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Interdependenzen zwischen Bevölkerungswachstum, Armut und Umweltzerstörung

Wahrheit oder Mythos?

Hausarbeit 2016 20 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Bevölkerungswachstum
2.2 Armut
2.3 Umweltzerstörung

3 Mögliche Interdependenzen
3.1 Die Malthus-Hypothese
3.2 Überbevölkerung und Umweltzerstörung
3.3 Bevölkerungswachstum und Armut
3.4 Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung
3.5 Armut und Umweltzerstörung

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es gibt zahlreiche populäre Thesen und Vorurteile, die sich um die Ärmsten dieser Welt ranken. Die Zeitung Zeit Online hat in den letzten Jahren einige markante Artikel zu diesem Thema veröffentlich. Darunter zum Beispiel „2100 ist jeder Dritte ein Afrikaner“ (September 2014)[1], „Viele Kinder, gute Zukunft?“ (November 2014)[2] oder „Brutal, aber erfolgreich? - Welche Rolle Chinas Geburtenkontrolle beim Kampf gegen die Armut spielte.“ (November 2015)[3]. Die verschiedenen Titel zeigen deutlich, dass eine eindeutige Meinung bezüglich den Beziehungen von Bevölkerungswachstum und Armut nicht leicht bilden lässt. Es erfordert ein genaueres Hinsehen und ein komplexeres Gesamtbild, um sich ein Bild von möglichen Zusammenhängen machen zu können. Gerade in der heutigen Zeit, in der allzu gerne verallgemeinert und vereinfacht wird, ist es äußerst wichtig, einen Blick hinter die Kulisse der Armut, des Bevölkerungswachstums und der Umweltzerstörung zu blicken, bevor man vorschnell ein Urteil fällt. „Der Niedergang der Länder, die heute das Schlusslicht bilden, übersteigt jede Verhältnismäßigkeit. In vielen Fällen ist er absolut. Viele dieser Länder fallen nicht nur zurück, sie zerfallen regelrecht.“[4] so Collier. Eine „Spezialität des 20. und 21. Jahrhunderts“ ist die weit geöffnete „Schere zwischen ganz arm und ganz reich“, wie Hessel seinen Lesern in seiner Streitschrift Empört euch! klar macht.[5] Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mögliche Interdependenzen zwischen den drei Tatsachen Bevölkerungswachstum, Armut und Umweltzerstörung zu erläutern und aus verschiedenen Perspektiven zu erörtern, um dem Leser ein besseres Verständnis für die einzelnen Kausalitäten zu vermitteln und ihn zu sensibilisieren.

Im Folgenden werden die einzelnen Begriffe zunächst definiert und in ihrer Aktualität teilweise mit Daten unterstützt. Danach werden verschiedene Wechselbeziehungen untersucht und mögliche Einflüsse aufgezeigt. Abschließend folgen eine Grobzusammenfassung und ein Fazit.

2 Begriffserklärungen

Zu Beginn gilt es, die im Arbeitstitel vorkommenden Begriffe genauer zu definieren, bevor ein möglicher Zusammenhang erörtert werden kann. Dazu werden die einzelnen Begriffe detailliert betrachten und teilweise im geschichtlichen Kontext gesehen, sowie mit Daten und Fakten unterstützt.

2.1 Bevölkerungswachstum

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Bevölkerungswachstum als eine „Veränderung der Bevölkerungsgröße zwischen zwei Stichtagen als Ergebnis eines Abgleichs der zwischen diesen Stichtagen erfolgten Geburten und Sterbefälle sowie der Zu- und Abwanderungen“.3 Das Resultat kann ein Bevölkerungszuwachs oder eine Bevölkerungsabnahme ergeben. Weiter heißt es: „Das übliche Maß des Bevölkerungswachstums ist die jährliche natürliche Zuwachsrate in Prozent.“[6] Diese Wachstumsrate hat laut der Bundeszentrale für politische Bildung „im Zeitraum 1965 bis 1970 mit zwei Prozent ein Maximum erreicht“, wodurch die Bevölkerung erstmals „superexponentiell“ wächst, da die Wachstumsrate seit 1960 selbst auch zunahm.[7] Im nachfolgenden Zeitraum „nahm sie jedoch wieder stetig ab, 2010 betrug sie noch 1,1 Prozent und hat nach wie vor eine fallende Tendenz.“[8] Im Lexikon Dritte Welt ist unter dem Begriff Bevölkerung als erster Satz die Bestätigung des eben genannten Sachverhaltes zu lesen: „Die Weltbevölkerung ist unverändert in raschem Wachstum begriffen.“[9] Nach den Ergebnissen einer internationalen, aufwändigen Forschung, „ist die Weltbevölkerungszahl in den ersten 18 Jahrhunderten extrem langsam gestiegen: von rund 200 bis 400 Millionen Menschen im Jahr Null auf eine Milliarde im Zweijahreszeitraum 1804/05. Danach beschleunigte sich das Wachstum stark (…)“, so die Bundeszentrale für politische Bildung.[10] Die zweite Milliarde der Weltbevölkerung wurde ca. 1926 erreicht, im Jahr 1959 waren es schon drei Milliarden Menschen auf diesem Planeten und im Jahr 1974 vier Milliarden. 2015 lebten rund 7,35 Milliarden Einwohner auf dieser Erde, was fast eine Verdreifachung der Bevölkerung von ca. 1940 darstellt. Der Aktionsplan der UNO-Weltbevölkerungskonferenz, welcher 1994 in Kairo stattfand, hatte als selbstgesetztes Ziel eine „allmähliche Verlangsamung des globalen Bevölkerungswachstums – und das heißt in erster Linie: des demographischen Expansionsprozesses in der Dritten Welt“ zu erreichen. „Die in [diesem] Plan enthaltenen Maßnahmen und Angebote verfolgen den Zweck, den Anstieg der Erdbevölkerung in den nächsten 20 Jahren (…) abzuschwächen, [so] dass im Jahre 2015 laut UNO-Berechnungen „nur“ 7,3 Mrd. Menschen unseren Planeten bewohnen werden (…)“.[11] Erfolge dieses Aktionsplans können zumindest teilweise verbucht werden, da die Weltbevölkerung im Jahre 2015 die geschätzte Höhe nicht überschritten hat.

Für die vorliegende Arbeit ist es wichtig, die Einwohnerzahlen auch nach Kontinenten einzuteilen. Somit lebte im Jahr 2015 der Großteil der Weltbevölkerung, nämlich rund 4,4 Milliarden Menschen, auf dem asiatischen Kontinent.[12] Das Lexikon Dritte Welt prognostizierte bei seiner Erscheinung im Jahr 1980 für das Jahr 2000 eine Weltbevölkerung von rund 6,2 Milliarden, wovon rund 5 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern leben würden.[13] Da sich die Bevölkerungsentwicklung aus der Verrechnung von Geburten- und Sterberate ergibt, lässt sich feststellen, dass die Bevölkerungsentwicklung der EU kontinuierlich sinkt, wohingegen die Weltbevölkerung nach wie vor als wachsend angesehen werden kann.[14] Dies liegt unter anderem an der extrem gesteigerten Lebenserwartung durch verbesserte Ernährung und medizinische Versorgung vor allen Dingen in den Entwicklungsländern, was wiederum erklärt, warum die Bevölkerung „seit Mitte des 20. Jahrhunderts (…) fast ausschließlich in [diesen Ländern wächst], während sie in den Industrieländern stabil oder sogar rückläufig ist. (…) Im Jahr 1970 stellten die Entwicklungsländer 65 Prozent der Weltbevölkerung, zur Jahrtausendwende schon 80 Prozent.“[15]

2.2 Armut

Der Begriff Armut kann sowohl eine ganze Weltbevölkerung umfassen, aber ebenso für eine Bevölkerungsgruppe in einem bestimmten reichen Land verwendet werden. Für die vorliegende Arbeit soll ersteres Verständnis gelten. Wiederum wird die Definition aus dem Gabler Wirtschaftslexikon zugrunde gelegt. Dort wird Armut wie folgt definiert: „Erscheint eine Notlage nicht mehr zeitlich begrenzt, sondern für die Lebenslage insgesamt bestimmend, wird die Lebenssituation als Armut bezeichnet, wobei herkömmlicherweise zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden wird.[16] Hierbei ist es wichtig, auch die verschiedenen Ländergruppen zu unterscheiden. Somit herrscht absolute Armut vor allen Dingen in Entwicklungsländern und „bezeichnet nach Auskunft der Weltbank eine Armut, die durch ein Einkommen von etwa einem Dollar (…) pro Tag gekennzeichnet ist. Auf der Welt gibt es [ca.] 1,2 Milliarden Menschen, die in diese Kategorie fallen.“[17] Das Lexikon Dritte Welt ergänzt, dass es sich bei absoluter Armut um „einen Zustand solch entwürdigender Lebensbedingungen wie Krankheit, Analphabetentum, Unterernährung und Verwahrlosung [handelt], dass die Opfer dieser Armut nicht einmal die grundlegendsten menschlichen Existenzbedürfnisse befriedigen können. Verhältnismäßig wenige Menschen in den entwickelten Ländern, jedoch Aberhunderte [Millionen] Menschen in den Entwicklungsländern (…) leiden unter diesen unmenschlichen Lebensbedingungen.“[18] Des Weiteren spricht man von relativer Armut in Gesellschaften der Schwellen- und entwickelten Ländern, „in denen es absolute Armut praktisch kaum gibt, wohl aber eine arme „Unterschicht“. Als relativ arm gilt hier derjenige, dessen Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt.“[19]

2.3 Umweltzerstörung

Um den Begriff Umweltzerstörung definieren zu können, soll zuerst ein kurzer Blick auf den Begriff Umwelt geworfen werden. Der deutsche Biologe J. v. Uexküll verwendete den Terminus Umwelt im biologischen Sinn erstmals 1909. Im Lexikon der Nachhaltigkeit wird ein Brockhaus-Auszug dargestellt, welcher besagt, dass „der Begriff Umwelt (…) eine Vielzahl an Faktoren und Elementen ein[schließt]. (…) [D]ie Umwelt [ist] als die spezifische lebenswichtige Umgebung einer Tierart definiert, die als Merkwelt (Gesamtheit aller Merkmale) wahrgenommen wird und als Wirkwelt (Gesamtheit ihres Wirkens) das Verhalten der Artvertreter bestimmt. Als einziges Wesen ist der Mensch nicht an eine spezifische Natur gebunden. Im Weiteren versteht man unter der Umwelt auch den vom Menschen an seine Lebensbedürfnisse angepassten und v.a. durch Technik und Wirtschaft künstlich veränderten Lebensraum, wodurch eine Art künstliches Ökosystem geschaffen wurde.“[20] Somit stellt die Umwelt die materielle Voraussetzung der menschlichen Lebensweise dar.

Der Begriff Umwelt umschließt sowohl die Atmosphäre als auch den irdischen Lebensraum. Diese beiden Ebenen werden jedoch sprachlich häufig getrennt, da sowohl von Umwelt- als auch von Klimaschutz gesprochen wird und damit verschiedene Maßnahmen impliziert werden. Für die vorliegende Arbeit ist der Begriff Umweltzerstörung wichtig und steht übergreifend für die Zerstörung der Atmosphäre bzw. des Klimas sowie für die Zerstörung von Lebensraum jeglicher Art. Wenn von Umweltzerstörung gesprochen wird, ist hauptsächlich vom anthropogenen Einfluss auf den uns umgebenen Lebensraum die Rede und meint die nachhaltige Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts mit all seinen kurz-, mittel- und langfristigen Konsequenzen für alle Lebewesen.

3 Mögliche Interdependenzen

In diesem Kapitel werden zunächst die ersten Gedanken über einen möglichen Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Hungersnöten vorgestellt, die von dem Engländer Malthus veröffentlicht wurde. Im Anschluss daran werden verschiedene Kombinationen der einzelnen globalen Probleme dargestellt und hinterfragt: Bevölkerungswachstum führt zu Armut, aber ist es auch umgekehrt der Fall? Führt Bevölkerungswachstum auch unweigerlich zu Umweltzerstörung? Und wie sieht es mit der Armut aus, ist sie der unausweichliche Grund für die Umweltzerstörungen, oder verbirgt sich dahinter eine gegenseitige Beeinflussung? Auf diese Fragen werden die folgenden Unterkapitel Antworten geben.

3.1 Die Malthus-Hypothese

1798 versuchte der Engländer Thomas Robert Malthus erstmalig, das stetige Bevölkerungswachstum mit eventuellen Folgen für Mensch und Umwelt in Verbindung zu bringen. In seinem Essay on the principle of Population (1798) schrieb er über den Zusammenhang von Bevölkerung, Ressourcen und Raum als Maßstab für Überbevölkerung. Er befürchtete, dass bei einem unaufhaltsamen Bevölkerungswachstum die Nahrungsmittel-produktion nicht mehr mithalten und es somit zu einer sinkenden „Pro-Kopf-Versorgung“ kommen könne, welche sich wiederum in Hungersnöten, Epidemien und Kriegen manifestieren würde. Selbst wenn alle verfügbaren Landflächen für die Nahrungsmittel-produktion verwendet und intensivste Bearbeitung und Ertragssteigerungsmaßnahmen auf diesen angewandt würden, sei das Problem langfristig trotzdem nicht in den Griff zu bekommen. Die einzige Möglichkeit, diese katastrophalen Auswirkungen zu verhindern, sah Malthus in einer strengen Regulierung des Bevölkerungswachstums und in einer kritischen Betrachtung der Fertilität vor allen Dingen in den Unterschichten der Gesellschaft.[21]

3.2 Überbevölkerung und Umweltzerstörung

Bevölkerungswachstum ist, allgemein gesehen, nicht immer negativ. Es kommt auf eine Betrachtung des jeweiligen Landes an, in dem es zu einem Bevölkerungswachstum kommt. In den „reichen“ Ländern ist, wie eingangs schon erwähnt, die Wachstumsrate sehr gering bzw. rückläufig, wodurch eine Vergrößerung der Bevölkerung zum Beispiel den Erhalt der Gesellschaftsstrukturen garantieren und Traditionen überdauern lassen würde. Eine im Zusammenhang mit der Malthus-Hypothese schon genannte (hauptsächlich in den weniger entwickelten Staaten vorkommende) Überbevölkerung hingegen verdeutlicht das Ungleichgewicht von ökologischer und ökonomischer Tragfähigkeit eines bestimmten Territoriums und zeigt das Missverhältnis mit der dort lebenden Bevölkerungsmenge auf. Dem ersten Anschein nach trifft Malthus‘ Befürchtung über die Auswirkungen der Überbevölkerung zu, denn er beschreibt treffend die in einem überbevölkerten Land herrschenden Probleme, die sich in einer fehl- bzw. mangelernährten Bevölkerungsschicht äußern, welche unter miserablen Bedingungen lebt und noch dazu an vielen Orten zur Umweltzerstörung und Ausbeutung der vorhandenen Ressourcen beiträgt. Allerdings wird bei diesem Sachverhalt völlig außer Acht gelassen, wie es um die Ressourcenverteilung und Besitzansprüche für die einzelnen betroffenen Personen bzw. Bevölkerungsgruppen steht und weshalb es überhaupt zu Umweltzerstörung kommt. Durch diese Ignoranz kommt es zu der irreführenden Annahme, dass Überbevölkerung in einem Land (nahezu) immer zu erhöhter Umweltzerstörung und Ressourcenverknappung führt. „Für die große Mehrheit der Entwicklungsländer gilt, dass die dort anzutreffende weitverbreitete Armut nicht auf naturbedingt begrenzte Ressourcen und erschöpfte Produktionsmöglichkeiten zurückgeführt werden kann, sondern das systemlogische Resultat der historisch gewachsenen Herrschaftsverhältnisse und Verteilungsstrukturen darstellt.“[22] Es ist demnach wichtig, genauer auf die Machtstrukturen eines Landes zu schauen und die einzelnen Bevölkerungsgruppen konsequent zu trennen, um nicht aus einem indirekten Opfer (wie zum Beispiel eine in Armut lebende Person) einen primären Täter (der Umweltzerstörung) zu machen. Hierbei geht es um die ärmeren und reicheren Bevölkerungsgruppen, nicht nur auf verschiedenen Kontinenten bzw. Ländern, sondern auch in einem Land selbst. Es gilt, verschiedene Parteien richtig einzuordnen: auf der einen Seite stehen die Eliten eines (Entwicklungs-) Landes, die die Forderung nach Transferleistungen für die (zum größten Teil) vom Norden verursachten Umweltzerstörungen stellen;[23] auf der anderen Seite befindet sich der arme Teil der Bevölkerung eines (Entwicklungs-) Landes, welche den Lebensfokus primär nicht auf Umweltzerstörung oder -schutz legen, sondern auf das reine Überleben. Diese Überlebenshaltung kann jedoch direkt sowie indirekt zu Umweltzerstörung führen. In den folgenden Kapiteln wird auf diese möglichen Zusammenhänge noch weiter eingegangen.

3.3 Bevölkerungswachstum und Armut

„[Es ist für wohlhabende Bevölkerungen leichter], ihr Kapital zu sparen, zu investieren und zu vermehren, als für arme. (…) Da ihre grundlegenden Bedürfnisse gedeckt sind, können sie relativ viel investieren, ohne dass die gegenwärtige Bevölkerung wesentliche Dinge entbehren muss. (…) Wenn für Frauen [in ärmeren Bevölkerungen] keine attraktiven Möglichkeiten in Ausbildung und Wirtschaft bestehen, bleibt Kinderkriegen eine ihrer wenigen Möglichkeiten, in die Zukunft zu investieren; somit wächst die Bevölkerung, ohne reicher zu werden (…): ‚Die Reichen werden reicher, und die Armen kriegen Kinder.‘“[24]

Collier schreibt in Die unterste Milliarde, dass seiner Meinung nach ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen zu Armut und ein geringes Wirtschaftswachstum im Land zu Hoffnungslosigkeit führt, was wiederum eine Schwächung der gesamten Gesellschaftsstruktur zur Folge hat.[25] Diese Tatsache trägt natürlich nicht zur Verbesserung der Gesamtsituation des Landes bei, sondern verschlimmert vielmehr eine Abwärtsspirale, tiefer hinein in die schon existente Armut. Man könnte annehmen, dass Wirtschaftswachstum zu einem Rückgang der Armut und somit auch zu einer Verlangsamung des Bevölkerungswachstums führt. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall: Die derzeitigen Wachstumsformen erhalten die Armut aufrecht und vergrößern die Kluft zwischen Arm und Reich sogar noch. Es ist kaum vorstellbar, dass es im Jahr 1998, „nach einem Jahrzehnt beachtlicher Einkommenszuwächse für viele Menschen“25, mehr arme Menschen auf dieser Erde gibt als noch 1990. Um mit dem aktuellen Wirtschaftssystem eine Reduktion der Armut zu schaffen, müsste es eine drastische Umverteilung der Profite geben hin zu den Ländern und Bevölkerungsgruppen, die das Wirtschaftswachstum am meisten benötigen. Der Aufschwung konzentriert sich allerdings hauptsächlich auf die bereits wohlhabenden Länder.[26] Somit bleibt die Armut in den weniger entwickelten Ländern bestehen, die Bevölkerung wächst weiter. Der Konsum (hauptsächlich von Nahrungsmitteln) hat in den armen Bevölkerungsschichten Priorität vor einer möglichen Investition des Geldes, sofern es überhaupt einen „Überschuss“ gibt. Durch diese fehlende Investition wird das Anwachsen des Kapitals in dem betreffenden Land verlangsamt und die (in diesem Zusammenhang monetäre) Armut bleibt bestehen. Es lässt sich eine Wechselwirkung feststellen, wobei Armut zu Bevölkerungswachstum und Bevölkerungswachstum zu Armut führt. Diese „positive Rückkopplungsschleife“ bildet eine „Systemfalle“: „Armut fördert (…) das Bevölkerungswachstum, weil sie die Menschen in einer Situation gefangen hält, in der sie keine Ausbildung, keine medizinische Versorgung, keine Familienplanung, keine Entscheidungsfreiheit, keine Macht und keine Aufstiegsmöglichkeiten haben.“[27]

[...]


[1] Zeit Online: http://www.zeit.de/wissen/2014-09/demografie-2100-afrikaner

[2] Zeit Online: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-11/demografie-weltbevoelkerungsbericht-vereinte-nationen

[3] Zeit Online: http://www.zeit.de/2015/45/china-ein-kind-politik-geburtenkontrolle

[4] Die unterste Milliarde (Collier; 2010): S. 10

[5] Empört euch (Hessel; 2013): S. 13

[6] Gabler Wirtschaftslexikon: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3810/bevoelkerungswachstum-v9.html

[7] Grenzen des Wachstums (Meadows et al.; 2009): S. 28

[8] Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/izpb/55882/entwicklung-der-weltbevoelkerung?p=all

[9] Lexikon Dritte Welt (Nohlen; 1984): S. 76f.

[10] Vgl. 8

[11] Gegenwartskunde (Band 44, Jahrgang 1995): S. 394

[12] Das Statistik-Portal: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1716/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerung/

[13] Lexikon Dritte Welt (Nohlen; 1984): S. 76f.

[14] Vgl. 12

[15] Nachhaltigkeit (Grundwald, Kopfmüller; 2012): S. 45

[16] Gabler Wirtschaftslexikon: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/armut.html

[17] http://www.armut.de/definition-von-armut.php

[18] Lexikon Dritte Welt (Nohlen; 1984): S. 51

[19] Vgl. 17

[20] Lexikon der Nachhaltigkeit: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/umwelt_1979.htm

[21] Vgl.: Grundzüge der Umweltökonomik (Binder, 1999): S. 75

[22] Gegenwartskunde (Band 44, Jahrgang 1995): S. 413

[23] Eine genauere Betrachtung des Themas „Schuld des Nordens“ erfolgt in einem späteren Kapitel.

[24] Grenzen des Wachstums (Meadows et al.; 2009): S. 44

[25] Die unterste Milliarde (Collier; 2010): S. 37

[26] Grenzen des Wachstums (Meadows et al.; 2009): S. 41f

[27] Vgl. 26: S. 45

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668398306
ISBN (Buch)
9783668398313
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353774
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
interdependenzen bevölkerungswachstum armut umweltzerstörung wahrheit mythos

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