe des Sehpigments enthalten. Unter Transduktion versteht man somit die Umwandlung einer Energieform (Lichtenergie) in eine andere Energieform (Elektrische Energie). Für die visuelle Wahrnehmung ist die Transduktion –durch diese Sehpigmente - von großer Bedeutung, denn ohne die Transduktion könnten keine Informationen über die Repräsentation des Baumes auf die Netzhaut und zum Gehirn gelangen.[10]

2.1.4 Neuronale Verarbeitung

Die neuronale Verarbeitung ist der vierte Prozessschritt der Wahrnehmung; er ist dank der Transduktion möglich. Unter neuronaler Verarbeitung wird die Weiterleitung der elektrischen Signale über die Nervenbahnen bis ins Gehirn verstanden. Während der Weiterleitung werden die Informationen verarbeitet, was dazu führen kann, dass sie verändert werden. Dies geschieht, da die Signale von den Rezeptoren zum Gehirn verschiedene Wege nehmen und die Signale auch in die entgegengesetzte Richtung laufen können. Manche Signale werden bei der Weiterleitung zum Gehirn blockiert, während andere verstärkt werden und eine größere Auswirkung entwickeln.[11]

2.1.5 Wahrnehmung und Erkennen

Die Wahrnehmung und das Erkennen stellen den fünften Wahrnehmungsschritte dar. Im Gehirn werden die elektrischen Signale aus Schritt 3 in bewusste Erfahrungen umgesetzt: die Person nimmt das Objekt wahr und erkennt es.[12] Bedeutend ist, dass zwischen Wahrnehmung und Erkennen ein großer Unterschied besteht. Die Objektwahrnehmung muss nicht gleichzeitig bedeuten, dass die Person das wahrgenommene Objekt auch erkennt oder erkennen kann.[13]

2.1.6 Handeln

Das Handeln ist der letzte Schritt der Wahrnehmung. Die Handlung wird je nach ihrer Wichtigkeit für das Überleben als bedeutungsvolles Ergebnis der Wahrnehmung betrachtet. Schlussendlich können wir den Wahrnehmungsprozess als eine Reihenfolge von Einzelschritten betrachten, der mit zur Verfügung stehenden Umweltinformationen beginnt und mit den Schritten „Erkennen und Handeln“ endet.[14]

2.2 Prozess der Identifikation und des Wiedererkennens

Aufgrund der beschriebenen Wahrnehmungsstufen werden ausreichende Informationen über die physikalischen Merkmale des distalen Reizes den Menschen zur Verfügung gestellt. Die Form, die Größe sowie die Farben von Objekten in der Umwelt werden als physikalische Merkmale des distalen Reizes bezeichnet. Durch sie entsteht die Möglichkeit, durch die eigene Erfahrung Objekte zu erkennen und zu identifizieren als etwas, das schon einmal gesehen wurde.[15]

2.2.1 Bottom-up und Top-down-Verarbeitungen

Die Aufnahme von Sinnesdaten aus der Umwelt, ihre Weiterleitung zum Gehirn und die Informationsbeschaffung und -analyse werden als Bottom-up-Verarbeitung bezeichnet. Die Bottom-up-Verarbeitung bezieht sich in der empirischen Realität auf die Transformation der konkreten physikalischen Reizeigenschaften in abstrakte Repräsentationen.[16]

Im Vergleich zur Bottom-up-Verarbeitung ist die Top-down-Verarbeitung auf unseren eigenen Erfahrungen, unserem Wissen und unserem kulturellen Hintergrund begründet. Da die Konzepte aus dem menschlichen Gedächtnis die Interpretation der Sinnesdaten beeinflussen, wird die Top-down-Verarbeitung als konzeptgesteuert bezeichnet.[17]

2.2.2 Der Einfluss von Kontext und Erwartung

Einen Einfluss auf die Wahrnehmung haben auch Erwartungen und der Kontext. Die Identifikation eines Objektes ist verbunden mit den Erwartungen und physikalischen Eigenschaften des bemerkten Objekts. Immer wieder kann die Identifikation sich verändern, je nach Wissensstand, Erfahrungen und Umgebung. Nachfolgend wird das ein einem Beispiel der visuellen Identifikation verdeutlicht (siehe Abb. 2):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Visuelle Identifikation

(Quelle: Darstellung nach Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: 2015, S. 155)

Bei Betrachtung der beiden mittleren Buchstaben in den Wörtern sehen wir den gleichen Buchstaben – ein H. Jedoch wird in dem erstem Wort der Buchstaben als A wahrgenommen und in dem zweitem Wort als H. Dies geschieht aus dem Grund, dass die Wahrnehmung durch das Wissen über deutsche Wörter beeinflusst wird. Dadurch ist es wahrscheinlich, dass beim Anblick auf das erste Wort ein A besteht, weil die Wahrnehmung über eine Organisation des Gedächtnisses verfügt und dazu führt, dass in bestimmten Situationen zur entsprechenden Zeit relevanten Informationen bereitgestellt werden.[18]

3 Wahrnehmungstäuschung

Visuelle Wahrnehmungstäuschungen sind auf fehlerhafte Interpretation oder Mehrdeutigeit des gesehenes begründet.[19]

Sollte mithilfe des Wahrnehmungssystems eine Reizvorlage so wahrgenommen werden, dass die Wahrnehmung mit Sicherheit falsch ist, wird eine Wahrnehmungstäuschung erlebt. Die meisten Menschen erleben Wahrnehmungstäuschungen gleich, wenn die Wahrnehmungssituation übereinstimmt, da alle Menschen ungefähr die gleichen Erfahrungen über die Welt gesammelt haben.[20] Eine sehr bekannte visuelle Wahrnehmungstäuschung ist die Müller-Lyer-Täuschung, die nachfolgend beschrieben wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Müller-Lyer-Täuschung

(Quelle: http://www.biologie-lexikon.de/lexikon/mueller_lyer_taeuschung.php (22.8.2016))

Bei Betrachtung von Strecke A und Strecke B würde die Sinneswahrnehmung dem Beobachter sagen, dass Pfeil A deutlich länger ist als Pfeil B, was nicht richtig ist. Wenn die Strecke ohne die Spitzen mit einem Stück Papier oder einem Lineal nachgemessen wird, stellt sich heraus, dass Strecke B nicht kürzer ist als Strecke A, sondern dass sie gleich lang sind.[21] Laut Gregory nimmt die menschliche Wahrnehmung Pfeil A wie die Innenecken und Pfeil B wie die Außenecken eines Zimmers wahr.[22] Diese Wahrnehmungstäuschung wird als Größen-Distanz-Skalierung beschrieben. Die Größenkonstanz ist von großer Bedeutung für die Wahrnehmung, indem sie die Objektentfernung berücksichtigt. Das Perzeptionssystem berücksichtigt die Tiefinformation der Pfeil-Darstellung und passt die wahrgenommene Liniengröße anhand der Größen-Distanz-Skalierung an. Gregorys Theorie bleibt zweifellos ohne Widersprüche, denn auch die „Hantelform“-Darstellung, die nicht als Raum bezeichnet wird, führt zu einer Täuschung.[23]

[...]


[1] Vgl. Hagendorf, H./Krummenacher, J./Müller, H. J./Schubert, T.: 2011, S. 5.

[2] Vgl. Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: 2015, S. 108.

[3] Vgl. Goldstein, E.B.: 2015, S. 3.

[4] Vgl. Jansen, L.: 2015 S. 42.

[5] Vgl. Goldstein, E.B.: 2015, S. 4

[6] Vgl. Ebenda.

[7] Vgl. Jansen, L.: 2015 S. 42.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. Jansen, L.: 2015 S. 42f.

[10] Vgl. Goldstein, E.B.: 2015, S. 5.

[11] Vgl. Goldstein, E.B. : 2015, S. 5f.

[12] Vgl. Goldstein, E.B. : 2015, S. 7.

[13] Vgl. Jansen, L. : 2015 S. 43.

[14] Vgl. Goldstein, E.B. : 2015, S. 7.

[15] Vgl. Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: 2015, S. 152ff.

[16] Vgl. Ebenda.

[17] Vgl. Ebenda.

[18] Vgl. Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: 2015, S. 155.

[19] Vgl. Jansen, L. : 2015 S. 84.

[20] Vgl. Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: 2015, S. 112.

[21] Vgl. Becker-Carus, C.: 2004, S. 20.

[22] Vgl. Goldstein, E.B.: 2015, S. 247ff.

[23] Vgl. Ebenda.

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668398573
ISBN (Buch)
9783668398580
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353632
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Schlagworte
Allgemeine Psychologie Wahrnehmung Stufen der Wahrnehmung Wahrnehmungstäuschung Wahrnehmungsstörung Schizophrenie

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Titel: Wahrnehmung und Wahrnehmungsstörungen in der allgemeinen Psychologie