Lade Inhalt...

Salutogenese, Kohärenz, Prävention

von Susanne S. (Autor)

Essay 2016 4 Seiten

Soziologie - Medizin und Gesundheit

Leseprobe

HAUSARBEIT: Salutogenese – Kohärenz - Prävention

1. Das Konzept der Salutogenese (lat., wörtl.: Gesundheitsentstehung) des Us-israelischen Soziologen Aaron Antonovsky[1] (1923-1994) basiert auf die Frage, was einen Menschen gesund hält. Diese Sichtweise steht im Gegensatz zum Risikofaktorenmodell, das der Frage nachgeht, was Menschen krank macht. Nach Antonovsky befindet sich der Mensch immer zwischen einer Spannweite von Gesund- und Krankstufungen. Er fand heraus, dass Menschen nicht kranker sind, je extremer ihre Lebensumstände sind, sondern, dass sogar einige von ihnen trotz extremer Belastungen im Leben, Widerstandskräfte, d.h. starke Gefühle haben, diese positiv zu „meistern“. Dieses Gefühl heißt Kohärenzgefühl, worunter man von der Sinnhaftigkeit eigenen Tuns überzeugt ist. Dies zeigt sich in der Grundhaltung eines Menschen im Leben, die von Zuversicht geprägt ist. Es entwickelt sich im Laufe der Kinder und-Jugendzeit durch eine gesunde Interaktion mit dem Umfeld positives Selbstwertgefühl und wird von den eigenen Erfahrungen im Leben beeinflusst.

2. Je nach Zeitpunkt und Interventionsmaßnahme werden verschiedene Phasen der Prävention unterschieden, die zusammen die klassische „Präventionstriade“ bilden. Sie gliedern sich in Primär-, Sekundär und in Tertiärprävention. Die Primärprävention sollte in einer möglichst frühen Lebensphase einsetzen. D.h., bevor Suchtverhalten ersichtlich ist: als Maßnahmen zur gesundheitsbewussten Erziehung, werden körperliche Aktivitäten sowie das Spiel zur Förderung des Gemeinsinns bei Kindern geweckt, wodurch sie in ihrer Selbstwirksamkeit und in ihren Sozialfähigkeiten gestärkt werden. Besonders die Eltern und die Erzieher in der Kita sollten hier als gutes Vorbild den Kindern gegenüber präsent sein. Kinder entwickeln in diesem Alter Strategien zur Selbstwirksamkeit und ihr Kohärenzgefühl nimmt erste gefestigte Züge an. Gewiss ist, dass ein sicher gebundenes in Zuversicht aufgewachsenes Kind, durch seine Entwicklung im Jugendalter weniger zu Suchtverhalten neigt, als ein Kind, das keinen Selbstwert und keine sichere Bindung durch sein Umfeld erfuhr. Als Beispiel für Bewegungsmangel in der Primärprävention heißt das für ein Kleinkind, dass es in der Kita viel Bewegungsangebote (Spaziergänge, Sport im Spiel) erfährt. Das ist besonders angebracht, wenn Erzieher wissen, dass das eine oder andere Kind von daheim aus kaum Bewegungsangebote wahrnehmen kann.

Die Sekundärprävention verhindert das Fortschreiten einer Krankheit durch Frühdiagnostik und -behandlung. Sie greift in Risikosituationen ein. In der Sekundärprävention geht es darum, wenn z.B. an Grundschulen und an Oberschulen Kinder und Jugendliche zu Konsum von Zigaretten und Alkohol neigen, dass sie beispielsweise in einer Projektwoche alles rund um Gesundheit in Gruppen erarbeiten. Sie erkennen, wie wichtig und interessant sportliche Aktivitäten im Verein sind oder wie interessant Aktivitäten in Musik-, Tanz- und Theater AGs für ihren Umgang mit sich und ihrer Gruppe sein können. Im Anschluss an die Projektwoche eröffnen sie mit ihren Lehrern und Erziehern auf dem Sommerfest ihrer Schule den Angehörigen ihre Darbietungen. Wie wir wissen, sind sie durch ihre Aktivitäten mit Gleichgesinnten für eine positive Identitätsfindung in ihrem sozialen Umfeld gestärkt. Die Anerkennung aus ihrer Gruppe und den Familien festigt und stabilisiert sie für ihr Leben als junge Erwachsene. Als Beispiel für den Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen, ist es wichtig, ihnen viel Bewegung im Schulsport anzubieten und ihnen die Teilnahme am Vereinssport schmackhaft zu machen, damit ihr Körper besonders beim bevorstehenden Längenwachstum gestärkt in der Haltung und Stabilität ist, was auch für ihre Persönlichkeitsentwicklung gilt.

In der Tertiärprävention wird die Verringerung der Schwere und der Ausweitung von bereits manifest gewordenen Erkrankungen in Angriff genommen. Sie beinhaltet auch die Rückfallprophylaxe. Tertiäre Maßnahmen bei rauschgiftabhängigen Kindern und Jugendlichen bestehen darin, sie erst einmal in Entzugskliniken zu entgiften und sie dann vor erneutem Verlangen nach Rauschmittelkonsum zu „befreien“, indem deren Lebensalltag für sie positive Veränderungen erfährt, durch beispielsweise aktive regelmäßige Teilnahme an Sport, Musik. Sie erfahren Anerkennung und Stärkung in ihre Identitätsentwicklung. Im Beispiel „Bewegungsmangel“ hat das Kind bereits einschneidende Haltungsschäden und ist meist auch adipös. Hier können eine gezielte Physiotherapie und eine Diät helfen. Vorsorglich müsste dem Kind das Interesse und Teilnahme an regelmäßigem Sport vermittelt werden.

3. Die Drogenhilfe Köln e.V. „das Partypack.de“ unternahm im Jahr 2000 mit vier kommunalen Kooperationspartnern die Drogenmissbrauchs aufklärende „Nachts leben – Veranstaltung“ für Jugendliche. Auf dem Musikevent (Housemusic) gab es nebst Tanzfläche einen Chill out Raum (Ruheraum in Clubs), der mit interessanten Infomaterial-Ständen und mit jungen Ansprechpartnern für die Jugendlichen präsent war. Die Drogenhilfe bot auch online Beratungen und Online Drogenkonsumverhaltenschecks auf zwei Terminals an, auf die die Jugendliche gerne zugriffen. Es gab auch Infomaterial über die Wirkung diverser Substanzen und Infos zu gesundheitlichen Folgeschäden. Im Club gab es Zugang zu Trinkwasser und die nichtalkoholischen Getränke waren wesentlich billiger als das billigste alkoholische Getränk. Oft wählen Partygänger preislich „notgedrungen“ eher ein alkoholisches Getränk, welches nicht gerade zu deren Schutz ist. Ein Büffet mit leichter Kost war auch vorhanden. Im Chill out Raum gab es auch gemütliche Sitzmöglichkeiten, damit die Partygänger sich auch mal zwecks Unterhaltungen und Entspannung zurückziehen konnten. Ruheecken wie diese sind nicht überall die Regel. Mindmaschines, die über eine Verknüpfung von Musik und Lichtimpulsen eine legale Rausch- und Entspannungsalternative herstellten, wurden gerne genutzt. Durch die Mindmaschines wird die Thematik Rausch besonders gut reflektiert, da ein illegal erwirkter Rauschzustand als teuer und krankmachend erkannt wird von den jungen Gästen. Das Kohärenzgefühl zeigt sich hier, wenn Jugendlichen durch die Aufklärung auf Augenhöhe Zuversicht gegeben wird, künftig ohne den Drogenkonsum Partysfeten im Freundeskreis genießen zu können. Das Projekt bietet Prävention im Sekundärbereich. Die Jugendlichen haben oft bereits Konsumerfahrung und es geht darum, diese aufzuklären und zu informieren, dass sie ihr weiteres Konsumverhalten, bestenfalls infrage stellen und reflektieren. Im Zweifelsfall, wenn ein direktes Gespräch mit den Infomitarbeitern unangenehm sein sollte, ist auch Unterstützung über die Terminals mit der Onlineberatung da, das gerne genutzt wird. Das Projekt bietet in seiner Aufmachung eine für Jugendliche angenehme Informationsdarbietung, ohne lehrmeisterhaft belehrend zu wirken. Die Resonanz war ein Erfolg (vgl. Leitfaden „Nachts Leben“, gesundheitlich förderliche Maßnahmen im Nachtleben, Broschüre, BZgA, S. 16f, und S. 51-53)

[...]


[1] AARON ANTONOVSKI: erforschte die Salutogenese und das Kohärenzgefühl, in:. Böcher, 2010, S.491f

Details

Seiten
4
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668398986
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353643
Note
1,0
Schlagworte
Salutogenese Prävention Drogenmissbrauch Jugendliche

Autor

  • Susanne S. (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Salutogenese, Kohärenz, Prävention