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Quelleninterpretation Heinrich VIII - Crammer's sentence of divorce

Seminararbeit 2004 7 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Inhaltsangabe der Quelle

4. Quellenanalyse

5. Schluss

Literaturliste

1. Einleitung

Im 16. und 17. Jahrhundert fanden in England wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Veränderungen statt. Während der Herrschaft der Tudors von 1485-1603 verlor der Adel an Macht. Der König wollte das alleinige Machtmonopol innehaben. Sehr deutlich wird dies auch an dem bekannten Scheidungsprozess, der den unmittelbaren Anlass für die englische Reformation bildete. Um diese „Ehescheidungsproblematik“ geht es in der vorliegenden Quelle. Dabei möchte ich mich vor allem mit der Frage beschäftigen, warum sich der König scheiden lassen wollte und warum er sich dafür von Rom lossagen musste. Zunächst werde ich den historischen Kontext bis zum Zeitpunkt der Quelle darstellen, um dann über den Inhalt der Quelle zur Analyse zu gelangen. Im Schlussteil meiner Arbeit möchte ich noch einmal die Ergebnisse der Fragen resümieren.

2. Historischer Kontext

Die spanische Prinzessin Catherine von Aragon sollte mit Arthur, dem Prinzen von Wales, verheiratet werden, um die Verbindung zu Spanien, welches die aufstrebende Macht in jener Zeit war, zu sichern und sich gegen Frankreich zu verbünden. Diese Heirat wurde von dem englischen König Heinrich VII. und dem spanischen König Ferdinand von Aragon besiegelt als Catherine zwei Jahre alt war.

1501 reiste sie dann nach England und es fand eine glanzvolle Hochzeit statt. Doch kurz darauf starb Arthur an einer Fieberkrankheit. Heinrich VII. und Ferdinand vereinbarten dann, dass Catherine mit Arthurs jüngerem Bruder Heinrich, der nun Thronerbe war, verheiratet werden sollte. Dies erforderte allerdings eine päpstliche Dispens, eine Befreiung von einer allgemein geltenden Vorschrift für einen Einzelfall, da die Heirat naher Verwandter verboten war. Diese Dispens erteilte Papst Julius II[1]. Im Jahre 1509 starb Heinrich VII. und die Heirat von Catherine und Heinrich VIII. wurde vollzogen. Es schien eine Liebeshochzeit zu sein, denn die beiden zeigten sich einander zugeneigt und lange Zeit war Catherine sogar Heinrichs enge politische Ratgeberin. Später sah man dann ihre Hauptaufgabe darin, so viele Kinder als möglich zu gebären und noch dazu vorwiegend Söhne. Alle Kinder aber, die Catherine zur Welt brachte, starben bald nach der Geburt, mit Ausnahme der Prinzessin Maria. Dem König bereitete es große Sorgen, dass es keinen männlichen Erben gab, der die Dynastie der Tudors fortsetzen konnte. Er begann mit dem Gedanken zu spielen, die Heirat mit Catherine zu annullieren, weil er aufgrund ihres Alters keine Kinder mehr von ihr zu erwarten hatte. Um den inneren Frieden in England zu erhalten, brauchte er einen männlichen Nachfolger. Demzufolge musste er eine andere Frau heiraten.[2] Seine tiefe Religiosität und Erfahrenheit in der Theologie führten ihn zur Rechtfertigung dieses Projekts. In der Bibel steht: „Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat seinen Bruder geschändet.“ (Lev 20, 21)[3]. Schließlich hatte er die Witwe seines Bruders geheiratet. Musste diese Ehe dann nicht als ungültig angesehen werden, und war die Tatsache, dass er keinen Thronfolger hatte, nicht vielleicht eine Strafe von Gott? Er wandte sich an den regierenden Papst Clemens VII., um von diesem Hilfe zu erhalten. Dieser konnte aber der Bitte Heinrichs VIII. nicht einfach zustimmen, da die internationale Lage derzeit sehr brisant war. Der spanische König und deutsche Kaiser Karl V. dominierte ganz Italien und drohte dem Papst, dass er Rom angreifen werde, wenn er die aragonische Ehe für ungültig erklären würde, denn Catherine war die Schwägerin von Karl V. und die Erklärung, dass Catherine und Heinrich VIII. in unrechtmäßiger Ehe gelebt hätten und die damit verbundene Erklärung, dass ihre Tochter Maria ein Bastard wäre, wäre eine große Demütigung gewesen. So versuchte der Papst die Entscheidung hinauszuzögern, um keinen der beiden zu verärgern. Doch Heinrich VIII. gab sich damit nicht zufrieden. Spätestens als klar wurde, dass Anna Boleyn, seine Geliebte, schwanger von ihm war, versuchte er die englische Kirche vom Papst zu lösen und der englischen Krone zu unterstellen. 1529 wurde ein sogenanntes Reformationsparlament gewählt, mit dem der König die Loslösung der englischen Kirche vom Papst und eine eigene englische Nationalkirche mit ihm an der Spitze erreichte.[4]

3. Inhaltsangabe der Quelle

Die vorliegende Quelle „Crammer’s sentence of divorce“ beschreibt die Annullierung der Heirat von Heinrich VIII., König von England und Frankreich, und Catherine von Aragon, Tochter des spanischen Königs Ferdinand. Am 23. Mai 1533 findet im Mönchskloster von St. Peter in Dunstable, welches zur Diözese von Lincoln gehört und in der Provinz Canterbury liegt, ein Prozess zwischen Heinrich VIII. und Catherine von Aragon statt. Der Erzbischof Thomas Crammer führt diesen Prozess. Zunächst ehrt er die beteiligten Personen und weist darauf hin, dass sie in dieser Sache schon lange in Ungewissheit schweben und immer noch keine Entscheidung getroffen wurde.[5] Anschließend zählt er auf, welche Dokumente er im Vorfeld überprüft und welche Zeugen er befragt hat. Crammer erklärt Catherine für widerspenstig und ungehorsam, weil sie nicht anwesend ist. Nach seiner sorgfältigen Prüfung kommt er schließlich zu dem Schluss, dass die besagte geschlossene Ehe absolut nichtig und gegen göttliches Recht geschlossen worden sei, somit geschieden werde und Heinrich VIII. und Catherine getrennte freie Menschen seien.[6]

4. Quellenanalyse

Die zu analysierende Quelle ist eine Art Prozessprotokoll, das von dem Erzbischof von Canterbury, Thomas Crammer, verfasst wurde. Crammer war der Nachfolger des Erzbischofs Thomas Warham, der im August 1532 gestorben war.[7] Dieser plötzliche Tod ermöglichte es dem König, einen Erzbischof zu ernennen, der ihm wohlgesonnen war und die Scheidung von Catherine voranbrachte. Nachdem Papst Clement VII. wider Erwarten die Urkunden, die die Bischofsweihe erlaubten, unterschrieben hatte, wurde Crammer, der bis zu diesem Zeitpunkt wenig seelsorgerische Erfahrung gesammelt hatte, Anfang 1533 zum Erzbischof ernannt.

Am 10. Mai 1533 hatte Crammer das Sondergericht eröffnet. Der englische Lordkanzler und Kardinal-Erzbischof von York, Thomas Wolsey, führte die Verhöre und Zeugenbefragungen in London durch. Schließlich fand dann am 23. Mai die Verhandlung in Dunstable statt, zu der Catherine nicht erschien.[8] Sie wiederholte weiterhin beharrlich, dass sie nur eine Entscheidung des Papstes in Rom annähme, da sie nur ihm verantwortlich sei. Sie weigerte sich, das von Heinrich VIII., ihrer Meinung nach widerrechtlich, aufgestellte Tribunal anzuerkennen.[9] Des Weiteren erklärte Catherine, dass die Ehe mit Arthur nie vollzogen worden sei, da er schon schwer krank war als sie heirateten. Somit seien sie nicht ein Fleisch und Blut und die Ehe mit Heinrich VIII. keine Inzest-Ehe. Crammer erklärte die Ehe trotz den Einwänden Catherine für nichtig und deklarierte sie als Fehler. Die einzige Begründung, die er für seine Entscheidung anführte, war, dass die Ehe gegen göttliches Recht vollzogen worden sei und deshalb König Heinrich VIII. und Katharina nie Eheleute gewesen seien. Die anderen Gründe brauchte er auch nicht erwähnen, da er allein die Macht hatte zu entscheiden. Da er aber von der Gunst des Königs abhängig war, hatte er andererseits auch keine andere Wahl als die Scheidung zu annullieren. Aus der Sicht von Heinrich VIII. war es aus dreierlei Gründen notwendig sich von Katharina zu trennen. Zunächst hatte es einen politischen Hintergrund, denn er brauchte dringend einen männlichen Nachfolger. Zweitens hatte er sich in die schöne Anna Boleyn verliebt, die dann auch schwanger von ihm wurde. Der letzte, aber mit Sicherheit weniger wichtige Grund, waren die religiösen Gewissensbisse gegen göttliches Recht geheiratet zu haben und dafür von Gott bestraft zu werden.

5. Schluss

Der langwierige Scheidungsprozess zog sich von 1527 bis 1534[10] hin und markiert den Beginn der englischen Reformation, woraus sich die anglikanische Kirche entwickelte. Der König wurde durch den „Act of Supremacy“ im Jahre 1534 das geistliche Oberhaupt der Kirche.[11] Ihm untergestellt waren die Bischöfe. Der Papst in Rom hatte England nichts mehr zu sagen. Dies war ein Triumph in Heinrichs VIII. Regierungszeit, die „die Macht des englischen Monarchen [...] so eindrucksvoll erhöht[en] wie nie zuvor“[12] Allerdings ist dies fast zufällig nebenbei geschehen, denn eigentlich wollte Heinrich sich „nur“ von Catherine scheiden lassen, da aber der Papst die Scheidung ablehnte, musste sich Heinrich VIII. von Rom abspalten. Zumindest am Anfang war diese von Heinrich VIII. nicht gewollt. Er blieb wahrscheinlich auch sein Leben lang ein gläubiger Katholik.[13] Die Politik hatte sich aber grundlegend geändert.

[...]


[1] vgl. Valbuena, O. L.: Subjects to the King’s Divorce. Blomington, Indiana 2003, S. xvi.

[2] vgl. Haan, H. / Niedhart, G.: Geschichte Englands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. München 1993, S.122

[3] Die Bibel 3. Mose 20, 21 AT.

[4] vgl. Schröder, H.-G.: Englische Geschichte. München 2003. S. 23 u. Haan, H. / Niedhart, G.: Geschichte Englands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. München 1993. S. 124.

[5] vgl. „Crammer’s sentence of divorce“, S. 718.

[6] vgl. ebd. S. 719.

[7] vgl. Lacey, R.: Heinrich VIII., Wiesbaden 1972. S. 126.

[8] vgl. „Crammer’s sentence of divorce“, S. 719.

[9] vgl. Lacey, R.: Heinrich VIII.. Wiesbaden 1972. S. 130.

[10] vgl. Valbuena, O. L.: Subjects to the King’s Divorce. Blomington, Indiana 2003. S. 1.

[11] vgl. Haan, H. / Niedhart, G.: Geschichte Englands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. München 1993. S. 124.

[12] Lacey, R.: Heinrich VIII.. Wiesbaden 1972. S. 116.

[13] vgl. ebd. S. 126.

Details

Seiten
7
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638353090
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v35381
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Geschichte
Schlagworte
Quelleninterpretation Heinrich VIII Crammer Seminar England Zeitalter Rosenkriegen Reformation

Autor

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