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Finanzcontrolling als Instrument der Compliance bei internationalen Unternehmen

Seminararbeit 2014 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Einleitung

Kapitel 2 Das Internationale Unternehmen

Kapitel 3 Compliance in internationalen Unternehmen
3.1 Begriffserklärung & Übersicht
3.2 Theoretische Erklärungsansätze der Compliance
3.2.1 Managementansatz
3.2.2 Enforcementansatz
3.3 Compliance-Verstöße (non-compliance) und deren Folgen

Kapitel 4 Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen
4.1 Finanzcontrolling als Funktion des Finanzmanagement
4.2 Ziele des Finanzcontrollings
4.2.1 Liquidität
4.2.2 Rentabilität
4.2.3 Risikovermeidung
4.2.4 Bonität
4.3 Instrumente des Finanzcontrollings
4.3.1 Übersicht
4.3.2 Langfristiger Finanzplan
4.3.2 Kurz-und Mittelfristiger Finanzplan
4.3.3 Kennzahlen
4.4 Schwierigkeiten des Finanzcontrollings bei internationalen Unternehmen

Kapitel 5 Das Zusammenspiel zwischen dem Finanzcontrolling und der Compliance
5.1 Unterstützung der Compliance durch das Finanzcontrolling
5.2 Rechnungslegung & Finanzcontrolling
5.3 Beitrag des Finanzcontrollings zur Erfüllung der Basel II Anforderungen
5.4 Unterstützung des Finanzcontrollings zur Erfüllung des Sarbanes-Oxley Act

Kapitel 6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Compliance-relevante regulatorische Einflüsse zwischen 2002 und 2012 (Quelle: Peek & Rode, 2010, p. 2)

Abb. 2 Darstellung wichtiger Finanzkennzahlen (Berechnung siehe Anhang) (vgl. Schröder, 2003, pp. 340–342)

Kapitel 1 Einleitung

Noch bis vor 10 Jahren war Compliance ein unbekannter Begriff in deutschen Unternehmen. Die Korruptionsskandale bei Samsung, die Spitzelaffäre bei Telekom und viele weitere Skandale in den letzten Jahren zeigten deutlich auf, dass ein unternehmensinternes Kontrollsystem zur Einhaltung von rechtlichen und ethnischen Normen notwendig ist. Als Folge der Skandale wurden eine Vielzahl neuer Gesetzesentwürfe. Die Umsetzung dieser neuen und bereits bestehenden Vorgaben bedarf einer eigenem Abteilung - der Complianceabteilung. Internationale Unternehmen müssen die Regelwerke mehrerer Länder simultan erfüllen, wodurch die Komplexität an Vorschriften weiter zunimmt. Um die Fülle an Gesetze einzuhalten bedarf es einem Informations-, Planungs- und Koordinationssystem innerhalb des Unternehmens. Diese Aufgabe wird im Allgemeinen von dem Controlling erbracht. Spezifiziert auf den Bereich der Finanzen wird diese Funktion von dem Finanzcontrolling erfüllt.

Das folgende Kapitel enthält eine kurze Beschreibung des Begriffs ,,Internationales Unternehmen''. Anschließend wird ein ausführlicher Einblick in die Compliance und das Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen vermittelt. Im Kapitel 5 wird letztendlich das Zusammenspiel zwischen dem Finanzcontrolling und der Compliance analysiert und anhand praxisnahen Gesetztestexten verdeutlicht.

Ziel dieser Arbeit ist es, Instrumente des Finanzcontrollings aufzuzeigen, welche zur Befriedigung der Complianceansprüche dienen können.

Kapitel 2 Das Internationale Unternehmen

Seit Jahrhunderten findet weltweit Außenhandel zwischen verschiedenen Ländern statt. Seit dem Übergang von dem Industrie- zum Informationszeitalter nahm die Anzahl internationaler Tätigkeiten stark zu. Gründe dafür sind u.a. neue technologische Möglichkeiten im Bereich des Transports (z.B. leistungsstärkere Containerschiffe) oder der andauernde Abbau von Handelshemmnissen (z.B. Ende des kalten Krieges). Seitdem ist auch die Anzahl an Global Players - internationalen Unternehmen - stark gestiegen.

Ein Unternehmen wird als internationales Unternehmen bezeichnet, sobald es Tätigkeiten im Ausland durchführt (vgl. Meier 2004, p. 13). Diese Festlegung ist jedoch nicht ausreichend. Ein Unternehmen gilt erst dann als international, wenn seine Auslandsaktivitäten auf die Erreichung der Unternehmensziele abzielen (vgl. Perlitz & Schrank, 2013, p. 12). Kehrseite der Internationalisierung ist die zunehmende Komplexität der Unternehmensprozesse (vgl. Meier 2004, p. 175). Betroffen ist dabei auch das Finanzcontrolling. Seine Aufgabe liegt bei einem internationalen Unternehmen verstärkt auf die Abstimmung von Finanzplänen und Zielvorstellungen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft (vgl. Scherm, 2001, p. 366). Je größer und internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, desto komplexer wird die Koordinationsaufgabe für das Unternehmen. Des Weiteren hat ein internationales Unternehmen mehr Regeln zu beachten als ein nationales Unternehmen. Dies erhöht die Anforderung an das Compliancemanagement.

Kapitel 3 Compliance in internationalen Unternehmen

3.1 Begriffserklärung & Übersicht

Compliance wird von dem deutschen Corporate Governance Kodex wie folgt definiert:

,,Der Vorstand hat für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien zu sorgen und wirkt auf deren Beachtung durch die Konzernunternehmen hin (Compliance)'' (Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, 2013, p. 6).

Eine gesetzliche Definition von Compliance existiert in Deutschland jedoch nicht (vgl. Haack & Reimann, 2012, p. 3). Unter Compliance wird daher die Einhaltung von internen und externen Regeln verstanden. Unternehmensinterne Regeln sind vom Unternehmen selbst verfasst, wie bspw. der Verhaltenskodex oder die Unternehmensethik. Sie betreffen von der untersten Hierarchiestufe bis hin zum Vorstand alle Mitarbeiter einer Unternehmens.

Externe Regeln werden von externen Instituten verfasst. Sie können in nationale und supranationale Normen untergliedert werden (vgl. Küpper & Wagenhofer 2002, p. 51). Nationale Gesetze sind für alle Unternehmen derselben Nation gültig. Supranationale Gesetzte werden von einer überstaatlichen Organisationen, z.B. der EU verfasst.

Im folgenden werden die, für ein internationales Unternehmen, besonders relevanten regulatorischen Bestimmungen aufgezeigt (vgl. Peek & Rode, 2010, pp. 1–6; (M.Westphal 2007, pp. 2–5; Becker et al. 2011, pp. 13–18).

1. interne Regelwerke
- Unternehmensethik
- Corporate Governance
- Verhaltenskodex
- Unternehmensrichtlinien
- Budgetvorgaben

2. nationale Regelwerke
- Handels-/ Steuer-/ Aktien-/ Gesellschafts-/ GmbH-Gesetz
- BilMoG
- Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung
- IDW EPS 980
- KonTraG
- Strafgesetzbuch

3. supranationale Regelwerke
- Basler Ausschüsse I/II/III
- Sarbanes-Oxley Act
- Solvency II

Diese Übersicht stellt nur einen kleinen Auszug von Regelwerken dar, welche ein internationales Unternehmen betreffen.

Um diese Vielzahl zu verdeutlichen, werden in der folgender Grafik die grundlegenden Veränderungen bestehender Gesetze und Einführung neuer Vorgaben zwischen 2002 und 2012 aufgezeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Compliance-relevante regulatorische Einflüsse zwischen 2002 und 2012 (Quelle: Peek & Rode, 2010, p. 2)

Je internationaler ein Unternehmen orientiert ist, desto größer wird die Anzahl dieser Vorgaben. Ein ordentliches Compliance Management System (CMS) ist in jedem internationalen Unternehmen Voraussetzung um Regelkonfirmation sicherzustellen. Ein ''Compliance Management [System] als Konkretisierung der Compliance umfasst die Summe der organisatorischen Strukturen, Prozesse und Instrumente, mit denen Risiken und Schäden aufgrund nichtordnungsgemäßen Verhaltens minimiert werden sollen'' (Becker et al. 2011, p. 1). Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) legte in ihren Prüfungsstandards die folgende Elemente als Grundbaustein jedes CMS fest: (IDW EPS 980, 2010, p. 44)

- Compliance Kultur
- Compliance Ziele
- Compliance Risiken
- Compliance Programm
- Compliance Organisation
- Compliance Kommunikation und Information
- Compliance Überwachung und Verbesserung

In Großunternehmen gibt es mittlerweile eine eigene Abteilung für Complianceangelegenheiten, die Complianceabteilung. Diese Abteilung wird von dem Chief Compliance Officer geleitet.

3.2 Theoretische Erklärungsansätze der Compliance

3.2.1 Managementansatz

In der Theorie wird zwischen 2 Erklärungsansätzen zur Umsetzung der Compliance unterschieden, dem Managementansatz und dem Enforcementansatz. Der Ursprung beider Ansätze liegt in dem Handeln von Staaten und deren Einhaltung von Gesetzen. Diese Überlegungen lassen sich auch auf das Handeln von Unternehmen übertragen. Beide Ansätze können mit der Frage unterschieden werden, ob ein Akteur anhand intrinsischer Motivation Regeln befolgt oder nicht (vgl. Deutschbein, 2006, p. 38). Befolgt er Regeln durch intrinsische Motivation, ist eine Regelverstoß ungewollt. Regelverstöße sind gewollt, sobald der Akteur keine intrinsische Motivation besitzt (vgl. Deutschbein, 2006, p. 38).

Der Managementansatz geht von einer intrinsischen Motivation aus. Ein Akteur zeigt selbst den Willen zur Regeleinhaltung, auch wenn dies mit Kosten verbunden ist. Die Unternehmen streben danach, in einer gegebenen Situation das, für Ihr Erachten, Angemessene und Richtige zu tun. Ethnische Gründe und Gründe der Reputation sprechen für diesen Ansatz. Ein Regelverstoß kann bei einem Unternehmen zu Verlusten von Aufträgen oder Absatzrückgang und somit auch zu Gewinneinbußen führen. Ein Regelverstoß bei diesem Ansatz ist grundsätzlich ungewollt und nicht beabsichtigt (vgl. Börzel & Risse, 2001, p. 5).

3.2.2 Enforcementansatz

Dem Modell des Managementansatzes steht der Enforcementansatz gegenüber. Er basiert auf dem Modell der Kosten-Nutzen-Kalkulation.

Nach dem Enforcementansatz haben Unternehmen keine intrinsische Motivation zur Einhaltung von Regeln und Normen. ,,Zweckrational handelnde Akteure konstruieren und halten internationale Normen folglich immer dann ein, wenn sie ihnen helfen, ihre exogen vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die Normeinhaltung wird aber nicht selbst zum Ziel von Akteurshandeln'' (Deutschbein, 2006, p. 41). Eine Norm wird also immer dann eingehalten, wenn sie im Einklang mit den Zielvorstellungen eines Unternehmen stehen. Steht ein Gesetz nicht im Einklang mit einem Ziel wird anhand einer Kosten-Nutzen-Kalkulation ermittelt ob der Verstoß oder die Einhaltung des Gesetzes das bessere Finanzergebnis aufweist. Bringt der Verstoß gegen ein Gesetz und das daraus resultierende Zielerreichen einen positiven Ertrag, so wird das Unternehmen bewusst gegen das Gesetz verstoßen. Sind die Strafen bei einem Verstoß jedoch größer als der erwartete Ertrag, so wird ein Unternehmen das Gesetz einhalten und seine Zielvorstellung ändern. Im Gegensatz zu dem Managementansatz sind Regelverstöße also gewollt und es wird bewusst gegen Regeln verstoßen.

Dieser Ansatz erscheint zunächst ziemlich theoretisch, dennoch lassen sich einige Gesetzesverstöße z.B. Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit auf diesen Ansatz zurückführen.

3.3 Compliance-Verstöße (non-compliance) und deren Folgen

Unter Non-Compliance werden alle Verstöße gegen ein geltendes Recht oder interne Regeln verstanden. Non-Compliance ist das Abweichen von Verhaltensvorgaben (vgl. Böhm, 2011, p. 66). Dabei kann ein einzelner Mitarbeiter selbst oder auch das ganze Unternehmen gegen diese Regeln verstoßen. Die am häufigsten auftretenden Regelverstöße sind Vermögensdelikte, Diebstahl, Verstoß gegen Patentrechte und Korruption (vgl. Bussmann, 2009, p. 12). Bilanzfälschung, der Verstoß gegen internationale Auflagen (z.B. Basel II) oder mangelnde Transparenz stellt ebenso non-compliance dar. Compliance-Verstöße resultiert in Reputationsschädigungen, Haftungsstrafen, Rechtskonsequenzen und können für Unternehmen negative Folgen, teilweise existenzbedrohender Dimension haben (vgl. Schweikert, 2014, p. 6). Desweiteren sind von Geldstrafen, der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen, Gewerbeentzug, Berufsverbot bis hin zu zivil- und strafrechtliche Folgen eine Vielzahl von Bestrafungen möglich (vgl. Böhm, 2011, pp. 68–77). Im Falle internationaler Unternehmen kann sich die Strafe noch um ein weiteres erhöhen, falls in mehreren Ländern gegen Regelwerke verstoßen wird. Speziell in der USA sind Geldstrafen in dreistelliger Millionenhöhe keine Seltenheit.

Das CMS existiert um alle Vorschriften einzuhalten. Sein Ziel ist die Minimierung der Compliance-Verstöße und das Vermeiden von Strafen. Denn die resultierenden Strafen sind meist um einiges höher als der dadurch erwirtschaftete Gewinn bzw. erzielten Einsparungen.

Auf die Aussage, dass ein CMS mit hohen Kosten verbunden ist antwortete der frühere stellvertretende U.S. Justizminister Paul McNulty mit folgenden Worten:

“If you think compliance is expensive, try noncompliance” (Stephan Grüninger, 2014, p. 21).

Diese Worte unterstützen die Argumentation, dass die Implementierung eines CMS sinnvoll ist, da die zu erwartenden Strafen meist höher sind als die Kosten für das CMS.

Kapitel 4 Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen

4.1 Finanzcontrolling als Funktion des Finanzmanagement

Das Finanzmanagement stellt einen der wichtigsten Funktionsbereiche innerhalb Unternehmen dar. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert das Finanzmanagement wie folgt:

Finanzmanagement ,,umfasst die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Maßnahmen zur Mittelbeschaffung (Finanzierung) und Mittelverwendung (Investition)'' (Claudia Breuer & Wolfgang Breuer, 2014).

Sein Ziel ist die Existenzsicherung, d.h. Wahrung der Liquidität und der Ertragssicherung eines Unternehmens (vgl. Horváth et al., 2011, p.16 ff.). Das Aufgabenfeld des Finanzmanagement ist folglich weit gestreut und umfasst von Kapitalbeschaffung, Kapitalverwaltung bis hin zum Risikomanagement eine Fülle verschiedenster Aufgaben.

Das Finanzcontrolling ist hierbei ein Teilbereich des Finanzmanagement und dient primär der Planung/Kontrolle des Finanzmanagement (vgl. Reichmann, 2006, p. 284). Finanzcontrolling kann man als „Steuerungsmaßnahmen zur Koordination innerhalb des Finanzbereichs, zwischen dem Finanzbereich und dem Leistungsbereich sowie zwischen dem Finanzbereich und der Unternehmensführung“ (Küpper & Wagenhofer 2002), p. 532 ff.) definieren. Das Finanzcontrolling ist also für die Koordinierung der Finanzen und für die Abstimmung der Finanzen mit anderen Unternehmensbereichen zuständig (vgl. Ossadnik, 2008, p. 503). Somit erfüllt es eine wichtige Koordinationsfunktion. Die wesentlichen Aufgaben des Finanzcontrollings sind die Informationssammlung, -bearbeitung, -dokumentation und die -weitergabe (vgl. Ossadnik, 2008, p. 503/509).

Ziel des Finanzcontrolling ist es einerseits, durch Überprüfung und Einhaltung spezieller Kennzahlen die Existenz des Unternehmens sicherzustellen. Dies beinhaltet u.a. die laufende Liquidität- und Rentabilitätüberwachung. Anderseits versucht das Finanzcontrolling durch kurz-, mittel- und langfristige Finanzpläne ein Planungsinstrument im Unternehmen zu implementieren. Ziel dessen ist es, Planungssicherheit zu erlangen und mögliche zukünftige Probleme frühzeitig zu erkennen. Somit führt das Finanzcontrolling zu einer höheren Ergebnis-, Finanz- und Strategietransparenz. Dies führt zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit (vgl. Prätsch et al., 2012, p. 247).

Zu guter Letzt ist das Finanzcontrolling für das Berichtswesen zuständig. Das Berichtwesen enthält zusammengefasste Informationen über den Finanzbereich des Unternehmens. Adressaten sind die oberen Managementebenen und mögliche Investoren.

4.2 Ziele des Finanzcontrollings

4.2.1 Liquidität

Unter Liquidität wird die dauerhafte Fähigkeit eines Unternehmens, seine Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können, verstanden. Darunter ist zu verstehen, dass man die Verpflichtung sowohl betragsgenau, also auch zeitpunktgenau erfüllen kann (vgl. Perridon & Steiner, 2007, p. 12). Das Liquiditätsziel ist als strenge Nebenbedingung des Rentabilitätsziel anzusehen, da Zahlungsunfähigkeit neben Überschuldung einen Insolvenzgrund darstellt. Somit ist eine stets vorhandene Zahlungsbereitschaft und ein finanzielles Gleichgewicht für den Verbleib eines Unternehmens unabdingbar (vgl. Reichmann, 2006, p.245; Prätsch et al., 2012, p.11).

Dem Finanzcontrolling kommt hierbei die Aufgabe zu, die Liquidität zu messen, zu planen und zu überwachen. Die Liquiditätslage von Unternehmen lässt sich anhand sogenannter Liquiditätsgrade messen. Sie bemessen das Risiko der Zahlungsunfähigkeit (vgl. Graumann, 2008, p.234). Liquiditätsgrade stellen eine der wichtigsten Kennzahlen eines Unternehmens dar.

Als Einzelaufgaben des Finanzcontrollings lassen sich die strukturelle und laufende Liquiditätssicherung, sowie die Haltung der Liquiditätsreserve ableiten (vgl. Reichmann, 2006, p.254 ff.; Graumann, 2008 p.467). Unter der strukturellen Liquiditätssicherung versteht man eine ausgeglichene Finanzierungs- und Kapitalstruktur, d.h. langfristige Investitionen werden mit langfristigen Krediten und kurzfristige Investitionen mit kurzfristige Krediten gedeckt. Unter der laufenden Liquiditätssicherung versteht man einen Ausgleich von Ein-und Auszahlungen. Die geplanten Einzahlungen werden den geplanten Auszahlungen gegenübergestellt und Liquiditätslücken oder Einzahlungsüberschüsse werden ermittelt. Im Zweifelsfalle muss das Finanzcontrolling eingreifen und zusätzliche liquide Mittel beschaffen und eine Illiquidität zu vermeiden. Die Haltung der Liquiditätsreserve stellt in diesem Zusammenhang eine gewissen Untergrenze von liquiden Mitteln im Unternehmen dar, auf welche in außerplanmäßigen Fällen zurückgegriffen werden kann. Problematisch ist dabei die Bestimmung der Höhe der Liquiditätsreserven, da zum einen durch die Haltung von Bargeld auf Zinserträge verzichtet wird. Zum anderen fallen bei Haltung zu niedriger Liquiditätsreserve möglicherweise höhere Kosten im Falle einer Überschreitung der Kreditlinie an.

4.2.2 Rentabilität

Neben der Liquidität ist die Rentabilität maßgeblich für den Fortbestand einer Unternehmung. Die Rentabilität ist eine Messgröße, welche in Kennzahlen ausgedrückt wird, die das Verhältnis zwischen dem Kapitaleinsatz und dessen Überschuss widerspiegelt (vgl. Prätsch et al. 2012, p.10).

Die Rentabilitätskennzahlen lassen sich in Umsatz-, Gesamtkapital- und Eigenkapitalrentabilität untergliedern (vgl. Graumann, 2008, pp. 249 ff.; Preissner, 2008, p. 212). Aufgabe des Finanzcontrollings ist hierbei die Berechnung, Überwachung und Kontrolle dieser Kennzahlen. Ein dauerhaftes unrentables Wirtschaften (negative Rentabilität) führt zu einer Überschuldung, welches gemäß §19 der Insolvenzordnung zur Insolvenz führt (vgl. InsO, §19, 2013).

4.2.3 Risikovermeidung

Ein elementares Ziel jedes Unternehmens ist die Risikovermeidung. Das bedeutet, dass es im Sinne eines Unternehmens ist, unberechenbare Risiken zu vermeiden und stattdessen Planungssicherheit zu implementieren. Die Identifikation und Analyse riskanter Geschäfte im Finanzmanagementbereich fallen in den Handlungsbereich des Finanzcontrollings. Mit der Einführung des KonTraG wurden bereits im Jahr 1998 deutsche Unternehmen zur Einrichtung eine Risikomanagementsystems verpflichtet, welches den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen aufzeigen soll (vgl. Weber & Schäffer, 2011, p. 247).

4.2.4 Bonität

Unter Bonität wird die wirtschaftliche Rückzahlungsfähigkeit von Krediten verstanden. Insbesondere nach Basel II hat die Rolle der Bonität für Unternehmen stark an Bedeutung gewonnen. Die Bonität hat große Auswirkungen auf die Vergabe von Krediten und deren Verzinsungen. Mit einer guten Bonität ist es leichter Kredite genehmigt zu bekommen. Ein schlechtes Rating verringert diese Chance. Ratings bilden eine objektive Darstellung der Bonität (vgl. Mensch, 2008, p. 13). Ein weiteres Aufgabenfeld des Finanzcontrollings ist für die Einhaltung einer möglichst guten Bonitätsstruktur zu sorgen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668401938
ISBN (Buch)
9783668401945
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353844
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Schlagworte
Finanzcontrolling Compliance Internationales Unternehmen Managementansatz Enforcementansatz Sarbanes-Oxley Act Internationales Management

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Titel: Finanzcontrolling als Instrument der Compliance bei internationalen Unternehmen